Nephthys ist Göttin der ägyptischen Tradition.
Schwester von Isis und Osiris, Schutzgöttin der Toten, Göttin der Grenzflächen. Nephthys steht im Schatten ihrer berühmteren Schwester Isis, doch sie ist nicht minder mächtig, sondern auf andere Weise essentiell.
Sie schützt die Verstorbenen auf ihrer Reise ins Jenseits, sie kennt die dunklen Wege und die Geheimen Namen. Mit leuchtenden Hieroglyphen-Zeichen auf ihrer Stirn, eher fern als nah, ist Nephthys die Göttin der Transformation und der notwendigen Einsamkeit.
Typ: Ägyptische Hauptgottheit, Schwester der Isis, Toten- und Klagegottheit
Pantheon: Ägypten (alle Dynastien)
Funktion: Klage um Osiris, Totengeleit, Schutz der Mumien, Hilfe bei der Geburt
Hauptattribute: Hieroglyphisches Hauszeichen mit Schale auf dem Kopf, ausgebreitete Flügel
Hauptkultorte: Hut-Sechem (Heliopolis-Region), Diospolis Parva, gemeinsame Heiligtümer mit Isis
Geschwister: Isis, Osiris, Set
Nephthys ist seit den Pyramidentexten (Spr. 218, ca. 24. Jh. v. Chr.) belegt. Hauptblütezeit ihrer Theologie: Mittleres und Neues Reich, in der Osiris-Mythologie zentral als Klage-Schwester. Anders als Isis hat Nephthys nur wenige eigene Tempel, ist aber als Schutzfigur in jedem Sarkophag, jedem Tempel und jeder Toten-Stele präsent.
In ptolemäischer Zeit zunehmend mit Isis verschmolzen oder als deren ältere Schwester verstanden. Die Klagelieder von Isis und Nephthys (mehrere überlieferte Hymnenfassungen) gehören zu den berühmtesten Texten der ägyptischen Liturgie.
Hauptkultorte: Hut-Sechem (Heliopolis-Region), Diospolis Parva (in Oberägypten). Häufiger als eigene Tempel: gemeinsame Heiligtümer mit Isis, das Schwesternpaar war ikonografisch oft untrennbar. In jedem Tempel des Osiris (Abydos, Philae) hatte Nephthys ihre eigene Cella oder Nische. In der Spätzeit (1. Jahrtausend v. Chr.) als Klagefigur in jedem Beerdigungs-Ritual zentral.
Zentrale Quellen: Pyramidentexte (Spr. 218, 535, 670), Sargtexte, Totenbuch (Spr. 17, 151), die Klagelieder von Isis und Nephthys (Bremner-Rhind-Papyrus, P. Berlin 3008), Plutarchs De Iside et Osiride. Sekundärliteratur: Münster, Untersuchungen zur Göttin Isis (Nephthys-Aspekte); Bonnet, Reallexikon; Wilkinson, Complete Gods and Goddesses; Pinch, Egyptian Mythology.
Nephthys wird mit der Haus–Hieroglyphe auf ihrer Stirn gezeigt (ihr Name bedeutet «Hausherrin»), oder mit zwei Federn. Sie trägt oft schwarze oder dunkle Gewänder, nicht als Zeichen des Bösen, sondern der Trauer und des nächtlichen Schutzes.
Manchmal hat sie Falkenflügel. Ihre Darstellung ist weniger dekorativ als die Isis‘, eher düster, aber nicht ohne Würde. Der Uräus (Schlange) schmückt manchmal ihre Stirn. In Grab-Szenen wird sie neben Isis gezeigt, beide über den Leichnam gebeugt.
Nephthys schützt die Verstorbenen auf ihrer Reise ins Jenseits. Sie singt Klage-Hymnen, die den Toten stärken. Im Totenbuch wird sie angerufen, um Hindernisse zu überwinden und Namen geheimer Wächter zu erkennen.
Priesterinnen spielten die Rolle der Nephthys in Bestattungsriten, sie trugen dunkle Gewänder und sangen Klage-Gesänge. Nephthys wird auch als Göttin der Unfruchtbarkeit und des Unglücks verstanden, nicht böse, sondern notwendig. Sie ist Göttin der Grenzen, des Übergangs zwischen Leben und Tod. Mumien wurden ihr Schutz anvertraut.
