Asura ist Gott der hinduistischen Tradition.
Die Gegengötter, Brüder der Devas im ewigen kosmischen Ringen.
Die Asuras sind die großen Gegengestalten zu den Devas, den vedischen und hinduistischen Göttern. Beide Klassen stammen nach den Puranas vom Urvater Prajapati (oder Kashyapa), sind also Verwandte, nicht einfache Feinde.
Ihre Rivalität um die kosmische Ordnung, um das Ambrosia amrita, um Macht und Einfluss zieht sich durch die gesamte indische Mythologie, vom Rigveda bis zu den Puranas.
Bemerkenswert: Im ältesten Rigveda-Text ist „asura“ zunächst eine positive Bezeichnung auch für Götter wie Varuna. Erst allmählich verschiebt sich die Bedeutung zum Gegenspieler. Die Parallele zur iranisch-avestischen Tradition ist auffallend: Dort sind die ahura die guten Götter und die daeva die Dämonen, genau umgekehrt zur indischen Entwicklung.
Vedische Ṛg-Veda-Ursprünge und die Asura-Deva-Opposition
Die Asura-Kategorie hat ihre Wurzeln in der vedischen Tradition, dokumentiert in der Ṛg-Veda (ca. 1500-1200 v. Chr.), einem der ältesten indo-europäischen religiösen Texte.
In der Ṛg-Veda sind asura noch nicht primär dämonisch, sondern rivalisierende kosmische Mächte, oft mit göttlichen Attributen ausgestattet. Die Opposition zwischen Asura und deva (Götter) ist ursprünglich keine moralische, sondern eine kosmische Hierarchie-Differenz.
Frühe vedische Hymnen beschreiben Asura als mächtig und intelligent, oft als Kosmogonie-Partner der Deva in rivalischen Schöpfungskonflikten. Erst in spätvedischen Texten und proto-puranischen Sammlungen erfolgt eine moralische Degradation: Asura werden zu bösen oder niederen Mächten umkodiert.
Diese Umdeutung reflektiert vermutlich historische Indo-Aryaner-Konflikte mit vorvedischen Bevölkerungen, deren Gottheiten als Asura stigmatisiert wurden. Die Kontinuität von der vedischen Rivalität zur puranischen Dämonisierung ist ein komplexer Prozess der Theologiegeschichte.
Typ: Gegengötter, kosmische Rivalen der Devas
Herkunft: Nach Puranas vom Urvater Prajapati/Kashyapa
Unterarten: Daityas (von Diti), Danavas (von Danu)
Texte: Rigveda, Brahmanas, Mahabharata, Puranas
Zeitraum: vedisch bis Gegenwart
Frühe Belege im Rigveda (ab ca. 1500 v. Chr.), wo „asura“ zunächst positiv-neutral verwendet wird. Brahmanas und Upanishaden (800, 500 v. Chr.) festigen die Polarität. Epen und Puranas bringen die großen Asura-Figuren.
Indischer Subkontinent. Über hinduistische und buddhistische Mission nach Südostasien. Im Buddhismus bleibt Asura als Daseinsbereich (asura-gati) erhalten und wandert so nach Ostasien.
Rigveda, Atharvaveda, Brahmanas, Ramayana und Mahabharata, Puranas (Bhagavata, Vishnu, Devi), Tantras. Schlüsselerzählungen: Samudra-Manthan, Durga-Mahishasura, Krishna-Avatar-Kämpfe.
Sanskrit: asura, Plural asurāḥ.
Unterarten: daitya (von Diti), danava (von Danu), beide von Kashyapa gezeugt.
Etymologie: umstritten, mit asu „Lebensatem“ verwandt; avestisch-iranisch ahura.
Bekannte Figuren: Hiranyakashipu, Mahishasura, Vritra, Bali.
Die indo-iranische Spaltung ist einzigartig: Dieselbe Wurzel wird im Iran zum Hauptgott (Ahura Mazda), in Indien zum Gegenspieler der Götter.
Erscheinung
Kriegerisch, oft mit mehreren Armen und Köpfen. Gelegentlich in Tierform (Mahishasura als Büffel). In Ikonografie gepanzert, mit Kronen.
Verhalten
Typisches Muster: Asura praktiziert Askese, erlangt göttlichen Segen, wird unverletzlich, stört die kosmische Ordnung. Götter greifen ein (Vishnu-Avatare, Durga, Shiva) und besiegen den Asura.
Wirkungsbereich
Kosmisch, Himmel, Unterwelt, drei Welten. Patala als Unterwelt der Asuras.
