Kachina (Hopi katsina, Zuni koko, in weiteren Pueblo-Sprachen unter eigenen Namen) bezeichnet eine Klasse von Geisthelfern der Pueblo-Völker des südwestlichen Nordamerika. Die Kachina-Tradition umfasst rund 400 verschiedene Einzelwesen, die je eigene Aufgaben, Ikonographien und rituelle Funktionen haben.
Kachina sind als Ahnen-Geister und Regen-Bringer in der Pueblo-Religion zentral und treten als Geisthelfer der Lebenden auf.
Innerhalb der Pueblo-Religion gilt Kachina als zentrales Hopi-Geistwesen, das die Verbindung zwischen Menschen, Ahnen und kosmischen Mächten verkörpert.
Die Kachina sind eine zentrale Klasse der Pueblo-Religion. Sie werden insbesondere bei den Hopi (Arizona) und Zuni (New Mexico) in einer hochentwickelten ritualpraktischen Tradition verehrt; die anderen Pueblo-Völker (Acoma, Laguna, Tewa-Pueblos) haben eigene, teilweise andere Geist-Wesens-Klassen.
Religionswissenschaftlich gehören die Kachina zur weiten Klasse der Geister-Helfer, Wesen, die zwischen den höchsten Schöpfer-Prinzipien (siehe Spider Grandmother) und den Menschen vermitteln. Strukturell vergleichbar sind die japanischen kami, die tibetisch-buddhistischen yidam, die katholischen Heiligen und die afro-brasilianischen Orixas.
Die Kachina sind keine Gottheiten im streng-monotheistischen Sinn, sondern eher numinose Vermittler-Wesen, die in der ritualpraktischen Präsenz tatsächlich anwesend werden, wenn die maskenttanze stattfinden. Die theologische Pointe der Kachina-Tradition ist die Manifestation-Lehre: Wenn ein Hopi-Mann die Kachina-Maske aufsetzt und in dem ritualpraktischen Kontext tanzt, ist er nicht Schauspieler eines Kachina, sondern der Kachina selbst wird in ihm gegenwärtig. Diese Präsenz-Theologie ist von dem Hopi-Theologen Emory Sekaquaptewa und der Hopi-Forscherin Barbara Tedlock in ihren Werken systematisch beschrieben worden.
Eine wichtige theologische Differenzierung ist die strenge Geschlechter-Trennung der Kachina-Tradition: Die männliche Hopi-Initiation umfasst die Kenntnis der Kachina-Geheimnisse (dass die Masken von Männern getragen werden); die weibliche Hopi-Initiation umfasst andere, ebenso geheime Komplexe (insbesondere die Verbindung zur Spider Grandmother und zu den Frauen-Geheimgesellschaften). Diese geschlechtlich differenzierte Religion war von der spanischen Mission besonders schwer zu erfassen, weil sie keinerlei vergleichbare Struktur in der katholischen Tradition hatte. Die spanischen Missionare des 17. Jahrhunderts haben die Pueblo-Religion teilweise als Dämon-Verehrung interpretiert und sind in den großen Pueblo-Aufstand von 1680 hineingestolpert, der durch die spanische Verfolgung der Kachina-Religion mitausgelöst wurde.
Der Hopi-Begriff katsina bedeutet wortwörtlich respektvolle-Spirituelle-Präsenz oder heilige Begegnung. Er ist sprachhistorisch nicht eindeutig erklärt; eine wahrscheinliche Etymologie verbindet ihn mit dem Stamm ka- (heilig) und tsina (Ort, Präsenz).
Die populäre englische Schreibung Kachina, die im 19. Jahrhundert durch die Verbreitung der Kachina-Puppen (kleine Holzfiguren-Repräsentationen der Kachina) in amerikanisch-anglo-saxen Sammler-Kreisen gängig wurde, ist eine vereinfachte Form der korrekten Hopi-Schreibung katsina. Die Hopi-Tribal Council hat seit den 1980er Jahren wiederholt eine Rückkehr zur korrekten Schreibung gefordert; im akademischen Diskurs ist katsina heute die Standard-Schreibung.
Bei den Zuni heißt die entsprechende Wesens-Klasse koko oder kokko; die Zuni-Maskerade-Tradition ist mit der Hopi-Tradition strukturell verwandt, aber im Detail eigenständig. In den Keresan-Pueblos heißen die Maskeraden-Wesen shiwanna, was wortwörtlich Wolken-Wesen bedeutet und die spezifische Regen-Bringer-Funktion der Wesensklasse hervorhebt.
