iWell Guard

Tsukuyomi, Gott der japanischen Tradition

Tsukuyomi ist Gott der japanischen Tradition.

Mondgott, stille Kraft des Nachthimmels, Ewige Trennung. Im japanischen Shintō gilt Tsukuyomi als stille Mondgottheit der Nacht.

GottJapan

Inhaltsverzeichnis

Tsukuyomi - Götter aus der Japan-Tradition, historisch-illustrativ

Tsukuyomi

Kurzprofil: Tsukuyomi

Typ: Japanische Hauptgottheit (Shinto), Mondgott
Pantheon: Shinto
Funktion: Mond, Nachthimmel, Zeit-Lauf
Hauptattribute: Mondscheibe, schwarzes Hofgewand
Hauptkultorte: Tsukiyomi-no-Miya in Ise (zugehörig zum Naiku), Tsukuyomi-Schreine in Kyoto und Yamashiro
Geschwister: Amaterasu (Sonne, Schwester), Susano-o (Sturm, Bruder)

Historische Einordnung

Zeitraum der Texte

Tsukuyomi (jap. Tsukuyomi-no-Mikoto, „Mond-Lese-Erhabener“) ist seit dem 8. Jh. n. Chr. literarisch im Kojiki (712) und Nihon shoki (720) belegt.

Er ist anders als seine Schwester Amaterasu eine relativ marginale Gottheit, nach dem zentralen Konflikt-Mythos (er ermordet Ukemochi, die Nahrungs-Göttin) wendet sich Amaterasu von ihm ab und sieht ihn nie wieder, mythologische Erklärung dafür, dass Sonne und Mond nicht gemeinsam am Himmel stehen.

Hauptblütezeit seines Kults bleibt mäßig; im modernen Shinto eine peripherer aber präsenter Kami.

Verbreitungsraum

Hauptkultorte: Tsukiyomi-no-Miya innerhalb des Ise-Schrein-Komplexes (zugeordnet zum Naiku, dem inneren Heiligtum Amaterasus, symbolisch vermitteln die Geschwister sich nicht direkt). Daneben Tsukuyomi-Schreine in Kyoto und in der ehemaligen Yamashiro-Präfektur. Tsukuyomi-Verehrung in jedem ShintoSchrein, der sich auf Mond-Aspekte spezialisiert (relativ selten).

Quellenlage

Zentrale Quellen: Kojiki (Buch I), Nihon shoki (Buch I), Engi-shiki. Sekundärliteratur: Aston, Shinto; Kanda, Shinto in History; Heldt (Übers.), The Kojiki; Bocking, A Popular Dictionary of Shinto.

Name und Varianten

Tsukuyomi wird selten bildlich dargestellt, eine der unterrepräsentiertesten Gottheiten Japans. Wenn dargestellt, dann elegant, silvern-leuchtend, aber in Distanz. Der Mond selbst ist sein Körper und sein Spiegel.

In ikonografischen Systemen wird er neben Amaterasu gezeigt, aber räumlich entfernt oder durch Himmel/Erde getrennt. Sein Vergehens-Symbol ist die Mondphasen-Zyklen selbst, Neumond, Vollmond, die wiederkehrende Dunkelheit. Silber-Gewänder und Mondlicht sind ikonografische Signaturen, wo er auftritt.

Charakteristika

Tsukuyomi ist der Mond, der Nacht-Verwalter, der Zeit-Regent (lunar-kaiserlich). Seine Hauptfunktion ist kosmisch-mechanisch: Er regiert den Mond und damit die Nacht-Zeit, die Gezeiten, und für vorigen Kulturen die Zeitrechnung selbst. Allerdings gibt es quasi keine Tsukuyomi-Schreine, seine Verehrung ist subsumiert in allgemeinen Shintō-Ritualen oder in privaten Haus-Altären.

Der philosophische Gehalt ist tiefer als die Verehrung: Tsukuyomi ist Japans mythisches Symbol für das, das parallel existiert, aber getrennt, die Nacht, die das Gegenteil des kaiserlichen Lichts ist, ohne böse zu sein. Eine trauernde Distanz ist zentral zu seiner Identität.

