Hermes ist Gott der griechischen Tradition.
Gott der Reisenden, der Diebe, der Boten und der Seelenführer. Hermes ist der Vermittler zwischen Welten, zwischen Göttern und Menschen, zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod. Mit geflügelten Schuhen und dem Herold-Stab durchquert er alle Grenzen. Er ist listenreich, schnell, redegewandt und moralisch ungebunden, ein Gott der Ambiguität und Grenzüberschreitung.
Typ: Griechische Hauptgottheit, Boten- und Schwellengott, Geleit der Toten
Pantheon: Griechenland (eine der zwölf Olympier), Römisch als Mercurius
Funktion: Götter-Bote, Patron der Reisenden, Händler, Diebe, Hirten und Redner; Führer der Toten
Hauptattribute: Caduceus (Kerykeion, geflügelter Schlangen-Stab), geflügelte Sandalen, Petasos (Reisehut)
Hauptkultorte: Pheneus (Arkadien, mythischer Geburtsort), Athen (Hermai an jeder Strassenecke), Tanagra (Bock-Festival)
Römisches Pendant: Mercurius
Hermes ist im mykenischen Linear B als e-ma-a2 belegt, einer der ältesten griechischen Götter. In Homer (8. Jh. v. Chr.) bereits zentral als Bote des Zeus und Geleitsgott der Toten (Odyssee XXIV). Der Homerische Hymnos an Hermes (7./6. Jh. v. Chr.) erzählt seine frühkindlichen Gaunereien (Diebstahl der Apollon-Rinder am ersten Lebenstag).
In Athen seit dem 6. Jh. v. Chr. die Hermai-Tradition: an jeder Straßenecke ein viereckiger Pfeiler mit Hermes-Kopf und Phallus, apotropäischer Schwellenschutz.
Der berühmte Herm-Skandal in Athen 415 v. Chr. (massenhafte Verstümmelung der Hermai) vor der Sizilischen Expedition gilt als religiöses Trauma. In hellenistischer Zeit mit Thoth synkretisiert (Hermes Trismegistos), aus dem die hermetische Tradition wird.
Hauptkultorte: Pheneus (Arkadien, mythischer Geburtsort am Berg Kyllene), Athen (Hermai an jeder Straßenecke, Hermes-Tempel auf der Agora), Tanagra (Böotien, mit dem Bock-Festival), Olympia (Hermes-Statue des Praxiteles, eines der berühmtesten Werke der griechischen Plastik).
Hermai-Pfeiler waren in der gesamten griechischen Welt verbreitet, an Straßenkreuzungen, Hauseingängen, Grenzen. In hellenistisch-römischer Zeit weite Verbreitung des Hermes Trismegistos-Synkretismus in Alexandria und im gärenden Mittelmeerraum.
Zentrale Quellen: Hesiod (Theogonie), Homers Ilias und besonders Odyssee (Buch XXIV: Hermes Psychopompos, „Seelen-Geleiter“), Homerischer Hymnos an Hermes (Hymnos 4, ausführlich), Apollodors Bibliothek. Hermetische Tradition: Corpus Hermeticum (1.–3. Jh. n. Chr. spätantike Texte unter Hermes Trismegistos’ Namen).
Sekundärliteratur: Burkert, Griechische Religion; Brown, Hermes the Thief; Vernant, Mortals and Immortals; Quack, Ägypten und Griechenland in hellenistischer Zeit.
Hermes wird oft als junger, bartloser Mann dargestellt, manchmal geflügelt. Seine Attribute sind die flügeligen Schuhe (talaria), der Herold-Stab (caduceus) mit zwei verschlungenen Schlangen, und der Flügelhut (petasos).
Er trägt manchmal einen Mantel (chlamys). Seine Symbole sind die Schildkröte (deren Schale er zur Leier umwandelte), der Hahn, der Bock und Gold. Sein Aussehen ist jung, mobil, immer in Bewegung.