Die Hopi-Tradition kennt zwischen 250 und 400 verschiedene Kachina, je nach Zählung. Sie werden in mehrere Hauptklassen gegliedert. Die Chief Kachina sind die wichtigsten Hauptfiguren, darunter Eototo (Chief der Kachinas, eine Art Hoechst-Kachina), Aholi (sein Begleiter), Sotuknang (Schöpfer-Kachina) und Massaw (Erd-und-Toten-Kachina, der die Hopi nach dem Eintritt in die Vierte Welt empfangen hat).
Eine zweite Klasse sind die Mong Kachina, würdige, alte Begleiter-Wesen, die in den Hauptzeremonien als Anweisende und Lehrende auftreten. Eine dritte Klasse sind die Wuya Kachina, Clan-spezifische Kachina, die jeweils nur von einem bestimmten Hopi-Clan verehrt werden. Eine vierte Klasse sind die Whipper Kachina, die strafenden Geist-Wesen (Hu, Wuwuyom, Tungwup), die unaufmerksame oder respektlose Hopi-Kinder mit Yucca-Peitschen zurechtweisen.
Eine fünfte Klasse sind die Clown Kachina, die komischen, satirischen Geist-Wesen (insbesondere die Koshare und die Koyemshi), die im Pausen-Bereich der Hauptzeremonien auftreten und durch satirische Akte das Sozial-Verhalten der Gemeinschaft korrigieren. Diese Clowns haben eine wichtige pädagogisch-soziale Funktion und sind in der ethnologischen Literatur intensive Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Eine wichtige Kachina-Klasse, die nicht in die Hauptgliederung passt, sind die Mudhead-Kachina (Koyemshi). Sie sind die Clown-Wesen mit charakteristischen kugel-köpfigen Lehm-Masken und auffallend asymmetrischer Tracht. Die Mudheads vertreten in der Hopi-Theologie die kosmologische Erste Welt der Hopi-Schöpfung und tragen die kosmologische Verantwortung für das Überleben der Welt. Sie sind zugleich komisch und ernsthaft, ein Paradox, das ihre theologische Bedeutung ausmacht. Frank Cushing hat in seinen Zuni-Arbeiten die Mudhead-Tradition ausführlich beschrieben und ihre paradoxe Komik-Würde herausgestellt.
Die Kachina sind in der ritualpraktischen Präsenz an ihre charakteristischen Masken und Tracht erkennbar. Jeder Kachina hat eine eigene, hochspezifische Maske, aus Holz, Leder oder Tuch geformt, mit eingearbeiteten Federn, Haar, Muschelschmuck und farbigen Bemalungen. Die Maske ist nicht zur Verbergung, sondern zur Manifestation der Geist-Präsenz: Wer die Kachina-Maske aufsetzt, wird zum Kachina.
In der Ergänzung zur Maske gehört ein vollständiges Kostüm aus Tracht, Lederbestückung, Schmuck und rituellen Werkzeugen. Die Hopi-Kostüm-Tradition ist hoch standardisiert: Jeder Kachina hat seine spezifische Tracht, die über Generationen weitergegeben wird. Die Maske und das Kostüm sind im Hopi-Sinn keine Bekleidung, sondern materielle Manifestationen der Geist-Wesens-Identität.
Die Tihu, die Kachina-Puppen, kleine geschnitzte Holzfiguren, die das Aussehen der einzelnen Kachina genau wiedergeben, wurden traditionell den Hopi-Mädchen als religiös-pädagogisches Lernmaterial gegeben. Sie dienten dazu, die einzelnen Kachina mit ihren spezifischen Eigenschaften zu erkennen und zu identifizieren. Seit dem 19. Jahrhundert sind die Tihu-Puppen zu einem beliebten Sammler-Artikel im amerikanischen Kunst-Markt geworden, was zu einer kommerziellen Produktion geführt hat, die teilweise außerhalb der traditionellen religiösen Kontexte stattfindet. Der Hopi-Tribal Council hat seit den 1990er Jahren strikte Regeln aufgestellt, welche Tihu-Puppen verkauft werden dürfen und welche als religiös-rituelle Objekte nicht verkaufsfähig sind.
Die Kachina haben in der Hopi-Theologie eine spezifische kosmologische Funktion: Sie leben in der Vierten Welt, der Welt, in der die Hopi gegenwärtig existieren, nur von Februar bis Juli; den Rest des Jahres weilen sie in den heiligen Bergen, insbesondere im San Francisco Peaks-Gebirge bei Flagstaff, Arizona, wo sich der heilige Nuvatukyaovi-Gipfel (Schneebedeckter Höchster Ort) befindet.
