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Vukodlak und die verwischte Grenze zwischen Wolf und Vampir

Vukodlak ist Dämon der südslawischen Überlieferung.

Halb Werwolf, halb Vampir: nachts erwürgt er das Vieh. Zentral in der Überlieferung ist die verwischte Grenze zwischen Wolf und Vampir.

DämonSlawisch

Inhaltsverzeichnis

Vukodlak, Dämon der slawischen Überlieferung
Vukodlak

Vukodlak ist der Werwolf-Vampir-Untote des südslawischen Balkans, verbreitet in Serbien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Dalmatien und Slowenien. Der Begriff schwankt je nach Region zwischen dem ursprünglichen Werwolf und dem wiederkehrenden, blutgeschwollenen Leichnam der Vampir-Folklore.

Nachts erwürgt und reißt er Vieh und plagt die Lebenden; in seiner Vampir-Ausprägung raubt er zudem Blut und Lebenskraft. Von seinem Namen leitet sich das griechische Wort Vrykolakas ab, ein direkter sprachlicher Beleg für die Reichweite der südslawischen Vorstellung.

Auf einen Blick: Vukodlak

Typ: Werwolf-Vampir-Untoter des Balkans
Herkunft: Südslawischer Volksglaube um Wiedergänger und Werwölfe
Texte: Karadžićs Wörterbuch von 1818 sowie Studien von Perkowski, Barber und Summers
Zeitraum: südslawische Überlieferung, sprachlich sehr alt, bei Karadžić definiert
Erscheinung: je nach Region Werwolf oder wiederkehrender, blutgeschwollener Leichnam

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Die Überlieferung ist südslawisch und sprachlich sehr alt; feste Gestalt erhielt sie durch die Definition Vuk Karadžićs im frühen 19. Jahrhundert.

Verbreitungsraum

Serbien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Dalmatien und Slowenien: der gesamte südslawische Sprachraum des Balkans.

Quellenlage

Gut: Karadžićs Wörterbuch von 1818, dazu die Studien von Perkowski, Barber und Summers.

Name und Varianten

Urslawisch: vьlko-dlakь aus vьlkъ, Wolf, und dlaka, Fell oder Tierhaar, bedeutet wörtlich im Wolfspelz. Serbisch und kroatisch lautet die Form vukodlak, slowenisch volkodlak; die Ursprungsbedeutung ist Werwolf, in der Folklore Kroatiens, Montenegros, Serbiens und Bosniens verschob sie sich zu Vampir.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Der Vukodlak hat eine Doppelnatur je nach Region: Wolfsgestalt als Werwolf oder aufgeblähter, blutgeschwollener Wiedergänger. Er verkörpert die im südslawischen Denken nicht getrennten Ängste vor Werwolf und Vampir in einer einzigen Figur.

Wirkung

Der Vukodlak erwürgt und reißt Vieh, plagt und tötet Lebende; in der Vampir-Ausprägung raubt er Blut und Lebenskraft. Er ist nachtaktiv und zieht von Hof zu Hof.

Steckbrief: Vukodlak

Die wichtigsten Aspekte des Werwolf-Vampirs auf einen Blick.

Tradition

Südslawischer Volksglaube um Wiedergänger und Werwölfe, beheimatet in Serbien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Dalmatien und Slowenien.

Wirkungsgegenstand

Vieh und Lebende: Der Vukodlak erwürgt Tiere in Stall und Weide und plagt nachts die Menschen der Höfe.

Darstellung

Wolfsgestalt als Werwolf oder aufgeblähter, blutgeschwollener Leichnam, je nachdem, welche Deutung in der Region vorherrscht.

Wirkungsbereich

Doppelbedrohung: Als Werwolf reißt er Vieh, als Vampir raubt er Blut und Lebenskraft der Menschen.

Abwehrformen

Exhumierung, Pfählung mit Weißdorn, Enthauptung und das Verbrennen von Herz oder Leichnam bei begründetem Verdacht.

Abgrenzung

Vom westslawischen Upiór unterscheidet ihn die enge Verbindung zum Werwolf statt zur reinen Vampirgestalt; beide gehen auf denselben slawischen Untotenglauben zurück.

