Mars ist der Gott des Krieges und der Kampfkraft in der römischen Tradition. Als Vater des Romulus gilt er als Schutzherr der Dynastie und des römischen Reiches selbst, weshalb ihm besondere Verehrung zukam. Religionswissenschaftlich ist Mars ein Beispiel für die Transformation eines Gottes vom Landwirtschaftsschutz zum Staatsgott und damit für die politische Umformung von Kulten.
Mars verkörpert nicht allein Aggression und Zerstörung, sondern auch Ordnung im Krieg und Schutz der Gemeinschaft. Seine zentralen Aspekte sind Tapferkeit, militärische Strategie und die Sanktionierung von Gewalt durch das Gemeinwesen.
Im Mythos erscheint er in verschiedenen Rollen: als Liebhaber der Venus, als Vater des Romulus und als Beschützer vor Pest und Unheil. Die Luperkalia und Equirria waren zentrale Festtage, bei denen Pferde und Waffen dem Gott geweiht wurden.
Primäre Quellen sind zahlreich: Ovid, Vergil, Horaz, das Acta Arvalium und lateinische Inschriften. Sekundär haben Karl Latte, Georg Wissowa und Walter Burkert die Ursprünge und die Transformation von Kriegsgott zu Staatsgott untersucht. Die Verbreitung des Mars-Kultes erstreckte sich über das gesamte römische Reich und verschmolz mit gallischen, germanischen und britischen Kriegsgöttern.
Die schriftliche Überlieferung zu Mars reicht mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit zurück, mit großer Wahrscheinlichkeit noch älteren mündlichen Traditionen dahinter. Die Rom haben diese Entität oder dieses Konzept über lange Zeiträume hinweg bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben, was auf zentrale religiöse und kulturelle Bedeutung hindeutet.
Der Mars-Kult reicht in Rom bis in die Frühzeit zurück, in der er sowohl als Schützer des Ackerlandes wie auch als Kriegsgott angerufen wurde; sein Fest fiel in den nach ihm benannten Monat März. Nach dem Ende der antiken Religion lebte die Figur in der Astronomie als Name des Planeten weiter, in der bildenden Kunst der Neuzeit etwa in Darstellungen von Mars und Venus sowie sprachlich im Adjektiv „martialisch“.
Mars ist der römische Kriegsgott, aber komplexer als Kampflust. Mars ist auch Gott der Ordnung, des Mutes und der Männlichkeit. Im Gegensatz zu Ares (griechisch) ist er diszipliniert und strategisch, keineswegs wild. Er ist Vater Roms. Seine Rolle vereint Gewalt und Zivilisation.
Mars war weder regional begrenzt noch an bestimmte Lokationen gebunden: Er war universell in der gesamten Rom-Welt bekannt und verehrt oder gefürchtet. Ob in urbanen Zentren oder peripherer ländlicher Region, ob bei Elite oder einfachem Volk, die spirituelle oder kulturelle Bedeutung dieser Entität war durchgehend und universell anerkannt.
Mars stand im Rang gleich nach Jupiter und galt als Stammvater des römischen Volkes, da er in der Gründungssage als Vater von Romulus und Remus auftritt. Sein Kult reichte vom Marsfeld als Versammlungs- und Übungsplatz des Heeres bis zu den ländlichen Flurumgängen, und über die latinischen Bündnisse hinaus wurde er auch von anderen italischen Völkern unter verwandten Namen wie dem oskischen Mamers angerufen.
Primärquellen: Ovids Metamorphosen und Fasti, Vergils Aeneis (Bk. 8), Horaz Oden, Cicero De Natura Deorum, Macrobius Saturnalia.
Die Belege reichen von der frühen Republik (6. Jh. v.Chr.) bis zur Spätantike. Forscher: Georg Wissowa, Karl Latte (Römische Religionsgeschichte), Walter Burkert (Griechische Religion), Hubert Cancik. Inschriften und archäologische Befunde dokumentieren Tempelbau und Rituale in Rom, Kampanien, Gallia und entlang der Rheingrenzen.
Mars wird in den verschiedenen Traditionen und Quellen mit bestimmten ikonographischen Elementen dargestellt, die Jahrzehnte und Orte übergreifend relativ konsistent bleiben. Diese Elemente sind symbolisch kodiert und tragen tiefe Bedeutung; rein dekorativ oder zufällig sind sie gerade nicht.