Im Februar kehren die Kachinas in die Hopi-Dörfer zurück, das ist die Soyalangwuul–Zeremonie zur Wintersonnwende, die ihren Rückkehr-Beginn markiert. Über die folgenden sechs Monate finden sie verschiedene Ritualtanze in den Hopi-Dörfern auf den Mesas (Walpi, Sichomovi, Hano, Shongopovi, Bacavi, Hotevilla, Oraibi, Mishongnovi), die jeweils einer spezifischen Funktion gewidmet sind: Regen-Bringen, Frucht-Sicherung, Krankheits-Vertreibung, Kinder-Initiation.
Höhepunkt des Kachina-Jahres ist das Niman Kachina, die Heim-Tanz-Zeremonie im Juli, in der die Kachinas die Hopi-Dörfer verlassen und in die Berge zurückkehren. Diese Zeremonie ist mit einer aufwendigen Beschenkung verbunden: Die ankommenden Kachinas verteilen Tihu-Puppen, frische Maiskolben, Wassermelonen und kleine Geschenke an die Hopi-Kinder und Frauen, bevor sie endgültig fortgehen. Die Niman-Zeremonie ist nicht-Hopi nur in seltensten Fällen zugänglich; der Hopi-Tribal Council hat den Zugang seit den 1990er Jahren stark eingeschränkt, um die kulturelle Authentizität zu schützen.
Eine weitere wichtige Kachina-Veranstaltung ist die Powamuya–Zeremonie im Februar, auch Bean Dance genannt. Sie markiert das mid-Winter-Hochfest und umfasst eine sechszehntägige rituelle Sequenz mit zahlreichen Kachina-Auftritten. In den Kivas (unterirdischen zeremoniellen Kammern) keimen die Hopi-Männer während dieser Zeremonie symbolische Bohnen-Saaten unter Bedingungen, die die Sommer-Wärme simulieren; die wachsenden Bohnen-Pflanzen werden dann am letzten Tag in einer prozessionalen Auftritt-Form aus den Kivas geholt und an die Hopi-Kinder als Vor-Vorbote des wirklichen Sommers verteilt. Diese symbolische Sommer-Simulation ist von Jesse Walter Fewkes in seinen klassischen Hopi-Studien systematisch beschrieben worden.
Die Kachinas haben in der Hopi-Tradition eine breite Schutz-Funktion. Sie schützen die Dörfer vor Schadgeistern, sichern die landwirtschaftliche Produktion (insbesondere durch das Regen-Bringen) und vermitteln zwischen den Hopi-Vorfahren und den Lebenden.
Konkrete schutzbezogene Praktiken umfassen das Aufstellen von Tihu-Puppen über dem Türsturz oder in den Kinderbettchen, das Aufhängen kleiner Holz-Repliken bestimmter Kachina-Masken in den Wohnzimmern, und das rituelle Anrufen bestimmter Kachina bei spezifischen Notlagen (etwa Eototo bei Trockenheit, Massaw bei Tod in der Familie, Hu bei kindlichem Fehlverhalten).
Eine besonders wichtige Schutzpraxis bildet die Pubertäts-Initiation der Hopi-Kinder. Mit etwa acht Lebensjahren werden die Kinder zum ersten Mal in das tiefere Wissen über die Kachina-Tradition eingeweiht. In dieser Initiation, die mit einer rituellen Yucca-Peitschen-Hierachie verbunden ist, in der die Whipper-Kachina symbolisch die Kinder durch das soziale Lernen leiten, erfahren die Kinder, dass die Kachina-Maskerade von menschlichen Männern getragen wird, dass aber gleichzeitig die Geist-Präsenz real ist. Diese paradoxe Vermittlung, Männlichkeit-und-Geist-Präsenz zugleich, ist das Kern-Geheimnis der Hopi-Religion und wird in der ethnologischen Diskussion als Beispiel hochsophistizierter religiös-philosophischer Theologie hervorgehoben.
Eine spezifische Schutzpraxis bildet die Tihu-Bestattung. Wenn eine Tihu-Puppe als religiös-ritualpraktisches Objekt verwendet wurde und nicht mehr aktiv gebraucht wird, wird sie nicht weggeworfen oder verkauft, sondern in einer kleinen, eigenen Bestattungs-Zeremonie unter dem Felsen oder in einer Bergspalte abgelegt. Diese Praxis reflektiert die theologische Auffassung, dass die Tihu-Puppe selbst eine kleine numinose Präsenz enthält, die respektvoll behandelt werden muss. Vergleichbare Bestattungs-Praktiken für rituelle Objekte sind in vielen Pueblo-Traditionen verbreitet und unterscheiden sich grundlegend von der profanen Behandlung religiös besetzter Objekte in der westlich-säkularen Kultur.