Mythologische Herkunft
Von Kashyapa gezeugt mit Aditi (Devas), Diti (Daityas), Danu (Danavas). Brüderbeziehung zu den Devas.
Mahabharata-Klassifikation und kosmische Kriege
Das Mahabharata (vermutlich 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. redigiert) etabliert die Asura als etablierte kosmische Klasse mit definierten Charakteristiken und Rollen in übernatürlichen Hierarchien.
Im Mahabharata sind Asura weniger moralisch konzeptualisiert als vielmehr funktional: Sie sind Krieger, Magier und Rivalen, die mit Deva um kosmische Ressourcen kämpfen. Spezifisch im Mahabharata werden Asura-Fähigkeiten hervorgehoben: maya (übernatürliche Trugkunst), tapasya (asketische Macht-Ansammlung) und übernatürliche Waffen.
Die Texte zeigen Asura nicht als bloße Böse, sondern als moralisch ambivalent: Sie können ethisch oder unethisch agieren, je nach ihrer Wahl. Diese Ambivalenz unterscheidet das Mahabharata-Verständnis von späteren puranischen Versionen, die stärkeren moralischen Manichäismus einführten. Die kosmischen Kriege zwischen Deva und Asura werden zu Metaphern für ethische Konflikte innerhalb der Menschheit.
Die wichtigsten Aspekte der Asura auf einen Blick.
Nachkommen Kashyapas mit Diti/Danu. Halbbrüder der Devas. Indo-iranische Wurzel verbindet mit avestischem Ahura.
Die kosmische Ordnung, die Devas. Herausforderer höherer Götter.
Kriegerisch, mehrere Arme/Köpfe, Tiergestalten möglich. Gepanzert, königlich, mit mächtigen Waffen.
Stören Ordnung durch Askese-erlangte Macht. Besetzen Himmel und Unterwelt, müssen durch göttliche Avatare besiegt werden.
Nicht Einzel-Abwehr: göttliches Eingreifen. Vishnu-Avatare, Durga gegen Mahishasura, Shiva gegen Tripurasura.
Avestische Ahuras (Umkehrung), Titanen, Jötnar, Anfrit im Zoroastrismus.
Samudra-Manthan
Devas und Asuras arbeiten gemeinsam am Milchozean, um Amrita zu gewinnen. Vishnu als Mohini täuscht die Asuras und überlässt das Amrita den Devas, Quelle immerwährenden Grolls.
Narasimha gegen Hiranyakashipu
Hiranyakashipu gewinnt Unverletzlichkeit außer zur Dämmerung, weder drinnen noch draußen, durch weder Mensch noch Tier. Vishnu als Narasimha (Mensch-Löwe) besiegt ihn an der Türschwelle.
Durga-Mahishasura
Der Büffel-Asura Mahishasura ist nur durch eine weibliche Macht besiegbar. Die Devas bündeln Energie in Durga, die ihn nach neuntägigem Kampf tötet, Navaratri.
Indo-iranische Spaltung: Zoroastrismus: Ahura Mazda Hauptgott, Daevas Dämonen. Umkehrung der indischen Entwicklung. Beide gehen auf gemeinsame indo-iranische Tradition zurück.
Buddhistische Aufnahme: Asura-gati als einer der sechs Daseinsbereiche. Wiedergeburt als Asura aus Eifersucht und Stolz.
Moderne Rezeption: Bollywood, Amish Tripathis Literatur, Devdutt Pattanaiks Sachbücher. Fantasy-Universen adaptieren Asura international.
Buddhistische Sechs-Welten-Lehre und japanische Shura-Tradition
Im Buddhismus wurden Asura in das Schema der sechs Existenzrealmen (Gati) integriert, wo sie eine eigenständige Realm-Kategorie bilden. Diese buddhistische Klassifikation transformierte die hindu-vedischen Asura zu übernatürlichen Wesen, die durch Karma in eine Realm zwischen Göttern und Menschen inkarniert sind.
Asura sind in dieser Lehre durch Stolz, Aggression und endlose Rivalität charakterisiert; sie erfahren konstantes Leiden durch ihre Verursachung von Konflikten.
Die buddhistische Asura-Realm-Konzeption wurde besonders im Mahayana-Buddhismus elaboriert, wo Asura als spirituelle Lernende interpretiert werden, die zur Erlösung fähig sind. In Japan wurden diese Konzepte als Shura (lautliche Adaption des Sanskrit) ins Japanische transferiert und wurden zentral für japanische buddhistische Philosophie.
Die Shura verkörperten in japanischer Ästhetik das Leiden des endlosen Kampfes; Shura-e (Shura-Malerei) wurde zur eigenständigen künstlerischen Gattung, die innere konflikthafte Zustände visualisierte.
