Indianische Götter, Wakan Tanka und das Pantheon der First Nations

Die religiösen Traditionen indigener Völker Nordamerikas sind so vielgestaltig wie die Sprachen und Kulturen selbst, Lakota in den Plains, Hopi und Pueblo im Südwesten, Navajo (Diné) als größte Stammesnation, Inuit im hohen Norden, Cherokee im Südosten, Haida und Tlingit an der Nordwestküste. Trotz ihrer Vielfalt teilen viele Traditionen Bezüge zum Großen Geist, zu Tier-Geistführern, zur heiligen Landschaft und zu tragbaren Schutzobjekten.

Die indigenen Religionen Nordamerikas und ihre Schutztraditionen stehen im Mittelpunkt dieser Übersicht.

Ein gemeinsames Pantheon kennen die First Nations nicht; jede der vielen Nations überliefert eigene Götter und Geister.

Changing Woman - Götter aus der Native-american-Tradition, historisch-illustrativ

Vielfalt der Kulturareale

Die Anthropologie unterteilt Indigene Nordamerikas traditionell in Kulturareale: Arktis (Inuit, Yupik), Subarktis (Dene), Nordwestküste (Haida, Tlingit, Kwakwaka’wakw), Plateau (Nez Perce), Plains (Lakota, Cheyenne, Crow, Blackfoot), Eastern Woodlands (Iroquois, Cherokee, Algonkin), Südwesten (Hopi, Pueblo, Navajo, Apache), Großbecken (Shoshone, Ute), Kalifornien (Pomo, Chumash). Jedes Areal hat eigene religiöse Schwerpunkte, von schamanischen Praktiken über Pflanzenmedizin bis zu Klan-strukturierter Kosmologie.

Lakota, Wakan Tanka, Sun Dance, Vision Quest

Die Lakota (eine der drei Hauptsprachen der Sioux) verehren Wakan Tanka, den „Großen Geist“ oder besser „großes Heilig-Sein“, ein durchwirkendes Prinzip, das in vielen Aspekten erscheint. Die Sun Dance ist das wichtigste Ringritual des Jahres, das Tanzen, Fasten und körperliche Prüfung verbindet. Die Vision Quest (Hanblecha), vier Tage Fasten allein in der Wildnis, markiert Lebensübergänge und persönliche Geist-Begegnung. Wichtige zeremonielle Pfeifer: die Chanunpa (heilige Pfeife), die Weiße Büffelfrau brachte sie.

Hopi und Pueblo, Kachina-Religion

Bei den Hopi und Pueblos im Südwesten organisieren Kachina-Geister das religiöse Leben. Kachinas sind Vermittler zwischen Götter- und Menschenwelt, in jährlichen Tanzzyklen verkörpert von maskierten Tänzern. Bei den Hopi gibt es über 300 Kachina-Figuren, jede mit eigener Funktion (Regen, Fruchtbarkeit, Krankenheilung, Lehre der Jugend). Geschnitzte Kachina-Puppen aus Pappelholz dienen der religiösen Erziehung. Die Pueblo-Tradition kennt Kiva als Versammlungs- und Initiationsraum.

Navajo (Diné), Hozhó und Heilungswege

Die Navajo nennen sich selbst Diné („das Volk“). Im Zentrum ihrer Religion steht Hozhó, Schönheit, Harmonie, Gleichgewicht. Die Schöpfungsmythen erzählen vom Aufstieg aus vier Unterwelten in die gegenwärtige Welt. Heilungsrituale (Chants, Wege) wie der Blessingway, Enemyway und Nightway sind komplexe mehrtägige Zeremonien mit Sandbildern (Iikááh), Liedern und Gebeten. Sandbilder werden nach Gebrauch zerstört, sie sind nicht für die Ewigkeit, sondern für den Heilungsakt.

Schutzobjekte, Medizinbeutel, Traumfänger, Federn

Medizinbeutel (Medicine Bundle / Pouch), Lederbeutel mit persönlich erworbenen heiligen Gegenständen, sind in vielen Plains- und Waldland-Traditionen zentral. Traumfänger (Dreamcatcher, ursprünglich Ojibwe-Tradition) hängen über Schlafplätzen und filtern Träume durch ihr Spinnennetz-Muster. Adlerfedern gelten als heiligste tragbare Objekte, Verleihung erfordert Erlaubnis und Tat. Türkis ist im Südwesten zentraler Schutzstein (Navajo, Pueblo, Hopi Schmucktradition). Tiergeist-Fetische aus Stein (Zuni) werden in der Medizinbeutel-Praxis verwendet.

