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Strigoi, der Blutsauger der rumänischen Überlieferung

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Strigoi ist ein Dämon der rumänischen Überlieferung.

Der wiederbelebte Leichnam, der Blut und Lebenskraft raubt. Die Überlieferung verortet ihn im rumänischen Volksglauben.

DämonRumänien

Inhaltsverzeichnis

Strigoi, Dämon der rumänischen Überlieferung
Strigoi

Strigoi ist der untote Blutsauger Rumäniens und der volksgläubige Kern der westlichen Vampir-Vorstellung. Als wiederbelebter Leichnam kehrt er zur eigenen Familie zurück und raubt Blut und Lebenskraft der Menschen und des Viehs.

Die historischen Vampirpaniken des 18. Jahrhunderts, die den Begriff Vampir überhaupt erst in den westeuropäischen Sprachgebrauch brachten, betreffen Serbien und sind nicht mit dem Strigoi-Glauben gleichzusetzen. Verbreitet ist der Glaube in Rumänien, Moldau und dem karpatisch-balkanischen Raum, gut dokumentiert durch Agnes Murgoci und Paul Barber.

Mit dem Moroi, dem sterblichen Gegenpart, bildet er das rumänische Kernpaar der Vampir-Vorstellung: unsterblicher Leichnam hier, sterblicher Geist dort.

Im Überblick: Strigoi

Typ: Wiederbelebter Leichnam, Kern der rumänischen Vampir-Vorstellung
Herkunft: Rumänischer Volksglaube um den bösen, ruhelosen Toten
Texte: gut belegt bei Murgoci (1926) und Barber (1988)
Zeitraum: rumänische Überlieferung, systematisch ab dem 19. und frühen 20. Jahrhundert dokumentiert
Erscheinung: dem Lebenden ähnlicher, unverwester Leichnam, teils gestaltwandelnd

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Die rumänische Überlieferung um den Strigoi wird systematisch erst ab dem 19. und frühen 20. Jahrhundert dokumentiert; die Vampirpaniken des 18. Jahrhunderts betreffen Serbien.

Verbreitungsraum

Rumänien, Moldau und der karpatisch-balkanische Raum: Hier ist der Strigoi-Glaube historisch und volkskundlich am dichtesten belegt.

Belegdichte

Gut: Agnes Murgocis Aufsatz von 1926 und Paul Barbers Studie von 1988 gelten als zentrale Quellen, dazu die zeitgenössischen Berichte der serbischen Vampirpaniken.

Name und Varianten

Rumänisch: Der Name hängt mit dem Verb a striga, schreien, zusammen, wohl vermittelt über das lateinische striga oder strix, die Nachthexe oder Nachteule. Man unterscheidet den strigoi viu, den lebenden Strigoi, und den strigoi mort, den toten Strigoi, der als der eigentlich gefährliche Typ gilt.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Der Strigoi ähnelt äußerlich dem Verstorbenen, ist unverwest und weist bei der Exhumierung teils Blut im Mund auf, das als Beweis gedeutet wurde. Er kann Tiergestalt annehmen, unsichtbar werden und seine Größe verändern, sodass er durch ein Schlüsselloch ins Haus gelangt.

Wirkung

Der Strigoi raubt Blut und Lebenskraft an Familie, Nachbarn und Vieh; er entzieht Milch von Kühen und stillenden Müttern und bringt ein schleichendes Reihensterben. Er ist nachts aktiv und tags lethargisch und verkörpert den bösen Toten, der keine Ruhe findet.

Steckbrief: Strigoi

Die wichtigsten Aspekte des rumänischen Blutsaugers auf einen Blick.

Kulturkontext

Kern der rumänischen Vampir-Vorstellung; die historischen Vampirpaniken des 18. Jahrhunderts betreffen Serbien.

Bezogen auf

Zuerst die eigene Familie, dann Nachbarn und Vieh, denen er Blut und Lebenskraft entzieht.

Darstellung

Dem Lebenden ähnlicher, unverwester Leichnam, der Tiergestalt annehmen und seine Größe verändern kann.

Wirkungsbereich

Blut- und Lebenskraftraub, Milchentzug bei Kühen und Müttern, schleichendes Reihensterben in der Familie.

Abwehrformen

Exhumierung, Pfählung durch das Herz, Enthauptung und Verbrennen des Herzens sowie Knoblauch und korrekte Bestattung.

Verwandtes

Moroi, sein sterblicher Gegenpart, und der Pricolici, seine Werwolf-Variante, dazu der griechische Vrykolakas.

Striga, Schrei und die zwei Typen des Strigoi

Der Name Strigoi hängt mit dem rumänischen Verb a striga, schreien, zusammen, wohl vermittelt über das lateinische striga oder strix, die Nachthexe oder Nachteule. Die Überlieferung unterscheidet zwei Grundtypen: den strigoi viu, den lebenden Strigoi, einen Menschen oder Zauberer, dessen Seele schon zu Lebzeiten umgeht und Ernte- und Milchertrag stiehlt, und den strigoi mort, den toten Strigoi, der aus dem Grab steigt, zur eigenen Familie zurückkehrt und die Angehörigen schwächt, bis sie sterben.

