Churel ist Dämonin der indischen Tradition.
Schön von vorn, an den rückwärts gedrehten Füßen erkennbar.
Churel ist der rächende Geist einer Frau, die während der Schwangerschaft, im Kindbett oder durch anhaltende Vernachlässigung ihrer Familie starb. Als rächender Frauengeist verwandelt sie sich in eine schöne junge Frau in Weiß, verführt Männer und saugt ihnen die Lebenskraft aus, bis sie greisenhaft verfallen.
Ihr sicherstes Erkennungszeichen bleibt in jeder Gestalt sichtbar: die nach hinten gedrehten Füße. Die Überlieferung ist seit dem 19. Jahrhundert gut dokumentiert, mit zahlreichen regionalen Varianten von Nordindien bis in die Karibik, wohin sie einst mit indischen Vertragsarbeitern gelangte.
Typ: Rachegeist einer im Kindbett oder unrein gestorbenen Frau
Herkunft: Nordindischer und südasiatischer Volksglaube
Texte: seit dem 19. Jahrhundert gut dokumentiert, grundlegend bei William Crooke, zahlreiche regionale Varianten
Zeitraum: seit dem 19. Jahrhundert belegt, in Literatur und Film bis in die Gegenwart lebendig
Erscheinung: hässlich in wahrer Gestalt, verwandelt in eine schöne junge Frau in Weiß, erkennbar an den nach hinten gedrehten Füßen
Gut dokumentiert seit dem 19. Jahrhundert, vor allem durch William Crooke; die Vorstellung bleibt in Literatur und Film bis in die Gegenwart lebendig.
Südasien: Indien, Bangladesch, Nepal und Pakistan bilden die Kerngebiete. Über indische Vertragsarbeiter gelangte der Glaube auch bis in die Karibik.
Gut: Zahlreiche regionale Varianten sind dokumentiert, grundlegend durch Crooke sowie ergänzt durch spätere volkskundliche und literarische Arbeiten.
Hindi: churel oder chudail, ein Wort, das umgangssprachlich auch als Bezeichnung für eine Hexe verwendet wird. William Crooke dokumentierte im 19. Jahrhundert zahlreiche regionale Varianten der Gestalt.
Erscheinung
In ihrer wahren Gestalt gilt die Churel als hässlich, doch sie kann sich in eine schöne junge Frau in Weiß verwandeln. Ihr sicherstes Erkennungsmerkmal bleibt in beiden Gestalten sichtbar: Die Füße stehen verkehrt herum, nach hinten gedreht. Dieses Leitmotiv teilt sie mit dem Bhoot und macht die Falle erzählwirksam, denn wer ihr auszuweichen sucht und in die Gegenrichtung flieht, läuft ihr wegen der verkehrten Füße direkt in die Arme. Der Kontrast von schöner Front und schrecklichem Rücken symbolisiert die verführerische Falle.
Wirkung
Die Churel verführt Männer an Wegen, Kreuzungen und Feldern, lockt sie fort und entzieht ihnen Lebenskraft, Blut oder Zeugungskraft, bis sie zu Greisen verfallen und sterben. Entstand sie aus familiärer Misshandlung, trifft ihre Rache die männlichen Verwandten der Reihe nach, vom Jüngsten aufwärts. Wer ihren nächtlichen Rufen folgt, kann sterben.
Die wichtigsten Aspekte der Churel auf einen Blick.
Rachegeist des nordindischen und südasiatischen Volksglaubens, seit dem 19. Jahrhundert vor allem durch William Crooke dokumentiert.
Junge Männer und Alleinreisende, die sie verführt, sowie die männlichen Verwandten der Familie, in der sie zu Lebzeiten misshandelt wurde.
Hässlich in wahrer Gestalt, verkleidet als schöne junge Frau in Weiß, stets erkennbar an den nach hinten gedrehten Füßen.
Entzug von Lebenskraft, Blut und Zeugungskraft an Wegen, Kreuzungen und Feldern, bis das Opfer greisenhaft verfällt und stirbt.
