Die Si’lat ist Dämonin der arabischen Tradition.
Die Gestaltwandlerin, die Reisende bis zum Tod in die Irre führt. Unter den Djinn der Wüste gilt die Si’lat der Überlieferung nach als besonders wandlungsfähige Gestalt.
Die Si’lat, auch Si’la, ist eine gestaltwandelnde weibliche Djinn Arabiens: eine hochbegabte Verwandlungskünstlerin, die meist in schöner Frauengestalt auftritt. Sie führt Reisende in öden Wüstenteilen in die Irre und verführt Männer.
Belegt ist sie im vorislamischen und islamischen Arabien in Lexikografie und Dichtung; eine mesopotamische Variante lebt als Wasserdämon im Irak fort. Bei al-Qazwini erscheint sie als Ghul-Variante, die ihr Opfer quält, mit ihm spielt und es zum Tanz zwingt, bevor sie es verzehrt.
Typ: Gestaltwandelnde weibliche Djinn, eigene Djinn-Klasse
Herkunft: Vorislamisches und islamisches Arabien
Texte: Lexikografie, Dichtung, al-Qazwini
Zeitraum: vorislamisch und islamisch, im Irak bis heute
Erscheinung: meist schöne Frau, wandelbar; irakisch mit langem Haar, teils Fischschwanz
Vorislamisch und islamisch: Die Si’lat ist in Lexikografie und Dichtung beider Epochen belegt, die klassische Beschreibung liefert al-Qazwini im 13. Jahrhundert.
Arabien und Mesopotamien: Neben der Wüstenüberlieferung der Halbinsel lebt eine Variante als Wasserdämon im Irak fort.
Gut dokumentiert: die Lexikografie, al-Qazwinis Kosmografie und die moderne Forschung, allen voran El-Zein und Lebling.
Arabisch: si’la, Plural sa’ali, mit der lexikografischen Grundbedeutung Hexe oder listige, gefährliche Frau. Schon der Name zeichnet also kein Ungeheuer, sondern eine gefährlich kluge weibliche Gestalt.
Erscheinung
Die Si’lat ist weiblich und eine hochbegabte Gestaltwandlerin, meist in schöner Frauengestalt. Hier liegt ein echter Überlieferungswiderspruch: Frühe Quellen nennen sie formkonstant im Gegensatz zum Ghul, spätere betonen gerade ihre überragende Wandelbarkeit. Die irakische Variante zeigt eine Frau mit langem Haar, teils mit Fischschwanz.
Wirkung
Die Si’lat führt Reisende und Nomaden in öden Wüstenteilen bis zum Tod in die Irre, verführt und heiratet Männer und gebiert Mischwesen. Bei al-Qazwini quält sie ihr Opfer, spielt mit ihm und zwingt es zum Tanz, bevor sie es verzehrt.
Die wichtigsten Aspekte der Gestaltwandlerin auf einen Blick.
Eigene Klasse der Djinn-Taxonomie neben Ghul und Ifrit; in frühen Quellen mit dem Ghul synonym, später sein weibliches Gegenstück.
Reisende und Nomaden in öden Wüstenteilen, die sie in die Irre führt, und Männer, die sie verführt und heiratet.
Meist eine schöne Frau von großer Wandelbarkeit; die irakische Wasser-Variante trägt langes Haar, teils einen Fischschwanz.
Irreführung bis zum Tod, Verführung, Ehen mit Menschen und Mischwesen-Nachkommen; bei al-Qazwini auch das tödliche Spiel mit dem Opfer.
Der Wolf jagt die Si’lat nachts, daher gelten Wolfszähne als Amulett; gegen ghul-artige Wesen wird der Gebetsruf rezitiert.
Der Ghul als engster Verwandter, dazu Umm al-Duwais und Aisha Qandisha als verführerische Dämoninnen.
Das arabische Wort si’la, Plural sa’ali, bedeutet lexikografisch Hexe oder listige, gefährliche Frau. Von dieser Grundbedeutung aus wuchs die Gestalt in die Djinn-Taxonomie hinein: Die Si’lat ist im vorislamischen und islamischen Arabien in Lexikografie und Dichtung belegt und wurde zur eigenen Klasse neben Ghul und Ifrit.
Die Überlieferung ist dabei nicht einheitlich. Frühe Quellen verwenden Si’lat und Ghul synonym und nennen die Si’lat formkonstant; spätere engen sie auf das weibliche Gegenstück des Ghul ein und betonen gerade ihre Wandelbarkeit. Die Banu-Si’lat-Legende macht sie schließlich zur Mutter gestaltwandelnder Djinn, und eine mesopotamische Variante lebt als Wasserdämon im Irak fort.
Die mesopotamische Variante der Si’lat ist lebendiger Volksglaube; die Populärkultur vermischt die Gestalt dagegen oft mit dem christlichen Sukkubus-Motiv, was eine Verzerrung ist.
Religionswissenschaftlich gehört die Si’lat zur Djinn-Taxonomie. Wichtige Klarstellungen: Die Gleichsetzung mit einem Sukkubus ist ein Fehler; historisch ist sie primär die weibliche und gestaltwandlerische Ausprägung des Ghul-Komplexes; und der Widerspruch zwischen formkonstant und wandelbar spiegelt frühe gegenüber späten Quellen.
Der überlieferte Schutz gegen die Si’lat ist bemerkenswert konkret: Nach al-Qazwini jagt der Wolf die Si’lat nachts, weil die Djinn vor ihm nicht in den Boden entweichen können. Aus dieser Vorstellung erwuchs ein greifbares Schutzmittel, Wolfszähne, die als Amulett getragen wurden. Daneben gilt gegen ghul-artige Wesen die Rezitation des Gebetsrufs, die akustische Abwehr der Wüstenüberlieferung.
Die Si’lat steht neben Ghul und Ifrit als eigene Djinn-Klasse; in frühen Quellen sind Si’lat und Ghul Synonyme, später wird die Si’lat auf das weibliche Gegenstück des Ghul eingeengt. Die Banu-Si’lat-Legende macht sie zur Mutter gestaltwandelnder Djinn. Als verführerische Dämoninnen stehen ihr Umm al-Duwais und Aisha Qandisha zur Seite, und mit dem Ghaddar teilt sie die Rolle der Reisenden-Gefahr.
Was ist eine Si’lat?
Eine gestaltwandelnde weibliche Djinn Arabiens, die Reisende in die Irre führt und Männer verführt.
Ist die Si’lat dasselbe wie der Ghul?
Früh sind sie Synonyme; später ist die Si’lat das weibliche Gegenstück des Ghul.
Was schützt vor ihr?
Nach al-Qazwini der Wolf und Wolfszähne als Amulett.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als weibliche Djinn und Gestaltwandlerin verbindet die Si’lat zwei Motive, die die arabische Überlieferung sonst trennt: die verführerische schöne Fremde und das reißende Wesen der Einöde.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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