Palden Lhamo (die Ruhmreiche Göttin) ist die wichtigste weibliche Schutzgottheit der tibetischen Buddhismus. Sie wird als wild, wrathful und unerschrocken in der Verteidigung des Dharma gegen äußere und innere Hindernisse dargestellt. Ihre Verehrung erstreckt sich über alle vier großen Schulen.
Palden Lhamo reitet auf einem Maultier über ein Meer von Blut und wird mit blauerHaut, mehreren Armen und zornigem Gesicht dargestellt. Sie trägt das Haupt eines Dämons als Krone und schwingt eine Doppelaxt. Ihre Voto-Praktiken schützen Klöster, Lehrer und Praktizierende. Sie ist die persönliche Schutzgöttin des Dalai Lama.
Typ: Tibetisch-buddhistische wrathful Schutz-Göttin, die einzige weibliche Hauptyidam der Gelug-Tradition
Pantheon: Tibetischer Buddhismus (alle Schulen, besonders Gelug)
Funktion: Schutz des Dharma, Beschützerin der Dalai Lamas und der tibetischen Regierung, Vernichtung der Dämonen
Hauptattribute: Schwarz-blaue Hautfarbe, dritter Auge, Schädel-Krone, reitet auf einem Maultier über einen Blut-See
Hauptkultorte: Lhasa (Lhamo Latso-See), Lhamo-Lhakhang im Potala-Palast
Tibetische Identität: Pälden Lhamo, Sanskrit: Śridævî
Palden Lhamo (tibet. Pälden Lhamo, „ruhmreiche Göttin“) ist eine der wichtigsten weiblichen Schutzgottheiten des tibetischen Buddhismus. Wurzeln in der hinduistischen Kâlî– und Durga-Tradition. In Tibet seit dem 8. Jh. n. Chr. zentral.
Hauptblütezeit der Palden-Lhamo-Tradition: 14./15. Jh. mit Tsongkhapa und der Gelug-Tradition. Sie ist die Haupt-Schutzgottheit des Dalai Lamas und der traditionellen tibetischen Regierung. Vor der Auswahl jedes neuen Dalai Lamas wird der heilige Lhamo Latso-See (Visionssee) konsultiert, der ihr geweiht ist.
Hauptkultorte: Lhamo Latso-See (südöstlich von Lhasa, der heilige Visionssee, in dem Visionen für die Dalai-Lama-Findung erscheinen), Lhamo-Lhakhang im Potala-Palast in Lhasa (sein eigener Tempel-Raum), Drepung-, Sera- und Gandän-Klöster (mit Palden-Lhamo-Sadhana-Tradition). In Bhutan und Nepal in vielen tibetisch-buddhistischen Klöstern präsent. International in jedem Tibetisch-Buddhistisch-Zentrum mit Schutz-Göttinnen-Praxis.
Zentrale Quellen: tibetisch-tantrische Sadhana-Texte zu Palden Lhamo (verschiedene Versionen je nach Kloster-Tradition), die Volkserzählungen um den Lhamo-Latso-See, Tsongkhapas Schriften zur Schutzgottheitstradition. Sekundärliteratur: Linrothe, Ruthless Compassion; Beer, The Encyclopedia of Tibetan Symbols and Motifs (mit ausführlicher Palden-Lhamo-Ikonographie); Lopez, Religions of Tibet in Practice; Cabezón, Tibetan Ritual.
Palden Lhamo wird mit bestimmten ikonographischen Elementen dargestellt, die symbolisch kodiert sind und tiefe Bedeutung tragen. Diese Elemente vermitteln zentral die Funktionen, Machtquellen, Zuständigkeit und kosmische Rolle dieser Entität.
Das visuelle System erlaubt es Initiierten und kulturell Gebildeten, die tiefe Bedeutung zu erfassen. Farben, heilige Objekte oder Waffen, körperliche Attribute, spezifische Accessoires, alles ist signifikant und traditionell überliefert. Das System bleibt über Generationen stabil und erkennbar, was auf fundamentale archetypale Strukturen hindeutet.
Palden Lhamo war zentral in der religiösen Praxis und dem alltäglichen Verständnis der Tibet. Menschen wendeten sich in kritischen Situationen oder zu bestimmten rituellen Jahreszeiten an diese Entität, mit strukturierten Ritualen, Gebeten oder Opfergaben. Die Praxis war präzise tradiert und oft von Priestern oder Spezialisten geleitet.
