Zauba'ah, der böse Geist in der Staubsäule
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Die Zauba’ah ist ein Geist der arabischen Tradition.
Der Wirbelwind selbst: ein Djinn, der in der Sandsäule reist. Der Steckbrief beschreibt Zauba’ah als böse Kraft, die sich im Sandwirbel der Wüste zeigt.
Die Zauba’ah ist der Sandwirbel-Djinn der arabischen Überlieferung: ein böser Geist, der in der hoch aufragenden Staubsäule reist. Wer in Ägypten oder Arabien einen Wirbelwind über die Ebene ziehen sah, sah nach dem Volksglauben keinen bloßen Staubteufel, sondern einen reisenden Djinn.
Zwei Traditionsstränge sind dabei zu trennen: der volkstümliche Wirbelwind-Glaube, den Edward Lane im 19. Jahrhundert dokumentierte, und die okkult-astrologische Königsgestalt des Kitab al-Bulhan aus dem 14. Jahrhundert, in der die Zauba’ah als thronender Dämonenkönig des Freitags erscheint.
Typ: Djinn des Sandwirbels, in der okkulten Tradition Djinn-König
Herkunft: Arabisch-islamischer Volksglaube und Okkultismus
Texte: Lane, Kitab al-Bulhan
Zeitraum: 14. Jahrhundert (Bulhan) bis zum dokumentierten Volksglauben des 19. Jahrhunderts
Erscheinung: Sandsäule oder thronender Dämonenkönig
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Die okkult-astrologische Tradition ist im Kitab al-Bulhan des 14. Jahrhunderts greifbar, der volkstümliche Wirbelwind-Glaube bei Edward Lane im 19. Jahrhundert.
Verbreitungsraum
Ägypten und Arabien: Lane dokumentierte den Glauben an den Djinn im Sandwirbel im Alltag des neuzeitlichen Ägypten.
Belegdichte
Mittlere Quellenlage: Lane und das Kitab al-Bulhan sind solide Belege, die feineren Detailzuordnungen der Populärquellen dagegen nicht.
Name und Varianten
Arabisch: zawba’a, Wirbelwind oder Zyklon, eine unstrittige Bedeutung. Ein überlieferter Beiname ist Abu Hasan. Der Name benennt also das Wetterphänomen selbst, das der Volksglaube als Fahrzeug des Djinn deutete.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Im Volksglauben ist die Zauba’ah der Wirbelwind selbst: eine hoch aufragende Sand- und Staubsäule, in der ein böser Djinn reist. In der okkulten Tradition ist sie dagegen ein thronender, mehrköpfiger Dämonenkönig in Mischgestalt.
Wirkung
Die Zauba’ah verursacht Sandstürme, Staubteufel und Wasserhosen. In der okkulten Tradition ist sie König des Freitags und dem Planeten Venus zugeordnet. Detailzuordnungen wie vier Unternamen oder Farben stammen aus Populärquellen und sind nicht wissenschaftlich abgesichert.
Steckbrief: Zauba'ah
Die wichtigsten Aspekte des Wirbelwind-Djinn auf einen Blick.
Zweischichtige Gestalt: generischer Volksglaube, in dem jeder Wirbelwind ein Djinn ist, und benannter Djinn-König der Bulhan-Tradition.
Reisende, denen die Sandsäule auf offener Ebene begegnet; ihr Herannahen galt als Begegnung mit einem bösen Djinn.
Hoch aufragende Sand- und Staubsäule; im Kitab al-Bulhan ein thronender, mehrköpfiger Dämonenkönig in Mischgestalt.
Verursacht Sandstürme, Staubteufel und Wasserhosen; okkult-astrologisch König des Freitags, dem Planeten Venus zugeordnet.
Nach Lane ruft man beim Herannahen der Säule Hadid, Hadid, Eisen, Eisen, oder Allahu akbar, denn die Djinn haben großen Schrecken vor Eisen.
Altmesopotamische Winddämonen wie Pazuzu; im Bulhan-System die sieben Djinn-Könige der Wochentage.
Zwei Stränge: Volksglaube und Bulhan-Tradition
Das Wort zawba’a bedeutet Wirbelwind oder Zyklon, daran besteht kein Zweifel; als Beiname ist Abu Hasan überliefert. Auf dieser sprachlichen Grundlage entwickelten sich zwei getrennte Traditionen. Die eine ist der volkstümliche Wirbelwind-Glaube, den Edward Lane im 19. Jahrhundert in Ägypten dokumentierte: Jede aufragende Staubsäule konnte ein reisender Djinn sein.
Die andere ist die okkult-astrologische Tradition des Kitab al-Bulhan aus dem 14. Jahrhundert. Dort ist die Zauba’ah kein anonymer Wirbel, sondern ein benannter Dämonenkönig: thronend, mehrköpfig, König des Freitags und dem Planeten Venus zugeordnet, einer der sieben Djinn-Könige der Wochentage. Beide Stränge tragen denselben Namen, meinen aber verschiedene Dinge.
Fortleben und Deutung
Die Zauba’ah lebt im ägyptischen und arabischen Volksglauben um Sandwirbel fort und in der okkult-astrologischen Bildtradition des Kitab al-Bulhan.
Religionswissenschaftlich ist die Zauba’ah zweischichtig. Wichtige Klarstellungen: Zu trennen sind der generische Volksglaube, in dem jeder Wirbelwind ein Djinn ist, und der benannte okkulte Djinn-König des Freitags; die Gleichsetzung al-Abyad gleich Zauba’ah ist überlieferungsintern inkonsistent; und die Detailsysteme sind populär, nicht wissenschaftlich.
Eisen, Eisen: der Ruf gegen den Wirbel
Der Schutz gegen die Zauba’ah ist gut belegt und denkbar einfach: Nach Lane ruft man beim Herannahen der Sandsäule Hadid, Hadid, Eisen, Eisen, oder Allahu akbar, da die Djinn großen Schrecken vor Eisen haben. Das ist der klassische Eisen-Apotropäismus der Wüstenüberlieferung: kein Ritualgerät, kein Spruchbuch, nur das gerufene Wort für das Metall, das die Djinn fürchten.
Winddämonen und Djinn-Könige
Als Winddämon steht die Zauba’ah in einer Linie mit altmesopotamischen Winddämonen wie Pazuzu, dem geflügelten Herrn der Sturmwinde. Im Bulhan-System gehört sie dagegen zu den sieben Djinn-Königen der Wochentage und damit in die gelehrte Systematik der Jinn-Welt. Unter den Wüstengestalten Arabiens sind ihr die Si’lat und der Hatif benachbart, die wie sie den einsamen Reisenden begegnen.
Häufige Fragen zur Zauba'ah
Was ist die Zauba’ah?
Der Djinn des arabischen Sandwirbels, der in der Staubsäule reist.
Wie schützt man sich?
Nach Lane durch den Ruf Eisen, Eisen, da die Djinn Eisen fürchten.
Gibt es zwei Deutungen?
Ja, den volkstümlichen Wirbelwind-Glauben und die okkulte Königsgestalt.
Weiterführende Verlinkungen
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Sandwirbel-Djinn verwandelt die Zauba’ah ein alltägliches Wetterphänomen in eine Begegnung mit dem Unsichtbaren: Wo der nüchterne Blick nur einen Staubteufel sieht, sah die Überlieferung einen reisenden Geist.