Mars wird in der römischen Kunst durch Helm, Lanze und Schild kenntlich gemacht und meist als gerüsteter Krieger dargestellt. Ihm zugeordnet sind Tiere wie Wolf und Specht, die in der Gründungssage Roms eine Rolle spielen, sowie die heiligen Schilde, die Ancilia, die von der Priesterschaft der Salii in feierlichen Umzügen getragen wurden. Diese Attribute machten seine Zuständigkeit für Krieg und Schutz unmittelbar lesbar.
Mars war zentral in der religiösen Praxis und dem alltäglichen Verständnis der Rom. Menschen wendeten sich in bestimmten kritischen Lebenssituationen oder zu bestimmten Jahreszeiten an diese Entität, mit strukturierten Ritualen, Gebeten oder Opfergaben. Die Praxis war präzise tradiert und von Priestern oder Fachpersonen geleitet, nichts daran war beliebig oder ad-hoc.
Die Verehrung des Mars äußerte sich in Riten vor und nach Feldzügen: Vor dem Auszug berührte der Feldherr die heiligen Lanzen und Schilde im Regia-Heiligtum, das Suovetaurilia-Opfer aus Schwein, Schaf und Stier diente der Reinigung von Land und Heer, und das Oktoberpferd-Opfer schloss die Kriegssaison ab. Daneben sicherte das Fest der Ambarvalia durch Flurumgänge den Schutz der Felder.
Mars wird dargestellt als muskulöser Krieger in voller Rüstung, oft mit Helm, Schild und Lanze. Rot ist ihm eigen. Speer und Schwert, Adler und Wolf sind seine Symbole. Der März ist nach ihm benannt. Kraft und kriegerische Ehre definieren ihn.
Der folgende Steckbrief erläutert die sechs Aspekte von Mars: seine historische und kulturelle Herkunft, die Verehrungspraxis, die ikonographische Darstellung, die Bedeutung für Schutz und Anrufung, Parallelen zu anderen Kulturen und ein abschließender Überblick über verwandte Götterfiguren in benachbarten Traditionen.
Mars gehört zu den ältesten römischen Gottheiten. Spuren führen zu indogermanischen Kriegsgöttern und zur italischen Vorzeitform eines Fruchtbarkeitsdämons. In Latium war er ursprünglich Beschützer der Herden und Felder, wurde aber unter dem wachsenden Militäraufwand zur Gott des Krieges umgeformt.
Die erste gesicherte Nennung in den Fasti Praenestini datiert auf das 4. Jahrhundert v.Chr. aber Kulte existierten weit länger. Der Mars-Tempel auf dem Ares-Platz in Rom wurde 20 v.Chr. durch Augustus neu geweiht.
Mars wurde von Kriegern, Feldherren, Soldaten, Bauern und Bürgern angerufen, insbesondere vor Feldzügen und in Kriegszeiten. Die römische Priesterschaft der Salier zelebrierte ihn mit den Equirria (Pferderennen).
Der Lupercalien-Brauch (Februar) bedeutete Reinigung und Fruchtbarkeitssegen für Acker und Familie. Augustus nutzte Mars-Kulte politisch: als Vater des Romulus legitimierte der Gott die Dynastie. Militärische Strategen beteten vor Schlachten.
Mars wurde dargestellt als bärtiger, vollbewehrter Krieger mit Helm, Schild und Speer. Ikonographisch trug er die Rüstung eines römischen Soldaten, oft mit dramatischem Blick.
Seine Attribute waren das Pferd, der Ares (Speer), die Schirme (ancile), manchmal auch die Schlange (chthonischer Aspekt). In Münzen erscheint er stehend oder berittend. Auf Altären zeigt er sich mit Venus, da die Liaison mythologische und kosmische Harmonie symbolisierte.
Wirkungsbereich: Mars ist Kriegsgott, und zugleich Gott der Vegetation und der Feldfrüchte. Sein Festival, die Lupercalia und das March-Fest, markieren Fruchtbarkeits- und Reinigungsrituale.
In Rom wird Mars mehr als Beschützer der Stadt und der Ackerbau verehrt, der Krieger, der das Volk verteidigt und das Land fruchtbar macht. Seine Kinder mit Venus (Romulus und Remus) zeigen seine Verbindung zu Gründung und Staat.
Mars stand unter Anrufung und ehrfurchtsvollem Respekt, kein bloßer Schutzgott, sondern moralische Kraft. Vor wichtigen Unternehmungen opferte man Stiere, Schafe und Pferde.
Riten zur Abwehr von Unheil zielten darauf, Mars zu besänftigen und seine aggressive Kraft in ordnungsgemäße Bahnen zu lenken. In Privathäusern wurden kleine Mars-Figuren (sigilla) aufgestellt, um das Haus und die Familie vor Schaden zu bewahren.