Dass die Dalai Lamas seit dem 15. Jahrhundert am See Lhamo Latso nach Visionen suchen, zeigt, wie fest das Vertrauen in Palden Lhamos Schutz verankert ist. Ihre Aufgaben als einzige weibliche Gestalt unter den acht großen Dharmapalas sind mehrschichtig: Sie wehrt Angriffe auf die Lehre ab, ehe sie Tibet erreichen, hilft bei der Überwindung eingetretener Gefahren, weist auf ihrem Maultier reitend den Weg zur Auffindung neuer Dalai-Lama-Inkarnationen und wacht ohne Unterlass über das Land und seine Oberhäupter.
Erscheinung und Symbolik
Palden Lhamo wird als schwarze oder dunkelblau-schwarze Göttin mit wildem Haar dargestellt, oft mit drei Augen. Sie trägt einen Krone aus Totenschädeln und hält eine Schädelschale und eine gekrümmte Klinge. Sie reitet auf einem weißen Esel oder steht auf Leichen. Feuer umgeben ihre Gestalt. Diese Ikonografie symbolisiert ihre wrathful-Kraft gegen Hindernisse.
Die wichtigsten Aspekte von Palden Lhamo auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Palden Lhamo entwickelt sich aus der tantrischen Kâlî-Tradition (hinduistische Wurzel). Im tibetischen Mythos: sie war ursprünglich eine indische Prinzessin, die einen Anti-Dharma-König heiratete, ihren Sohn opferte sie als Buddhistin und ass sein Fleisch, um den dämonischen Pfad ihres Mannes zu durchbrechen.
Aus diesem Schmerz erwuchs ihre wrathful Form als Schutz-Göttin. Reitet seit dieser Zeit auf einem Maultier durch einen See aus Menschen-Blut. In tibetischer Konsolidierung mit Mahakala als komplementäres Schutz-Paar verstanden (männlich-weiblich).
Hauptschutz-Göttin der tibetischen Tradition. Beschützerin des Dalai Lamas und der tibetischen Regierung. Vernichterin der dämonischen Hindernisse für das Dharma. Im Lhamo-Latso-See erscheinen Visionen, die bei der Findung des nächsten Dalai Lamas konsultiert werden, eine zentrale Praxis der tibetischen Politik-Religion.
Im persönlichen Kult Anrufung in akuten Notlagen, besonders gegen schwere dämonische Anfechtung. Patronin der weiblichen wrathful-Yidams.
Schwarz-blaue (oder dunkelblaue) Frauengestalt mit drittem Auge, aufgerissenem Mund mit Reisszähnen. Schädel-Krone (5 Schädel), wirres rotes Haar, flammende Aureole. Reitet seitwärts auf einem weißen Maultier, dessen Sattel aus der menschlichen Haut ihres geopferten Sohnes besteht.
Reitet durch einen See aus menschlichem Blut. In den Händen: Schädelbecher (Kapala), Donnerkeil (Vajra), Knüppel mit Schädel. Schlangen-Halskette, Knochen-Schmuck, Tigerfellschurz. Begleitet von zwei Wesen: Makâravaktâ (Krokodil-Köpfige Tochter) und Siṃhavaktâ (Löwen-Köpfige Tochter).
Wirkungsbereich: Palden Lhamo wird in jedem Gelug-Kloster taglich verehrt. Im persönlichen Schutz-Kult bei akuter dämonischer Bedrohung angerufen. Die Lhamo-Latso-See-Tradition ist einzigartig: vor jeder Dalai-Lama-Findung reisen Hochlamas zum See und meditieren tagelang am Ufer, in der Erwartung visionärer Eingebungen über den nächsten Inkarnationen.
Das aktuell Sechste Lama-Findung (1933) hatte hier eine berühmte Vision der Buchstaben Ah, Ka und Ma in einem Spiegel.
Schwarz-blaue Hautfarbe, drittes Auge, Schädel-Krone, weißes Maultier (Reittier), Sattel aus Menschenhaut, Blut-See, Schädelbecher (Kapala), Donnerkeil (Vajra), Knüppel mit Schädel. Begleitwesen: Krokodil-Köpfige Tochter, Löwen-Köpfige Tochter. Heilige Pflanzen: keine spezifischen. Heilige Farben: schwarz, dunkelblau, rot.