Erscheinung und Symbolik

Tsukuyomi wird als Mann mit blasser oder silberner Hautfarbe dargestellt, oft in Mondlicht gehüllt. Sein Bild ist weniger ausgearbeitet als das von Amaterasu oder Susanoo. Er wird manchmal mit dem Mond selbst gleichgesetzt oder als auf dem Mond thronend gezeigt. Seine Farbe ist Silber oder Blau.

Steckbrief: Tsukuyomi

Die wichtigsten Aspekte von Tsukuyomi auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.

Kulturkontext

Tsukuyomi entsteht aus Izanagis rechtem Auge, als sich dieser nach der Rückkehr aus Yomi (Unterwelt) reinigt, während Amaterasu aus dem linken Auge und Susano-o aus der Nase entstehen. Bruder von Amaterasu (Sonne) und Susano-o (Sturm).

Im zentralen Mythos ermordet er Ukemochi (Nahrungs-Göttin), weil sie die Speisen aus ihrem Körper hervorbringt, was er als unrein empfindet. Amaterasu wendet sich danach von ihm ab und sieht ihn nie wieder.

Wirkungsgegenstand

Mondgott und Patron des Mond-Laufs. Im Shinto-Kalender bestimmen seine Phasen die rituell wichtigen Mondtage. Patron der nächtlichen Aktivitäten und der Zeit-Zählung. In manchen Volkstraditionen Patron des Reisanbaus (durch die Mond-Phasen). Im persönlichen Kult kaum direkt angerufen, eher als Hintergrund-Präsenz im nächtlichen Himmel.

Form

Tsukuyomi hat keine festgelegte ikonografische Darstellung, in der orthodoxen Shinto-Tradition wird das Bilden von Götter-Statuen vermieden. In späteren bildlichen Traditionen als feierlicher Männergestalt in dunklem Hofgewand mit Mondsichel oder Mondscheibe als Attribut. Im Gegensatz zu Amaterasus warmen Goldfarben dominieren bei Tsukuyomi kalte Silbertöne.

Wirkungsbereich

Wirkungsbereich: Tsukuyomi wird in Tsukiyomi-no-Miya (Ise) und in den wenigen Tsukuyomi-Schreinen verehrt. In der landwirtschaftlichen Tradition spielen seine Mond-Phasen eine Rolle (Reisaussaat, Aussaatzeiten). Im persönlichen Kult eher peripher. Im modernen Anime und Manga oft als geheimnisvoller, kühler Charakter rezipiert.

Schutz

Mondscheibe, Mondsichel, schwarzes oder dunkelblaues Hofgewand. Heilige Tiere: keine spezifischen. Heilige Pflanzen: Mond-Bezug-Pflanzen (in moderner Esoterik: Lotos, Mondsame).

Verwandte Wesen

Selene (Griechenland, Mond-Göttin, weiblich), Luna (Rom, weiblich), Sin/Nanna (Mesopotamien, Mondgott, männlich), Khons (Ägypten, Mondgott, männlich), Chandra/Soma (Hinduismus, Mondgott, männlich), Máni (Germanisch, Mondgott, männlich), Yi (China, Mond-Bogenschütze). Wie in den meisten ostasiatischen, indogermanischen und semitischen Traditionen ist der Mond hier männlich (im Gegensatz zur weiblichen Sonne).

Schutzpraxis

Verehrungsrituale

Tsukuyomi-no-Mikoto (japan. 月読命, „Mond-Lese-Hoheit“) ist der Mondgott, Bruder Amaterasus und Susanoos. Geboren aus Izanagis rechtem Auge (Kojiki I, Kap. 11). Im Vergleich zu Amaterasu und Susanoo ist sein Kult wenig entwickelt, Hauptschreine sind der Tsukuyomi-no-Miya (im Ise-Innen-Schrein) und der Tsukuyomi-Schrein in Yamashiro.

Tsukimi (Mond-Beobachtungs-Fest, 15. Tag des 8. Mondmonats) ist ihm geweiht, mit Reisbällchen-Opfer (tsukimi dango) und Pampas-Gras (vgl. Picken).