In der griechischen Tradition entspricht Ares ein ähnlicher, aber weniger geachteter Gott, ungeordnet und blutrünstig. Die etruskischen Tinia-Figuren zeigen Parallelen zur Kriegsgottheit. Im germanischen Raum prägen Tiwaz/Tyr und Wodan ähnliche Rollen. Die mesopotamischen Nergal und Erra verkörpern Pest und Krieg. Diese Gottheiten teilen mit Mars die Transformation von Agrarschutz zu Kriegsgottheit.
Mars verbindet die Funktionen des griechischen Ares mit denen eines Vegetations- und Ackergotts, ein Rollenkomplex, der keine direkte griechische Entsprechung kennt. Während Ares zumeist als reiner Kriegsfanatiker erscheint, wird Mars im römischen Kalender bereits im März mit Saatriten verbunden.
Jüdische Tradition: In der jüdischen Theologie gibt es keine direkte Parallele zu Mars. Der Gedanke von Krieg als göttliche Funktion wird anders verhandelt: JHWH ist Gott der Heere (Zebaot), aber nicht als spezialisierter Kriegsgott. Die hellenistische Periode brachte Kontakt, aber keine Verschmelzung mit Mars-Kulten.
Griechisch-römische Welt: Ares ist der griechische Pendant, aber verachtet und zweitrangig gegenüber Athena, die Strategie verkörpert. Mars dagegen war hochgeachtet, was die unterschiedliche politische Rolle Roms betont. Die Verschmelzung unter späteren Kaisern (Ares-Mars-Synkretismus) zeigt aber wechselseitige Adaption.
Mesopotamien: Nergal, Kriegsgott und Totenfürst, teilt mit Mars die Dualität von Zerstörung und Schutz. Erra ist eine aggressive Kriegsfigur, aber weniger in staatliche Struktur eingebunden. Die mesopotamischen Krieger erbaten Nergals Segen wie römische Legionäre die des Mars.
Indien/Asien: Skanda/Murugan im Hinduismus ist Kriegsgott, doch in kosmischer Hierarchie untergeordnet. Im frühen Buddhismus gibt es keine Kriegsgottheit. China kannte Guan Yu, den Kriegsgott von Ehre und Gerechtigkeit, später kanonisiert, eine strukturelle Parallele zur Politisierung des Mars.
In der populären Wahrnehmung gilt Mars als das römische Gegenstück zum griechischen Kriegsgott Ares. Diese Gleichsetzung ist literarisch korrekt, verdeckt aber, dass Mars ursprünglich ein eigenständiger altitalischer Gott mit einem deutlich breiteren Wirkungskreis war.
Die ältesten Zeugnisse, vor allem das archaische Arvallied und Hinweise bei Cato dem Älteren, zeigen einen Gott, der ebenso für den Schutz von Feldern, Vieh und Grenzen zuständig war wie für den Krieg.
Cato überliefert in seiner Schrift De agri cultura ein Gebet, das einem Bauern aufträgt, Mars um den Schutz seines Landgutes, seiner Familie und seines Viehs zu bitten und ihm dafür ein dreifaches Opfer darzubringen, die sogenannte suovetaurilia aus Schwein, Schaf und Stier.
In diesem Gebet erscheint Mars als Abwehrmacht gegen Krankheit, Unfruchtbarkeit und Unwetter. Diese landwirtschaftliche Seite gehört zum Kern des alten Marskultes und ist alles andere als ein Randzug.
Die Forschung erklärt diesen weiten Zuständigkeitsbereich unterschiedlich. Eine Deutung sieht Mars ursprünglich als allgemeinen Schutzgott der Gemeinschaft, dessen Abwehrfunktion sich nach außen als Kriegsführung, nach innen als Schutz von Feld und Herde äußerte.
Der italische Mars war damit weniger eng spezialisiert als der griechische Ares, der im griechischen Pantheon eine eher unbeliebte, rein kriegerische Randfigur blieb.
Erst die literarische Gleichsetzung in hellenistischer und kaiserzeitlicher Zeit drängte die alten Funktionen in den Hintergrund. Für das Verständnis des römischen Mars ist es deshalb wichtig, die griechische Folie nicht für das Ganze zu nehmen.
Mars besitzt im römischen Selbstverständnis eine genealogische Sonderstellung. Er gilt als Vater der Zwillinge Romulus und Remus und damit als Ahnherr des römischen Volkes.
