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Der Faravahar – das geflügelte Zeichen des Zoroastrismus

Der Faravahar ist das bekannteste Zeichen des Zoroastrismus, einer der ältesten noch lebendigen Religionen der Welt. Die geflügelte Figur verbindet sich mit der Vorstellung vom Fravashi, dem geistigen Begleiter und Schutzgeist des Menschen.

SchutzsymbolIran und ZoroastrismusReligionszeichen
Faravahar - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Der Faravahar ist das bekannteste Sinnbild des Zoroastrismus. Er zeigt die Gestalt eines Mannes, der einer großen, ausgebreiteten Flügelscheibe entwächst. Diese geflügelte Figur ist heute das Zeichen, an dem der Zoroastrismus weithin erkannt wird.

Der Zoroastrismus ist eine sehr alte Religion, die im iranischen Raum entstanden ist. Er gehört zu den ältesten Religionen, die bis heute lebendig geblieben sind. Der Faravahar verbindet sich mit dieser langen Geschichte.

Der Name Faravahar wird mit einem zentralen Begriff der zoroastrischen Lehre in Verbindung gebracht, dem Fravashi. Der Fravashi ist der geistige Begleiter und Schutzgeist, der nach zoroastrischer Vorstellung zu jedem Menschen gehört. In dieser Verbindung liegt der Schutzbezug des Zeichens.

In der Religionswissenschaft ist der Faravahar ein gutes Beispiel für ein Zeichen, dessen genaue Deutung umstritten ist und dessen Geschichte weit zurückreicht. Eine sachliche Darstellung trennt das Gesicherte vom Gedeuteten und benennt die offenen Fragen.

Der Faravahar ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Zeichen zugleich sehr bekannt und in seiner Bedeutung unsicher sein kann. Fast jeder, der sich mit dem Zoroastrismus beschäftigt, erkennt das geflügelte Zeichen sofort.

Zugleich lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, was es ursprünglich genau darstellte. Diese Spannung zwischen großer Bekanntheit und unsicherer Deutung ist lehrreich. Sie mahnt dazu, ein vertrautes Zeichen nicht vorschnell auf eine einzige, scheinbar gesicherte Bedeutung festzulegen.

Zarathustra und der Zoroastrismus

Der Zoroastrismus geht auf den Religionsstifter Zarathustra zurück, der im iranischen Raum wirkte. Über die genaue Zeit seines Lebens gibt es in der Forschung unterschiedliche Auffassungen, doch sicher ist, dass es sich um eine sehr frühe Epoche handelt.

Im Mittelpunkt der zoroastrischen Lehre steht der Gott Ahura Mazda, der weise Herr. Er ist der Schöpfer und der Gott des Guten, des Lichts und der Wahrheit. Ihm steht eine zerstörerische, böse Macht gegenüber.

Die zoroastrische Lehre versteht das Dasein als einen Zusammenhang, in dem das Gute und das Böse einander gegenüberstehen. Der Mensch ist in diesen Zusammenhang gestellt und aufgerufen, sich auf die Seite des Guten zu stellen und am Sieg des Guten mitzuwirken.

Der Zoroastrismus hat über die Jahrtausende viele Veränderungen erlebt, und die Zahl seiner Anhänger ist heute klein. Dennoch ist er eine lebendige Religion geblieben, mit Gemeinschaften im iranischen Raum, in Indien und in vielen weiteren Ländern. Der Faravahar ist ihr verbindendes Zeichen.

Der Zoroastrismus hat die Religionsgeschichte weit über den iranischen Raum hinaus beeinflusst. Vorstellungen vom Gegensatz zwischen Gut und Böse, von einem Gericht und von einem künftigen Sieg des Guten finden sich auch in anderen Religionen wieder, und die Forschung hat über mögliche Verbindungen viel diskutiert.

Damit gehört der Zoroastrismus zu den geschichtlich bedeutsamsten Religionen überhaupt. Der Faravahar ist das sichtbare Zeichen dieser alten und einflussreichen Tradition.

Gestalt des Faravahar

Der Faravahar hat eine klar gegliederte Gestalt. Den oberen Teil bildet die Figur eines bärtigen Mannes. Er ist in würdiger Haltung dargestellt, eine Hand erhoben, in der anderen Hand häufig einen Ring haltend.