Hermes wird von Reisenden, Kaufleuten und Dieben angerufen. Er segnet sichere Reisen und schützet Grenzenüberschreitungen. Als Psychopompos führt er Seelen in die Unterwelt. In der Magie wird er zur Kanalisierung von Kommunikation angerufen.
Seine Feste (Hermaia) sind Spiele und Handel-Messen. Redekunst und Rhetorik sind seine Domänen. Hermes ist nicht moralisch, er hilft Dieben wie Händlern, Göttern wie Menschen. Diese Ambiguität macht ihn vielseitig und gefährlich zugleich.
Erscheinung und Symbolik
Hermes wird dargestellt als jugendlicher, muskulöser Mann mit Flügelschuhen (Talaria) und Flügelhut (Petasos). Der Hermesstab oder Caduceus, ein Stab mit zwei umschlungenen Schlangen und Flügeln, ist sein primäres Erkennungszeichen. Die Börse (Geldbeutel) symbolisiert seinen Reichtum und seinen Handel.
Der Bock war sein heiliges Tier, ebenso die Schildkröte (deren Panzer er zur Leier umwandelte). Der Honig und der Wein waren seine Libationen. Seine Farbe war die goldene des Glanzes und der Bewegung. Im Gegensatz zu anderen Göttern ist Hermes bewusst mehrdeutig, sein Lächeln ist gleichzeitig liebevoll und betrügerisch.
Die wichtigsten Aspekte von Hermes auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Hermes ist Sohn des Zeus und der Pleiade Maia, geboren in einer Höhle am Berg Kyllene in Arkadien.
Bereits am ersten Lebenstag stahl er die Rinder seines älteren Bruders Apollon (zentraler Mythos im homerischen Hymnos), erfand die Lyra aus Schildkrötenpanzer und Schafsdarm, und tauschte sie später mit Apollon gegen die Rinder, daraus entsteht das Bündnis der zwei Brüder.
Vater des Pan (mit der Nymphe Dryope) und des Hermaphroditos (mit Aphrodite). Im Mythenkreis vielfach als Helfer und Vermittler eingesetzt: Führt Persephone zurück aus der Unterwelt, geleitet Priamos in Achilles’ Zelt (Ilias 24), holt Io von Argos’ Bewachung.
Charakteristisch für Hermes ist seine Mehrfach-Funktion. Als Götter-Bote vermittelt er zwischen den drei kosmischen Ebenen Olymp, Erde und Unterwelt, als Schwellengott ist er Patron jedes Übergangs, etwa von Tod, Schwellen, Straßen und Sprache. Als Reisepatron schützt er Wanderer und Händler, als Hermes Psychopompos führt er die Seelen ins Hades-Reich und übergibt sie an Charon. Daneben gilt er als Patron der Diebe und Listigen, in seiner alten arkadischen Gestalt als Patron der Hirten sowie als Patron der Redner und Dichter.
Spät in der hermetischen Tradition als Erfinder der Schrift identifiziert (Synkretismus mit Thoth).
In archaischer Kunst noch als bärtiger Mann mit Reisemantel, in klassischer Zeit jugendlich-schön und bärtlos, Praxiteles’ Hermes mit dem Dionysos-Kind (ca. 340 v. Chr. heute in Olympia) ist die kanonische Darstellung.
Charakteristische Attribute: Caduceus / Kerykeion (geflügelter Stab mit zwei sich umschlingenden Schlangen, Schwellen- und Heroldssymbol), geflügelte Sandalen (talaria), Petasos (breitkrempiger Reisehut, oft geflügelt), Reisemantel. In Hermes-Hermai-Form: rechteckiger Steinpfeiler mit Hermes-Kopf oben und erigiertem Phallus an der Vorderseite. Reittier: keines fest, er fliegt mit den Sandalen oder geht zu Fuß.
Wirkungsbereich: Hermes wurde in jedem griechischen Haushalt angerufen, durch die Hermai an jeder Hausschwelle und Straßenkreuzung. Reisende, Händler und Hirten beteten zu ihm vor dem Aufbruch. Bei Bestattungen wurde er als Geleiter der Seele angerufen.
