Isis ist Göttin der ägyptischen Tradition.
Göttin der Magie, Mutter, Heilung und Wiederauferstehung. Isis ist die Zauberin, die ihren zerstückelten Ehemann Osiris wieder zusammensetzt und sein Kind Horus im Verborgenen aufzieht.
Mit Krone oder Stirnzeichen, in Flügeln und weiblicher Macht, ist sie nurturierend ebenso wie magisch aktiv, nicht nur Mutter, sondern Handelnde. Ihr Kult überdauerte die ägyptische Zivilisation und verbreitete sich bis nach Rom, wo sie noch in der Spätantike verehrt wurde.
Typ: Ägyptische Hauptgottheit, Mutter-, Magie– und Totenschutz-Göttin
Pantheon: Ägypten, später Mittelmeer-weit (hellenistisch und römisch)
Funktion: Mutterschaft, magische Heilung, Schutz der Toten, Auferstehung
Hauptattribute: Thron-Hieroglyphe auf dem Kopf, Sonnenscheibe mit Kuhgehörn, Knoten-Amulett (Tit)
Hauptkultorte: Philae (Insel im Nil), Behbeit el-Hagar, Pompeji, Rom
Griechische Identifikation: Isis (unverändert übernommen)
Isis ist seit der 5. Dynastie (ca. 2400 v. Chr.) belegt, in den Pyramidentexten als Schwester und Gemahlin des Osiris. Ihre Bedeutung wächst kontinuierlich, im Mittleren und Neuen Reich wird sie zur wichtigsten Göttin.
In hellenistischer Zeit (3. Jh. v. Chr. ff.) verbreitet sich der Isis-Kult über das gesamte Mittelmeer; in römischer Zeit ist Isis eine der populärsten Gottheiten des Imperiums, mit Tempeln von Britannien bis Mesopotamien. Der letzte Isis-Tempel von Philae wurde erst 537 n. Chr. unter Justinian geschlossen.
Ägyptische Hauptkultorte: Philae (Insel im 1. Katarakt, ihr berühmtester Tempel), Behbeit el-Hagar (Delta, großer ptolemäischer Tempel), Abydos (Verbindung zum Osiris-Kult). Außerägyptisch: Pompeji, Rom (Iseum Campense), Delos (Hellenistische Diaspora), London (Iseum am Walbrook). Mit der christlichen Spätantike erlischt der Kult schrittweise.
Zentrale Quellen: die Pyramidentexte (Spr. 532, 670), die Geschichte von Isis und Re (Magie–Mythos), Plutarchs Schrift De Iside et Osiride (größte griechisch-römische Quelle), Apuleius’ Roman Metamorphosen (Buch XI: Isis-Initiation), die Inschriften des Philae-Tempels.
Sekundärliteratur: Witt, Isis in the Greco-Roman World; Münster, Untersuchungen zur Göttin Isis; Bonnet, Reallexikon.
Isis wird mit einer Thron-Krone auf der Stirn dargestellt (das Hieroglyphen-Zeichen für Throne) oder als sitzendes Weibchen mit Horns und Sonnenscheibe. Oft trägt sie große Falkenflügel, nicht als Vogel, sondern als schützende Kraft.
Der Ankh (das Kreuz mit Henkel), Symbol der Lebenskraft, liegt in ihrer Hand. Der Uräus (Schlange) schmückt ihre Stirn. In Papyri wird sie mit lockigem Haar und ägyptischer Tracht gezeigt, manchmal mit Osiris oder mit Horus an der Brust.
Isis ist die Zauberin des Wiederaufbaus. Nach Sets Ermordung des Osiris sammelt Isis die Glieder ihres Ehemanns, beschwört ihn zurück ins Leben und empfängt von ihm das Kind Horus. Ihre Magie (Heka) ist nicht böse, sondern lebenserhaltend.
Im Tempel von Philä wurde sie täglich in Riten angerufen, Priesterinnen sangen ihr Hymnen, Gläubige brachten Opfer. Sie war die Schutzherrin der Frauen, Mütter und Hebammen. Im Ptolemäischen und Römischen Imperium wurden Mysterienriten zu Ehren der Isis begangen, ähnlich den Eleusinischen Mysterien.
Erscheinung und Symbolik
Isis wird zumeist als Frau mit einer Diadema-Tempel gekrönt vom Thron-Hieroglyph (ihr Name bedeutet wörtlich „Thron“) dargestellt. In ihrer Hand trägt sie das Ankh-Kreuz, das Symbol ewigen Lebens. An ihrer Seite sind oft Falkenflügel abgebildet, die sie um den sterbenden Osiris zitternd breitet.
