Die Sami in Lappland, verteilt über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland, pflegen die einzige indigene Tradition Europas, die bis ins 17. Jahrhundert in Reichweite christlicher Missionierung schamanische Praxis bewahrte. Die Noaidi-Schamanen, ihre Trommeln mit Sonne-Mond-Götter-Diagrammen und die Seita-Heiligtümer in der Tundra bilden eine eigenständige finno-ugrische Religionsschicht.
Das samische Pantheon ist eng mit Natur, Jagd und den Kräften der Landschaft verbunden.
Der samische Noaidi-Schamanismus bildet das Rückgrat der vorchristlichen Religion in Sápmi.
Die Sami-Götter gliedern sich in drei Sphären: die Oberwelt um Radien-attje, die Mittelwelt mit dem Donnergott Horagalles und die Unterwelt unter Jábmiidáhkká. Noch heute werden sie in der noaidi-Tradition Lapplands überliefert.
Die Sami sprechen eine eigene Sprachfamilie mit neun lebenden Sprachen, Nordsamisch ist die größte. Sie sind verwandt mit den finno-ugrischen Sprachen (Finnisch, Ungarisch, Estnisch).
Das Sami-Siedlungsgebiet, Sápmi, umfasst die nördlichsten Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und die Kola-Halbinsel in Russland. Traditionelle Lebensweise: Rentier-Nomadismus, Fischerei, Küstenökonomie. Heute leben etwa 80.000, 135.000 Sami in dieser Region, mit eigenen Parlamenten in Norwegen, Schweden und Finnland.
Drei Sphären ordnen die Götterwelt der Sami: oben Radien-attje, in der Mitte der Donnergott Horagalles, unten Jábmiidáhkká. Die noaidi-Tradition Lapplands hält dieses Wissen bis heute lebendig.
Beaivi (Pejvve) ist die Sonnengottheit, mythische Mutter der Sami; Mánnu der Mondgott; Ráhka die Donnergottheit (parallel zum nordischen Thor); Akka-Gottheiten sind weibliche Hausgöttinnen verschiedener Sphären (Sara-Akka am Türeingang, Uksakka am Herd, Juksakka als Schützerin der männlichen Kinder).
Stallo sind menschen-fressende riesenhafte Wesen aus der Wildnis. Saivo ist die mythische andere Welt, manchmal als Unterwelt unter heiligen Bergen oder Seen vorgestellt.
Der Noaidi (in älteren Quellen Noaide, schwedisch „Trollkarl“, lat. „magus“) ist der religiöse Spezialist. Seine Trance-Praxis induziert er durch Trommel, Joik (traditioneller Gesang) und Konzentration.
Seelenreisen führen in die drei Welten, Oberwelt zu den Göttern, untere Welt zu den Verstorbenen, mittlere Welt zur Land-Heilung. Heilung, Wettervorhersage, Diebstahl-Aufdeckung und Schutz der Rentierherden waren seine Aufgaben. Im 17./18. Jahrhundert wurden Noaidi-Trommeln systematisch von Missionaren eingesammelt und teilweise verbrannt.
Die Trommel des Noaidi (govadas, gievrie) hat eine ovale oder runde Form, eine Membran aus Rentierhaut, mit roter Erlenrinden-Farbe bemalt. Die Bemalung zeigt ein kosmologisches Diagramm, Sonne im Zentrum, Götter, Tiere, Bergführer, Verstorbene.
Der „Hammer“, meist aus Rentiergeweih, wird beim Schlagen über die Membran geführt, ein Zeigerring (vuorbi, „Frosch“ aus Knochen) springt über die Felder; aus seinem Stand wird die Antwort gelesen. Etwa 70 Sami-Trommeln sind erhalten, in Schwedens Nationalmuseum, Nordiska Museet, Sami-Museen.
Die Sami sind das indigene Volk Lapplands, etwa 80.000 Menschen in Norwegen, Schweden, Finnland und Russisch-Karelien. Sie sprechen samische Sprachen (uralisch). Seit 1989 staatlich anerkannte indigene Bevölkerung.
Horagalles ist der Sami-Donnergott, Schutzherr der Sami und Renweidegründe. Sein Name leitet sich vom altnordischen Thor-karl ab, eine Übernahme vom germanischen Thor.
Die Sami-Schamanen-Trommel war zentrales Werkzeug der noaidi (Schamanen). Auf der Trommelhaut waren die Götter, Geister und kosmischen Bereiche aufgemalt. Im 17.-18. Jh. wurden die meisten Trommeln durch christliche Missionare verbrannt.