Die Kachina-Maskerade-Tradition hat in der vergleichenden Religionswissenschaft viel Aufmerksamkeit erfahren. Strukturell vergleichbar sind die japanischen Noh– und Kagura-Masken-Theater, die afrikanischen Initiation-Masken-Traditionen (insbesondere in West-und Zentralafrika), die Maya- und Azteken-Masken-Tradition und die tibetisch-buddhistische Cham-Tanz-Tradition.
In allen diesen Fällen geht es um eine spezifische theologische Konstruktion: Die Maske ist nicht Verbergung, sondern Manifestation; der Maskenträger ist nicht Schauspieler, sondern selbst die manifestierte Wesensgestalt. Diese Manifestation-Theologie ist religionsphilosophisch komplex und wird in der vergleichenden Studie als incarnational ritual-Phänomen beschrieben.
Innerhalb der nordamerikanischen Indianer-Traditionen weist die Kachina-Tradition enge Parallelen zur Nordwestküsten-Maskentanz-Tradition (Kwakwaka’wakw, Tlingit, Tsimshian) und zur Pueblo-Kindred Yei-bi-chai-Tradition der Navajo auf. Die Pueblo-Kachina und die Navajo-Yei sind religionsethnologisch nicht identisch, aber strukturell verwandt; die Navajo haben ihre Yei-Tradition vermutlich aus den Pueblo-Kontakten des 16. 17. Jahrhunderts übernommen und weiterentwickelt.
Eine weitere relevante Parallele zeigt die altgriechische Eleusinische Mysterien-Tradition, in der ebenfalls Masken-Auftritte und die Verkörperung der Göttin Demeter/Persephone durch die Mysten-Initiierten zentrales theologisches Element waren. Die strukturellen Konvergenzen zwischen den Hopi-Kachina-Riten und den Eleusinischen Mysterien sind in der vergleichenden Religionswissenschaft seit Walter Burkert wiederholt beobachtet worden, allerdings ohne die suggestion einer historischen Verbindung, es handelt sich um konvergente Entwicklungen unter ähnlichen soziokulturellen Bedingungen einer agrarisch-kalendarisch fundierten Religiosität.
Die Kachina-Tradition ist heute eine der lebendigsten und ungebrochensten religiösen Traditionen der amerikanischen Indianer. Die Hopi-Religion auf den Hopi-Mesas und die Zuni-Religion im Zuni-Pueblo werden in einer Form praktiziert, die die spanische Mission (16. 17. Jahrhundert) und die spätere amerikanische Kolonisation nur randständig beeinflusst hat.
In der akademischen Forschung haben Jesse Walter Fewkes, Frank Cushing, Elsie Clews Parsons, Alfonso Ortiz, der Hopi-Theologe Emory Sekaquaptewa und die zeitgenössische Hopi-Forscherin Wendy Rose die Kachina-Tradition systematisch beschrieben. Die klassische Kachina-Liste von Harold Colton (Hopi Kachina Dolls, 1959) bleibt eine wichtige Identifikations-Referenz, ist aber von Hopi-Seite als nicht-ganz-akkurat kritisiert worden.
Aus religionswissenschaftlicher Sicht ist die Kachina-Tradition ein paradigmatisches Beispiel einer hoch komplexen indigenen Religion mit ausdifferenziertem Pantheon, sophistizierter Theologie und kontinuierlicher ritualpraktischer Präsenz. Die Tatsache, dass eine Tradition mit rund 400 verschiedenen Geist-Wesen über Jahrhunderte hinweg ohne Schriftkultur durch ausschließlich orale Tradition und ritualpraktische Präsenz weitergegeben werden konnte, gehört zu den eindrucksvollsten religionsethnologischen Befunden. Der iWell-Guard-Bezug zur Pueblo-Tradition beschreibt diese Befunde religionsgeschichtlich, ohne Wirkungsversprechen oder spirituelle Empfehlungen.
Ein wichtiges jüngeres Forschungsfeld bildet die Frage der Tihu-Puppen-Authentizität. Da die Tihu-Puppen sich seit dem späten 19. Jahrhundert zu einem wertvollen Sammler-Artikel entwickelt haben, gibt es eine wachsende Industrie nicht-Hopi-produzierter Tihu-Imitate, die in Tourist-Shops in Arizona und New Mexico verkauft werden. Der Hopi-Tribal Council hat 1992 die Hopi Cultural Preservation Office eingerichtet, die unter anderem die Aufgabe hat, gegen die unsachgemäße Reproduktion von Tihu-Puppen vorzugehen und die kulturelle Authentizität der Hopi-Kunst zu schützen. Diese Bemühungen sind in der breiteren Diskussion um indigene Kulturrechte und das geistige Eigentum indigener Gemeinden eingebettet.