Im öffentlichen Kult: Hermaia-Feste in verschiedenen Städten (Tanagra, Pellene). Hermes war Patron der jugendlichen Athleten in den Gymnasia. In hellenistisch-römischer Zeit zentral in der hermetischen Tradition, das Corpus Hermeticum wurde zur Hauptgrundlage der westlichen Esoterik (Renaissance-Hermetik über Marsilio Ficino, spätere Alchemie-Tradition).
Caduceus / Kerykeion (geflügelter Schlangen-Stab), geflügelte Sandalen (talaria), Petasos (Reisehut), Geldbeutel (Patron der Händler), Lyra (sein Erfindungsinstrument), Reisemantel. Heilige Tiere: Schildkröte (sein Lyra-Material), Hahn, Bock (Hermes Kriophoros, „Bock-Träger“), Hund. Heilige Pflanzen: Erdbeerbaum (arbutus). Heilige Steine: in Hermai-Pfeilern Marmor.
Mercurius (Rom, nahezu identische Übernahme), Thoth (Ägypten, in hellenistischer Zeit synkretisiert als Hermes Trismegistos, einer der wichtigsten religionsgeschichtlichen Synkretismen), Anubis (Ägypten, Totengeleit, über Hermanubis-Synkretismus verbunden), Nabu (Mesopotamien, Schreiber- und Bote-Patron), Ningishzida (Mesopotamien, Caduceus-ähnlicher Schlangen-Stab), Odin (Germanisch, Wanderer und Totengeleit), Janus (Rom, Schwellen- und Übergangs-Patron), Papa Legba (Vodou, Schwellen- und Toröffnungs-Loa), Lugh (Keltisch, vielseitiger Patron).
Funktional: alle Schwellen- und Vermittlungs-Götter teilen Hermes-Aspekte. Der Caduceus ist eines der ältesten Heils-Symbole (häufig verwechselt mit dem Asklepios-Stab, der nur eine Schlange hat).
Verehrungsrituale
Hermes ist der Götterbote, Schwellengott und Seelenführer der griechischen Religion. Sein Hauptkultort ist nicht ein einzelnes Heiligtum, sondern überall an Wegekreuzungen, Stadttoren und Marktplätzen wo Herm-Stelen (steinerne Pfeiler mit Hermes-Kopf und Phallus) standen, Apotropäika für Reisende und Händler.
Im Athener Stadtbild flankierten Hunderte Hermen die öffentlichen Räume (vgl. Burkert, Griechische Religion; Versnel, Coping with the Gods). Sein Hauptfest ist die Hermaia mit gymnischen Wettkämpfen für junge Männer.
Anrufungen
Der Homerische Hymnus an Hermes (4), über 580 Verse, ist die zentrale literarische Hymnen-Quelle. Reisende riefen Hermes mit der Formel „Hermes prosphilēs“ (Hermes der Wegbereiter) an. Vor jedem ernsten Unternehmen wurde Hermes als Listengott angerufen. Im Demetra-Mythos (Hom. Hymne 2) führt Hermes Persephone aus dem Hades zurück.
Amulette und Schutzsymbole
Kerykeion (Heroldsstab mit zwei Schlangen, Vorbild des modernen medizinischen Caduceus) als Hermes-Symbol. Geflügelte Sandalen (Talaria) und Reisehut (Petasos) auf Vasenbildern. Hermen-Stelen an Hauseingängen als Apotropäika gegen Diebe und böse Mächte. Geprägte Münzen mit Hermes-Kopf in Pheneos und Mantineia (Arkadien).
Indo-Europäische Parallelen
Hermes teilt mit dem römischen Mercurius alle wesentlichen Funktionen, Götterbote, Handelsgott, Wegekreuzungsschützer. Mercurius wurde im Imperium romanum zum häufigst-verehrten Gott, gerade in Gallien (mit dem keltischen Lugus identifiziert).