Norwegische, schwedische und finnische Missionare unterdrückten die Sami-Religion zwischen 1600 und 1900 brutal, Schamanen wurden hingerichtet, Trommeln verbrannt. Erst im 20. Jh. begann eine Renaissance, heute praktizieren wenige Sami offen die alte Religion.
Seita (auch Sieidi) sind besondere Steine, Klippen, Bäume oder Holzpfähle, die als Sitz von Land-Geistern verehrt werden. Sie erhielten Opfer, Rentier-Blut, Knochen, Geweih, Münzen, Tabak. Wichtige Seita-Stätten: Stállogárgu in Finnmark, Áhkka-Massiv in Schweden, Inarisee in Finnland. Jeder Familienclan hatte eigene Seita-Beziehungen. Religionswissenschaftliche Sicht: die Seita-Verehrung ist konstitutiv eine Land-Beziehung, kein abstrakter Theismus.
Tragbare Schutzobjekte sind selten als materielle Anhänger ausgeprägt, die Sami-Religion ist primär ritueller Land-Bezug. Allerdings: Gákti (Tracht) trägt symbolische Webereien und Verzierungen, die Region, Familie und Status codieren; bestimmte Stickereien haben Schutzcharakter.
Joik, der eigene Gesang einer Person, eines Tieres, eines Ortes, ist die akustische Form, einen Bezug zu „beschützen“ und zu „erinnern“. Trommel-Miniaturen, Knochen-Anhänger und Birken-Wurzel-Bänder werden ergänzend verwendet.
Die Christianisierung erfolgte zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert, oft mit Gewalt und Trommelverbrennungen (1693 wurden in Arjeplog 30 Trommeln öffentlich verbrannt). Die Laestadianer-Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts (gegründet vom samischen Pastor Lars Levi Laestadius) blieb für viele Sami die dominante religiöse Identität, mit eigenen Codes.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts findet eine kulturell-religiöse Revitalisierung statt, Sami-Sprache, Trommel-Nachbau, Joik-Renaissance. Religionswissenschaftliche Werke: Håkan Rydving The End of Drum-Time (1993), Juha Pentikäinen, Anne-Lise Karlsen.
Die Samen leben im Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands sowie auf der russischen Halbinsel Kola. Dieser Raum, oft Sápmi genannt, ist staatlich vierfach geteilt, und auch die Samen selbst sind keine einheitliche Gruppe.
Es gibt mehrere samische Sprachen, die untereinander nicht ohne Weiteres verständlich sind, darunter Nordsamisch, Lulesamisch, Südsamisch, Inarisamisch und Skoltsamisch. Entsprechend unterschieden sich auch die religiösen Traditionen je nach Region und Lebensweise.
Die Lebensweisen reichten von der Rentierhaltung über die Fischerei an der Küste und an Binnenseen bis zur Jagd. Diese ökonomischen Unterschiede schlugen sich in der Religion nieder. Küstensamen, Waldsamen und die mit den Rentierherden ziehenden Gruppen hatten teils verschiedene Schwerpunkte in ihren Kulten. Pauschale Aussagen über die samische Religion verdecken diese innere Vielfalt.
Gemeinsam war vielen Gruppen die Verehrung von Naturmächten und Ahnen, die Bedeutung bestimmter heiliger Orte in der Landschaft, die als sieidi bezeichneten Opferplätze, und die Figur des Ritualspezialisten, des noaidi. Auch diese gemeinsamen Elemente sind jedoch in den Quellen regional unterschiedlich bezeugt, und vieles ist nur lückenhaft bekannt.
Das bekannteste religiöse Objekt der Samen ist die Trommel, im Nordsamischen goavddis oder meavrresgárri genannt. Sie bestand aus einem Holzrahmen oder einem ausgehöhlten Holzkörper mit einem bemalten Fell. Die Bilder auf dem Fell zeigten Gottheiten, Geister, Tiere, Menschen und Landschaftselemente und stellten ein Abbild der Welt dar.
Der noaidi nutzte die Trommel auf zweierlei Weise. Zum einen ließ er einen Zeiger auf dem Fell wandern, um aus seiner Bewegung über die Bilder Vorzeichen zu lesen. Zum anderen versetzte ihn der Trommelrhythmus in einen veränderten Zustand, in dem seine Seele zu den Geistern reisen konnte.
Das samische Weltbild kannte mehrere Ebenen und eine Vielzahl von Mächten. Bezeugt sind unter anderem Sonnengottheiten, der Donnergott, eine Reihe von Müttergottheiten, die für Geburt und Kinder zuständig waren, sowie Herren der Tiere, etwa für Bären und für das Rentier.
Die Toten und die Unterwelt hatten ihren Platz, und die sieidi, oft auffällige Felsen oder Steine, galten als Orte, an denen man mit diesen Mächten in Kontakt treten und ihnen opfern konnte.