Aus der Figur des Mannes wächst eine große, waagerecht ausgebreitete Flügelscheibe hervor. Die beiden Flügel sind in mehrere Reihen von Federn gegliedert. Diese Flügel sind das auffälligste Merkmal des Faravahar und geben ihm seine unverwechselbare Erscheinung.

Unterhalb der Figur setzt sich das Zeichen in einem Mittelteil und in zwei seitlich abstehenden Strängen fort, die an Beine oder an einen Schweif erinnern. Auch diese Teile sind in Federreihen gegliedert. Der ganze Faravahar ist um eine Mittelachse symmetrisch aufgebaut.

Diese Gestalt ist über lange Zeit hinweg im Wesentlichen gleich geblieben. Der Faravahar ist damit ein klar umrissenes, festes Zeichen. Seine ausgewogene, geflügelte Form macht ihn sofort erkennbar und hat zu seiner großen Bekanntheit beigetragen.

Die einzelnen Teile des Faravahar werden in der heutigen Deutung sorgfältig betrachtet. Der Ring in der Hand der Figur, der erhobene Arm, die Federreihen der Flügel und die beiden nach unten weisenden Stränge erhalten jeweils eine eigene Deutung.

Diese Deutungen sind durchdacht und für die Gläubigen bedeutungsvoll. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass viele dieser Einzelausdeutungen jüngeren Datums sind. Die alte, ursprüngliche Bedeutung der einzelnen Teile ist nicht in gleicher Weise gesichert.

Herkunft: die geflügelte Scheibe

Der Faravahar ist nicht aus dem Nichts entstanden. Seine Gestalt geht auf ein älteres Bildmotiv zurück, die geflügelte Scheibe. Dieses Motiv war im gesamten Alten Orient verbreitet und sehr alt.

Die geflügelte Scheibe begegnet schon in der ägyptischen und in der mesopotamischen Kunst. Dort war sie mit dem Himmel, mit der Sonne und mit göttlichen oder königlichen Mächten verbunden. Das Motiv wanderte über die Kulturen und wurde vielfach abgewandelt.

In der Kunst des altpersischen Reiches, vor allem unter der Herrscherdynastie der Achämeniden, erscheint die geflügelte Scheibe in einer eigenen Ausprägung, häufig mit einer Figur darin. Aus dieser altpersischen Form leitet sich der heutige Faravahar ab.

Der Faravahar hat damit eine doppelte Wurzel. Er gehört zur zoroastrischen Religion, und er steht zugleich in der langen Bildgeschichte der geflügelten Scheibe des Alten Orients. Diese Herkunft erklärt, warum das Zeichen so alt wirkt und zugleich so klar gestaltet ist.

Die geflügelte Scheibe ist eines der langlebigsten Bildmotive der Menschheitsgeschichte. Über Jahrtausende und über viele Kulturen hinweg stand sie für den Himmel, für die Sonne und für göttliche oder königliche Macht.

Dass der Faravahar aus diesem alten Motiv hervorging, verbindet ihn mit einer sehr langen Bildtradition. Er ist damit nicht nur ein zoroastrisches Zeichen, sondern auch ein später Zweig einer Bildgeschichte, die bis in die frühesten Hochkulturen des Vorderen Orients zurückreicht.

Der Fravashi, der Schutzgeist

Der Name Faravahar wird mit dem Begriff des Fravashi in Verbindung gebracht. Der Fravashi ist eine wichtige Vorstellung der zoroastrischen Lehre und hat unmittelbar mit dem Gedanken des Schutzes zu tun.

Der Fravashi ist der geistige Anteil oder der geistige Begleiter, der nach zoroastrischer Vorstellung zu jedem Menschen gehört. Er wird als ein vorzeitlicher, höherer Teil des Menschen verstanden, der zugleich als Schutzgeist über den Menschen wacht.

Die Fravashis werden in der zoroastrischen Tradition verehrt und angerufen. Ihnen ist ein eigener Teil des Jahres und der Gebete gewidmet. Sie gelten als Helfer und Beschützer, die den Menschen und der Sache des Guten beistehen.

Wenn der Faravahar mit dem Fravashi verbunden wird, dann erhält das Zeichen einen klaren Schutzbezug. Es steht dann für den geistigen Begleiter und Beschützer des Menschen. Damit gehört der Faravahar in den weiteren Zusammenhang der Schutzzeichen, auch wenn er weit mehr ist als ein bloßes Schutzamulett.

