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Iran und Zoroastrismus, Ahura Mazda, Avesta und Faravahar

Der Zoroastrismus, gestiftet von Zarathustra im ersten oder zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, ist eine der ältesten dokumentierten monotheistischen Religionen. Ahura Mazda steht im Zentrum als Schöpfer; die Welt ist dualistisch gedacht zwischen seinem Wirken und dem zerstörerischen Prinzip Angra Mainyu. Der Zoroastrismus hat jüdische, christliche und islamische Eschatologie nachhaltig geprägt.

Ein eigener Abschnitt ordnet die zoroastrische Schutzpraxis religionswissenschaftlich ein.

Ahura Mazda - Götter aus der Iran-zoroastrismus-Tradition, historisch-illustrativ

Zarathustra und die Datierung

Über die Person Zarathustras (gr. Zoroaster) sind nur seine eigenen Hymnen, die Gathas, verlässlich überliefert. Die Datierung schwankt in der Forschung erheblich: konservative Schätzungen setzen ihn ins 6. Jahrhundert v. u. Z. an, sprachhistorische Analysen seiner Hymnen legen jedoch eine wesentlich ältere Datierung, etwa 1500 bis 1000 v. u. Z. nahe.

Sein historisches Wirken wird in Ostiran oder Zentralasien vermutet. Der von ihm formulierte Monotheismus mit ethischer Akzentuierung steht früheren polytheistischen Indo-Iranischen Traditionen gegenüber.

Avesta und Pantheon

Die heiligen Schriften des Zoroastrismus sind im Avesta gesammelt, Gathas (Zarathustras eigene Hymnen, in altavestischer Sprache), Yasna (liturgischer Korpus), Visperad, Vendidad und Yashts.

Neben Ahura Mazda und Angra Mainyu treten die sechs Amesha Spentas (heilige Unsterbliche), Vohu Manah (gute Gesinnung), Asha Vahishta (beste Wahrheit), Khshathra Vairya (gewünschtes Reich), Spenta Armaiti (heilige Hingabe), Haurvatat (Ganzheit), Ameretat (Unsterblichkeit), als Personifikationen göttlicher Aspekte auf. Die Yazatas sind verehrungswürdige Wesen mit spezifischen kosmischen Funktionen: Mithra (Vertrag), Anahita (Wasser), Sraosha (Gehorsam, Schutz).

Kosmologie und Ethik

Die zoroastrische Kosmologie ist explizit dualistisch: Ahura Mazda und Angra Mainyu stehen sich als unabhängige Prinzipien gegenüber; der Mensch ist eingeladen, durch ethisches Handeln auf der Seite von Asha (Wahrheit, kosmische Ordnung) gegen Druj (Lüge, Chaos) zu wirken.

Die Welt wird in einer linearen Zeitkonzeption gedacht: Schöpfung, Kampf zwischen Gut und Böse, Endsieg von Asha mit Auferstehung der Toten und endgültigem Gericht. Diese Eschatologie hat die abrahamitischen Religionen tief beeinflusst.

Faravahar, das geflügelte Sonnenzeichen

Das Faravahar, das geflügelte Sonnensymbol mit menschlicher Gestalt im Kreis, ist heute das visuell prägnanteste Erkennungszeichen zoroastrischer Identität. Es ist auf achämenidischen Reliefs (Persepolis) ab dem 6. Jahrhundert v. u. Z. nachweisbar.

Die Interpretation ist religionswissenschaftlich diskutiert: traditionell als Fravashi (göttlicher Wächter-Aspekt der Seele) gelesen, von anderen als Darstellung des Ahura Mazda selbst oder als königliches Glücks-Wahrzeichen (Khvarenah).

Sudreh-Kushti, heiliges Hemd und Schnur

Praktizierende Zoroastrier tragen nach der Sedreh-Pushi-Initiation (vergleichbar mit Konfirmation, üblich um das siebte oder zehnte Lebensjahr) das heilige Hemd Sudreh aus weißer Baumwolle und die heilige Schnur Kushti aus Wolle, dreifach um die Taille gewunden.

Beim täglichen Padyab-Kushti-Ritual wird die Schnur gelöst und neu gebunden, eine körperliche Erneuerung des Bekenntnisses zu Asha. Die 72 Fäden der Kushti entsprechen den Yasna-Kapiteln.

Heutige Verbreitung, Parsen und iranische Zoroastrier

Nach der arabischen Eroberung Persiens im 7. Jahrhundert wanderten Teile der zoroastrischen Gemeinschaft nach Indien aus, wo sie als Parsen (heute hauptsächlich in der Mumbai-Region) eine wirtschaftlich und kulturell prägende Minderheit bildeten.

Im Iran bestehen kleinere Gemeinden in Yazd, Kerman und Teheran. Die Religion ist nicht missionarisch, die Mitgliederzahl liegt weltweit bei wenigen hunderttausend. Im 20. Jahrhundert ist eine zoroastrische Diaspora in Nordamerika und Europa entstanden.