Vom Wolfspelz zum Blutsauger: die Wortgeschichte

Der Name ist etymologisch klar: Urslawisch vьlko-dlakь setzt sich aus vьlkъ, Wolf, und dlaka, Fell oder Tierhaar, zusammen und bedeutet wörtlich im Wolfspelz. Serbisch und kroatisch lautet die Form vukodlak, slowenisch volkodlak, und ihre Ursprungsbedeutung ist eindeutig Werwolf. In der Folklore Kroatiens, Montenegros, Serbiens und Bosniens verschob sich die Bedeutung jedoch zu Vampir, sodass ein und dasselbe Wort zwei Ängste bezeichnet.

Vuk Karadžić definierte den Vukodlak im frühen 19. Jahrhundert nicht als Wolfsmensch, sondern als blutgeschwollenen Leichnam, der aus dem Grab steigt, um Vieh zu erwürgen und die Lebenden zu plagen. Von diesem Namen leitet sich zudem das griechische Wort Vrykolakas ab, ein sprachlicher Beleg dafür, wie weit die südslawische Vorstellung ausstrahlte.

Vom Balkan in die Weltliteratur

Über Vuk Karadžić und die balkanische Vampirwelle ist der Vukodlak Teil des westlichen Vampirbildes geworden; in Gerards Aufzählung für Stoker ist er als Vrkolak mitgenannt. In der modernen südslawischen Kultur, in Fantasy und Serien ist er als Werwolf-Figur präsent.

Religionswissenschaftlich ist der Vukodlak ein Musterbeispiel dafür, dass Werwolf- und Vampirglaube im südslawischen Raum historisch keine getrennten Kategorien waren, sondern eine gemeinsame Vorstellung vom gefährlichen, gewaltsam gestorbenen Toten. Das Wort ist älter als die einzelnen slawischen Völker und belegt die Tiefe dieser Vorstellung.

Pfählung, Feuer und Knoblauch

Quellenfest sind Exhumierung und Pfählung mit Weißdorn, die vor allem in Serbien bevorzugt wurde, dazu Enthauptung, das Herausnehmen und Verbrennen des Herzens sowie das Verbrennen des ganzen Leichnams; zeigte sich der Leichnam bei der Exhumierung aufgebläht und blutig, galt das als Beweis. Auch die korrekte Bestattung sollte das Wiederkehren von vornherein verhindern.

Im slawischen Volksglauben allgemein dienten daneben Knoblauch, Zweige der Eberesche an Tür und Stall sowie kaltes Eisen als Schutz vor Untoten und Werwölfen.

Vom Vukodlak zum Vrykolakas: slawische und griechische Verwandte

Der Vukodlak ist die direkte Namensquelle des griechischen Vrykolakas und das südslawische Gegenstück zu Strigoi, Moroi und Pricolici sowie zum polnischen Upiór. Die Werwolf-Vampir-Verschmelzung teilt er mit dem rumänischen Pricolici; im germanisch-nordischen Rahmen ist er mit Nachzehrer und Gjenganger vergleichbar.

Häufige Fragen zum Vukodlak

Ist der Vukodlak ein Werwolf oder ein Vampir?

Beides, je nach Region: Der Begriff schwankt zwischen dem ursprünglichen Werwolf und dem Vampir der südslawischen Folklore.

Was hat er mit dem Vrykolakas zu tun?

Das griechische Wort Vrykolakas stammt direkt vom slawischen vukodlak ab.

Wie schützt man sich vor ihm?

Durch Pfählung mit Weißdorn, Enthauptung, das Verbrennen des Herzens, Knoblauch und die korrekte Bestattung.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Karadžić, Vuk Stefanović: Srpski rječnik. Wien 1818.
  • Perkowski, Jan L.: The Darkling. A Treatise on Slavic Vampirism. Columbus 1989.
  • Barber, Paul: Vampires, Burial, and Death. Folklore and Reality. New Haven 1988.
  • Summers, Montague: The Vampire in Europe. London 1929.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als südslawischer Werwolf und Balkan Vampir in einer Gestalt zeigt der Vukodlak, wie nah beide Ängste beieinanderliegen: Sein Name gab dem griechischen Vrykolakas das Wort, sein nächtlicher Griff galt Vieh und Menschen gleichermaßen.

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