Kâlî (Hinduismus, direkte Wurzel), Durga (Hinduismus, verwandte Krieger-Göttin), Mahakala (Buddhismus, männliches komplementäres Paar), Ekajati (Vajrayana, verwandte wrathful Schutz-Göttin), Pehar (Vajrayana, verwandter Schutzgott), Sechmet (Ägypten, bluttrunkene Göttin-Parallele), Erinyen (Griechenland, Rachegeister-Göttinnen), Hekate (Griechenland), Maman Brigitte (Vodou). Palden Lhamo ist die einzigartige tibetisch-buddhistische Hauptschutz-Göttin.
Weibliche Schutzgottheiten in zorniger Form, oft mit Tier-Reittier und Waffen, finden sich vom Hinduismus (Kali, Durga) bis zum japanischen Kishimojin; im tibetischen Kontext steht Palden Lhamo speziell für die staatliche und klösterliche Ordnung.
Jüdische Tradition
Die Shekinah als weibliche Schechina und Lilith als wilde Frauenkraft teilen mit Palden Lhamo die Dimension des weiblichen Sakralen, allerdings ohne die zornige Schutzfunktion.
Griechisch-römische Welt
Athena als kriegerische Schutzgöttin und Hera als Königin mit Autorität nähern sich Palden Lhamos Rolle, allerdings ohne die zornig-tantrische Dimension und ohne Dämonenfest-Symbolik.
Germanische Tradition
Die Valkyren und Freyja als Kriegsgöttinnen verkörpern weibliche Kampfkraft, während die Nornen Schicksal und Schutz verkörpern, eine Synthese diesem Palden Lhamo ähnlich.
Hinduismus
Durga und Kali als wrathful mother-goddesses teilen mit Palden Lhamo die Synthese von Weiblichkeit, Wrathfulness und Schutzfunktion, beide sind zentral im tantrischen Hinduismus.
Palden Lhamo (tibetisch dPal ldan lha mo, sanskritisch Shri Devi) nimmt im tibetischen Buddhismus eine herausgehobene Stellung ein, die über die einer einzelnen Schutzgottheit hinausgeht.
Sie gilt als die wichtigste weibliche dharmapala (Religionsschützerin) und als persönliche Schutzgottheit der Dalai Lamas sowie der Gelug-Schule. Ihr besonderer Bezug zur tibetischen Hauptstadt ist eng mit dem Lhamo Lhatso verbunden, einem heiligen See südöstlich von Lhasa.
In dessen Wasseroberfläche, so die Überlieferung, lassen sich Visionen erkennen, die bei der Suche nach den Wiedergeburten hoher Lamas Hinweise geben. Der zweite Dalai Lama Gendün Gyatso (1476 bis 1542) gründete am Ufer ein Kloster und festigte die Verbindung zwischen der Gottheit, dem See und dem Orakelwesen.
In Lhasa selbst war Palden Lhamo im Jokhang-Tempel und im Potala-Palast mit eigenen Kapellen vertreten. Ihre Statue wurde jährlich in einer Prozession durch die Stadt geführt.
Diese öffentliche Verehrung verband den Staatskult mit dem Schutz der politischen Ordnung, denn Palden Lhamo galt als Garantin der Regierung des Dalai Lama. Religionswissenschaftlich ist sie damit ein Beispiel dafür, wie eine ursprünglich indische Gottheit in Tibet zur Trägerin einer staatstragenden Funktion umgeformt wurde.
Die Identifikation mit dem indischen Shri Devi verweist auf eine lange Vorgeschichte. In Indien war diese Figur mit der Sphäre der zornvollen Schutzgottheiten verbunden, ehe sie in den tantrischen Systemen ihre tibetische Ausprägung erhielt.
Die enge Bindung an die Gelug-Schule entstand erst im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts, als diese Schule politischen Einfluss gewann. Wer die Rolle Palden Lhamos verstehen will, muss sie daher im Zusammenspiel von Klosterpolitik, Orakeltradition und Staatskult betrachten, nicht als isolierte mythische Gestalt.
Die bildliche Darstellung Palden Lhamos folgt einem festen Kanon, dessen einzelne Elemente jeweils mythologisch begründet sind. Sie reitet auf einem Maultier durch ein Meer aus Blut, dargestellt mit dunkelblauer Haut, drei Augen und einem zornvollen Gesicht mit gebleckten Eckzähnen.