Quellenlage und Forschung

Wichtige Übersetzungen: Mary Boyce A History of Zoroastrianism (3 Bände, 1975, 1991), Helmut Humbach für die Gathas, Albert de Jong Traditions of the Magi. Wissenschaftliche Verortung: Geo Widengren, Bruce Lincoln. Auch der Manichäismus, gestiftet von Mani im 3. Jahrhundert, baut auf zoroastrischer Kosmologie auf.

Avesta und Pahlavi-Literatur: die Quellenlage

Die ältesten Quellen des Zoroastrismus sind im Avesta gesammelt, einem Korpus religiöser Texte in einer altiranischen Sprache, dem Avestischen. Der Kern, die Gathas, sind Hymnen, die der Tradition nach auf den Religionsstifter Zarathustra selbst zurückgehen und sprachlich sehr alt sind.

Sie sind in das jüngere Ritualgebet Yasna eingebettet. Hinzu kommen die Yashts, Hymnen an einzelne göttliche Wesen, sowie liturgische und reinheitsrechtliche Texte wie der Vendidad.

Das Avesta wurde über viele Jahrhunderte mündlich überliefert und erst relativ spät verschriftlicht. Ein erheblicher Teil ging verloren; was erhalten ist, gilt als Bruchstück eines einst weit größeren Bestandes. Die heutigen Handschriften sind nicht älter als das 13. Jahrhundert, was die Textkritik vor besondere Probleme stellt.

Eine zweite Schicht bildet die Literatur in Mittelpersisch, auch Pahlavi genannt, die vor allem in der späten Sasanidenzeit und in den ersten islamischen Jahrhunderten entstand.

Dazu gehören die Denkard, eine Art Enzyklopädie der Religion, der Bundahishn mit der zoroastrischen Kosmologie und Eschatologie sowie zahlreiche Kommentare und Rechtstexte. Diese Werke sind oft Zusammenfassungen verlorener avestischer Stoffe und damit unverzichtbar, aber zugleich von der theologischen Sicht ihrer Zeit geprägt.

Für die westliche Forschung war die Entzifferung dieser Sprachen ein langer Prozess. Abraham Hyacinthe Anquetil-Duperron veröffentlichte 1771 die erste europäische Übersetzung des Avesta, gestützt auf den Unterricht bei Priestern in Indien.

Spätere Generationen, etwa Christian Bartholomae mit seinem altiranischen Wörterbuch, schufen die philologischen Grundlagen. Die Quellenlage bleibt aber lückenhaft, und vieles über die Frühzeit der Religion ist Rekonstruktion.

Die kosmische Auseinandersetzung und das Weltbild

Das zoroastrische Weltbild ist von einem Gegensatz zweier Grundprinzipien geprägt. Auf der einen Seite steht Ahura Mazda, der weise Herr, Quelle von Ordnung, Licht und Leben.

Ihm gegenüber steht das zerstörerische Prinzip, in den jüngeren Texten Angra Mainyu oder mittelpersisch Ahriman genannt, das für Lüge, Chaos und Tod steht. Ob es sich um einen strengen Dualismus oder um eine letztlich von Ahura Mazda umgriffene Ordnung handelt, ist eine alte Streitfrage der Forschung.

Die Weltgeschichte wird als zeitlich begrenzte Auseinandersetzung gedacht. Nach dem Schema des Bundahishn gliedert sie sich in mehrere Großperioden, an deren Ende eine Erneuerung der Welt steht, die frashokereti. Dabei werden das Böse überwunden, die Toten auferweckt und ein Zustand vollkommener Ordnung hergestellt.

Der Mensch ist in diesem Geschehen kein Zuschauer, sondern ein Mitkämpfer, der durch gute Gedanken, gute Worte und gute Taten die Seite der Ordnung stärkt.

Zwischen dem höchsten Gott und der Welt stehen die Amesha Spentas, die heilbringenden Unsterblichen, eine Gruppe von Wesen, die jeweils einen Aspekt der guten Schöpfung verkörpern und ihm zugeordnete Bereiche schützen, etwa Feuer, Wasser, Pflanzen oder Metall.

Daneben treten zahlreiche Yazatas auf, verehrungswürdige Wesen, denen die Yashts gewidmet sind. Die feindliche Seite ist von Daevas und anderen schädlichen Wesen bevölkert.

Nach dem Tod muss die Seele eine Brücke überqueren, deren Beschaffenheit sich nach der Lebensbilanz richtet. Sie wird breit und gut begehbar für die Gerechten, schmal und gefährlich für die Bösen.

Diese Vorstellung von Gericht, Brücke und jenseitiger Vergeltung gehört zu den Elementen, die in der Forschung wegen möglicher Berührungen mit Judentum, Christentum und Islam viel diskutiert werden.

Ritual, Feuer und Reinheit

Das Feuer ist im Zoroastrismus kein Gott, sondern Symbol und Träger der Reinheit und der göttlichen Ordnung. In den Tempeln, von außen oft als Feuertempel bezeichnet, wird ein geweihtes Feuer dauerhaft unterhalten und durch Priester gepflegt.