Häufige Fragen zu den indianischen Göttern

Wie viele indianische Götter gibt es?

Es gibt nicht eine indianische Religion, über 500 First-Nation-Stämme Nordamerikas haben jeweils eigene Religionen. Plains-Indianer (Lakota, Cheyenne, Crow) zentrieren auf Wakan Tanka. Algonkin-Sprachfamilien (Cree, Ojibwe) auf Manitou. Pueblo-Indianer (Hopi, Zuni) auf Kachina-Geister. Coyote-Trickster ist westlich-amerikanisch verbreitet. Insgesamt Hunderte unterschiedlicher Gottheiten und Geister.

Wer ist Wakan Tanka?

Wakan Tanka (Lakota: Großes Mysterium) ist die höchste heilige Macht der Lakota-Sioux. Anders als der christliche Gott ist Wakan Tanka nicht eine Person, sondern eine alles durchdringende Realität mit sieben Aspekten. Die Begegnung mit der Weißen Büffelfrau ist Begründungsmythos der heiligen Pfeife (Chanunpa) und sieben Lakota-Riten.

Was ist der Sun Dance?

Der Sun Dance (Lakota: Wi Wanyang Wachipi) ist das wichtigste Ritual der Plains-Indianer, eine viertägige Zeremonie zur Sommersonnenwende. Tänzer verzichten auf Speise und Trank, einige werden mit Holzspitzen am Brustfleisch durch Riemen am Sonnentanz-Baum verbunden. Das Ritual wurde 1881 von der US-Regierung verboten und 1978 mit dem American Indian Religious Freedom Act wieder legal.

Wer ist Coyote?

Coyote ist der Trickster-Geist vieler westlich-nordamerikanischer Stämme (Navajo, Apache, Klamath, Maidu u. a.), Schöpfer und Lump zugleich. Er bringt den Menschen Feuer und Maispflanzen, ist aber auch Verführer und Lügner. Seine Geschichten enthalten oft erotische und obszöne Elemente, anders als christianisierte Indianer-Märchen für Kinder. Religionswissenschaftlich ist Coyote prototypischer Trickster, verwandt mit dem westafrikanischen Anansi-Spinne und norse Loki.

Sweat Lodge, Pfeifenritual, Pejote

Die Sweat Lodge (Inipi auf Lakota) ist eine pan-indianische Reinigungspraxis: niedriges Domzelt aus Weiden mit heißen Steinen und Wasser, vier Runden mit Gebeten, Heil-Liedern und Reflexion. Die Pfeifen-Zeremonie (Pipe Ceremony) heiligt Versammlungen und Verträge. Die Native American Church (gegründet 1918) nutzt Peyote (Lophophora williamsii) als sakramentale Pflanzenmedizin und ist heute Großorganisation mit eigener Theologie.

Heutige Lage und Forschung

Etwa 5, 6 Millionen Native Americans leben heute in den USA, weitere etwa 2 Millionen in Kanada. Religionsfreiheit wurde erst durch den American Indian Religious Freedom Act von 1978 grundsätzlich gewährt, bis dahin waren viele Praktiken verboten. Religionswissenschaftliche Standardwerke: Ake Hultkrantz The Religions of the American Indians, Sam Gill, Joel Martin, Vine Deloria Jr. (indigene Perspektive).

Kulturareale und die Vielfalt indigener Nationen

Die Rede von der Religion der Native Americans ist eine Verkürzung, die in der Forschung längst als problematisch gilt. In Nordamerika bestanden und bestehen Hunderte eigenständiger Nationen mit eigenen Sprachen, Gesellschaftsformen und religiösen Vorstellungen. Eine einzige indigene Religion gibt es nicht, ebenso wenig wie es eine einzige europäische Religion gibt.

