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Faun, ziegenbeiniger Ortsgeist des wilden Waldlandes

Der Faun ist Geist der römischen Tradition.

Ziegenbeiniger Waldgeist, dem der panische Schrecken folgt. Als Ortsgeist des wilden Waldlandes verkörpert der Faun plötzlichen Schrecken und ländliche Fruchtbarkeit.

GeistRom

Inhaltsverzeichnis

Faun, Geist der römischen Überlieferung
Faun

Faune sind die ziegenbeinigen Wald-, Weide- und Feldgeister Roms, das lateinische Gegenstück zu den griechischen Satyrn. Als Ortsgeister des ungezähmten Waldlandes sind sie mit Fruchtbarkeit, Wildnis und dem plötzlichen, panischen Schrecken der Einsamkeit verbunden.

Entstanden sind sie als pluralische Vervielfältigung des einen Gottes Faunus, analog zu den kleinen Panen im Gefolge des griechischen Pan. Der Faun im Singular ist damit der einzelne Waldgeist dieser Klasse, nicht der Gott selbst.

Auf einen Blick: Faun

Typ: Ziegenbeinige Wald-, Weide- und Feldgeister, Ortsgeister der Wildnis
Herkunft: Latium und das römische Italien
Texte: römische Literatur ab dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr., Vergil, Ovid
Zeitraum: Antike
Erscheinung: Mischwesen halb Mensch, halb Ziege, mit Hörnern und Schwanz

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

In der römischen Literatur ab dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. gut belegt; die klassische Dichtung von Vergil bis Ovid hält die Gestalt fest.

Verbreitungsraum

Latium und das römische Italien; als Bildmotiv verbreitete sich der Faun reichsweit.

Quellenlage

Gut: die römische Dichtung, allen voran Vergil und Ovid, dazu eine reiche bildliche Überlieferung.

Name und Varianten

Lateinisch: Fauni, die pluralische Vervielfältigung des einen Gottes Faunus, gebildet analog zu den kleinen Panen im Gefolge des griechischen Pan. Der Name der Geisterklasse leitet sich also direkt vom Gott ab, von dem sie sich herschreibt.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Faune wurden mit Hörnern und den behaarten Beinen einer Ziege sowie dem Torso eines Mannes dargestellt, in der klassischen Ikonografie oft mit Panflöte, Trauben oder Hirtenstab. Wichtig ist die Abgrenzung: Der römische Faun hat Ziegenbeine und steht für Fruchtbarkeit, der griechische Satyr trägt häufig Pferde- oder Eselsohren und steht stärker für Ausschweifung; die Verschmelzung ist eine spätere Angleichung.

Wirkung

Als Ortsgeister bewohnen die Faune Haine, Lichtungen und einsame Waldstriche. Symbolisch stehen sie für Fruchtbarkeit, Naturverbundenheit und die ambivalente, wilde Kraft der unberührten Landschaft. Ihnen wird der plötzliche Schrecken zugeschrieben, der Wanderer in der Wildnis überkommt, das lateinische Motiv des panischen Schreckens, das vom griechischen Pan übernommen wurde.

Steckbrief: Faun

Die wichtigsten Aspekte der römischen Waldgeister auf einen Blick.

Kulturkontext

Ortsgeister des ungezähmten Waldlandes Roms, Pluralbildung des Gottes Faunus; gebildete, hellenisierende Römer verbanden sie mit den griechischen Satyrn.

Bezogen auf

Hirten, Bauern und Wanderer in Wald und Wildnis, die den Faunen in Hainen, auf Lichtungen und in einsamen Waldstrichen begegnen.

Darstellung

Mischwesen halb Mensch, halb Ziege, mit Hörnern und Schwanz; in der klassischen Ikonografie oft mit Panflöte, Trauben oder Hirtenstab.

Wirkungsbereich

Fruchtbarkeit und Wildnis, dazu der plötzliche, panische Schrecken, der Wanderer in der Waldeinsamkeit überkommt.