Im germanischen Kontext wurde Mercurius mit Wodan (Mittwoch, Wodanstag im Englischen Wednesday, im Italienischen mercoledì) übersetzt. Die strukturelle Verwandtschaft mit dem indischen Pushan (vedischer Pfad-Gott) wurde von Indogermanisten (Dumézil, West) hervorgehoben.
Vorderasiatische Parallelen
Der ägyptische Schreiber- und Mondgott Thoth wurde in der hellenistisch-römischen Synkretismus-Phase mit Hermes identifiziert (Hermes Trismegistos = „Hermes der Drei-Mal-Größte“). Die Corpus Hermeticum-Schriften (1.-3. Jh. n. Chr.) sind Produkt dieser Hermes-Thoth-Verschmelzung. Auch der mesopotamische Schreibergott Nabu teilt strukturelle Ähnlichkeiten, Botschaft, Schreibkunst, Vermittlerrolle.
Spätantike und Hermetismus
Ab dem 2. Jh. n. Chr. wurde Hermes Trismegistos zur zentralen Figur des Hermetismus, einer ägyptisch-griechischen Mystik-Tradition mit alchemistischen, astrologischen und magischen Lehren. Die Tabula Smaragdina (mittelalterlich-arabisch überliefert) gilt als hermetisches Schlüsseltext.
Der Renaissance-Hermetismus (Ficino, Pico della Mirandola, Bruno) prägte die europäische Esoterik-Tradition bis ins 19. Jahrhundert. Bis heute leben hermetische Strömungen in der Astrologie, Alchemie und neueren Esoterik fort.
Die ausführlichste mythologische Quelle für Hermes ist der homerische Hermeshymnus, ein etwa 580 Verse umfassendes Gedicht, das vermutlich im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entstand. Es schildert die Taten des Gottes an seinem ersten Lebenstag und legt damit sein gesamtes Wesen aus.
Hermes ist der Sohn des Zeus und der Nymphe Maia, geboren in einer Höhle des Berges Kyllene in Arkadien. Schon am Tag seiner Geburt verlässt er die Wiege. Er findet eine Schildkröte, tötet sie und baut aus ihrem Panzer die erste Lyra, indem er Saiten darüberspannt.
Dann zieht er aus und stiehlt eine Rinderherde seines älteren Bruders Apollon. Um keine Spuren zu hinterlassen, treibt er die Rinder rückwärts und bindet sich selbst kunstvolle Sohlen unter die Füße. Zwei der Rinder opfert er und teilt das Fleisch in zwölf Portionen, ein Hinweis auf die zwölf olympischen Götter.
Als Apollon den Dieb ausfindig macht und Hermes vor Zeus bringt, leugnet das Kind mit großer Beredsamkeit. Zeus durchschaut die Sache, doch die Brüder versöhnen sich. Hermes schenkt Apollon die Lyra und erhält dafür einen goldenen Stab und andere Vorrechte.
In dieser einen Erzählung sind fast alle Zuständigkeiten des Hermes angelegt: die Erfindungsgabe, der Diebstahl und die Listigkeit, die Beredsamkeit, der Handel und Tausch, die Verbindung zu Herden, die Musik und die Grenzüberschreitung. Der Hymnus ist damit nicht nur eine unterhaltsame Geschichte, sondern eine durchdachte Auslegung dessen, was dieser Gott bedeutet.
Eine der wichtigsten und ältesten Funktionen des Hermes ist sein Amt als Psychopompos, als Geleiter der Seelen. In dieser Rolle führt Hermes die Verstorbenen aus der Oberwelt hinab in die Unterwelt.
Schon Homer kennt diese Funktion. Im letzten Buch der Odyssee wird geschildert, wie Hermes mit seinem Stab die Seelen der erschlagenen Freier zusammentreibt und sie in die Unterwelt führt, während sie wie aufgescheuchte Fledermäuse zwitschern.