Zur Ordnung dieser Vielfalt verwendet die Ethnologie das Konzept der Kulturareale, also größerer Regionen mit ähnlichen Umweltbedingungen und kulturellen Zügen. Üblich ist eine Unterscheidung etwa in die Nordwestküste, das Kalifornische Areal, das Plateau, die Großen Ebenen, die Subarktis, die Arktis, den Südwesten, den Südosten und das nordöstliche Waldland. Diese Einteilung ist ein Hilfsmittel, keine indigene Selbstbeschreibung.

Schon innerhalb eines Areals bestehen große Unterschiede. Im Südwesten etwa unterscheiden sich die sesshaften Pueblo-Gemeinschaften der Hopi und Zuni mit ihren Kiva-Riten und Maskentänzern deutlich von den Diné, also den Navajo, deren Heilzeremonien und Sandbilder eine eigene Logik haben. An der Nordwestküste prägten Lachsfang, Potlatch-Feste und ein komplexes Wappen- und Rangsystem die Religion, in den Großen Ebenen dagegen die Bisonjagd, die Visionssuche und Zeremonien wie der Sonnentanz.

Eine seriöse Darstellung muss deshalb stets fragen, von welcher Nation, welcher Region und welcher Zeit die Rede ist. Pauschale Aussagen über indianische Spiritualität verfehlen ihren Gegenstand. Verwandte Themen behandeln einzelne Wesen-Seiten dieses Kulturraums.

Wiederkehrende Vorstellungsmuster

Trotz aller Vielfalt lassen sich einige Vorstellungsmuster benennen, die in vielen, aber nicht in allen nordamerikanischen Traditionen auftreten. Verbreitet ist die Annahme, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen, Orte und Naturkräfte Personen mit eigenem Willen sein können. Die Forschung spricht hier von einer relationalen oder personalen Ontologie, in der die Grenze zwischen Mensch und Nichtmensch durchlässig ist.

Häufig findet sich die Vorstellung einer alles durchwirkenden Kraft oder eines Geheimnisses, das in einzelnen Traditionen unterschiedlich benannt wird. Solche Begriffe sind schwer zu übersetzen, und ältere Wiedergaben als großer Geist verzerren oft mehr, als sie erklären. Die Begriffe gehören jeweils in ihren sprachlichen und kulturellen Zusammenhang.

Weit verbreitet ist die Figur des Trickster, eines zweideutigen Wesens, das zugleich Kulturbringer und Störenfried ist und je nach Region als Kojote, Rabe, Spinne oder Nerz auftritt. Trickster-Erzählungen erklären die Entstehung von Welt und Ordnung, brechen aber zugleich Normen und zeigen deren Grenzen.

Ebenfalls häufig ist die Visionssuche, ein meist von Fasten und Abgeschiedenheit begleitetes Ringen um eine prägende Begegnung mit einer schützenden Macht. Daneben spielen Heil- und Reinigungsrituale eine große Rolle, etwa die Schwitzhütte, sowie kalendarisch gebundene Gemeinschaftsfeste. Wichtig bleibt, dass jedes dieser Muster in jeder Nation eine eigene Ausprägung, eigene Regeln und eigene Bedeutungen hat.

Verschriftlichung, Forschungsgeschichte und Quellenkritik

Die nordamerikanischen Traditionen waren mündlich überliefert. Schriftliche Quellen stammen deshalb fast immer von Außenstehenden: von Missionaren, Reisenden, Verwaltungsbeamten und später von Ethnologen. Jede dieser Quellen trägt die Sicht und das Interesse ihrer Verfasser in sich, was die Quellenkritik zur Grundbedingung jeder Beschäftigung mit dem Thema macht.

Eine wichtige, aber zwiespältige Rolle spielte die amerikanische Ethnologie um Franz Boas und seine Schülerinnen und Schüler im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie sammelten in großem Umfang Erzählungen, Lieder und rituelle Beschreibungen, oft in der Annahme, sie würden eine untergehende Welt dokumentieren. Diesem Ansatz verdankt die Forschung umfangreiches Material, zugleich entstand er aus der irrigen Vorstellung vom verschwindenden Indianer.

