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Aranyani, die scheue Göttin der Waldeinsamkeit

Aranyani ist Göttin der vedischen Tradition.

Die scheue Herrin der Waldeinsamkeit im Rigveda.

GöttinHinduismus

Inhaltsverzeichnis

Aranyani, Göttin der indischen Überlieferung
Aranyani

Aranyani ist die vedische Waldgöttin, die Göttin des Waldes und der Waldtiere und zugleich die scheue, unsichtbare Herrin der Waldeinsamkeit. Sie meidet die Siedlungen, kennt fern der Zivilisation weder Furcht noch Einsamkeit und nährt Mensch und Tier, obwohl sie nicht pflügt.

Ihre einzige eigene Hymne steht im Rigveda 10.146, dem Aranyani-Sukta. Selten gesehen, ist sie am Klang ihrer klingelnden Fußglöckchen zu erahnen; sie verkörpert die belebte, unheimlich-schöne Waldeinsamkeit bei Anbruch der Nacht.

Auf einen Blick: Aranyani

Typ: Vedische Göttin des Waldes und der Waldtiere
Herkunft: Vedisches Nordindien
Texte: Rigveda 10.146 (Aranyani-Sukta), Taittiriya Brahmana
Zeitraum: Vedische Zeit, heute nahezu erloschene Verehrung
Erscheinung: unsichtbare, scheue Herrin der Waldeinsamkeit, auch als Tänzerin

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Aranyani hat ihre einzige eigene Hymne im Rigveda 10.146, dem Aranyani-Sukta des spätesten Teils des Rigveda; die Hymne wird im Taittiriya Brahmana wiederholt und kommentiert.

Verbreitungsraum

Das vedische Nordindien. Im späteren Hinduismus verblasste die Verehrung; heute ist sie nahezu erloschen.

Quellenlage

Die Quellenlage ist gut, stützt sich aber auf eine einzige Hymne, dazu die Wiederholung und Kommentierung im Taittiriya Brahmana.

Name und Varianten

Sanskrit: Der Name kommt von aranya, Wald oder Wildnis: Aranyani, die Waldige. Im Sukta fragt der Bittsteller, warum sie die Dörfer meidet und wie sie fern der Zivilisation weder Furcht noch Einsamkeit kennt.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Aranyani ist unsichtbar und scheu, bisweilen als Tänzerin gedacht. Sie trägt klingelnde Fußglöckchen; selten gesehen, ist sie an deren Klang zu erahnen. Die Hymne beschwört die Sinnestäuschungen der Dämmerung, die Grillen, die Echos und die für Menschenrufe gehaltenen Geräusche.

Wirkung

Aranyani ist eine wohltätig-scheue Herrin: Sie durchstreift furchtlos ferne Waldorte, meidet die Siedlungen und nährt Mensch und Tier ohne Ackerbau, was der Bittsteller als das größte Wunder preist. Bisweilen gilt sie als Herrin des Wunschbaums.

Steckbrief: Aranyani

Die wichtigsten Aspekte der Waldgöttin auf einen Blick.

Kulturkontext

Vedische Naturgöttin mit eigener Hymne im spätesten Teil des Rigveda; ein seltenes Beispiel einer eigenständigen Waldgöttin des Veda.

Bezogen auf

Den Menschen, der die Waldeinsamkeit erlebt: Das Sukta spricht die Erfahrung dessen aus, der in der Dämmerung allein im Wald steht.

Darstellung

Kaum je gesehen: eine unsichtbare, scheue Gestalt, auch als Tänzerin gedacht, kenntlich allein am Klingeln ihrer Fußglöckchen.

Funktion

Herrin des Waldes und der Waldtiere; sie nährt Mensch und Tier, ohne zu pflügen, und verkörpert die belebte Waldeinsamkeit.

Kult

Vedische Anrufung durch das Sukta; später verblasst. Ein seltenes Beispiel eines Tempels ist der Aranya-Devi-Tempel in Arrah.

Vergleichbares

Die griechische Artemis und die römische Diana als Herrinnen der Wildnis; innerindisch Bonbibi, Vanadevata und Vanadurga.

Eine einzige Hymne: das Aranyani-Sukta

Der Name ist Sanskrit von aranya, Wald oder Wildnis: Aranyani, die Waldige. Ihre einzige eigene Hymne steht im Rigveda 10.146, dem Aranyani-Sukta des spätesten Teils des Rigveda; das Taittiriya Brahmana wiederholt und kommentiert die Hymne.

Das Sukta ist als Anrede an die scheue Göttin gebaut: Der Bittsteller fragt, warum sie die Dörfer meidet und wie sie fern der Zivilisation weder Furcht noch Einsamkeit kennt. Es beschwört die Sinnestäuschungen der Dämmerung, die Grillen, die Echos und die Geräusche, die man für Menschenrufe hält, und preist als größtes Wunder, dass Aranyani nährt, ohne zu pflügen.

Wiederentdeckung und Einordnung

Aranyani ist eine der poetisch dichtesten Naturgottheiten des Rigveda und wird im ökologischen Diskurs als vergessene Waldgöttin wiederentdeckt. Sie gilt als Musterfall für die vedische Naturvergöttlichung im Übergang von nomadischer zu sesshafter Lebensweise.

Religionswissenschaftlich ist Aranyani eine vedische Naturgöttin und die Personifikation der Waldeinsamkeit. Sie steht am Übergang von der Verehrung ungezähmter Natur zur sesshaften Kultur und ist ein seltenes Beispiel einer eigenständigen Waldgöttin des Rigveda.

Anrufung statt Abwehr

Quellenfest ist die vedische Anrufung durch das Aranyani-Sukta. Im späteren Hinduismus verblasste ihre Verehrung; ein seltenes Beispiel eines Tempels ist der Aranya-Devi-Tempel in Arrah. Ansonsten lebt sie in verwandten Waldgöttinnen fort. Da Aranyani wohlwollend ist, geht es in ihrem Kult um Anrufung, nicht um Abwehr: Wer den Wald betritt, wendet sich an die Herrin, statt sich gegen sie zu schützen.

Herrinnen der Wildnis: Parallelen

Aranyani entspricht der griechischen Artemis und der römischen Diana, den Herrinnen der Wildnis und der Waldtiere, sowie den Waldgöttinnen allgemein. Innerindisch ist sie mit der Bonbibi der Sundarbans, den Vanadevata genannten Baumgottheiten und der Vanadurga verwandt.

Häufige Fragen zu Aranyani

Wo steht ihre Hymne?

Im Rigveda 10.146, dem zehnten Mandala. Das Aranyani-Sukta ist ihre einzige eigene Hymne und wird im Taittiriya Brahmana wiederholt und kommentiert.

Wie nimmt man Aranyani wahr?

Am Klingeln ihrer Fußglöckchen und an den Geräuschen des Waldes bei Dämmerung; gesehen wird sie kaum.

Wird sie noch verehrt?

Kaum; ihre Verehrung ist nahezu erloschen. Ein bekannter Tempel ist die Aranya Devi in Arrah.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Rigveda 10.146, Aranyani-Sukta. In der Übersetzung von Ralph T. H. Griffith: The Hymns of the Rigveda.
  • Taittiriya Brahmana. Wiederholung und Kommentar der Hymne.
  • Muir, John: Original Sanskrit Texts on the Origin and History of the People of India. London 1870.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als vedische Waldgöttin mit einer einzigen, poetisch dichten Hymne bleibt Aranyani die Herrin der Waldeinsamkeit: eine Göttin, die man nicht sieht, sondern im Klang der Fußglöckchen und in den Stimmen des dämmernden Waldes erahnt.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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