Umgang

Kein eigenständiger Staatskult: Die Verehrung lief über Faunus mit den Festen Faunalia und Lupercalia; ländlich gehörten rustikale Gaben und Tänze dazu.

Abgrenzung

Der griechische Satyr als nächstes, aber eigenständiges Gegenstück, dazu Pan mit den kleinen Panen und der ältere, weinselige Silenos.

Vom Gott Faunus zur Schar der Faune

Die Faune sind die pluralische Vervielfältigung des einen Gottes Faunus, analog zu den kleinen Panen im Gefolge des griechischen Pan. Sie gelten als Ortsgeister unbebauten Waldlandes, als Bewohner jener Landschaft, die der römische Bauer nicht unter den Pflug genommen hatte.

Gebildete, hellenisierende Römer verbanden ihre Faune mit den griechischen Satyrn, den wilden Gefolgsleuten des Dionysos, obwohl beide Gestalten ursprünglich verschiedenen Ursprungs waren. Die heute geläufige Gleichsetzung von Faun und Satyr ist damit das Ergebnis einer literarischen Angleichung, nicht der gemeinsame Ausgangspunkt beider Überlieferungen.

Rezeption und Abgrenzung

Faun und Satyr sind bis heute feste Motive in Kunst, Literatur und Fantasy, prominent in Guillermo del Toros Film Pans Labyrinth von 2006 und in C. S. Lewis’ Narnia als der freundliche Faun Herr Tumnus.

Religionswissenschaftlich ist der Faun ein Naturgeist und Genius loci des Waldes, eine kollektive Pluralbildung einer Waldgottheit. Zwei Klarstellungen sind wichtig: Faun und Satyr sind nicht dasselbe, sie wurden nachträglich angeglichen und unterscheiden sich in Herkunft, Aussehen und Bedeutung. Und der Faun als Geisterklasse ist vom Gott Faunus zu trennen, von dem er sich lediglich ableitet.

Besänftigung der Waldgeister

Faune besaßen keinen eigenständigen Staatskult; die Verehrung lief über den Gott Faunus mit den Festen Faunalia und Lupercalia. In der ländlichen Praxis gehörten rustikale Gaben und Tänze zur Besänftigung der Waldgeister. Gegen den panischen Schrecken der Waldeinsamkeit galt der Klang von Glocken als schützendes Zeichen, und ein getragenes Schutzzeichen begleitete den Umgang mit den Geistern der Wildnis.

Faun, Satyr, Pan: die Verwandtschaft

Der Faun entspricht dem griechischen Satyr, dem nächsten, aber eigenständigen Gegenstück, dem griechischen Pan und den kleinen Panen sowie dem Silenos, dem älteren, weinseligen Satyrtyp. Innerhalb der römischen Tradition stehen ihm der Gott Faunus, von dem sich die Faune ableiten, und der Waldgott Silvanus am nächsten.

Häufige Fragen zum Faun

Sind Faun und Satyr dasselbe?

Nein. Sie wurden nachträglich angeglichen, unterscheiden sich aber in Herkunft, Aussehen und Bedeutung: Der Faun ist römisch und steht für Fruchtbarkeit, der Satyr griechisch und stärker für Ausschweifung.

Haben Faune Ziegen- oder Pferdebeine?

Ziegenbeine und Hörner. Pferde- oder Eselsmerkmale gehören eher zum griechischen Satyr.

Wovor fürchtet man sich?

Vor dem panischen Schrecken, der Wanderer in der Waldeinsamkeit überkommt; er wurde den Faunen als Ortsgeistern der Wildnis zugeschrieben.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Vergil: Georgica und Aeneis.
  • Ovid: Fasti.
  • Hutton, Ronald: The Pagan Religions of the Ancient British Isles. Oxford 1991.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als römische Waldgeister stehen die Faune für die wilde Seite Latiums: ziegenbeinige Naturgeister, die Fruchtbarkeit schenken und Wanderern zugleich den panischen Schrecken der Einsamkeit einjagen können.

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