Problematisch ist auch, dass viele Aufzeichnungen ohne Einverständnis der Gemeinschaften entstanden und teils Wissen festhielten, das eigentlich Eingeweihten vorbehalten war. Heutige indigene Wissenschaftler und Gemeinden fordern deshalb Mitsprache darüber, was erforscht, veröffentlicht und ausgestellt werden darf. Gesetze wie der nordamerikanische Umgang mit Grabfunden und Ritualgegenständen haben hier Veränderungen gebracht.

Hinzu kommt eine populäre Aneignungsgeschichte. Seit dem 19. Jahrhundert wurden indigene Vorstellungen romantisiert, in der Esoterik verarbeitet und mit erfundenen Elementen vermischt, etwa in der weit verbreiteten, aber späten und teils nichtindigen Konstruktion von Krafttieren. Die Religionswissenschaft trennt deshalb sorgfältig zwischen den historischen und gegenwärtigen Traditionen einzelner Nationen und dem, was im Westen daraus gemacht wurde.

Kolonialdruck, neue Bewegungen und Revitalisierung

Die Religionsgeschichte des indigenen Nordamerika seit der Kolonisierung ist von massivem Druck geprägt. Landverlust, Umsiedlung, Epidemien und gezielte Politik trafen die religiösen Grundlagen vieler Nationen. In den Vereinigten Staaten und Kanada wurden indigene Kinder über Generationen in Internatsschulen gebracht, in denen Sprachen und Zeremonien verboten waren. Bestimmte Rituale waren zeitweise gesetzlich untersagt.

Unter diesem Druck entstanden auch neue religiöse Bewegungen. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Geistertanz, eine prophetische Bewegung, die eine Erneuerung der Welt und die Rückkehr der Verstorbenen erhoffte und deren Unterdrückung 1890 in das Massaker von Wounded Knee mündete. Etwa zur selben Zeit entstand die Native American Church, die rituellen Gebrauch des Kaktus Peyote mit christlichen Elementen verbindet und heute eine anerkannte, überregionale Religionsgemeinschaft ist.

Erst im späteren 20. Jahrhundert verbesserte sich die rechtliche Lage. In den Vereinigten Staaten stellte der American Indian Religious Freedom Act von 1978 die freie Religionsausübung ausdrücklich unter Schutz, auch wenn die praktische Durchsetzung, etwa beim Zugang zu heiligen Orten, weiter umstritten ist.

Seit den 1970er Jahren ist eine breite Revitalisierung zu beobachten. Nationen betreiben Sprachprogramme, nehmen Zeremonien wieder auf und fordern sakrale Gegenstände und Vorfahrengebeine aus Museen zurück. Zugleich grenzen sich viele Gemeinschaften scharf gegen die kommerzielle Aneignung ihrer Religion durch Außenstehende ab. Eine angemessene Darstellung zeigt indigene Religion in Nordamerika deshalb als lebendige Gegenwart, getragen von eigenständigen Nationen, und nicht als historisches Kapitel.

Verwandte Schlüsselbegriffe: Lakota Hopi Navajo Diné Cherokee Haida Tlingit Inuit Manitou Wakan Tanka Sun Dance Vision Quest Medicine Bundle Dreamcatcher Kachina.

Schutzobjekte in dieser Kulturtradition

Indigene Traditionen Nordamerikas, Lakota, Hopi, Navajo und viele weitere, kennen Medizinbeutel (Medicine Bundle), Traumfänger, Adlerfedern und Tiergeist-Fetische aus Stein als tragbare Schutzobjekte; Türkis-Schmuck der Südwest-Pueblos ist hochgeschätzt.

iWell Guard fügt sich in diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte ein, in zeitgenössischer Materialarchitektur, gefertigt in Deutschland. 41 Ebenen, Echtgold, Platin, Silber. 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.

iWell Guard ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die religionswissenschaftlichen Inhalte sind kulturhistorische Einordnung, keine spirituelle Praxis-Empfehlung.

Schutzsymbole aus den indigenen Kulturen Nordamerikas

Das Lexikon der Schutzsymbole behandelt mehrere Zeichen und Objekte aus den indigenen Kulturen Nordamerikas auf eigenen Seiten: Traumfänger. Einen kulturübergreifenden Überblick bietet die Seite zu den Schutzsymbolen.