Nach der bei Livius und anderen überlieferten Gründungssage gebar die Vestalin Rhea Silvia die Zwillinge von Mars. Die Kinder wurden ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt, einem dem Mars heiligen Tier, und von einem Hirten aufgezogen. Romulus gründete später die Stadt.
Diese Abstammung machte Mars zu einem dynastischen und politischen Gott, nicht nur zu einer Naturmacht. Die gens Iulia, das Geschlecht Caesars und damit auch des Augustus, leitete sich zwar über Venus von Aeneas ab, doch die Verbindung Roms insgesamt zu Mars blieb ein fester Bestandteil der Staatsideologie.
Augustus baute diese Linie aus, indem er den Tempel des Mars Ultor, des Rächers, errichtete und zum Mittelpunkt seines neuen Forums machte. Der Beiname Ultor verband sich mit der Rache für die Ermordung Caesars und mit der Rückgewinnung der von den Parthern erbeuteten Feldzeichen.
Der dem Mars heilige Specht, der picus Martius, und der Wolf gehörten zu den Tieren, durch die der Gott in der Gründungssage wirkte. Auch der Monat März, lateinisch Martius, trägt seinen Namen und galt im alten römischen Kalender als Beginn des Jahres und der Feldzugssaison.
Die Verflechtung von Mythos, Kalender und politischer Geschichte macht Mars zu einem Gott, dessen Kult eng mit der Identität der Stadt verbunden war. Anders als bei vielen Gottheiten ging es bei ihm über die Verehrung hinaus um die Herkunftserzählung der Gemeinschaft selbst.
Zu den auffälligsten Einrichtungen des römischen Marskultes gehörten die Salier, eine Priesterschaft von zwölf Mitgliedern, die ausschließlich Patriziern offenstand. Ihr Name wird auf das lateinische salire, springen oder tanzen, zurückgeführt, denn ihr Ritual bestand wesentlich in einem Waffentanz durch die Stadt.
Die Salier zogen vor allem im März, dem Monat des Mars, in altertümlicher Tracht durch Rom: mit Bronzehelm, kurzem Schwert, einem bemalten Gewand und einem heiligen Schild am Arm.
Diese Schilde, die ancilia, standen im Zentrum des Rituals. Nach der Überlieferung war einer davon vom Himmel gefallen, ein Unterpfand für den Bestand Roms. Damit er nicht gestohlen werden konnte, ließ der sagenhafte König Numa Pompilius elf gleiche Nachbildungen anfertigen.
Die Salier bewahrten die zwölf Schilde und führten sie bei ihren Umzügen mit. Begleitet wurde der Tanz vom Gesang des Arvalliedes verwandten carmen Saliare, eines so altertümlichen Textes, dass ihn schon die Römer der klassischen Zeit kaum noch verstanden.
Die Salier markierten den Beginn und das Ende der Feldzugssaison. Ihre Riten im März eröffneten die Zeit, in der Krieg geführt werden konnte, ein weiteres Ritual im Oktober schloss sie ab. Diese Einbindung in den Jahreslauf zeigt erneut, wie Mars zwischen kriegerischer und landwirtschaftlicher Sphäre stand.
Für die Forschung sind die Salier wertvoll, weil sie ein sehr altes, in Sprache und Form konserviertes Stück römischer Religion bewahrten. Vieles an ihrem Ritual blieb selbst den antiken Autoren dunkel, was die Quellenlage entsprechend lückenhaft macht.
Die topografische Verankerung des Mars in Rom war ungewöhnlich. Sein ältester Kultplatz lag nach der Überlieferung außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes, auf dem Campus Martius, dem Marsfeld in der Tiberschleife. Diese Lage hatte einen sakralrechtlichen Grund: Bewaffnete und das Heer durften das Pomerium, die heilige Stadtgrenze, nicht überschreiten.
Das Marsfeld war deshalb der Ort für Aushebung, militärische Übungen, die Volksversammlung in ihrer wehrhaften Form und für den Census. Erst Augustus holte mit dem Tempel des Mars Ultor auf seinem Forum den Gott demonstrativ ins Zentrum.
Der Festkalender des Mars konzentrierte sich auf März und Oktober. Im März fanden mehrere Feste statt, darunter Pferderennen und das Fest der Quinquatrus, an dem unter anderem die heiligen Waffen gereinigt wurden.