Über die genaue Systematik dieses Pantheons besteht keine Sicherheit, weil die Quellen verstreut und teils widersprüchlich sind. Die erhaltenen Trommeln, von denen weltweit nur etwa siebzig überdauert haben, sind eine wichtige Quelle, doch ihre Bilder lassen sich nicht immer eindeutig deuten.
Die schriftliche Überlieferung zur samischen Religion stammt fast ausschließlich von außen und überwiegend von Missionaren. Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert verfassten lutherische Geistliche in Norwegen und Schweden Berichte über die als heidnisch bekämpften Praktiken.
Zu den bekannteren Quellen gehören die Schriften des norwegischen Missionars Thomas von Westen und seiner Mitarbeiter sowie spätere Darstellungen wie die des Knud Leem. Diese Texte sind ergiebig, aber zutiefst parteiisch, denn ihr Ziel war die Ausrottung der alten Religion, nicht ihre Beschreibung.
Eine zweite Quellengruppe sind die Trommeln selbst, von denen viele im Zuge der Mission beschlagnahmt wurden. Manche gelangten in europäische Sammlungen, andere wurden verbrannt.
Einige Missionare ließen sich die Bilder erklären und hielten Deutungen fest, sodass für bestimmte Trommeln eine zeitgenössische Auslegung überliefert ist. Die berühmteste solche Quelle ist eine Handschrift, die zu einer 1691 beschlagnahmten Trommel die Bedeutung der Figuren angibt.
Eine dritte Quelle eigener Art ist der Jojk, der traditionelle samische Gesang. Er war nicht im engeren Sinne ein religiöser Text, doch die Mission bekämpfte ihn als heidnisch, und in seinen Formen und Inhalten haben sich Bezüge zur älteren Vorstellungswelt erhalten.
Forschende wie Håkan Rydving haben gezeigt, wie stark die Quellenlage durch die Brille der Mission verzerrt ist, und mahnen, dass jede Rekonstruktion der samischen Religion mit erheblichen Unsicherheiten leben muss.
Die Christianisierung der Samen war ein langer und gewaltsamer Prozess. Schon im Mittelalter gab es erste Berührungen, doch die systematische Mission setzte im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert ein. Trommeln wurden beschlagnahmt und verbrannt, noaidi wurden verfolgt, in Einzelfällen kam es zu Hinrichtungen.
Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert verband sich der religiöse Druck mit einer staatlichen Politik der Assimilation. In Norwegen ist diese als Fornorsking, als Norwegisierung, bekannt. Samische Sprache und Kultur wurden in Schulen und Internaten unterdrückt.
Eine Besonderheit ist die Rolle der laestadianischen Erweckungsbewegung, einer im neunzehnten Jahrhundert von Lars Levi Laestadius begründeten lutherischen Strömung, die unter Samen weite Verbreitung fand. Sie war einerseits Teil der christlichen Durchdringung, bot andererseits aber Raum für eine samisch geprägte religiöse Praxis und gilt manchen als ein Gefäß, in dem ältere Elemente teils aufgehoben wurden.
Seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert gibt es eine kulturelle und politische Erstarkung der Samen, sichtbar in eigenen Parlamenten und in der Pflege der Sprachen.
In diesem Zusammenhang steht auch ein neues Interesse an der vorchristlichen Überlieferung. Es äußert sich in der Forschung von Samen über die eigene Geschichte, in der Rückforderung beschlagnahmter Trommeln aus Museen und in künstlerischer Aufnahme alter Motive.
Von einer breiten Wiederbelebung der alten Religion als gelebter Praxis lässt sich jedoch nicht sprechen. Die meisten Samen sind Christen, und die Auseinandersetzung mit der vorchristlichen Vergangenheit ist vor allem eine der kulturellen Selbstvergewisserung und der historischen Aufarbeitung.











Der samische schamanismus verbindet Noaidi, Trommel und Seita-Steine zu einer eigenständigen schutzpraxis, die Familien, Rentierherden und Wohnplätze gegen Krankheits- und Naturgeister abschirmen sollte.
Verwandte Schlüsselbegriffe: Sami Noaidi Sieidi Seita Pejvve Beaivi Ráhka Mánnu Lapland Trommel Joik Reindeer.
Sami-Tradition kennt die kosmologisch bemalte Schamanen-Trommel mit Vuorbi-Zeigern, Seita-Steine als stationäre Heiligtümer und gestickte Gákti-Trachten mit regionalen Schutz-Codes; tragbare Schutzobjekte sind reduziert, die Land-Beziehung ist primärer religiöser Träger.
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