Pontianak ist Dämonin der malaiischen Tradition.
Erst betörend schön, dann grässlich: Sie reißt Organe heraus. Der Steckbrief beleuchtet die Frau in Weiß mit dem Frangipani-Duft.
Pontianak ist der Geist einer schwangeren oder im Kindbett gestorbenen Frau in Malaysia und Indonesien, wo sie Kuntilanak genannt wird. Als schöne Frau in Weiß mit langem schwarzem Haar kündigt sie sich durch Babyweinen und den Duft der Frangipani an, ehe sie mit langen Krallen die Organe ihrer Opfer herausreißt.
Die Überlieferung ist mündlich und bei Skeat um 1900 greifbar; heute prägt die Gestalt vor allem das südostasiatische Horrorkino. Verbreitungsgebiete sind Malaysia, Indonesien und Singapur, und selbst die Stadt Pontianak in West-Kalimantan trägt ihren Namen.
Typ: Geist einer im Kindbett gestorbenen Frau, in Indonesien Kuntilanak genannt
Herkunft: Malaiisch-indonesischer Kindbett-Totenglaube
Texte: mündliche Überlieferung, bei Skeat um 1900 greifbar
Zeitraum: mündlich überliefert, seit dem 20. Jahrhundert prägend fürs Kino
Erscheinung: schöne, blasse Frau in Weiß mit langem schwarzem Haar, wandelt sich in eine grässliche Gestalt
Mündlich überliefert und bei Walter William Skeat um 1900 dokumentiert; seit dem 20. Jahrhundert prägt die Gestalt vor allem das Kino Südostasiens.
Malaysia als Pontianak, Indonesien als Kuntilanak, dazu Singapur.
Gut: mündliche Überlieferung, dokumentiert bei Skeat, ergänzt durch umfangreiche filmwissenschaftliche und volkskundliche Literatur der Gegenwart.
Malaiisch: In Malaysia trägt sie neben Pontianak auch den Namen Hantu Langsuyar, in Indonesien heißt sie Kuntilanak. Selbst die Stadt Pontianak in West-Kalimantan ist nach ihr benannt, einer Gründungslegende zufolge, weil der Ort einst von seinen Geistern befreit wurde.
Erscheinung
Das weiße Kleid, das lange schwarze Haar und der Wandel von betörender Schönheit zu grässlicher Fratze verkörpern die Ambivalenz von Verführung und Tod. Bananenbäume gelten als ihr Aufenthaltsort bei Tag, aus deren Schatten sie bei Nacht hervortritt.
Wirkung
Die Pontianak reißt mit ihren Krallen die Organe ihrer Opfer heraus und saugt sie bei geöffneten Augen des Sterbenden aus. Sie kündigt sich durch Babyweinen, weibliches Lachen und den süßen Duft der Frangipani an, dem bald Verwesungsgestank folgt, und soll ihre Opfer angeblich am Geruch frisch gewaschener Wäsche aufspüren.
Die wichtigsten Aspekte der Frau in Weiß auf einen Blick.
Zentrale Figur des malaiisch-indonesischen Kindbett-Totenglaubens, in Malaysia Pontianak, in Indonesien Kuntilanak genannt.
Männer, Schwangere und Kinder, die sie mit Babyweinen und Blütenduft anlockt, ehe sie zuschlägt.
Schöne, blasse Frau in Weiß mit langem schwarzem Haar, die sich in eine grässliche Gestalt verwandelt.
Tödliche Krallenangriffe, bei denen die Organe der Opfer herausgerissen werden.
Ein Nagel im Loch ihres Nackens bannt sie zur harmlosen Frau, solange er dort steckt.
Die Pontianak entsteht nach verbreiteter Überlieferung aus einer schwangeren oder im Kindbett gestorbenen Frau. Streng systematisch unterscheidet die Überlieferung zwei Gestalten: Als Geist des toten Kindes gilt eigentlich die Pontianak, während die Mutter selbst zur Langsuir wird. In der Alltagsüberlieferung und im Film verschwimmt diese Trennung, dort ist die Pontianak überwiegend die tödliche Frauengestalt selbst.
In Indonesien besteht zudem ein Bezug zur Sundel Bolong, der Frau mit dem klaffenden Loch im Rücken: eine eigenständige, doch verwandte Gestalt derselben Vorstellungswelt. Die malaiische und die indonesische Tradition teilen denselben Kern: eine tödliche Frau, die einst im Kindbett starb.
Die Pontianak ist prägend für das südostasiatische Horrorkino: Der Film Pontianak von 1957 begründete das Genre, zahlreiche Fortsetzungen folgten, in Indonesien ergänzt um eigene Kuntilanak-Filmreihen. Neuere Filme wie Pontianak Harum Sundal Malam von 2004 werden feministisch gelesen.
Religionswissenschaftlich ist die Pontianak eine zentrale Figur des Kindbett-Toten-Glaubens und eine Projektion gesellschaftlicher Ängste um Weiblichkeit, Sexualität und Muttertod. Sie steht für einen islamisch überformten Animismus, und jüngere Forschung liest sie zusätzlich als Reflexion von Moderne, Geschlecht und Dekolonisierung.
Quellenfest ist der Nagel im Nacken: Treibt man einen Nagel aus Eisen in das Loch im Nacken der Pontianak, wird sie zur schönen, braven Frau, solange er dort steckt; zieht man ihn heraus, kehrt die Geistgestalt zurück. In der indonesischen Variante setzt man den Nagel stattdessen auf den Scheitel. Ein getragenes Amulett gilt ebenso als Abwehr, dornige und duftende Gewächse gelten im Volksglauben zusätzlich als Schutz, vergleichbar der Funktion von Beifuß in anderen Traditionen.
Die Pontianak ist mit der philippinischen Aswang und eng mit der Langsuir und der indonesischen Sundel Bolong verwandt. Motivisch verwandt sind die White Lady, die indische Churel und die japanische Ubume und Onryo. In der eigenen malaiisch-indonesischen Tradition bildet sie mit der Penanggalan und dem Toyol eine Gruppe verwandter, doch klar unterscheidbarer Gestalten.
Wie bannt man eine Pontianak?
Ein Nagel im Loch ihres Nackens macht sie zur harmlosen, braven Frau, solange er dort steckt. In der indonesischen Überlieferung setzt man den Nagel stattdessen auf den Scheitel.
Woran erkennt man ihre Nähe?
An Babyweinen oder weiblichem Lachen und dem süßen Duft der Frangipani, dem bald Verwesungsgestank folgt.
Pontianak oder Kuntilanak?
Derselbe Geist unter zwei Namen: Pontianak auf Malaiisch, Kuntilanak auf Indonesisch, in Malaysia daneben auch Hantu Langsuyar genannt.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Kuntilanak in Indonesien und Pontianak in Malaysia bleibt die Frau in Weiß eine der prägendsten Gestalten der südostasiatischen Geisterwelt: betörend schön im ersten Moment, tödlich im nächsten, wenn ihre Krallen nach den Organen ihrer Opfer greifen.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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