Die folgende Auswahl listet zentrale Werke der Pueblo-Religion und der Kachina-Forschung.
Bei den Hopi und den Zuni des Südwestens Nordamerikas sind die als katsina bezeichneten Wesen, in der englischsprachigen Literatur meist Kachina geschrieben, an einen festen Jahreszyklus gebunden. Nach der überlieferten Vorstellung halten sich die katsina einen Teil des Jahres bei den Menschen auf und verbringen die übrige Zeit an einem entfernten Ort, der bei den Hopi mit den San Francisco Peaks verbunden wird. Ihre Ankunft und ihr Fortgang gliedern das Zeremonialjahr.
Während der Zeit ihrer Anwesenheit treten katsina bei öffentlichen Zeremonien auf, verkörpert durch Männer der Gemeinschaft, die in entsprechender Tracht und Maske auftreten. Diese Auftritte sind nicht als bloße Darstellung gedacht; nach Hopi-Verständnis ist der Träger während der Zeremonie auf besondere Weise mit dem Wesen verbunden. Die katsina werden mit Regen, Fruchtbarkeit und dem Wohlergehen der Gemeinschaft in Verbindung gebracht, was im trockenen Hochland des Südwestens existenzielle Bedeutung hat.
Die ethnographische Dokumentation ist umfangreich, aber von der Hopi-Gemeinschaft kritisch gesehen. Jesse Walter Fewkes fertigte um 1900 zahlreiche Beschreibungen und Abbildungen an, und auch spätere Forscher dokumentierten den Komplex. Die Hopi-Stammesregierung hat sich wiederholt gegen die Veröffentlichung von Bildern und Einzelheiten der Zeremonien gewandt und betrachtet einen großen Teil dieses Wissens als nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Eine seriöse Darstellung respektiert diese Haltung und beschränkt sich auf den allgemein bekannten Rahmen, ohne rituelle Einzelheiten auszubreiten.
Eng mit den katsina verbunden sind die geschnitzten Figuren, die im Hopi als tihu bezeichnet werden. Sie stellen einzelne katsina dar und wurden traditionell vor allem an Kinder, insbesondere Mädchen, übergeben. Ihre Funktion war es, mit der großen Zahl der verschiedenen Wesen vertraut zu machen; sie sind also weniger Spielzeug als Lehrmittel innerhalb der religiösen Erziehung.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus diesen Figuren ein bedeutender Kunstmarkt. Schon Sammler des frühen 20. Jahrhunderts erwarben tihu, und seit den mittleren Jahrzehnten entstanden zunehmend Figuren, die ausdrücklich für den Verkauf geschnitzt wurden. Diese Marktstücke unterscheiden sich oft in Material, Detailgrad und Pose von den älteren, für den Gebrauch in der Gemeinschaft bestimmten Figuren. Die Forschung verzeichnet eine Spannung zwischen dem religiösen Ursprung der Figuren und ihrer Stellung als Sammelobjekt.
Die Hopi-Gemeinschaft unterscheidet selbst zwischen Figuren, die im Zusammenhang der Zeremonien stehen, und solchen, die für den Verkauf gefertigt werden. Erstere gelten als nicht handelbar. Es hat in der Vergangenheit Auseinandersetzungen um Auktionen gegeben, bei denen Objekte angeboten wurden, die die Hopi als heilig und unverkäuflich betrachten, darunter auch andere Ritualgegenstände. Diese Konflikte berühren grundsätzliche Fragen des Kulturgüterschutzes und des Umgangs mit indigenem religiösem Eigentum. Für die Darstellung der katsina ist der Punkt wichtig, weil er zeigt, dass die Wesen nicht nur in Erzählung und Zeremonie greifbar sind, sondern auch in einem materiellen Erbe, dessen Status bis heute umstritten ist.
Die Kachina der Pueblo-Religion verbinden in besonderer Weise die Sphären der Lebenden und der Ahnen: Sie gelten als Geistgestalten der Verstorbenen, die als Wolken, Regenbringer und Helfer in die Dörfer zurückkehren. In den Zeremonien von Hopi und Zuñi treten sie durch maskierte Tänzer in Erscheinung, während geschnitzte Tihu-Figuren ihre Wesensart anschaulich machen.
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