Trasgu, der Kobold mit dem Loch in der Hand
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Der Trasgu ist ein Geist der nordspanischen Volksüberlieferung.
Der schelmische Hauskobold mit dem Loch in der linken Hand.
Der Trasgu ist der Hauskobold Asturiens und Nordspaniens, ein ambivalenter duende familiar mit roter Zipfelmütze und einem Loch in der linken Hand. Er ist schelmisch-lästig, im Kern aber nicht bösartig.
Gut behandelt ist er auffallend ordentlich und hütet Haus und Tiere; schlecht behandelt zerbricht er Geschirr und stiehlt. Wer ihn ganz loswerden will, hat nur einen verlässlichen Weg: eine unlösbare Aufgabe, an der der eigentlich ordentliche Kobold beschämt scheitert.
Typ: Ambivalenter Hausgeist von Dachboden, Stall und Herd
Herkunft: Nordspanische Folklore, ab dem 18. Jahrhundert bezeugt
Texte: Pater Feijoo, Cabal, de Llano
Zeitraum: 18. Jahrhundert bis Gegenwart
Erscheinung: kleiner dunkler Kobold mit roter Mütze und durchlöcherter linker Hand
Textgeschichte
Zeitraum der Texte
Nordspanische Folklore, literarisch bereits im 18. Jahrhundert bei Pater Feijoo bezeugt; 1925 dokumentiert Cabal den Trasgu als schwindenden Ahnenglauben.
Verbreitungsraum
Kernraum ist Asturien, dazu León, Kantabrien und Ost-Galicien; galicisch heißt der Kobold trasno oder trasgo.
Quellenlage
Gut dokumentiert: die Folklore-Sammlungen von Constantino Cabal und Aurelio de Llano sowie die frühe literarische Bezeugung bei Pater Feijoo.
Name und Varianten
Asturisch: trasgu, wahrscheinlich von lateinisch transgredi, übertreten, passend zum Regelübertreter; galicisch trasno oder trasgo.
Wesen und Wirkung
Erscheinung
Der Trasgu ist ein kleiner duende mit dunkler oder brauner Haut und roter Zipfelmütze, oft hinkend, mit Schwanz und manchmal Hörnern, und immer mit einem Loch in der linken Hand. Hörner, Hinken und Teufelszüge sind christliche Überformung, nicht ältester Bestand.
Wirkung
Als Hausgeist von Dachboden, Stall und Herd lärmt er, versteckt und verstellt Dinge und schreckt das Vieh, bleibt im Kern aber nicht bösartig. Gut behandelt ist er auffallend ordentlich und hütet Haus und Tiere; schlecht behandelt zerbricht er Geschirr und stiehlt. Bei frommen Anrufungen weicht er kurz.
Steckbrief: Trasgu
Die wichtigsten Aspekte des Hauskobolds auf einen Blick.
Ambivalenter Hausgeist der nordspanischen Folklore mit altem, mündlich bezeugtem Kern, ab dem 18. Jahrhundert literarisch fassbar.
Haus, Dachboden, Stall und Herd: Dort lärmt und wirtschaftet der Trasgu, je nach Behandlung als Plagegeist oder heimlicher Helfer.
Kleiner dunkler Kobold mit roter Zipfelmütze, oft hinkend, mit Schwanz und manchmal Hörnern, immer mit einem Loch in der linken Hand.
Gut behandelt hütet er Haus und Tiere und hält auffallend Ordnung; schlecht behandelt zerbricht er Geschirr, stiehlt und schreckt das Vieh.
Eine unlösbare Aufgabe: verstreutes Korn aufsammeln, das durch das Loch in seiner Hand rieselt, einen Korb voll Wasser tragen oder ein schwarzes Zicklein weiß waschen.
Der deutsche Kobold als nächste Parallele, dazu Brownie und Boggart, Leprechaun, Korrigan, Follet und Lutin sowie innerspanisch Trasno und Duende.
Vom Regelübertreter zum schwindenden Ahnenglauben
Der Name geht wahrscheinlich auf lateinisch transgredi, übertreten, zurück, passend zum Regelübertreter; galicisch heißt er trasno oder trasgo. Literarisch ist der Trasgu bereits im 18. Jahrhundert bei Pater Feijoo bezeugt, 1925 dann bei Cabal als schwindender Ahnenglaube.
Sein Kernraum ist Asturien, dazu León, Kantabrien und Ost-Galicien. Was heute als kanonisches Bild gilt, verdankt sich zu einem erheblichen Teil den Folkloristen-Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts, die den mündlich überlieferten Stoff ordneten und deuteten.
Vom Hofgeist zur Ikone Asturiens
Der Trasgu ist eine Ikone asturischer Identität, präsent in Illustrationen von Álvarez Peña und im Lied Trasgu von Víctor Manuel; literarisch erscheint er bei Ana María Matute, Torrente Ballester und Rafael Dieste.
Religionswissenschaftlich ist der Trasgu ein ambivalenter Hausgeist mit altem, mündlich bezeugtem Kern. Drei Klarstellungen: Ein großer Teil des heute kanonischen Bildes stammt aus Folkloristen-Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts, deren keltisch-romanische Kontinuitätsthesen Interpretation sind. Die Hörner sind christliche Überformung. Und die scharfe Trennung von Trasgu und verwandten Wesen ist teils erst analytische Ordnung.
Loswerden durch die unlösbare Aufgabe
Ein Umzug hilft nicht, denn der Trasgu kommt mit. Der einzig verlässliche Weg, ihn loszuwerden, ist eine unlösbare Aufgabe: einen Korb voll Wasser tragen, ein schwarzes Zicklein weiß waschen oder verstreutes Korn aufsammeln, das ihm durch das Loch in der Hand wieder herausrieselt. Beschämt gibt der eigentlich ordentliche Trasgu auf und geht. In der galicischen Variante wirft man ihm Körner zum Zählen hin, an denen er sich verzählt.
Kobolde von Asturien bis Britannien
Häufige Fragen zum Trasgu
Was ist ein Trasgu?
Der asturische Hauskobold, ein ambivalenter duende mit roter Mütze und einem Loch in der Hand. Sein Kernraum ist Asturien, dazu León, Kantabrien und Ost-Galicien.
Wie wird man ihn los?
Durch eine unlösbare Aufgabe, etwa verstreutes Korn aufzusammeln, das durch das Loch in seiner Hand rieselt. Beschämt gibt der ordentliche Kobold auf; ein Umzug dagegen hilft nicht.
Ist er bösartig?
Nein, er ist schelmisch-lästig; gut behandelt ist er sogar auffallend ordentlich und hütet Haus und Tiere.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Duende – der Hausgeist der spanischen Welt
- Brownie, Boggart – die britischen Verwandten
- Lutin – der französische Hauskobold
- Salz, Eisen, Weihwasser – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als asturischer Hauskobold mit dem Loch in der Hand ist der Trasgu das freundlichste Gesicht des Typs duende familiar: ein Geist, der plagt, aber auch hütet, und der sich nur durch eine unlösbare Aufgabe vertreiben lässt.