Vorbeugende Fürsorge für Schwangere, besondere Bestattungsriten für Verdächtige und der Exorzismus durch einen Ojha oder Baiga.
Der Name Churel geht auf das Hindi churel oder chudail zurück. Sie gilt als Geist einer Frau, die während der Schwangerschaft, im Kindbett oder in der als rituell unrein geltenden Zeit danach starb, oder die an der Vernachlässigung und Misshandlung durch ihren Mann und die Schwiegerfamilie zugrunde ging. William Crooke dokumentierte im 19. Jahrhundert zahlreiche regionale Varianten dieser Vorstellung.
Die ältere Überlieferung band die Churel historisch an Frauen niederer Kaste. Das ist als quellengebundene Zuschreibung der damaligen Aufzeichnungen zu verstehen, nicht als Wesenskern der Gestalt: Der eigentliche Kern ist der unrein oder ungerecht erlittene Tod einer Frau, nicht ihre soziale Herkunft.
Die Churel erscheint in der Literatur bei Kipling und Tagore und im Film, etwa im bengalischen Horror und in der feministischen Neuerzählung Bulbbul von 2020. Der Bollywood-Erfolg Stree von 2018 beruht auf der verwandten Nale-Ba-Legende und trägt Churel-nahe Motive, ist der Churel selbst aber nicht deckungsgleich.
Die Churel verknüpft das Preta-Motiv mit einem ausgeprägten Frauen- und Kindbett-Tabu: Der Tod in der als unrein geltenden Phase und die Vernachlässigung durch die Familie erzeugen den rächenden Geist. Sozialgeschichtlich wird sie als Ausdruck realer Frauenschicksale gelesen, und die moderne Rezeption dreht diese Perspektive zunehmend ins Feministische.
Der wirksamste Schutz ist die Vorbeugung: Gute Fürsorge für Schwangere soll von vornherein verhindern, dass eine Frau zur Churel wird. Stirbt eine Frau dennoch unter verdächtigen Umständen, wird sie bestattet statt verbrannt, mit besonders sorgfältigen Riten und Weihwasser. Bei besonders gefährlichen Fällen legt man den Leichnam mit dem Gesicht nach unten ins Grab, vernagelt Finger und Zehen mit Eisen, bedeckt ihn mit Dornen und beschwert ihn mit Steinen. Entlang des Weges gestreute Senfkörner sollen den Geist bis Sonnenaufgang aufhalten, weil er jedes Korn einzeln aufsammeln muss; als Schutzkraut ähnlicher Funktion gilt in der Geisterabwehr verbreitet auch Beifuß. Ein Ojha oder Baiga, ein Geistheiler, kann die Churel nach einem Opfer vertreiben.
Die Churel ist mit der malaiischen Langsuir und der Pontianak verwandt, weiblichen Geistern von Frauen, die in oder nach der Geburt starben, sowie mit dem rumänischen Strigoi im Familien- und Blutmotiv und der slawischen Nav, den Seelen im Kindbett Gestorbener. Alle teilen den Kern, dass der Tod im Kindbett einen rächenden weiblichen Geist erzeugt.
Woran erkennt man eine Churel?
Am sichersten an den nach hinten gedrehten Füßen; ihre schöne Gestalt ist Täuschung, ihre wahre Gestalt ist hässlich.
Wie verhindert man, dass eine Frau zur Churel wird?
Durch gute Fürsorge für Schwangere und im Todesfall durch eine besondere Bestattung statt der üblichen Feuerbestattung.
Wen greift die Churel zuerst an?
Ist sie aus familiärer Misshandlung entstanden, die männlichen Verwandten der Reihe nach, vom Jüngsten aufwärts.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als chudail oder churel bleibt sie im südasiatischen Volksglauben ein rächender Frauengeist: schön von vorn, tödlich im Rücken, erkennbar an Füßen, die stets zurückweisen, woher der Tod kam.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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