Nephthys wird dargestellt als Frau mit einer Krone aus zwei Federn und einer Einlegearbeit des Namenszeichens, oder mit Flügeln, ähnlich einem Falken. Sie trägt ein langes Kleid und wird oft mit dunkelbrauner oder dunkelblauer Hautfarbe gemalt, um ihre Verbindung zum westlichen Dunkel zu symbolisieren.
Häufig wird sie neben ihrer Schwester Isis gezeigt, schreitend oder trauernde. Ihr Attribut ist das brennende Haus oder die brennende Lampe, Symbole der Feuer-Transformation im Tode.
Die wichtigsten Aspekte von Nephthys auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Nephthys (ägyptisch Nebt-Hut, „Herrin des Hauses“) ist Tochter des Geb (Erdgott) und der Nut (Himmelsgöttin), Schwester von Osiris, Isis und Set. Gemahl des Set, in einer Tradition aber Mutter des Anubis (aus einer Affäre mit Osiris, Nephthys gibt das Kind aus Furcht vor Set heraus, Isis zieht es auf).
Im Osiris-Mythos zentrale Vermittler-Funktion: anders als ihr gewaltsamer Mann Set steht Nephthys auf der Seite ihrer Schwester Isis und hilft, den ermordeten Osiris zu suchen und zu beklagen.
Schwesterliche Klage um den ermordeten Osiris, in der ägyptischen Toten-Tradition wird sie mit Isis als Klage-Doppel angerufen.
Schutz der Mumien, ihre ausgebreiteten Flügel umhüllen die Verstorbenen, häufig als Sarkophag-Symbol. Totengeleit, sie steht (oft mit Isis) am Toten-Bett und beschützt die Seele auf dem Weg ins Jenseits. Geburts-Helferin, in einigen Traditionen Patronin der Geburtshelferinnen. Im Volkskult auch Schutz vor dämonischen Mächten.
Anthropomorph als schöne Frau, oft mit ausgebreiteten Flügeln (Schutz-Geste). Auf dem Kopf das hieroglyphische Hauszeichen mit Schale, ihr Name Nebt-Hut bedeutet wörtlich „Herrin des Hauses“ (= des Tempels).
Langes mehrlagiges Gewand, häufig in Klage-Gestus mit der Hand vor dem Gesicht. Auf Sarkophagen oft als geflügelte Schutzfigur am Kopfende dargestellt (Isis am Fußende). Häufig in der Begleitung der Totengeleitsgötter (Anubis, Thoth).
Wirkungsbereich: Nephthys wurde in jedem ägyptischen Bestattungs-Ritual angerufen, das Klagepaar Isis-Nephthys war zentraler Bestandteil. In den Klageliedern von Isis und Nephthys spricht jede der Schwestern abwechselnd, klagt um den ermordeten Osiris/den Verstorbenen. Im persönlichen Kult Anrufung um Schutz der Mumie der Verstorbenen, um Hilfe in Geburtswehen. In ptolemäischer Zeit auch in den Isis-Mysterien mitverehrt.
Hieroglyphisches Hauszeichen mit Schale (auf dem Kopf), ausgebreitete Flügel (Schutz-Geste), Was-Zepter, Anch, Klage-Gestus mit Hand vor dem Gesicht. Heilige Pflanze: Sykomorenbaum. Heilige Tiere: Falke (in einigen Traditionen), Drachenbaum-Pflanze.
Isis (Ägypten, Schwester, oft untrennbar als Klage-Doppel), Hekate (Griechenland, Wegkreuzungen, Tod, partielle Parallele), Persephone (Griechenland, Toten-Königin), Hel (Germanisch, Toten-Halb-Schwester-Halb-Tote), Maman Brigitte (Vodou, Friedhofs-Loa, Klage-Funktion), Yamuna (Hinduismus, Schwester von Yama, Toten-Begleiterin). Funktional: jede Klagefigur, die mit ihrer Schwester zusammen den Toten weint, teilt Nephthys-Aspekte (besonders die Marien am Grab in der christlichen Tradition).