In der rechten Hand hält sie eine Keule oder einen Knüppel, in der linken eine Schädelschale. Ihr Haar lodert nach oben, häufig gekrönt von fünf Totenschädeln.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Maultier. Auf seiner Hinterhand erscheint ein Auge, das nach der Legende durch einen Pfeil entstand, den der zürnende Gott des Reichs Lanka auf die fliehende Göttin abschoss. Statt sie zu töten, traf der Pfeil das Reittier und verwandelte sich in ein wachendes Auge.
Der Sattel ist mit der abgezogenen Haut eines Dämonen bezogen, die Zügel bestehen aus Schlangen. An der Satteltasche hängen ein Knäuel magischer Fäden und ein Würfel zur Wahrsagung. Diese Gegenstände verweisen auf ihre Funktion als Gottheit, die über Schicksal und Lebensfaden verfügt.
Die materielle Kultur kennt zahlreiche Bronzefiguren und vor allem thangka-Malereien Palden Lhamos, die seit dem 17. Jahrhundert in den Klöstern der Gelug-Schule verbreitet waren. In den geheimen Schutzgottheiten-Kapellen, den gönkhang, standen ihre Bilder oft verhüllt und waren nur eingeweihten Mönchen zugänglich.
Westliche Sammlungen wie das Museum für Asiatische Kunst in Berlin oder das Rubin Museum in New York bewahren bedeutende Beispiele. Die Bildtradition ist über Jahrhunderte erstaunlich stabil geblieben, was die liturgische Festlegung der Beschreibungstexte (sadhana) widerspiegelt, nach denen die Maler arbeiteten. Eine vergleichbar dichte zornvolle Ikonografie findet sich bei Yamantaka und Ekajati.
Eine der bekanntesten Erzählungen um Palden Lhamo erklärt, wie sie zur Religionsschützerin wurde. In ihrer Vorgeschichte war sie mit dem König des menschenfressenden Reichs Lanka verheiratet, einem Ort, an dem die buddhistische Lehre unterdrückt wurde.
Sie gelobte, entweder ihren Gemahl zum Buddhismus zu bekehren oder, falls dies misslänge, die königliche Linie auszulöschen. Als die Bekehrung scheiterte, tötete sie ihren eigenen Sohn, den designierten Thronfolger, zog ihm die Haut ab und nutzte sie als Satteldecke. Anschließend floh sie nach Norden.
Auf der Flucht schoss der König einen vergifteten Pfeil hinter ihr her, der das Maultier traf und sich in das bekannte Auge auf dessen Hinterhand verwandelte. Palden Lhamo soll daraufhin das Gift aus der Wunde gezogen und die Wirkung in eine Quelle der Heilkraft umgewandelt haben.
Diese drastische Erzählung ist religionswissenschaftlich vielschichtig: Der Kindsmord steht nicht für Grausamkeit als Selbstzweck, sondern für die radikale Bereitschaft, alles dem Schutz der Lehre unterzuordnen. Die abgezogene Haut wird so zum Zeichen eines geleisteten Opfers, nicht eines Triumphes.
In der tantrischen Deutung gehört Palden Lhamo zu jenen Gottheiten, die ursprünglich der Sphäre der gefährlichen, weltlichen Wesen angehörten und durch einen erleuchteten Meister gebunden und in den Dienst der Lehre gestellt wurden.
Tradition schreibt diese Bindung dem Padmasambhava oder anderen frühen Lehrern zu. Damit steht sie zwischen den rein erleuchteten Schutzgottheiten und den weltlichen Geistern. Die Erzählung vom Sohn dient innerhalb dieses Systems als Begründung dafür, warum eine Gestalt von furchterregender Herkunft dennoch eine zuverlässige Schützerin sein kann: Ihr Gelübde bindet sie unwiderruflich.
Die liturgische Verehrung Palden Lhamos war in den Gelug-Klöstern fest geregelt. Mönche rezitierten ihre sadhana-Texte und Anrufungen in den gönkhang, oft im Rahmen monatlicher und jährlicher Zyklen.
Die wichtigste öffentliche Feier fiel auf den 15. Tag des ersten tibetischen Monats. In Lhasa wurde ihr Bild dabei in einer Prozession bewegt, und die Bevölkerung suchte ihren Schutz für das kommende Jahr.
Eng mit ihr verbunden ist das Orakelwesen. Das Staatsorakel von Nechung war zwar primär der Gottheit Pehar zugeordnet, doch Palden Lhamo galt als übergeordnete weibliche Schützerin, deren Wille in den Seevisionen am Lhamo Lhatso gelesen wurde.