Der Begriff asura hat im Lauf der indischen Religionsgeschichte einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen, der für das Verständnis dieser Wesensklasse zentral ist. In den ältesten Schichten des Rigveda ist asura kein abwertender Ausdruck.
Er bezeichnet eine herrscherliche, machtvolle Würde und wird auf große Götter wie Varuna, Mitra und auch Indra angewandt. Asura meint hier so viel wie Herr oder Inhaber von Lebenskraft.
Im Verlauf der vedischen Periode verschiebt sich der Gebrauch. Zunehmend wird asura zum Gegenbegriff zu deva, dem himmlischen Gott. Aus der ursprünglichen Würdebezeichnung wird die Bezeichnung für eine eigene, den Göttern feindliche Gruppe von Mächten.
In den Brahmana-Texten ist dieser Gegensatz bereits voll ausgebildet: Devas und Asuras sind zwei verfeindete Geschlechter, die um die Herrschaft über die Welt ringen.
Die Forschung hat verschiedene Erklärungen für diesen Wandel vorgeschlagen. Eine ältere, heute kritisch gesehene These verband ihn mit dem Verhältnis zur iranischen Religion, in der das verwandte Wort ahura, wie im Namen Ahura Mazda, gerade die höchste positive Gottheit bezeichnet, während daeva dort zur Dämonenbezeichnung wurde.
Diese spiegelbildliche Verteilung ist auffällig, ein direkter geschichtlicher Zusammenhang ist aber umstritten. Wahrscheinlicher ist eine innerindische Entwicklung, bei der eine volksetymologische Deutung von a-sura als Nicht-Gott den Bedeutungswandel verstärkte.
Wichtig ist, dass die Asuras auch in ihrer späteren, negativen Gestalt keine bloßen Bösewichte sind. Sie sind mächtig, oft fromm und asketisch, und ihre Niederlagen gegen die Devas sind häufig nur vorläufig. Der Gegensatz ist weniger der von Gut und Böse als der von zwei kosmischen Parteien.
Der bekannteste Mythos, in dem Devas und Asuras zusammenwirken und zugleich konkurrieren, ist das Quirlen des Milchozeans, sanskritisch Samudra Manthana. Er ist im Mahabharata, in mehreren Puranas und im Ramayana überliefert und gehört zu den am häufigsten dargestellten Erzählungen der indischen Kunst.
Die Götter, geschwächt und dem Verlust ihrer Unsterblichkeit nahe, schließen auf Vishnus Rat ein Zweckbündnis mit den Asuras. Gemeinsam wollen sie den Ozean quirlen, um den Amrita, den Trank der Unsterblichkeit, und weitere kostbare Dinge zu gewinnen.
Als Quirlstab dient der Berg Mandara, als Quirlstrick die Schlange Vasuki. Die Asuras fassen den Strick am Kopfende, die Devas am Schwanzende, und so ziehen beide Parteien abwechselnd.
Aus dem Ozean steigen nacheinander zahlreiche Wesen und Gegenstände auf, darunter die Glücksgöttin Lakshmi, das himmlische Ross, der Wunschbaum und schließlich das tödliche Gift Halahala, das Shiva trinkt und in seiner Kehle zurückhält. Zuletzt erscheint der Arzt der Götter Dhanvantari mit dem Gefäß des Amrita.
Nun bricht das Bündnis. Vishnu nimmt die Gestalt der betörenden Frau Mohini an, übernimmt die Verteilung und gibt den Amrita allein den Devas. Der Asura Rahu schleicht sich in die Reihe der Götter, doch Sonne und Mond verraten ihn; Vishnu schlägt ihm den Kopf ab, der jedoch bereits den Trank berührt hatte und unsterblich blieb.
Aus dieser Episode erklärt der Mythos die Sonnen- und Mondfinsternisse, die als Verschlingen durch Rahu gedeutet werden. Die Erzählung zeigt die Asuras nicht als bloße Verlierer, sondern als notwendige Mitwirkende eines kosmischen Vorgangs, die durch List, nicht durch Schwäche, um den Lohn gebracht werden.
Die Asuras sind nicht auf den Hinduismus beschränkt. Der Buddhismus übernahm die Wesensklasse und gab ihr einen festen Platz in seiner Kosmologie. In der buddhistischen Lehre von den sechs Daseinsbereichen, in die Wesen je nach ihrem Karma wiedergeboren werden, bilden die Asuras einen eigenen Bereich, den Asura-gati.