Die Vorstellung vom Fravashi gehört zu den eindrücklichsten Lehren des Zoroastrismus. Der Fravashi ist ein höherer, vorzeitlicher Anteil des Menschen, der zugleich als sein Schutzgeist über ihn wacht.

Die Fravashis aller Menschen, der lebenden wie der verstorbenen und der noch ungeborenen, werden als eine große Schar gedacht, die am Kampf für das Gute teilnimmt. In dieser Lehre verbindet sich der Gedanke des persönlichen Schutzes mit einer umfassenden, kosmischen Ordnung.

Die umstrittene Deutung

Bei der Deutung des Faravahar ist Vorsicht geboten. So bekannt das Zeichen ist, so wenig eindeutig ist seine genaue Bedeutung. In der Forschung werden mehrere Deutungen nebeneinander vertreten.

Eine Deutung verbindet den Faravahar, wie sein Name nahelegt, mit dem Fravashi, dem geistigen Begleiter und Schutzgeist. Eine andere Deutung bezieht das Zeichen auf eine Vorstellung von göttlichem Glanz und göttlicher Auszeichnung. Eine weitere Deutung sieht in der Figur ein Bild des Gottes Ahura Mazda selbst.

Diese Unsicherheit hat mehrere Gründe. Das Bildmotiv ist sehr alt und wurde über lange Zeit verwendet, möglicherweise mit wechselnder Bedeutung. Die alten Quellen erklären das Zeichen nicht ausdrücklich. Vieles muss darum erschlossen werden.

Eine ehrliche Darstellung benennt diese offene Lage. Der Faravahar ist ein altes, bedeutungsvolles Zeichen, dessen genaue ursprüngliche Deutung nicht sicher feststeht. Diese Unsicherheit mindert seine Bedeutung nicht, doch sie gehört zu einer redlichen Beschreibung des Zeichens.

Dass mehrere Deutungen des Faravahar nebeneinanderstehen, ist kein Versagen der Forschung, sondern Folge der Quellenlage. Das Bildmotiv ist alt, es wurde lange verwendet, und die frühen Texte erklären es nicht.

Die eine Deutung sieht den Fravashi, die andere eine Vorstellung von göttlichem Glanz, die dritte den Gott Ahura Mazda selbst. Möglicherweise hat das Zeichen im Lauf seiner langen Geschichte sogar mehr als eine Bedeutung getragen. Eine ehrliche Darstellung hält diese Vielfalt offen.

Gute Gedanken, gute Worte, gute Taten

Im heutigen Zoroastrismus wird der Faravahar häufig im Licht der zentralen ethischen Lehre dieser Religion gedeutet. Diese Lehre lässt sich in einer kurzen Formel zusammenfassen, die von guten Gedanken, guten Worten und guten Taten spricht.

Diese drei gehören in der zoroastrischen Ethik untrennbar zusammen. Der Mensch soll im Denken, im Reden und im Handeln das Gute wählen. In dieser dreifachen Ausrichtung auf das Gute liegt der Kern der zoroastrischen Lebenslehre.

Viele moderne Zoroastrier deuten Teile des Faravahar im Sinne dieser Lehre. So werden etwa die drei großen Federreihen der Flügel mit den guten Gedanken, den guten Worten und den guten Taten in Verbindung gebracht. Auch andere Teile des Zeichens erhalten eine sittliche Deutung.

Es ist wichtig festzuhalten, dass diese ausführliche sittliche Deutung vor allem eine heutige, von den modernen Zoroastriern getragene Auslegung ist. Sie ist für die Gläubigen bedeutungsvoll und gehört zur lebendigen Gegenwart des Zeichens. Sie sollte aber nicht ohne Weiteres als die ursprüngliche, alte Bedeutung ausgegeben werden.

Die Formel von den guten Gedanken, den guten Worten und den guten Taten ist der knappste Ausdruck der zoroastrischen Ethik. Sie verlangt vom Menschen, das Gute auf allen drei Ebenen zu wählen, im Inneren, im Reden und im Handeln.

Diese Lehre macht den Menschen zum Mitwirkenden am Sieg des Guten. Wenn moderne Zoroastrier Teile des Faravahar im Licht dieser Formel deuten, dann verbinden sie das Zeichen mit dem Kern ihres Glaubens. Das Zeichen wird so zu einer ständigen Mahnung zum guten Leben.