Die dokumentierten Vampirpaniken des 18. Jahrhunderts betreffen Serbien und die serbischen Begriffe vampir und vukodlak, nicht die rumänische Strigoi-Überlieferung; der Zusammenhang mit dem Strigoi-Glauben ist eine Gleichsetzung, kein Beleg. Zentrale Fälle sind Petar Blagojević in Kisiljevo 1725, dessen Bericht die erste gedruckte Verwendung des Wortes Vampyri im Westen enthielt, und Arnold Paole in Medveđa um 1732, dessen Fall eine formelle militärisch-medizinische Kommission untersuchte.

Von Kisiljevo zu Dracula

Der Strigoi ist der Kern der westlichen Vampirvorstellung. Emily Gerards Aufsatz Transylvanian Superstitions von 1885 nannte Strigoi, Pricolici und Vrkolak und lieferte Bram Stoker Stoff für Dracula von 1897. Heute ist der Strigoi zentral in der Vampir-Popkultur, in Filmen, Serien und Rollenspielen.

Religionswissenschaftlich ist der Strigoi ein Musterbeispiel des rumänischen Gegensatzes von gutem und bösem Toten: Der gute Tote geht problemlos hinüber, der böse findet keine Ruhe und kehrt zurück. Die Vampirpaniken des 18. Jahrhunderts gelten religions- und medizingeschichtlich als Fall, in dem Volksglaube, orthodoxe Jenseitsvorstellungen, Seuchenerfahrung und fehlgedeutete Verwesungsphänomene zusammentrafen; Paul Barber erklärt die Beweise der Exhumierungen physiologisch.

Pfählung, Knoblauch und die Abwehr des Strigoi

Quellenfest sind Exhumierung und Pfählung durch das Herz, in Serbien mit Weißdorn, in Russland mit Espenholz, dazu Enthauptung, das Herausnehmen und Verbrennen des Herzens sowie das Verbrennen des ganzen Leichnams. Knoblauch wurde dem Toten in Mund, Nase und Ohren gestopft und gilt als das klassische Mittel gegen den untoten Blutsauger. Vorbeugend halfen die korrekte Bestattung und das Streuen von Senfkörnern und Wildrose sowie dorniges Schutzholz wie Weißdorn; auch die Eberesche zählt als Schutzbaum. Auch Weihwasser als geweihtes Zeichen gehört zur christlichen Abwehr des unruhigen Toten.

Strigoi im Kreis der europäischen Vampire und Wiedergänger

Der Strigoi bildet mit dem Moroi das rumänische Kernpaar aus unsterblichem und sterblichem Typ und ist mit dem Pricolici, seiner Werwolf-Variante, verwandt. Außerhalb Rumäniens entsprechen ihm der griechische Vrykolakas, der polnische Upiór und der südslawische Vukodlak; weitere Parallelen sind der germanische Nachzehrer und der nordische Gjenganger.

Häufige Fragen zum Strigoi

Was ist der Unterschied zwischen strigoi viu und strigoi mort?

Der strigoi viu ist ein lebender Mensch oder Zauberer, dessen Seele schon zu Lebzeiten umgeht; der strigoi mort ist ein wiederbelebter Leichnam aus dem Grab und gilt als der gefährlichere Typ.

Ist der Strigoi historisch belegt?

Der Glaube selbst ja. Die Vampirpaniken um Petar Blagojević 1725 in Kisiljevo und Arnold Paole um 1732 in Medveđa sind aktenkundig und wurden amtlich untersucht, betreffen aber Serbien und serbische Begriffe (vampir, vukodlak); ihr Zusammenhang mit dem Strigoi ist eine Gleichsetzung, kein Beleg.

Wie schützt man sich vor einem Strigoi?

Durch Pfählung mit Weißdorn oder Espenholz, Enthauptung, das Verbrennen des Herzens, Knoblauch und vor allem die korrekte Bestattung.

Weiterführende Verlinkungen

Weiterlesen:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Murgoci, Agnes: The Vampire in Roumania. In: Folklore 37 (1926).
  • Barber, Paul: Vampires, Burial, and Death. Folklore and Reality. New Haven 1988.
  • Summers, Montague: The Vampire in Europe. London 1929.
  • Perkowski, Jan L.: The Darkling. A Treatise on Slavic Vampirism. Columbus 1989.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als rumänischer Vampir schlechthin bleibt der Strigoi der Maßstab, an dem sich Wiedergänger und Blutsauger anderer Kulturen messen lassen: Vom lebenden strigoi viu bis zum gefürchteten strigoi mort steht er für den bösen Toten, der keine Ruhe findet.

Einordnung & Schutz

VSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe V zu – Tiefgreifende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

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