Penanggalan ist Dämonin der malaiischen Tradition.
Nachts löst sich ihr Kopf und sucht das Blut der Wöchnerin. Im Zentrum steht der nächtliche Kopf ohne Körper.
Penanggalan ist eine malaiische Hexe, deren Kopf sich nachts mit den herabhängenden Eingeweiden vom Körper löst und davonfliegt, um das Blut von Wöchnerinnen und Neugeborenen zu saugen. Tagsüber lebt sie als unauffällige Frau, häufig getarnt als Hebamme, und legt nach ihrer Rückkehr die Innereien in einen Essigbottich ein.
Die Textperiode ist historisch belegt, in der Hikayat Abdullah von 1845 und bei Walter William Skeat um 1900; das Verbreitungsgebiet reicht über Malaysia und Indonesien in den gesamten südostasiatischen Raum. Aus der Ferne wirkt der fliegende Kopf wie eine Flamme, ein Bild, das die Grenze zwischen Mensch und Ungeheuer verschwimmen lässt.
Typ: Fliegender Frauenkopf mit heraushängenden Eingeweiden
Herkunft: Malaiischer Volksglaube, Hexerei und Geburtsdämonologie
Texte: Hikayat Abdullah 1845, Walter William Skeat 1900
Zeitraum: historisch belegt, bis heute lebendig
Erscheinung: abgetrennter Frauenkopf mit Eingeweiden, aus der Ferne wie eine Flamme
Historisch belegt: Die Hikayat Abdullah von 1845 und Walter William Skeats Feldstudie von 1900 dokumentieren die Gestalt, die bis heute im Volksglauben lebendig ist.
Malaysia, Indonesien und der gesamte südostasiatische Raum.
Gut: Neben Skeat und der Hikayat Abdullah verzeichnen auch spätere mythologische Nachschlagewerke die Gestalt.
Malaiisch: Der Name geht auf tanggal zurück, ablösen, und benennt unmittelbar das Kernmotiv der Gestalt: den Kopf, der sich vom Körper trennt.
Erscheinung
Aus der Ferne wirkt die Penanggalan wie eine flackernde Flamme: der abgetrennte Kopf mit den heraushängenden Eingeweiden. Nach der nächtlichen Jagd muss sie die Innereien in Essig einlegen, damit sie schrumpfen und wieder in den Körper passen, daher der verräterische Essiggeruch, an dem man ihre Tagestarnung erkennt.
Wirkung
Tagsüber gibt sie sich als Hebamme aus, erkennbar am vermiedenen Blickkontakt und am Lippenlecken. Nachts fliegt sie unter die Pfahlbauten und saugt mit langer Zunge das Blut der Wöchnerin. Wer von den tropfenden Eingeweiden gestreift wird, trägt nicht heilende Wunden davon; die Opfer erkranken an einer fast immer tödlichen Auszehrung.
Die wichtigsten Aspekte des fliegenden Kopfes auf einen Blick.
Malaiische Hexerei- und Geburtsdämonologie, dokumentiert bei Skeat und in der Hikayat Abdullah.
Schwangere, Wöchnerinnen und Neugeborene, denen sie nachts unter den Pfahlbauten auflauert.
Abgetrennter Frauenkopf mit heraushängenden Eingeweiden, aus der Ferne wie eine Flamme.
Blutraub an Wöchnerinnen mit fast immer tödlicher Auszehrung der Opfer.
Dornige Ranken an Fenstern, Glasscherben auf Mauern und Scheren unter dem Kissen der Wöchnerin.
Anders als viele Totengeister ist die Penanggalan kein klassischer Untoter, sondern eine lebende Hexe, die sich die Fähigkeit zur Kopfablösung durch Meditation in einem Essigbottich selbst erwarb. Bei Walter William Skeat ist sie um 1900 als nächtlicher Geburtsgeist der animistischen Volksreligion Malaysias dokumentiert.
Die Hikayat Abdullah von 1845 erzählt ihren Ursprung als konkrete Geschichte: Einst sei sie eine gewöhnliche Frau gewesen, die die Zauberkünste eines Dämons nutzte, wonach sich Kopf und Hals mitsamt den Eingeweiden von ihrem Körper lösen und fliegen konnten. Beide Belege zeigen sie als selbst erlernte, nicht als ererbte Bedrohung.
Die Penanggalan prägte den indonesischen Horrorfilm, etwa Mystics in Bali von 1981, und erscheint bis heute in Rollenspielen, Comics und Videospielen. Sie zählt zu den bekanntesten Gestalten der südostasiatischen Geisterwelt.
Religionswissenschaftlich verbindet die Penanggalan die Vorstellung der Schwarzmagie, in der die Hexe die Fähigkeit selbst erlangt, mit dem Kindbett- und Wochenbett-Angstkomplex. Sie steht für einen islamisch überformten Animismus, in dem ausgerechnet die Hebamme, die Geburtshelferin, zur potenziellen Bedrohung wird.
Quellenfest sind dornige Gewächse wie Mengkuang oder Pandanus, deren Ranken um die Fenster gelegt werden, um die herabhängenden Eingeweide zu verfangen; als Schutzkraut vergleichbarer Funktion gilt in der Geisterabwehr auch Beifuß. Ergänzend dienen Glasscherben auf Mauerkronen und Scheren aus Eisen unter dem Kissen der Wöchnerin sowie Salz an den Öffnungen des Hauses. Zur endgültigen Vernichtung gibt man Glasscherben in die leere Halsöffnung des zurückgelassenen Körpers, heiligt und verbrennt ihn oder verhindert, dass der Kopf vor Sonnenaufgang zurückkehrt.
Die Penanggalan entspricht der thailändischen Krasue, dem leuchtenden fliegenden Frauenkopf, und der philippinischen Manananggal, die jedoch den ganzen Oberkörper abtrennt. Weitere Verwandte sind Ahp, Kasu und Leyak, als Halsmotiv verwandt sind die japanischen Nukekubi und Rokurokubi. Innerhalb der malaiischen Geisterwelt steht sie neben der Pontianak und der Langsuir, die ebenfalls Frauen im Kindbett betreffen, sowie dem Toyol als weiterer Gestalt derselben Tradition.
Ist die Penanggalan tot?
Nein, sie ist tagsüber eine lebende Frau und Hexe, die sich nachts nur den Kopf mitsamt den Eingeweiden vom Körper löst.
Warum riecht sie nach Essig?
Weil sie ihre Eingeweide nach der nächtlichen Jagd in Essig einlegt, damit sie schrumpfen und wieder in den Körper passen.
Wie hält man sie ab?
Durch dornige Gewächse an Fenstern und Glasscherben an Mauern, die die herabhängenden Eingeweide verfangen sollen.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als fliegender Frauenkopf bleibt die Penanggalan eine der schaurigsten Gestalten der malaiischen Geisterwelt: Als malaiische Hexe erwarb sie sich die Macht zur Kopfablösung selbst und trägt dafür bis heute den Essiggeruch der Nacht.
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