Bei der Suche nach der Wiedergeburt eines Dalai Lama spielten diese Visionen eine anerkannte Rolle; berichtet ist dies unter anderem für die Auffindung des 14. Dalai Lama in den 1930er Jahren, als Regent und Suchkommission den See aufsuchten.
Im rituellen Alltag wurde Palden Lhamo auch durch Opfergaben besänftigt, die ihrem zornvollen Charakter entsprachen: Dazu zählten torma-Figuren aus Teig, dunkler Tee, Alkohol und symbolische Darstellungen von Fleisch und Blut.
Diese Gaben sind nicht als Verehrung von Gewalt zu verstehen, sondern folgen der tantrischen Logik, dass eine zornvolle Gottheit mit Substanzen ihrer eigenen Sphäre angesprochen wird, um ihre Kraft auf den Schutz der Praktizierenden zu lenken.
Eine besondere Bindung bestand zudem zu den Wintermonaten, in denen Schutzrituale verdichtet wurden. Die Forschung, etwa die Arbeiten von René de Nebesky-Wojkowitz in seinem grundlegenden Werk Oracles and Demons of Tibet (1956), hat dieses Ritualsystem detailliert dokumentiert und bleibt eine zentrale Quelle.
Palden Lhamo gelangte verhältnismäßig früh in das Blickfeld der europäischen Tibetforschung. Reisende und Missionare des 19. Jahrhunderts beschrieben die zornvollen Schutzgottheiten oft mit Unbehagen und deuteten sie als Belege für einen vermeintlich düsteren Charakter des tibetischen Buddhismus. Diese wertende Sichtweise ist heute überholt. Die wissenschaftliche Erschließung begann mit den großen Materialsammlungen des frühen 20. Jahrhunderts.
Der entscheidende Beitrag stammt von René de Nebesky-Wojkowitz, dessen 1956 erschienenes Werk Oracles and Demons of Tibet die Texte, Ikonografie und Rituale der tibetischen Schutzgottheiten erstmals systematisch ordnete.
Spätere Arbeiten, etwa von Amy Heller zur Ikonografie oder neuere Studien zur Geschichte der Gelug-Schule, haben das Bild ergänzt und die historische Entwicklung Palden Lhamos von der indischen Shri Devi zur tibetischen Staatsgottheit nachgezeichnet.
In der jüngeren Rezeption ist Palden Lhamo durch Ausstellungen tibetischer Kunst einem breiteren Publikum bekannt geworden. Ihre thangka-Darstellungen gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen zornvoller Bildkunst und werden in Sammlungskatalogen ausführlich behandelt.
In der populären Wahrnehmung wird sie gelegentlich mit Begriffen aus anderen Traditionen verglichen, etwa mit dunklen Muttergottheiten, was jedoch ihre spezifisch buddhistische Funktion verfehlt.
Wissenschaftlich bleibt sie vor allem als Fallbeispiel interessant: Sie zeigt, wie eine Gottheit über Jahrhunderte hinweg zugleich liturgisch festgelegt und politisch funktionalisiert werden konnte. Offene Fragen betreffen vor allem die genaue Datierung ihrer Bindung an die Gelug-Schule und das Verhältnis zwischen den verschiedenen regionalen Formen ihres Kults, die bislang nur teilweise erschlossen sind.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Palden Lhamo (tibetisch, ruhmreiche Göttin, Sanskrit Shri Devi) ist die wichtigste weibliche Schutzgottheit des tibetischen Buddhismus und die einzige weibliche Figur unter den großen Dharmapalas.
Sie wird in furchterregender Gestalt dargestellt: dunkelblau, auf einem Maultier reitend, das durch ein Meer aus Blut zieht, mit einem Sattel aus der abgezogenen Haut ihres eigenen Sohnes. Diese drastische Bildsprache ist symbolisch zu verstehen und steht für die kompromisslose Kraft, mit der Hindernisse auf dem Weg zur Erleuchtung zerstört werden.
Palden Lhamo gilt als besondere Schutzherrin der Stadt Lhasa und des Dalai Lama sowie der gesamten Gelug-Schule.
Der See Lhamo Latso, etwa 150 Kilometer südöstlich von Lhasa, gilt als ihr Wohnsitz und als Orakelsee: In seiner Wasseroberfläche sollen sich Visionen zeigen, die unter anderem bei der Suche nach der Wiedergeburt eines verstorbenen Dalai Lama herangezogen werden. So spielte der See eine Rolle bei der Auffindung des 14. Dalai Lama im Jahr 1935.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
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