Das Sistrum ist ihr heiliges Instrument. Ihre Farbe ist tiefes Blau oder Gold. Sie wird auch als schwarze Kuh oder als Falke mit Frauengesicht dargestellt, in ihrer psycho-pompen Rolle als Führerin von Seelen.
Die wichtigsten Aspekte von Isis auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und Parallelen zusammen.
Isis ist Tochter des Geb (Erdgott) und der Nut (Himmelsgöttin), Schwester und Gemahlin des Osiris, Schwester von Set und Nephthys, Mutter des Horus. Im Osiris-Mythos rekonstruiert sie den von Set zerstückelten Körper ihres Mannes, durch ihre Magie wird Osiris zum ersten Toten, der ins Jenseits eingeht und dort herrscht.
Mutter, Witwe, Magierin, Schutzherrin der Toten und Heilerin. Auferstehungsmysterien um sie und Osiris waren ein Hauptelement des hellenistisch-römischen Isis-Kults, Initiierte erlebten symbolisch Tod und Wiedergeburt. Für Frauen war sie Patronin in allen Lebensphasen. Heilgöttin: Heilungstexte werden ihr seit der Spätzeit zugeschrieben (Isis-Magie auf den heilenden Stelen).
Anthropomorph als Frau mit Thron-Hieroglyphe (ihr Name Aset bedeutet „Thron“) auf dem Kopf, oder mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe (Hathor-Krone, die sie spät übernimmt). Häufig sitzend mit dem Horus-Kind auf dem Schoss, eine Ikonographie, die das frühchristliche Maria-mit-Kind-Bild beeinflusst hat. In der hellenistischen Welt häufig im griechischen Gewand, mit Sistrum und Situla (rituellem Eimer).
Wirkungsbereich: Isis war die Göttin, an die sich Menschen aller Stände und Geschlechter wendeten, in römischer Zeit besonders Frauen, Sklaven und Befreite. Die Isis-Mysterien (Initiationskult) versprachen Schutz im Diesseits und glückliches Jenseits.
Tempel waren typischerweise Öffnungs-, Mittag- und Schließungs-Riten unterworfen, Priester rasierten Körper und trugen weißes Leinen. Apuleius beschreibt das Isis-Erlebnis als die zentrale spirituelle Wende seines Lebens.
Thron-Hieroglyphe (auf dem Kopf), Tit-Knoten (Isis-Knoten, Schutz-Amulett), Sistrum, Situla (rituelles Wassergefäss), Sonnenscheibe mit Kuhgehörn, ausgebreitete geflügelte Arme (Schützerin der Toten), Lotos. In der Spätzeit: Sothis-Stern (Sirius). Pflanze: Persea-Baum.
Hathor (Ägypten, späte Verschmelzung), Demeter (Griechenland, Mutter und Mysterien-Vermittlerin), Aphrodite (Liebe und Mutterschaft), Inanna/Ishtar (Mesopotamien, Macht-Göttin), Astarte (Phönizien), Maria (christliche Tradition, ikonographische Kontinuität der Isis-Lactans-Darstellung). Im weiteren Vergleich: Lakshmi (Hinduismus), Kuan-Yin (Buddhismus, Mitleids-Göttin).
Verehrung im Alltag
Rituale und Anrufungen
Das Fest Navigium Isidis eröffnete die Schifffahrtssaison. Die Mysterienweihe der Isis schildert Apuleius im elften Buch seiner „Metamorphosen“; in ihren Heiligtümern sind außerdem Heilschlaf-Riten bezeugt.
Beschwörungen und Anrufungen
Textüberlieferung und Formeln
Die Pyramidentexte, der Isis-Osiris-Mythos in Plutarchs Schrift „De Iside et Osiride“, die Zauberzählung von Isis und dem geheimen Namen des Re sowie die Isis-Aretalogien der griechisch-römischen Zeit überliefern ihre Gestalt.
Amulette und Schutzsymbole
Materielle Apotropäika und archäologische Belege
Der Tit-Knoten, das „Isisblut“-Amulett aus rotem Stein, Figuren der säugenden Isis (Isis lactans) und Isis-Amulette waren im gesamten römischen Mittelmeerraum verbreitet.
