Upiór ist Dämon der polnischen Überlieferung.
Zwei Herzen in einem Leib: die Wurzel des Wortes Vampir.
Upiór ist der blutrünstige Untote der westslawisch-polnischen Überlieferung und die sprachliche Wurzel des Wortes Vampir selbst. Zum Upiór wird, wer mit zwei Herzen oder zwei Seelen geboren wurde oder eines plötzlichen, unnatürlichen Todes starb, etwa als Selbstmörder, Seuchentoter oder ungetauftes Kind.
Von seiner eigenen ruhelosen zweiten Seele belebt, steigt er nachts aus dem Grab und saugt Blut und Lebenskraft der Lebenden. Sein Kennzeichen bleibt die Doppelnatur: zwei Herzen oder zwei Seelen, teils auch eine doppelte Zahnreihe.
Typ: Blutrünstiger Wiedergänger und Wortursprung des Vampirs
Herkunft: West- und ostslawischer Volksglaube um den schlechten Tod
Texte: Studien von Perkowski, Barber, Summers und McClelland
Zeitraum: west- und ostslawische Überlieferung, eines der ältesten Vampir-Wörter
Erscheinung: wiederbelebter Leichnam mit zwei Herzen oder zwei Seelen, teils doppelter Zahnreihe
West- und ostslawische Überlieferung: Das Wort zählt zu den ältesten Vampir-Begriffen des slawischen Sprachraums.
Polen und der gesamte west- und ostslawische Raum, mit sprachlichen Verwandten bis ins Tschechische und Russische.
Gut: die grundlegenden Studien von Perkowski und Barber, dazu Summers und McClelland.
Urslawisch: ǫpyrь ist die Wurzel, verwandt mit dem tschechischen upír, dem russischen upyr und dem serbokroatischen vampir, dem sprachlichen Ursprung des westeuropäischen Wortes Vampir. Eine gängige Deutung der Wurzel ist einer, der stößt oder beißt. Die polnische Form lautet Upiór, daneben auch wąpierz.
Erscheinung
Kennzeichen des Upiór ist die Doppelnatur aus zwei Herzen oder zwei Seelen, teils auch einer doppelten Zahnreihe: Eine Seele fahre hinüber, die zweite bleibe zurück und belebe den prallen, blutgefüllten Leichnam.
Wirkung
Der Upiór raubt Blut und Lebenskraft und gilt in vielen Überlieferungen als besonders blutrünstig und angriffslustig. Er steigt nachts aus dem Grab und sucht die Lebenden heim.
Die wichtigsten Aspekte des Untoten mit den zwei Herzen auf einen Blick.
West- und ostslawischer Volksglaube um den schlechten Tod, mit Polen als Kernland der Überlieferung.
Lebende allgemein: Der Upiór sucht in der Nacht wahllos Menschen heim, um ihnen Blut und Lebenskraft zu rauben.
Praller, blutgefüllter Leichnam, gekennzeichnet durch zwei Herzen oder zwei Seelen, teils eine doppelte Zahnreihe.
Besonders aggressiver Blutsauger, angetrieben von der zweiten, ruhelosen Seele, die im Leichnam zurückblieb.
Enthauptung mit abseits gelegtem Kopf, Pfählung, Verbrennen des Leichnams und das Füllen des Mundes mit Erde oder Knoblauch.
Upiór, auch wąpierz, geht auf das urslawische ǫpyrь zurück, mit Verwandten im tschechischen upír, im russischen upyr und im serbokroatischen vampir; das westeuropäische Wort Vampir ist damit sprachlich urverwandt. Eine gängige Deutung der Wurzel ist einer, der stößt oder beißt.
Zum Upiór wird, wer mit zwei Herzen oder zwei Seelen geboren wurde oder eines plötzlichen, unnatürlichen Todes starb, etwa als Selbstmörder, Seuchentoter oder ungetauftes Kind. Eine Seele fahre hinüber, die zweite bleibe zurück und belebe den Leichnam, so die Vorstellung. Eng verwandt ist die polnische Strzyga, die ebenfalls mit zwei Seelen, Herzen oder Zahnreihen geboren wird.
Als sprachlicher Ursprung des Vampir-Begriffs ist der Upiór zentral für die gesamte westliche Vampirkultur. In der polnischen Literatur, unter anderem bei Adam Mickiewicz, und in der modernen Popkultur ist er präsent.
Religionswissenschaftlich ist der Upiór ein klassischer Fall des schlechten Todes: plötzlich, unnatürlich, ungetauft, verbunden mit der Vorstellung einer nicht vollständig abgelösten Seele. Das Zwei-Seelen-Motiv gilt als möglicher Rest vorchristlicher slawischer Seelenvorstellungen.
Quellenfest sind die Enthauptung mit einer Klinge aus kaltem Eisen, die im west- und deutschslawischen Raum bevorzugt wurde, wobei man den Kopf abseits vom Leichnam ablegte, dazu die Pfählung, in Russland mit Espe, sonst mit Weißdorn oder Eiche, sowie das Verbrennen des Leichnams. Man füllte den Mund mit Erde oder Knoblauch, bestattete manche Tote mit dem Gesicht nach unten, und bei Menschen mit zwei Herzen traf man schon bei der eigentlichen Bestattung besondere Vorkehrungen.
Im slawischen Volksglauben allgemein dienten Knoblauch und Salz, um Haus und Grab zu schützen, als alltägliche Abwehrmittel gegen den unruhigen Toten.
Der Upiór ist das westslawische Gegenstück zu Strigoi und Moroi, zum griechischen Vrykolakas und zum südslawischen Vukodlak, zugleich der sprachliche Ur-Verwandte des Wortes Vampir selbst. Im germanisch-nordischen Rahmen ist er mit Nachzehrer und Gjenganger vergleichbar.
Warum hat der Upiór zwei Herzen?
Die Doppelnatur aus zwei Herzen oder Seelen erklärt, warum eine Seele im Leichnam zurückbleibt und ihn als Vampir belebt.
Ist Upiór dasselbe wie Vampir?
Ja, sprachlich urverwandt: Das Wort Vampir stammt aus derselben slawischen Wurzel wie Upiór.
Wie wird man ihn los?
Durch Enthauptung, Pfählung, Verbrennen des Leichnams, Knoblauch und die korrekte Bestattung.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als polnischer Vampir, andernorts auch upier geschrieben, ist der Upiór mehr als eine Regionalgestalt: Sein Name steckt im Wort Vampir selbst und macht ihn zur sprachlichen Wurzel der gesamten Vampirvorstellung.
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