Wiedergänger ist Geist der germanischen Überlieferung.
Der leibhaftige Tote, dem Rache oder Pflicht keine Ruhe lässt.
Der Wiedergänger ist der ruhelose Tote der germanischen Überlieferung, der leibhaftig ins Diesseits zurückkehrt. Ihm ist der Friede verweigert, sei es durch erlittenes Unrecht, gewaltsamen Tod oder unerledigte Aufgaben.
Als germanischer Oberbegriff der körperlich zurückkehrenden Toten ordnet der Wiedergänger spezifischere Typen ein: den unblutigen Nachzehrer, dessen kindliche Sonderform, den Doppelsauger, sowie den nordischen Draugr. Als Oberbegriff gilt er zugleich als Vorstufe des Vampirs.
Typ: Leibhaftig zurückkehrender ruheloser Toter, germanischer Oberbegriff des Wiedergänger-Glaubens
Herkunft: Germanischer Volksglaube um verweigerten Frieden und Totenfurcht, systematisiert bei Grimm
Texte: gut, durch die Deutsche Mythologie und archäologische Befunde
Zeitraum: mittelalterlich bis neuzeitlich
Erscheinung: leibhaftig-körperlicher, zurückkehrender Toter
Mittelalterlich bis neuzeitlich: Jacob Grimm systematisierte den Wiedergänger-Glauben 1835 in der Deutschen Mythologie.
Der gesamte deutsche und germanische Sprachraum; verwandt sind das skandinavische Wort Gjenganger und das isländische Afturganga.
Gut: Textzeugnisse wie Grimms Deutsche Mythologie und archäologische Befunde von Wiedergängerbestattungen belegen den Glauben.
Deutsch: Der Name bedeutet einer, der wieder geht, und ist mit dem skandinavischen gjenganger und dem isländischen afturganga verwandt.
Erscheinung
Der Wiedergänger ist meist körperlich-leibhaftig, nicht rein geisterhaft. Er symbolisiert die Unabgeschlossenheit von Tod und Bestattung und die Furcht vor dem unruhigen Toten, der die Ordnung zwischen Lebenden und Toten durchbricht.
Wirkung
Der Wiedergänger bedroht und sucht die Lebenden heim, teils aus Rache, teils um unvollendete Aufgaben abzuschließen. Seine Wirkung reicht von der bloßen Störung bis zur tödlichen Bedrohung, je nach Typ und Erzählung.
Die wichtigsten Aspekte des ruhelosen Toten auf einen Blick.
Von Jacob Grimm in der Deutschen Mythologie systematisierter Kernbegriff des germanischen Totenglaubens.
Häuser, Felder und die eigenen Hinterbliebenen, die der zurückgekehrte Tote heimsucht.
Leibhaftig-körperlicher Toter, kaum von einem Lebenden zu unterscheiden.
Rache für erlittenes Unrecht oder der Abschluss unerledigter Aufgaben, mit wechselnder Gefährlichkeit.
Pfählung und Enthauptung, dazu das Fesseln, Beschweren und Verstümmeln des Leichnams im Grab.
Der Nachzehrer und der Doppelsauger als unblutige Typen, der Gjenganger als nordisches Pendant.
Der Name Wiedergänger bedeutet einer, der wieder geht, und ist mit dem skandinavischen Gjenganger und dem isländischen Afturganga verwandt. Jacob Grimm behandelt Wiedergänger in der Deutschen Mythologie als Seelen, denen der Friede verweigert wird und die sich physisch manifestieren, um Häuser und Felder heimzusuchen. Als Rückkehrgründe gelten erlittenes Unrecht und Rache, gewaltsamer Tod, ein sündhafter Lebenswandel oder unvollendete Aufgaben.
Archäologisch sind Wiedergängerbestattungen belegt, bei denen Leichname gefesselt, beschwert oder verstümmelt wurden, um die Rückkehr zu verhindern. Als germanischer Oberbegriff ordnet der Wiedergänger spezifische Typen wie den Nachzehrer und dessen kindliche Sonderform, den Doppelsauger, ebenso ein wie die nordischen Verwandten Gjenganger und Haugbui.
Der Wiedergänger ist ein Grundbegriff der modernen Untoten- und Horror-Rezeption. Bei Claude Lecouteux wird er als Ausgangstyp behandelt, aus dem sich der Vampir-Mythos ausdifferenziert; das Wort ist bis heute im Deutschen für den ruhelosen Toten gebräuchlich. In der internationalen, oft französischsprachigen Forschung ist für ihn auch der Begriff Revenant üblich.
Der Wiedergänger bildet den Kern des Wiedergänger-Glaubens aus Totenfurcht und der Vorstellung des unerlösten Toten. Claude Lecouteux betont, dass er nicht mit dem Vampir gleichzusetzen ist; der Volksglaube war lokal geprägt und im Fluss, sodass sich die Typen überlagerten. Der Wiedergänger gilt als Oberkategorie und Vorstufe des Vampirs.
Als besonders wirksam galt die Pfählung mit einem Pfahl durch das Herz sowie die posthume Enthauptung. Archäologisch belegt sind weitere Riten: das Fesseln des Leichnams, das Durchtrennen der Sehnen, das Abtrennen oder Zertrümmern von Gliedmaßen und das Beschweren mit Steinen, jeweils um die Rückkehr zu verhindern. Gegen den bereits umgehenden Toten halfen daneben kaltes Eisen, ein Schwellenschutz an Tür und Hof gegen die Heimsuchung von Haus und Feld, sowie später geweihtes Weihwasser als christliches Zeichen gegen die Rückkehr des Toten.
Zu den nordischen Entsprechungen zählen der Draugr sowie der Haugbui und der Gjenganger. Als spezialisierte, blutsaugende Form steht dem Wiedergänger zudem der Strigoi nahe, ebenso der unblutige Nachzehrer und dessen kindliche Sonderform, der Doppelsauger. Auch der skandinavische Kindergeist Myling zählt, als Sonderform des unerlösten Wiedergängers, zu dieser Familie.
Ist ein Wiedergänger ein Geist?
Meist ist er leibhaftig-körperlich, nicht rein ätherisch, und kehrt als greifbarer, ruheloser Toter zurück.
Ist der Wiedergänger dasselbe wie ein Vampir?
Nein: Der Vampir ist eine spezialisierte, blutsaugende Untergruppe; der Wiedergänger ist der Oberbegriff.
Warum die Pfählung?
Sie fixiert den Leichnam im Grab und soll das Wiedergehen verhindern.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als germanischer Sammelbegriff bleibt der Wiedergänger die Wurzel, aus der sich speziellere Typen entwickeln: International auch als Revenant bekannt, kehrt er als ruheloser Toter zurück, dem allein die vollendete Ruhe im Grab fehlt.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
Verwandte Wesen

Wer ist der Krampus? Herkunft des Namens, die Krampusnacht am 5. Dezember, der Unterschied zu Per...

Apotropäische Ritzzeichen wie Drudenfuß und Sonnenrad wurden zur Abwehr in Türbalken geritzt. Her...

Peklenc, die slowenische Unterwelt- und Feuergestalt. Herkunft, die Einordnung als Pseudogottheit...

Die Qalupalik, grünhäutiges Meerwesen der Inuit, das Kinder unter dem Eis raubt. Herkunft, Erzieh...

Zeus: Herkunft, Donnerkeil, Adler, Eiche, Olympia, Dodona sowie seine Parallelen in Indien, Rom u...

Die Kitsune, der japanische Fuchsgeist: Gestaltwandel, neun Schwänze, Inari-Boten, Kitsunetsuki u...