Faravahar als Zeichen der Identität

Für die zoroastrische Gemeinschaft ist der Faravahar heute vor allem ein Zeichen der Identität. Er macht die Zugehörigkeit zu dieser alten Religion sichtbar und verbindet die Gläubigen über die Ländergrenzen hinweg miteinander.

Die Zoroastrier leben heute verstreut in vielen Ländern, im iranischen Raum, in Indien und in einer weltweiten Diaspora. In dieser Lage hat ein gemeinsames, klar erkennbares Zeichen einen hohen Wert. Der Faravahar erfüllt diese verbindende Aufgabe.

Über die religiöse Gemeinschaft hinaus ist der Faravahar auch zu einem allgemeineren Zeichen geworden. Im iranischen Raum wird er teils als Sinnbild der vorislamischen Geschichte und der kulturellen Wurzeln verstanden, auch von Menschen, die der zoroastrischen Religion nicht angehören.

Damit hat der Faravahar eine ähnliche Stellung erreicht wie andere große Religionszeichen. Er ist Glaubenszeichen und Identitätszeichen zugleich. In ihm verdichten sich die Geschichte einer alten Religion und das gegenwärtige Selbstverständnis ihrer Anhänger.

Für eine kleine, weltweit verstreute Religionsgemeinschaft hat ein gemeinsames Zeichen einen besonderen Wert. Es schafft Sichtbarkeit und Zusammenhalt über große Entfernungen hinweg. Der Faravahar erfüllt diese Aufgabe für die Zoroastrier in Iran, in Indien und in der weltweiten Diaspora.

Er erscheint an den Versammlungsorten, auf Schmuck und in der Gestaltung. In dieser verbindenden Funktion gleicht er den großen Erkennungszeichen anderer Religionen, etwa dem Kreuz oder dem Davidstern.

Heutige Rezeption

Der Faravahar ist heute weithin bekannt. Er erscheint an zoroastrischen Tempeln und Versammlungsorten, in der Gestaltung und als getragenes Zeichen. Als Anhänger wird er von Zoroastriern getragen, die damit ihre Zugehörigkeit und ihren Glauben sichtbar machen.

Im iranischen Raum ist der Faravahar über die zoroastrische Gemeinschaft hinaus präsent. Er gilt vielen als Zeichen der langen, vorislamischen Geschichte des Landes. In dieser Verwendung trägt er eine kulturelle, über das rein Religiöse hinausreichende Bedeutung.

Mit der Bekanntheit des Zeichens geht die Gefahr einher, dass seine Bedeutung verkürzt oder mit nicht gesicherten Deutungen ausgeschmückt wird. Eine sachliche Darstellung hält darum fest, was bekannt ist, und benennt zugleich, was offen bleibt.

Der Faravahar bleibt damit ein eindrückliches Zeichen. Er verbindet die sehr alte Bildgeschichte der geflügelten Scheibe mit der Lehre einer der ältesten lebendigen Religionen. In der Verbindung mit dem Fravashi, dem geistigen Begleiter des Menschen, gehört er zu den großen Schutz- und Religionszeichen der Welt.

Mit der Bekanntheit des Faravahar wächst auch die Gefahr seiner Vereinfachung. In der populären Darstellung wird ihm oft eine eindeutige, gesicherte Bedeutung zugeschrieben, die die offene Quellenlage nicht hergibt.

Eine sachliche Betrachtung hält dem entgegen, dass das Zeichen alt, bedeutungsvoll und in seiner genauen Deutung umstritten ist. Diese Zurückhaltung mindert den Faravahar nicht. Sie zeigt ihn als das, was er ist, ein ehrwürdiges Zeichen mit einer langen Geschichte und einem bewahrten Geheimnis.

Literatur (Auswahl)

  • Mary Boyce: Zoroastrians. Their Religious Beliefs and Practices (1979)
  • Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras (2002)
  • Mary Boyce: A History of Zoroastrianism (1975)
  • Almut Hintze: Studien zur zoroastrischen Überlieferung
  • Jenny Rose: Zoroastrianism. An Introduction (2011)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Faravahar Zoroastrismus Fravashi Ahura Mazda Zarathustra geflügelte Scheibe Iran Schutzgeist.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch der Faravahar gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.