Toyol ist Dämon der malaiischen Tradition.
Vom Meister gebunden und zum heimlichen Diebstahl gezwungen. Im Zentrum steht der gebundene Dieb seines Meisters.
Toyol ist ein kindlicher Kobold-Geist Malaysias und Indonesiens, beschworen aus der Seele eines toten Fötus oder totgeborenen Kindes. Ein Meister bindet ihn durch schwarze Magie und schickt ihn los, um heimlich Geld und kleine Wertsachen zu stehlen.
Anders als das mörderische Tiyanak der Philippinen ist der Toyol nicht primär tödlich: Die Gefahr liegt weniger im Wesen selbst als im diebischen Willen seines Meisters, der ihn beschwört, füttert und kontrolliert.
Typ: Kindlicher Kobold-Geist im Dienst eines Meisters
Herkunft: Malaiischer und indonesischer Volksglaube um schwarze Magie
Texte: mündliche Volksüberlieferung, präsent in Alltagsmagie und Horrorfilm
Zeitraum: mündlich bis heute, lebendig im modernen Horrorfilm
Erscheinung: kleines, nacktes Kind mit scharfen Zähnen und roten Augen, koboldhaft
Mündlich bis heute: Der Glaube ist Teil der lebendigen Alltagsmagie Malaysias und Indonesiens und wurde vom modernen Horrorfilm aufgegriffen.
Malaysia, wo das Wesen Toyol heißt, und Indonesien, wo es besonders in der sundanesischen Überlieferung als Tuyul bekannt ist.
Mittel bis dünn: Neben Skeats früher Aufzeichnung der malaiischen Magie steht vor allem eine breite volkskundliche und populärkulturelle Überlieferung, belastbare akademische Monografien speziell zum Toyol sind rar.
Malaiisch/Indonesisch: Der Name lautet malaiisch Toyol, sundanesisch und indonesisch Tuyul. Sein Meister trägt je nach Sprachraum den Titel Bomoh im Malaiischen oder Dukun im Indonesischen.
Erscheinung
Der Toyol erscheint als kleines, nacktes Kind, im Volksglauben mit scharfen Zähnen und roten Augen, in der indonesischen Variante oft mit grüner Haut und spitzen Ohren. Er verkörpert die Ambivalenz kindlicher Unschuld und dämonischer Nutzbarkeit, das tote Kind als Werkzeug menschlicher Gier.
Wirkung
Der Toyol stiehlt zugunsten seines Meisters Geld und kleine Wertsachen bei Nachbarn und Vermögenden und ist nicht primär mörderisch. Er muss durch Beschwörungen gebunden und täglich mit Milch, Süßigkeiten und Spielzeug versorgt werden; Vernachlässigung kann dazu führen, dass er sich gegen den Besitzer wendet oder entkommt.
Die wichtigsten Aspekte des Kobold-Geists auf einen Blick.
Animistischer Geisterglaube Malaysias und Indonesiens, verbunden mit der Schwarzmagie des Bomoh oder Dukun; im islamischen Umfeld als verpönte, aber verbreitete Volkspraxis gepflegt.
Nachbarn und Vermögende, denen der Toyol im Auftrag seines Meisters Geld und Kleinigkeiten stiehlt.
Kleines, nacktes Kind mit scharfen Zähnen und roten Augen, in Indonesien oft grünhäutig und spitzohrig.
Diebstahl statt Mord: Der Toyol beschafft seinem Meister heimlich Reichtum; die Gefahr bleibt wirtschaftlich, nicht tödlich.
Verstreute Kleinigkeiten wie Perlen, Reiskörner oder Süßigkeiten lenken das spielende Kind ab und halten es vom Diebstahl fern.
Der Name lautet malaiisch Toyol, sundanesisch und indonesisch Tuyul. Der Toyol ist ein untoter Säugling, aus der Seele eines toten Fötus oder totgeborenen Kindes durch schwarze Magie beschworen. Sein Meister ist ein Schamane, malaiisch ein Bomoh, indonesisch ein Dukun, der ihn bindet und für seine Zwecke einsetzt.
Der Glaube verbindet die animistische Vorstellung von Geistern und Dienstwesen mit der Schwarzmagie und gilt im islamischen Umfeld als verpönte, aber verbreitete Volkspraxis. Aus einem unrein und vorzeitig verstorbenen Kind wird so ein gebundenes Werkzeug, dessen Kindlichkeit und dessen Nutzung durch Erwachsene in scharfem Gegensatz zueinanderstehen.
Der Toyol ist ein fester Bestandteil des indonesisch-malaiischen Horrorfilms und zählt neben Pocong und Kuntilanak zu den tragenden lokalen Gestalten des Horror-Booms.
Der Toyol verbindet den Glauben an unrein und vorzeitig Verstorbene, den toten Fötus, mit der Schwarzmagie und den Vorstellungen von Dienstgeistern. Sozialkritisch ist er als Erklärungsmuster für unerklärlichen Reichtum oder Verlust in Dorfgemeinschaften lesbar: Wo ein Nachbar plötzlich wohlhabend wird oder ein anderer unerklärlich bestohlen wird, liefert der Toyol-Glaube eine Deutung.
Quellenfest ist die Ablenkung: Da der Toyol ein spielendes Kind ist, kann man ihn durch am Boden verstreute Kleinigkeiten beschäftigen und so vom Diebstahl abhalten. Verstreutes Salz gilt neben Perlen, Reiskörnern und Süßigkeiten als wirksames Ablenkungsmittel, ein getragenes Amulett als Abwehrzeichen gegen den diebischen Geist, und Beifuß steht für die Kräuter, die zusammen mit Reiskörnern am Boden das kindliche Wesen ablenken sollen. Die eigentliche Bindung und Kontrolle liegt jedoch beim Meister selbst, durch Beschwörung und tägliche Opfergaben von Milch, Süßigkeiten und Spielzeug.
Von den weiblichen Blutsaugergestalten der malaiischen Geisterwelt, der Pontianak, der Langsuir und der Penanggalan, unterscheidet sich der Toyol grundlegend: Er ist ein gebundener Dienstgeist im Auftrag eines lebenden Meisters, kein selbstständig jagendes Wesen. Der Toyol ist mit dem philippinischen Tiyanak verwandt, ebenfalls dem Geist eines toten Kindes, der jedoch aktiv tötet, während der Toyol diebisch und nicht tödlich ist. Die engste funktionale Parallele ist der thailändische Kuman Thong, der beschworene Kind-Geist als Glücksbringer.
Wozu dient ein Toyol?
Ein Meister, ein Bomoh oder Dukun, beschwört ihn, um heimlich Geld und Kleinigkeiten zu stehlen.
Ist der Toyol gefährlich für Menschen?
Meist nicht direkt tödlich, anders als das philippinische Tiyanak; die Gefahr geht eher vom diebischen Meister und dem wirtschaftlichen Schaden aus.
Wie hält man ihn vom Stehlen ab?
Indem man ihn als Kind mit verstreuten Süßigkeiten, Perlen oder Reiskörnern ablenkt.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Tuyul bleibt der Toyol ein kindlicher Kobold-Geist zwischen Unschuld und Auftragsdiebstahl: gebunden an seinen Meister, gefüttert mit Süßem und Spielzeug, und nie ganz zu zähmen.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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