Ihre Stellung ist eigentümlich. Die Asuras gelten als mächtig und langlebig, in mancher Hinsicht den Göttern ähnlich, doch ihr Dasein ist von Neid, Streitsucht und ständigem Kampf bestimmt.
Sie blicken auf das Glück der Götter und begehren es, ohne es erreichen zu können. In manchen Aufzählungen der Daseinsbereiche werden sie deshalb auch nicht eigens geführt, sondern teils den Göttern, teils den niederen Bereichen zugeschlagen, was die buddhistische Tradition selbst unterschiedlich handhabt.
Ein wiederkehrendes Motiv buddhistischer Texte ist der Krieg der Asuras gegen die Götter des Himmels der Dreiunddreißig unter ihrem Anführer Sakka, der dem hinduistischen Indra entspricht. Dieser Kampf um den Weltenberg wird als endloses, nie zur Ruhe kommendes Ringen geschildert.
Religionspsychologisch hat die buddhistische Tradition den Asura-Bereich als Sinnbild eines bestimmten Geisteszustandes verstanden: des Daseins, das von Konkurrenz, Eifersucht und dem Vergleich mit anderen beherrscht wird. Ein solches Dasein hat Macht und scheinbares Glück, ist aber innerlich von Unzufriedenheit zerrissen.
In der tibetischen Darstellung des Lebensrades, des Bhavachakra, hat der Asura-Bereich einen festen Platz, oft gezeigt mit dem Wunschbaum, dessen Wurzeln bei den Asuras liegen, dessen Früchte aber die Götter ernten.
Die Klasse der Asuras umfasst eine Reihe von Einzelfiguren, die in der epischen und puranischen Literatur eigene, ausgearbeitete Geschichten haben. Sie machen deutlich, dass Asuras keineswegs durchweg als verworfen gelten, sondern oft als Gestalten von hohem religiösem Rang erscheinen.
Prahlada ist das deutlichste Beispiel. Er ist der Sohn des Asura-Königs Hiranyakashipu, zugleich aber ein vollkommener Verehrer Vishnus. Sein Vater verfolgt ihn deshalb mit grausamen Mitteln, doch Prahlada wird durch seine Hingabe immer wieder bewahrt.
Die Erzählung mündet im Erscheinen Vishnus in der Mann-Löwen-Gestalt Narasimha, der Hiranyakashipu tötet. Prahlada selbst gilt in der Tradition als vorbildlicher Frommer, ein Asura, der den Göttern moralisch überlegen ist.
Bali, ein Enkel Prahladas, ist ein weiterer großmütiger Asura-König. Er hatte durch fromme Werke die Herrschaft über die drei Welten gewonnen. Vishnu erscheint als zwergenhafter Brahmane Vamana und erbittet so viel Land, wie er mit drei Schritten ausmessen kann.
Bali gewährt es, obwohl er gewarnt wird, und Vishnu durchschreitet mit zwei Schritten Himmel und Erde. Wegen seiner Wahrhaftigkeit wird Bali jedoch nicht vernichtet, sondern erhält die Herrschaft über die Unterwelt und das Versprechen künftiger Erhöhung. In Kerala wird seine jährliche Rückkehr beim Onam-Fest gefeiert.
Andere Asuras wie Mahishasura, der von der Göttin Durga erschlagene Büffeldämon, oder Vritra, den Indra im Rigveda bezwingt, stehen dagegen für die feindliche Seite. Diese Bandbreite, vom heiligen Prahlada bis zum chaotischen Vritra, zeigt, dass die Asura-Klasse kein einheitlicher moralischer Typ ist.
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Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Asuras sind in der hinduistischen Mythologie eine Klasse mächtiger übernatürlicher Wesen, die kosmischen Gegenspieler der Devas (Götter). Im Rigveda noch ambivalent (Mitra, Varuna werden auch Asuras genannt), werden sie in späteren Texten zunehmend als demonisch dargestellt.
Berühmte Asuras sind Mahishasura (Büffel-Dämon, von Durga besiegt), Hiranyakashipu (von Narasimha besiegt) und Ravana (von Rama besiegt). Sie repräsentieren weniger das Böse als die ungezähmte Macht.
Im Hinduismus sind Asuras klar als Gegenspieler der Devas markiert, meist negativ. Im Buddhismus bilden Asuras eine der sechs Daseinsbereiche (in denen wiedergeboren werden kann): zwischen Göttern und Menschen, aber von Neid, Stolz und Kampflust geprägt.
Buddha lehrte, dass auch das Asura-Dasein leidvoll ist, denn der ewige Kampf um Status macht unfrei. Im Tibetisch-Buddhismus werden Asuras im Bhavachakra (Lebensrad) dargestellt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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