Nephthys (ägypt. Nebet-Het, „Herrin des Hauses“) ist Schwester von Isis, Osiris und Set, Gemahlin Sets. Sie tritt zusammen mit Isis als Klagefrau für den toten Osiris auf, die zentrale ägyptische Toten-Klagefigur.
Hauptkultorte sind Sepermeru (12. oberägyptischer Gau) und Diospolis Parva. Im Toten-Ritual stellten zwei Priesterinnen die Klagefrauen Isis und Nephthys dar (Lamentations of Isis and Nephthys, ptolem. Ritualtext, vgl. Wilkinson).
Die „Klagen der Isis und Nephthys“, koptisch erhaltene Hymnen aus dem ptolemäischen Tempelritual, sind die zentrale liturgische Anrufung. Die Pyramidentexte (Spr. 532) und Sargtexte (CT 38) integrieren Nephthys in die Toten-Liturgie. Sie ist Schützerin des Kanopen-Krugs für die Lunge.
Nephthys-Amulette aus Fayence oder Halbedelsteinen wurden Toten als Beigabe ins Grab gelegt. Sie tragt das Nebet-Het–Symbol auf dem Kopf. Ihre Tempelbilder zeigen sie mit ausgebreiteten Schwingen als Schutzgöttin (vgl. Bilder im Tutanchamun-Schrein, Kairo). Apotropäische Wedjat-Augen mit ihrem Namen für Toten-Schutz.
Nephthys ähnelt Persephone (Griechenland), eine Göttin der Unterwelt und des Übergangs. Sie teilt Züge mit Hécate (Griechenland), Göttin der nächtlichen Grenzen. Sie erinnert an Skadi (Skandinavien), eine Göttin von Wildnis und Einsamkeit. Das Motiv der Grenzgöttin ist universal; Nephthys ist eine melancholische, aber kraftvolle Ausformung.
Die wichtigste mythologische Rolle der Nephthys liegt in ihrer Verbindung zum Osiris-Mythos. Nach der Ermordung des Osiris durch seinen Bruder Seth, der zugleich Nephthys‘ Gemahl ist, schließt sich Nephthys ihrer Schwester Isis an, um den toten Gott zu suchen, zu beklagen und seine Wiederbelebung zu ermöglichen.
In den Pyramidentexten, den ältesten religiösen Texten Ägyptens aus dem Alten Reich, erscheinen die beiden Schwestern wiederholt zu Häupten und zu Füßen des Verstorbenen, als die beiden Weihen oder Falkenweibchen, die über dem Leichnam wachen.
Diese Position übertrug sich auf das Begräbnis jedes Verstorbenen, der mit Osiris gleichgesetzt wurde. Auf Särgen und in Grabkammern werden Isis am Kopfende und Nephthys am Fußende dargestellt.
Aus der ägyptischen Tempelliturgie sind die sogenannten Klagelieder der Isis und Nephthys erhalten, Texte der Spätzeit, in denen die beiden Göttinnen abwechselnd den toten Osiris anrufen und zur Rückkehr bewegen.
Bei der rituellen Aufführung übernahmen zwei Priesterinnen die Rollen der Schwestern. Die Religionswissenschaft sieht in diesem Götterpaar das mythische Urbild der ägyptischen Trauerklage, in der weibliche Klage die Macht hat, den Toten zu erhalten und seine Verwandlung zu ermöglichen.
Nephthys gehört zur sogenannten Großen Neunheit von Heliopolis, einem theologischen System, das die wichtigsten Götter in eine genealogische Ordnung bringt. An ihrer Spitze steht der Schöpfergott Atum, aus dem das Luftpaar Schu und Tefnut hervorgeht, daraus das Geschwisterpaar Geb (Erde) und Nut (Himmel), und aus diesen wiederum die vier Geschwister Osiris, Isis, Seth und Nephthys.