Isis ähnelt Demeter (Mutter, Trauer, Wiederauferstehung), Hera (Königin und Gattin), Aphrodite (Sexuelle Kraft). Ihr Motiv der Wiederauferstehung findet sich in zahlreichen Kulturen, Persephone (Griechenland), Inanna (Mesopotamien). Die Figur der zaubernden Mutter ist universal; Isis verkörpert sie mit besonderer ritueller und literarischer Ausführung. Später wird sie zur proto-Mariengestalt, was wahrscheinlich koptische und christliche Ikonographie prägte.
Die zentrale Erzählung um Isis ist der Mythos von Osiris. Ihr Bruder und Gemahl Osiris wird von seinem Bruder Seth ermordet, in einigen Fassungen in einen Sarg gesperrt und in den Nil geworfen, in anderen in Stücke zerteilt und über das Land verstreut.
Isis durchwandert das Land, sucht die Teile des Leichnams zusammen und setzt den Körper des Osiris wieder zusammen. Mit Hilfe ihrer magischen Fähigkeiten erweckt sie ihn so weit zum Leben, dass sie von ihm den Sohn Horus empfangen kann.
Eine geschlossene, durchlaufende Erzählung dieses Mythos ist aus ägyptischen Quellen selbst nicht überliefert.
Wir kennen ihn vor allem aus zahlreichen Anspielungen in Pyramidentexten, Sargtexten, Hymnen und rituellen Texten sowie in einer ausführlichen, allerdings griechisch geschriebenen und deutend bearbeiteten Fassung des Plutarch in seiner Schrift Über Isis und Osiris.
Die Ägyptologie muss den Mythos daher aus vielen Bruchstücken rekonstruieren und dabei berücksichtigen, dass die einzelnen Quellen aus sehr verschiedenen Zeiten stammen.
Im Mythos verkörpert Isis mehrere zusammengehörige Rollen: die treue Gattin, die um den Toten trauert, die mächtige Zauberin, die Leben wiederherstellt, und die Mutter, die den Erben aufzieht und schützt.
Diese Verbindung von Trauer, magischer Wirkmacht und Mutterschaft macht ihre besondere Stellung aus. Der Mythos diente zugleich der Königsideologie, denn der verstorbene König wurde mit Osiris, der lebende mit Horus gleichgesetzt, und Isis war damit zugleich Mutter des amtierenden Pharao.
Isis galt den Ägyptern als die wirkungsmächtigste unter den Gottheiten der Magie. Ihr ägyptischer Name Aset verbindet sich mit dem Begriff für Thron, doch ihre Bedeutung erschöpft sich nicht in dieser Verbindung. In zahlreichen Texten erscheint sie als die Göttin, die heilende und schützende Sprüche kennt, die Krankheiten bannt und gefährliche Tiere abwehrt.
Ein bekannter Text erzählt, wie Isis sich durch eine List Macht über den Sonnengott Re verschafft. Sie formt aus seinem Speichel und aus Erde eine giftige Schlange, die Re beißt.
Da nur Isis das Gift bannen kann, zwingt sie den leidenden Sonnengott, ihr seinen geheimen, wahren Namen zu nennen, denn die Kenntnis des Namens verleiht Macht über sein Träger. Diese Erzählung zeigt die ägyptische Vorstellung von der Kraft des Wissens und des Wortes und stellt Isis als überlegene Beherrscherin dieser Kunst dar.
Im Alltag hatte das praktische Folgen. Zahlreiche Schutzsprüche für Mutter und Kind beriefen sich auf Isis, weil sie im Mythos das Horuskind in den Sümpfen des Nildeltas vor Schlangen, Skorpionen und der Verfolgung durch Seth bewahrt hatte.
Auf den sogenannten Horusstelen oder Horuscippi, kleinen Steinplatten mit Bildern und Sprüchen, wurde Wasser über die Darstellung gegossen und dann als heilkräftig getrunken. Die Religionswissenschaft sieht in Isis damit ein Beispiel dafür, wie eng in Ägypten Mythos, Heilkunde und Schutzpraxis miteinander verflochten waren.
In hellenistischer und römischer Zeit wurde Isis zu einer Gottheit von weit überägyptischer Bedeutung. Ausgehend von Ägypten, besonders von Alexandria, verbreitete sich ihr Kult über den gesamten Mittelmeerraum.
Händler, Soldaten und Reisende trugen ihn weiter; Isisheiligtümer sind unter anderem auf der Insel Delos, in Pompeji, in Rom selbst und bis nach Britannien und an den Rhein nachgewiesen.
Dieser Isiskult war kein einfacher Export der altägyptischen Religion, sondern eine Umformung.