Die höchste Stufe eines solchen Feuers, Atash Bahram, entsteht durch ein langwieriges Ritual, in dem Feuer aus mehreren Quellen vereinigt und gereinigt wird.

Den Mittelpunkt des Hauptkultes bildet die Yasna, eine mehrstündige Liturgie, in der ein Priester die avestischen Texte rezitiert und dabei rituelle Handlungen mit Wasser, Pflanzen und dem Saft der haoma-Pflanze vollzieht. Daneben bestehen kürzere Andachten und häusliche Gebete, die Laien selbst verrichten.

Reinheitsvorstellungen durchziehen den Alltag. Tod und Verwesung gelten als stärkster Angriff der zerstörerischen Macht. Deshalb sollen Leichname die reinen Elemente Erde, Wasser und Feuer nicht verunreinigen. Aus dieser Logik entstand die Bestattung in den sogenannten Türmen des Schweigens, dakhma, auf denen die Körper Aasvögeln überlassen wurden.

In der Moderne ist diese Praxis vielerorts nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, sodass auch Bestattungen in besonders abgedichteten Gräbern oder Einäscherungen vorkommen, was innergemeindlich umstritten ist.

Der Ritualkalender ist von festen Festen geprägt. Das bekannteste ist Nouruz, das Neujahrsfest zur Frühlingstagundnachtgleiche, das weit über die Religionsgemeinschaft hinaus in Iran und benachbarten Ländern gefeiert wird. Hinzu kommen die sechs Gahanbar-Feste, die den Schöpfungsabschnitten entsprechen, sowie Gedenktage für die Verstorbenen. Diese Feste verbinden Kosmologie, Landwirtschaftsjahr und Gemeinschaftsleben.

Parsen, Iranis und die zoroastrische Gegenwart

Nach der arabisch-islamischen Eroberung Irans im 7. Jahrhundert verlor der Zoroastrismus seine Stellung als Reichsreligion und wurde über die Jahrhunderte zu einer kleinen Minderheit.

Ein Teil der Gläubigen wanderte nach Indien aus, der Überlieferung nach um das 8. bis 10. Jahrhundert. Ihre Nachkommen sind die Parsen, die sich vor allem in der Region um Gujarat und später in Mumbai ansiedelten.

Die Parsen entwickelten unter britischer Herrschaft eine wohlhabende, bildungsorientierte Gemeinschaft mit eigenen Stiftungen, Schulen und Tempeln. Zugleich führte die geringe Zahl, eine niedrige Geburtenrate und eine strenge Abstammungsregel zu einem stetigen demografischen Rückgang, der bis heute andauert und innergemeindlich kontrovers diskutiert wird, etwa in der Frage, ob Kinder aus Ehen mit Nichtzoroastriern aufgenommen werden.

In Iran selbst blieb eine kleinere Gemeinschaft bestehen, die Iranis, mit Schwerpunkten in Yazd, Kerman und Teheran. Sie lebte lange unter rechtlichen Benachteiligungen, ist heute aber als anerkannte religiöse Minderheit verfassungsmäßig vertreten, wenn auch zahlenmäßig sehr klein. Daneben bestehen Gemeinden in der Diaspora, vor allem in Nordamerika, Großbritannien und Australien.

Die wissenschaftliche Erschließung der Religion ist eng mit Namen wie Mary Boyce verbunden, deren Feldforschung unter iranischen Zoroastriern in den 1960er Jahren und deren mehrbändige Religionsgeschichte bis heute Standardwerke sind.

Spätere Forscher wie Jenny Rose oder Albert de Jong haben das Bild differenziert und vor allem die Vielfalt der Praxis betont. Eine angemessene Darstellung muss den Zoroastrismus als lebendige, wenn auch bedrohte Gegenwartsreligion zeigen und nicht nur als antikes Phänomen. Berührungen bestehen mit dem Kulturraum, der im Hub Mesopotamien behandelt wird.

Verwandte Schlüsselbegriffe: Zarathustra Avesta Ahura Mazda Angra Mainyu Faravahar Kushti Sudreh Amesha Spentas Yazatas Asha Druj Gathas Yasna.

Schutzobjekte in dieser Kulturtradition

Zoroastrisch-iranische Tradition begleitet Träger durch das heilige Hemd Sudreh und die heilige Schnur Kushti; das Faravahar dient als sichtbares Identitäts- und Schutzzeichen, ergänzt durch Avesta-Vers-Anhänger und schützende Amulette.

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Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.

iWell Guard ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die religionswissenschaftlichen Inhalte sind kulturhistorische Einordnung, keine spirituelle Praxis-Empfehlung.

Schutzsymbole aus Iran und dem Zoroastrismus

Das Lexikon der Schutzsymbole behandelt mehrere Zeichen und Objekte aus Iran und dem Zoroastrismus auf eigenen Seiten: Faravahar und Kushti. Einen kulturübergreifenden Überblick bietet die Seite zu den Schutzsymbolen.