Den Oktober beschloss das October equus, ein Pferdeopfer, bei dem das rechte Pferd des siegreichen Zweispanns dem Mars geopfert wurde. Sein Schweif wurde rasch zur Regia gebracht, einem altehrwürdigen Gebäude am Forum, in dem das Blut auf den Herd tropfen sollte. Über das genaue Verständnis dieses Ritus stritten schon die antiken Gelehrten.
In der Regia wurden außerdem die hastae Martiae aufbewahrt, heilige Lanzen des Mars. Ein Feldherr berührte sie der Überlieferung nach vor dem Auszug ins Feld mit den Worten, der Gott solle wachen.
Bewegten sich die Lanzen von selbst, galt das als bedrohliches Vorzeichen. Diese Verbindung von Kultgegenstand, Ort und Ritus zeigt, dass der Marskult in Rom kein abstraktes Glaubenssystem war, sondern fest an Plätze und Objekte gebunden, die das öffentliche Leben mitbestimmten.
Mit der Ausdehnung des römischen Reiches verbreitete sich auch der Marskult, doch er blieb dabei selten unverändert. In den Provinzen, besonders in Gallien, Britannien und am Rhein, verschmolz Mars vielfach mit einheimischen Gottheiten.
Dieses Verfahren, von der Forschung als interpretatio Romana bezeichnet, führte zu einer großen Zahl von Mars-Beinamen, die auf Weihinschriften erscheinen. Genannt seien etwa Mars Lenus in Trier, Mars Camulus im keltischen Raum oder Mars Thingsus in Britannien, der mit einer germanischen Gottheit verbunden war.
Auffällig ist, dass der provinziale Mars häufig stärker als Heil- und Schutzgott auftritt als als Kriegsgott. Mars Lenus etwa war eine bedeutende Heilgottheit mit einem großen Tempelbezirk.
Diese Akzentverschiebung erklärt sich teils aus den Eigenschaften der einheimischen Götter, mit denen Mars gleichgesetzt wurde, teils aus der schon erwähnten breiten Schutzfunktion des altitalischen Mars selbst. Der Gott bot einen Anknüpfungspunkt, weil er nicht rein kriegerisch festgelegt war.
Die Provinzkulte sind für die Forschung wichtig, weil sie zeigen, wie römische Religion in der Begegnung mit lokalen Traditionen funktionierte. Sie war kein starres System, das einfach übergestülpt wurde, sondern erlaubte es, vorhandene Gottheiten in römischer Form anzusprechen.
Die zahlreichen Weihaltäre, Inschriften und Tempelbezirke, die Archäologen vor allem in Nordwesteuropa freigelegt haben, bilden eine umfangreiche Materialgrundlage. Sie machen deutlich, dass der eine Name Mars in der Praxis ein ganzes Bündel regional verschiedener Gottesvorstellungen abdecken konnte. Eine einheitliche Theologie des provinzialen Mars lässt sich daraus nicht ableiten.
Über die antike Religion hinaus wirkte Mars vor allem als Planetengott weiter. Der rötliche Planet trägt seit der Antike seinen Namen, und in der astrologischen Tradition, die über die spätantiken und arabischen Vermittler ins mittelalterliche Europa gelangte, galt Mars als Stern des Krieges, der Aggression und des Eisens.
In dieser Funktion erscheint er in zahllosen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Darstellungen, etwa in den Planetenkinder-Bildern, die zeigen, welche Menschen und Tätigkeiten dem Mars zugeordnet wurden, darunter Soldaten, Schmiede und Metzger.
In der bildenden Kunst der Renaissance und des Barock wurde Mars meist nach dem Vorbild des griechischen Ares dargestellt, häufig in Verbindung mit Venus.
Das Motiv Mars und Venus, das die Bändigung des Krieges durch die Liebe deutet, findet sich unter anderem bei Botticelli, Veronese und Rubens. Diese Bildtradition geht weniger auf den altitalischen Schutzgott zurück als auf die literarische Verschmelzung mit dem griechischen Mythos.
Auch sprachlich ist Mars bis heute gegenwärtig. Das Adjektiv martialisch leitet sich von ihm ab, ebenso der Monatsname März in vielen europäischen Sprachen. In der modernen Populärkultur erscheint Mars als Planet und als Figur in Literatur, Film und Spielen, oft auf den Kriegsaspekt verengt.
Diese Verengung entspricht dem griechischen Ares mehr als dem römischen Original. Wer den historischen Mars verstehen will, muss deshalb hinter die spätere Rezeption zurückgehen und den Gott in seinem altitalischen Kontext betrachten, in dem Krieg und Feldschutz zwei Seiten derselben Abwehrmacht waren.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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