Diese Aufgabe ergibt sich folgerichtig aus dem Grundwesen des Hermes. Er ist der Gott, der Grenzen überschreitet, und keine Grenze ist endgültiger als die zwischen Leben und Tod. Hermes kann sie in beide Richtungen passieren, ohne selbst der Unterwelt anzugehören.
In manchen Mythen holt er Seelen auch wieder herauf, etwa in der Persephone-Erzählung, in der er von Zeus geschickt wird, um die Tochter der Demeter aus der Unterwelt zurückzubringen.
Die Funktion als Totengeleiter hatte einen festen Ort in der religiösen Praxis. Hermes wurde im Totenkult angerufen, und sein Bild gehörte in den Bereich der Bestattung. Die Vorstellung, dass ein freundlicher Gott den schweren Übergang begleitet, milderte die Schrecken des Todes.
In der bildenden Kunst erscheint Hermes Psychopompos auf Vasenbildern und Grabreliefs, oft wie er eine Seele an der Hand führt.
Diese Seite des Hermes zeigt, dass er nicht nur der heitere Schalk der Kindheitserzählung war, sondern auch eine ernste, im Umgang mit dem Tod tröstliche Gestalt. Vergleichbare Geleitfunktionen finden sich beim römischen Mercurius und beim ägyptischen Anubis.
Eine der eigentümlichsten Erscheinungsformen des Hermes ist die nach ihm benannte Herme, ein Kultbild von charakteristischer Gestalt. Eine Herme ist ein viereckiger, sich nach oben leicht verjüngender Steinpfeiler, der oben in einen Kopf, meist den des Hermes, ausläuft und an dem auf halber Höhe ein Phallus angebracht ist. Arme und Beine fehlen.
Hermen standen an Wegkreuzungen, an Grenzen, an Hauseingängen und auf öffentlichen Plätzen. Ihre Funktion war vielfältig: Sie markierten Grenzen und Übergänge, schützten den Ort und galten als glückbringend. In Athen waren sie besonders zahlreich.
Der Phallus war dabei kein obszönes, sondern ein apotropäisches, abwehrendes und fruchtbarkeitsbezogenes Zeichen. Die Herme verbindet den Gott mit seiner Grundzuständigkeit, der Markierung und dem Schutz von Grenzen und Wegen.
Ein berühmtes historisches Ereignis zeigt, welche Bedeutung diese Bildwerke hatten. Im Jahr 415 vor unserer Zeitrechnung, kurz vor dem Aufbruch der athenischen Flotte zur Sizilienexpedition, wurden in einer Nacht zahlreiche Hermen in Athen verstümmelt.
Dieser sogenannte Hermenfrevel löste eine schwere politische Krise und Religionsfurcht aus, weil die Tat als böses Vorzeichen und als Frevel gegen die Götter galt.
Der Vorfall wird von Thukydides geschildert und zeigt, dass die Hermen tief im religiösen und politischen Leben der Stadt verankert waren. Für die Archäologie sind Hermen eine wichtige Quellengattung, weil sie in großer Zahl erhalten sind und die Verbindung von Gottesbild, Alltag und öffentlichem Raum dokumentieren.
Die im Westen bekannteste Funktion des Hermes ist die des Götterboten. In dieser Rolle überbringt er die Botschaften des Zeus und der anderen Götter und vermittelt zwischen den Sphären. Diese Funktion ist eng mit seiner Grundeigenschaft als Grenzgänger verbunden: Wer Botschaften überbringt, bewegt sich zwischen Absender und Empfänger, überquert Räume und Zuständigkeiten.
Die Ausstattung des Hermes spiegelt diese Aufgabe. Er trägt geflügelte Sandalen, die pedila, die ihn schnell über Land und Meer tragen. Auf dem Kopf hat er oft den geflügelten Reisehut, den petasos. Sein wichtigstes Attribut ist der Heroldsstab, der kerykeion, ein Stab, um den sich zwei Schlangen winden.
Dieser Stab kennzeichnet ihn als Herold und Vermittler. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Äskulapstab der Heilkunst, der nur eine Schlange trägt, obwohl beide in der modernen Symbolik oft vermischt werden.
