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Wermut – Schutzkraut am Bett gegen böse Geister

SchutzkrautSchutzkräuter

Wermut (Artemisia absinthium) ist im deutschsprachigen Volksglauben vor allem als Schutzkraut für den Schlafplatz bekannt. Unter das Kopfkissen gelegt oder in der Nähe des Bettes verwahrt, sollte er böse Geister und Dämonen während der Nacht fernhalten, wenn der Mensch am schutzlosesten ist.

Als naher Verwandter des Beifußes teilt der Wermut zahlreiche Eigenschaften der Gattung Artemisia, unterscheidet sich in der Überlieferung aber in Geruch, Bitterkeit und den ihm zugeschriebenen Anwendungen deutlich von seinem bekannteren Verwandten.

Wermut gilt im Volksglauben als Schutzkraut, das im Schlaf vor bösen Geistern bewahrt.

Wacholder – Räucherpflanze und Schutzstrauch, historisch-illustrativ

Schnellübersicht

Wermut (Artemisia absinthium) ist ein stark aromatischer, silbrig-grau behaarter Halbstrauch aus der Gattung Artemisia, zu der auch der Beifuß zählt. Sein intensiv bitterer Geschmack und sein durchdringender Geruch prägten seinen Ruf in der Volksüberlieferung ebenso wie seine spätere Verwendung als Zutat des Absinths.

Als Schutzkraut ist Wermut vor allem für den Bereich des Schlafplatzes belegt, daneben findet er auch als Räucherwerk Verwendung.

Herkunft und Überlieferung

Der Gattungsname Artemisia verweist auf die griechische Göttin Artemis, die als Beschützerin von Frauen und als Wächterin der Übergänge galt, eine Zuständigkeit, die sich in der Schutzüberlieferung der gesamten Pflanzengattung wiederfindet. Wermut selbst ist bereits in antiken Quellen als Heil- und Schutzpflanze belegt.

Im mitteleuropäischen Volksglauben festigte sich die Vorstellung, Wermut könne Dämonen und Nachtgeister vom Schlafenden fernhalten, wenn er in der Nähe des Bettes, unter dem Kopfkissen oder am Fensterrahmen des Schlafzimmers verwahrt wurde. Die Nacht galt im Volksglauben als besonders gefährliche Zeit, in der der Mensch im Schlaf den Einwirkungen fremder Mächte schutzlos ausgesetzt war.

Daneben ist Wermut als praktisches Schutzmittel gegen Motten und Ungeziefer überliefert: Getrocknete Bündel wurden in Kleiderschränken und zwischen Büchern verwahrt, teils auch der Tinte beigemischt, um sie vor Mäusefraß zu schützen.

Wirkprinzip laut Überlieferung

Der intensive, bittere Geruch des Wermuts galt in der Überlieferung, ähnlich wie beim Wacholder, als das eigentliche Wirkprinzip: Was für Menschen unangenehm oder zumindest herb ist, sollte für Dämonen und Krankheitsgeister unerträglich sein.

Als Räucherwerk verglimmt, sollte der Rauch des Wermuts eine reinigende, kräftigende Wirkung entfalten und dabei helfen, Grenzen zu setzen, gegenüber fremden Einflüssen ebenso wie im übertragenen Sinn gegenüber eigener Unsicherheit. Am Bett platziert, wirkte er nach diesem Verständnis als eine Art nächtlicher Wächter, der die Schwelle zwischen Wachen und Schlafen absicherte.

Kulturübergreifende Verbreitung

Die Artemisia-Gattung ist in nahezu allen europäischen Volksüberlieferungen als Schutzpflanzengruppe vertreten, wobei sich Wermut und Beifuß in ihrer jeweiligen Rolle unterscheiden. Während der Beifuß vor allem als Wegkraut und als Schutz auf Reisen gilt, ist Wermut stärker mit dem häuslichen, insbesondere dem nächtlichen Schutzraum verbunden.

Im slawischen und baltischen Raum finden sich ähnliche Vorstellungen von bitteren, stark riechenden Kräutern als Schutz vor Nachtgeistern. Auch im angelsächsischen England ist Wermut als Heil- und Schutzkraut belegt, unter anderem im bereits erwähnten „Nine Herbs Charm“, der mehrere Kräuter der Artemisia-Verwandtschaft gegen Gift und Krankheit anruft.

Wogegen es eingesetzt wird

Im Zentrum der Überlieferung steht der Schutz vor Dämonen und bösen Geistern, die den Schlafenden heimsuchen sollten. Wermut galt daneben als Schutz vor Alpträumen und vor dem sogenannten Alpdrücken, einem im Volksglauben als Angriff einer dämonischen Gestalt gedeuteten Beklemmungsgefühl im Schlaf.

Als Räucherkraut wurde ihm zudem eine reinigende Wirkung gegen negative Einflüsse im Wohnraum zugeschrieben. Der Schutz-Kompass ordnet diese Bedrohungsbilder im Einzelnen zu.

Anwendung und Grenzen

Nach überlieferter Praxis wurde ein Bund getrockneten Wermuts unter das Kopfkissen gelegt oder am Bettrahmen befestigt. Auch das Verräuchern getrockneter Wermutzweige im Schlafraum, meist am Abend vor dem Zubettgehen, ist belegt.

Zu unterscheiden ist Wermut in der Anwendung stets vom nah verwandten Beifuß: Beide Pflanzen gehören zur Gattung Artemisia und ähneln sich im Aussehen, doch die Überlieferung weist ihnen unterschiedliche Schwerpunkte zu, dem Beifuß den Weg und die Reise, dem Wermut das Bett und den Schlaf.

Eine Grenze der Überlieferung liegt in der Bitterkeit der Pflanze selbst, die traditionell zur Vorsicht im Umgang mit ihr mahnte. Der Volksglaube betont dies gelegentlich mit dem Hinweis, dass Wermut in kleinen Mengen schützend, in großen Mengen aber schädlich wirken könne, eine Vorstellung, die keine medizinische Handlungsempfehlung darstellt.

Literatur (Auswahl)

  • Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli. Berlin: de Gruyter, 1927-1942.
  • Heinrich Marzell (unter Mitwirkung von Wilhelm Wissmann): Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Leipzig/Stuttgart: Hirzel, 1943-1979.
  • Heinrich Marzell: Geschichte und Volkskunde der deutschen Heilpflanzen. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1938 (Neudruck Hildesheim: Olms, 2002).
  • Will-Erich Peuckert: Deutscher Volksglaube des Spätmittelalters. Stuttgart: Kohlhammer, 1942.

Verwandte Schlüsselbegriffe: wermut artemisia bettschutz alpdruecken.

iWell Guard und Schutztraditionen

Dass ausgerechnet der Schlaf, der schutzloseste Moment des Tages, im Volksglauben besonderer Absicherung bedurfte, zeigt, wie ernst frühere Generationen die Grenze zwischen wachem Bewusstsein und schutzloser Nacht nahmen. Der Wermut am Bett war der Versuch, diese Grenze aktiv zu sichern.

Der iWell Guard knüpft an diesen Gedanken der ständigen, nicht ortsgebundenen Absicherung an, auch wenn er den Wermut nicht ersetzt, sondern ein eigenes, zeitgemäßes Symbol für dasselbe Grundbedürfnis darstellt.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.