Anrufungen

Norito-Gebete im Tsukuyomi-no-Miya zu Ise folgen dem Ise-Zeremoniell. In den Manyōshū (8. Jh.) erscheint Tsukuyomi häufig in Liebes- und Trennungsgedichten. Die Mythenrolle vom Mord an der Speise-Göttin Ukemochi (Nihon Shoki) erklärt die Trennung von Sonne und Mond.

Amulette und Schutzsymbole

Halbmond- und Vollmond-Amulette aus Silber als Tsukuyomi-Schutz. Im Hagi-Mond-Festival werden weiße Reisbällchen (15 Stück, symbolisch für 15. Mondtag) und sieben Herbstgräser (aki no nanakusa) auf eine Veranda gestellt. Steinerne Mondgott-Statuen in shintoistischen Schreinen. Der Hase-im-Mond-Mythos wird als Tsukuyomi-Beigabe interpretiert.

Tsukuyomi, Parallelen in anderen Kulturen

Tsukuyomi ähnelt dem griechischen Selene (Mondgöttin), dem römischen Luna, der chinesischen Chang’e. Im Gegensatz zu diesen ist Tsukuyomi männlich und strukturell abwesend, mehr Konzept als Person. Mit dem mexikanischen Tezcatlipoca teilt er die nächtliche Wildheit (aber Tezcatlipoca ist böse, Tsukuyomi nicht).

Das Zen-Philosophie-Prinzip des Leeren oder Stillen ähnelt Tsukuyomis Natur. Einzigartig ist die kosmische Tragödie: Er und Amaterasu sind nicht tatsächlich entzweit, sondern strukturell, der Mond und die Sonne können nicht zusammen am Himmel strahlen.

Tsukuyomi in den ältesten Quellen

Tsukuyomi, der Mondgott des japanischen Mythos, ist in den ältesten erhaltenen japanischen Schriften überliefert, im Kojiki aus dem Jahr 712 und im Nihonshoki aus dem Jahr 720. Diese beiden Werke sind die Hauptquellen für die einheimische japanische Mythologie, und alles, was über Tsukuyomi sicher zu sagen ist, stammt im Kern aus ihnen.

Tsukuyomi gehört zu den drei Kindern, die der Schöpfergott Izanagi hervorbringt, als er sich nach seiner Rückkehr aus der Unterwelt einer Reinigung unterzieht.

Beim Waschen seines Gesichts entstehen drei bedeutende Gottheiten: aus dem linken Auge die Sonnengöttin Amaterasu, aus dem rechten Auge der Mondgott Tsukuyomi und aus der Nase der Sturmgott Susanoo. Izanagi teilt seinen Kindern Herrschaftsbereiche zu; Tsukuyomi wird die Herrschaft über die Nacht oder über das Reich der Nacht übertragen.

Auffällig ist, wie wenig die Quellen über Tsukuyomi berichten. Während Amaterasu und Susanoo im Mittelpunkt zahlreicher ausführlicher Erzählungen stehen, bleibt der Mondgott eine schemenhafte Gestalt. Diese Quellenarmut ist ein zentrales Merkmal der Tsukuyomi-Überlieferung und sollte bei jeder Beschäftigung mit ihm im Blick bleiben.

Die japanische Mythenforschung hat verschiedene Erklärungen dafür erwogen, von einem ursprünglich eigenständigen, später verdrängten Mondkult bis zu der Annahme, dass die Kompilatoren des 8. Jahrhunderts schlicht über keine reichere Überlieferung verfügten.

Der Mord an der Nahrungsgöttin

Die einzige zusammenhängende Erzählung, in der Tsukuyomi als Handelnder auftritt, steht im Nihonshoki und betrifft seine Begegnung mit der Nahrungsgöttin Ukemochi. Amaterasu schickt Tsukuyomi auf die Erde, um diese Göttin aufzusuchen. Ukemochi bewirtet ihn, indem sie aus ihrem Mund Reis, Fisch und Wild hervorbringt und ihm daraus ein Mahl bereitet.