Isis nahm Züge griechischer Göttinnen auf und wurde zu einer Gottheit, die für viele Lebensbereiche zuständig erschien: für die Seefahrt, für das Schicksal, für Fruchtbarkeit und für die Hoffnung auf ein gutes Los nach dem Tod.
Es entwickelten sich Mysterienweihen, also Initiationsriten, die den Eingeweihten eine besondere Nähe zur Göttin und eine Aussicht auf Rettung versprachen.
Der römische Autor Apuleius hat in seinem Roman Der goldene Esel im elften Buch eine eindrucksvolle, wenn auch literarisch gestaltete Schilderung einer solchen Isisweihe gegeben.
Die römische Obrigkeit stand dem Kult zeitweise misstrauisch gegenüber und ging in der späten Republik mehrfach gegen die Isisheiligtümer in Rom vor. In der Kaiserzeit jedoch setzte sich der Kult durch und genoss zeitweise kaiserliche Förderung.
Erst mit dem Aufstieg des Christentums verlor er an Boden und erlosch in der Spätantike. Die Forschung diskutiert seit langem, in welchem Maß die Isisverehrung, etwa das Bild der thronenden Göttin mit dem Kind, auf die christliche Mariendarstellung eingewirkt hat.
Hier ist Zurückhaltung geboten: Es gibt Berührungspunkte in der Bildsprache, aber ein direkter, einfacher Ableitungszusammenhang lässt sich nicht beweisen.
In der ägyptischen Kunst ist Isis an bestimmten Merkmalen zu erkennen. Häufig trägt sie auf dem Kopf das Hieroglyphenzeichen für Thron, das ihren Namen schreibt. In späterer Zeit, vor allem als sie eng mit der Göttin Hathor verschmilzt, erscheint sie mit dem Gehörn und der Sonnenscheibe.
Ein verbreiteter Bildtyp zeigt sie sitzend, wie sie das Horuskind auf dem Schoß stillt; dieser Typus, in der Forschung oft Isis lactans genannt, war besonders in griechisch-römischer Zeit weit verbreitet.
Ein eigenes Symbol ist der sogenannte Isisknoten, ägyptisch tit, ein schleifenartiges Zeichen, das als schützendes Amulett getragen wurde und oft gemeinsam mit dem Djed-Pfeiler des Osiris erscheint. Auch trauernde Darstellungen der Isis, häufig mit ausgebreiteten geflügelten Armen, schützen in Gräbern und auf Särgen den Verstorbenen.
Der bedeutendste erhaltene Isistempel steht auf der Insel Philae im Süden Ägyptens. Er wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg ausgebaut, vor allem in ptolemäischer und römischer Zeit, und blieb eines der letzten arbeitenden Heiligtümer der altägyptischen Religion; noch im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde der Kult dort offiziell beendet.
Wegen des Baus der Staudämme bei Assuan wurde der gesamte Tempelkomplex im 20. Jahrhundert in einer großen internationalen Aktion abgetragen und auf einer höher gelegenen Nachbarinsel wieder aufgebaut. Philae zeigt anschaulich, wie lang die Verehrung der Isis reichte, von den frühen Pyramidentexten bis fast tausend Jahre nach dem Ende des pharaonischen Ägypten.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Isis (ägyptisch Aset, die Thron-Sitzende) ist die zentrale Göttin des ägyptischen Pantheons, Gemahlin und Schwester des Osiris, Mutter des Horus, Verkörperung magischer Macht (Heka). Im Osiris-Mythos sammelt sie die zerstückelten Glieder ihres Mannes und erweckt ihn durch magisches Wissen zum Leben.
Sie schützt ihren Sohn Horus durch Verwandlung in einen Geier und führt ihn versteckt durch das Schilfdickicht von Chemmis auf. Isis gilt als Göttin der Mutterliebe, der Magie, der Schiffahrt und der Schicksalswende.
Der Isis-Kult war einer der wichtigsten orientalischen Kulte im hellenistisch-römischen Reich. Bereits im 4. Jh. v. Chr. begann seine Hellenisierung in Alexandria. Im 1. Jh. v. Chr. erreichte er Rom, trotz mehrfacher Verbote durch den Senat (zu fremd, zu populär bei Frauen und Sklaven).
Mit Kaiser Caligula wurde Isis offiziell anerkannt. Der Kult breitete sich von Britannien bis Mesopotamien aus. Apuleius (Metamorphosen, Buch 11, 2. Jh.) beschreibt eine Isis-Initiation in beeindruckender Detailfülle. Erst die christliche Wende ab 391 n. Chr. beendete den Isis-Kult.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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