Nephthys ist demnach Tochter von Geb und Nut, Schwester von Osiris, Isis und Seth, und zugleich Gemahlin ihres Bruders Seth. Ihr ägyptischer Name Nebet-hut bedeutet Herrin des Hauses, was traditionell auf den Tempelbezirk oder den Palast bezogen wird, nicht auf das Wohnhaus im alltäglichen Sinn. Über dieser Bedeutung wird in der Ägyptologie weiter diskutiert.
Innerhalb der Neunheit ist Nephthys insofern eine besondere Figur, als ihre eigene mythologische Aktivität fast vollständig auf ihre Funktion im Osiris-Geschehen beschränkt bleibt. Sie tritt selten allein auf, sondern fast immer in Bezug auf andere, als Schwester der Isis, als Gemahlin des Seth, als Schützerin des Osiris.
Manche Überlieferungen machen sie zur Mutter des Anubis, des Gottes der Einbalsamierung, wobei der Vater in einigen Versionen Osiris ist, was sie noch enger an den Totenkult bindet. Die Forschung beschreibt Nephthys deshalb oft als komplementäre Gottheit, deren Profil sich aus ihrer Beziehung zu den anderen Mitgliedern der Neunheit ergibt.
Im ägyptischen Begräbnisritual hatte Nephthys eine feste und konkrete Funktion. Sie gehörte zu den vier Schutzgöttinnen, die mit den Horuskindern verbunden waren und über die inneren Organe des Verstorbenen wachten. Bei der Mumifizierung wurden Lunge, Leber, Magen und Gedärme entnommen und in vier Gefäßen, den Kanopen, beigesetzt.
Jedes der vier Horuskinder war für ein Organ zuständig und stand seinerseits unter dem Schutz einer Göttin. Nephthys schützte Hapy, das Horuskind mit dem Pavianskopf, dem die Lunge anvertraut war.
Isis schützte Amset, Neith schützte Duamutef, Selket schützte Kebechsenuef. Auf den Seiten von Sarkophagen und Schreinen erscheinen diese vier Göttinnen in den Ecken, mit ausgebreiteten geflügelten Armen, die den Toten umfangen.
Im berühmten Grabschatz des Tutanchamun ist diese Konstellation eindrucksvoll erhalten: Der vergoldete Kanopenschrein wird an den vier Seiten von den Schutzgöttinnen umstanden, Nephthys unter ihnen, mit schützend ausgestreckten Armen. Ihr Kopfschmuck, ein Korb auf einem stilisierten Hauszeichen, bildet zugleich das Schriftzeichen ihres Namens und macht sie auf Darstellungen leicht identifizierbar.
Die Verbindung von Nephthys mit der Erhaltung des Körpers und dem Schutz im Jenseits zieht sich durch die gesamte ägyptische Religionsgeschichte und macht sie zu einer der präsentesten Göttinnen der materiellen Grabkultur, auch wenn ihr eigener Tempelkult vergleichsweise bescheiden blieb.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Nephthys (ägyptisch Nebt-Het, Herrin des Hauses) ist die jüngere Schwester von Isis und Osiris, gleichzeitig Gemahlin des Set, eine der vier großen Muttergöttinnen Ägyptens. Im Osiris-Mythos hilft sie ihrer Schwester Isis, die zerstückelten Glieder des Osiris zu sammeln.
Nephthys ist Schutzgöttin der Toten, besonders der Kanopen, sie schützt mit ihrer Schwester Isis den Sarkophag und steht zusammen mit ihr am Fußende des Totenbettes als Beweinerin. Bei jeder ägyptischen Beerdigung treten zwei Klagefrauen als Isis und Nephthys auf.
Obwohl Nephthys formal die Gemahlin Sets ist, ist ihr Verhältnis ambivalent. Sie wendet sich im Mythos klar gegen ihn, verbündet sich mit Isis gegen ihren eigenen Mann.
In manchen Quellen ist Anubis (der Hund-Gott) ihr Sohn, gezeugt nicht von Set, sondern von Osiris (eine Liaison, die Isis erst verzeiht, dann auch akzeptiert). Diese Konstellation macht Nephthys zu einer komplexen Figur, die zwischen den Welten steht, Schwester der lichten Götter, Gemahlin des Chaos-Gottes, Mutter des Totengottes.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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