Als Bote ist Hermes auch der Gott der Sprache und der Übersetzung, der Verständigung zwischen verschiedenen Parteien. Daraus leitete sich in späterer Zeit der Begriff der Hermeneutik ab, der Lehre von der Auslegung und vom Verstehen, die sich sprachlich auf Hermes bezieht.
Diese Verbindung zeigt, wie umfassend der Gott gedeutet wurde: Er ist nicht nur der, der Nachrichten trägt, sondern der, der Verstehen überhaupt ermöglicht. Im Gefüge des olympischen Pantheons nimmt Hermes damit eine vermittelnde Stellung ein.
Er ist der jüngste der großen Götter und derjenige, der zwischen allen anderen, zwischen Göttern und Menschen, Lebenden und Toten, hin und her geht.
Eine eigene und folgenreiche Entwicklung nahm der Hermeskult in der Spätantike. In hellenistischer Zeit wurde der griechische Hermes mit dem ägyptischen Gott Thoth gleichgesetzt, dem Gott der Schrift, des Wissens und der Weisheit.
Aus dieser Verschmelzung entstand die Gestalt des Hermes Trismegistos, des dreimal größten Hermes, der nicht mehr der heitere Götterbote der homerischen Dichtung war, sondern ein Träger geheimer Offenbarung.
Unter dem Namen dieses Hermes Trismegistos entstand zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine Sammlung von Schriften, das sogenannte Corpus Hermeticum, dazu weitere Texte wie der Asclepius. Diese Schriften behandeln Fragen der Kosmologie, der Seele, der Gotteserkenntnis und des Aufstiegs des Menschen zum Göttlichen.
Sie verbinden griechische Philosophie, vor allem platonische und stoische Elemente, mit ägyptischen und anderen Vorstellungen.
Das hermetische Schrifttum wirkte über die Antike hinaus außerordentlich stark. In der Renaissance wurde das Corpus Hermeticum wiederentdeckt und von Marsilio Ficino im 15. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt.
Man hielt es damals für ein uraltes Weisheitswerk, das noch vor Platon entstanden sei. Erst der Philologe Isaac Casaubon zeigte im frühen 17. Jahrhundert, dass die Texte tatsächlich aus der Kaiserzeit stammen.
Trotzdem prägte die hermetische Tradition die europäische Geistesgeschichte tief und steht am Beginn von Strömungen, die mit Begriffen wie Hermetik und Alchemie verbunden sind. Religionsgeschichtlich ist dieser Vorgang ein eindrückliches Beispiel dafür, wie aus einem mythologischen Gott durch Verschmelzung und Umdeutung eine neue, philosophisch-religiöse Autorität werden konnte.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Hermes ist einer der zwölf olympischen Götter, Sohn des Zeus und der Plejade Maia. Er ist der Götterbote, Gott der Kaufleute, Reisenden, Diebe, Redner und der Übergänge zwischen den Welten. Hermes Psychopompos führt die Seelen Verstorbener in die Unterwelt.
Seine Attribute: geflügelter Helm (Petasos) und Sandalen (Talaria), der Hermesstab (Kerykeion oder Caduceus mit zwei sich windenden Schlangen). Als Säugling stahl er bereits die Rinder des Apollon. Sein römisches Pendant ist Merkur.
Der Caduceus (Kerykeion) ist Hermes-Stab, ein Botenstab mit zwei sich umschlingenden Schlangen und Flügeln an der Spitze. Er ist Symbol des Kaufmanns, des Boten und des Vermittlers.
Er wird häufig (besonders in den USA) mit dem Äskulapstab verwechselt, dem Stab des griechischen Heilgottes Asklepios, der nur eine Schlange ohne Flügel zeigt. Diese Verwechslung führt dazu, dass viele medizinische Organisationen fälschlich den Caduceus als Symbol verwenden, eigentlich ist es der Stab des Handelsgottes, nicht der des Heilkundigen.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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