Tsukuyomi empfindet diese Art, Speise zu erzeugen, als unrein und beleidigend. Aus Empörung tötet er die Nahrungsgöttin. Aus ihrem Leichnam entstehen daraufhin die wichtigsten Nahrungspflanzen und Nutztiere: aus dem Kopf Rinder und Pferde, aus der Stirn Hirse, aus den Augen Reissetzlinge, aus dem Bauch Reis, aus den Geschlechtsteilen Weizen und Bohnen.

Diese Episode gehört zu einem mythischen Erzähltypus, bei dem aus dem getöteten Körper eines Wesens die Kulturpflanzen hervorgehen, ein Typus, der auch aus anderen Kulturen bekannt ist.

Die Folge der Tat für Tsukuyomi selbst ist bedeutsam. Als Amaterasu von dem Mord erfährt, ist sie so erzürnt, dass sie sich von ihrem Bruder lossagt und erklärt, sie wolle ihn nicht mehr sehen. Seitdem, so erklärt der Mythos, sind Sonne und Mond getrennt und erscheinen am Himmel zu verschiedenen Zeiten, einander niemals begegnend.

Diese Erzählung ist damit zugleich ein ätiologischer Mythos, der die Trennung von Tag und Nacht erklärt. Im Kojiki wird eine sehr ähnliche Geschichte übrigens nicht Tsukuyomi, sondern Susanoo zugeschrieben, ein Unterschied zwischen den beiden Hauptquellen, der die Forschung beschäftigt hat und der zur Vorsicht bei allen Aussagen über den Mondgott mahnt.

Kult, Schreine und das Problem der Quellenlage

Im Vergleich zu Amaterasu, deren Verehrung im Großschrein von Ise im Zentrum des japanischen Götterkultes steht, hat Tsukuyomi nur eine bescheidene kultische Präsenz. Es gibt jedoch durchaus Schreine, die ihm geweiht sind.

Im Bereich des Ise-Heiligtums selbst befinden sich Nebenschreine, die mit Tsukuyomi verbunden sind, und auch an anderen Orten Japans finden sich Tsukuyomi-Schreine, etwa in der Region um Kyoto.

Die schwache kultische Stellung des Mondgottes steht in einem auffälligen Verhältnis zur Bedeutung, die der Mond in der japanischen Kultur ansonsten hat. Die Mondbetrachtung, tsukimi, das Betrachten des Herbstvollmonds, ist ein fest verankerter kultureller Brauch, und der Mond ist ein zentrales Motiv der klassischen japanischen Dichtung.

Dieser kulturell hochgeschätzte Mond ist aber gerade nicht eng mit der Gestalt des Gottes Tsukuyomi verknüpft. Die ästhetische und die mythologische Beschäftigung mit dem Mond verlaufen in Japan weitgehend getrennt.

Für die Religionswissenschaft ist Tsukuyomi vor allem ein lehrreiches Beispiel für die Grenzen unseres Wissens. Anders als bei vielen Gottheiten, über die reiche Mythen, Kulttexte und archäologische Zeugnisse vorliegen, ist hier die Quellenlage dünn. Seriöse Aussagen über Tsukuyomi müssen sich auf die wenigen Stellen in Kojiki und Nihonshoki stützen und alles Weitere als Vermutung kennzeichnen.

Manche Darstellungen, die Tsukuyomi mit reichen Charakterzügen oder ausgearbeiteten Geschichten ausstatten, beruhen nicht auf den alten Quellen, sondern auf moderner Populärkultur, in der der Mondgott als Figur durchaus beliebt geworden ist. Diese Unterscheidung zwischen überliefertem Befund und moderner Ausgestaltung ist hier besonders wichtig.

Quellen und Literatur

  • Aston, William G.: Shinto. The Way of the Gods. London 1905.
  • Heldt, Gustav (Übers.): The Kojiki. An Account of Ancient Matters. New York 2014.
  • Walde, Christine (Hg.): Der Neue Pauly (Lemma „Tsukuyomi“).

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Einordnung & Schutz

IISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

Empfohlene Schutzmittel

iWell Guard

Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.

Alle Schutzmittel im Überblick →