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Peklenc, der zweifelhafte Richter der Untererde

Peklenc gilt als Gott der slawischen Tradition.

Populärer Totenrichter, wissenschaftlich eine Pseudogottheit. Der zweifelhafte Status des Peklenc als Gottheit spiegelt sich in der Forschungsdiskussion wider. Die Überschrift bezeichnet Peklenc als umstrittene Unterweltgestalt der Slawen.

Inhaltsverzeichnis

Peklenc, die umstrittene Unterweltgestalt der Slawen
Peklenc

Peklenc ist eine slowenische Unterwelt- und Feuergestalt, die in populären Überlieferungen als strenger Richter der Toten und Herr des unterirdischen Feuers erscheint.

Wichtig und ehrlich: Peklenc gilt in der Fachwissenschaft als Pseudogottheit, das heißt als wahrscheinlich romantische Konstruktion des 19. Jahrhunderts ohne belastbare Primärquelle. Diese Seite stellt darum beides dar, den populären Mythos und seine quellenkritische Bewertung.

Auf einen Blick: Peklenc

Typ: Unterwelt- und Feuergestalt, in der Forschung als Pseudogottheit geführt
Herkunft: angeblich slowenisch
Texte: populäre Sekundärliteratur seit dem 19. Jahrhundert, keine Primärquelle
Zeitraum: 19. Jahrhundert bis Gegenwart
Erscheinung: Herr der Unterwelt und des unterirdischen Feuers

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Die Beschreibung kursiert in populärer Sekundärliteratur seit dem 19. Jahrhundert; eine mittelalterliche Primärquelle fehlt vollständig.

Verbreitungsraum

Angeblich slowenisch: Die Gestalt wird dem slowenischen Raum zugeschrieben, ohne dass dort eine alte Überlieferung nachweisbar wäre.

Quellenlage

Sehr schwach: keine Primärquelle. Die detailreiche Beschreibung steht im Umfeld der romantisch-slowenischen Kabinettmythologie, für die Davorin Trstenjak steht.

Name und Varianten

Slowenisch: Der Name ist transparent slawisch, zu peklo, Pech, Hölle und Unterwelt, slowenisch pekel, Hölle; Peklenc bedeutet etwa der zur Unterwelt Gehörige. Dass pekel bereits christlich Hölle bedeutet, spricht zusätzlich gegen einen vorchristlichen Gott.

Beschreibung

Erscheinung

Eine tragfähige Überlieferung fehlt. In populären Texten erscheint Peklenc als Herr der Unterwelt, der im unterirdischen Feuer Metalle und Edelsteine schmiedet und die unterirdischen Wasser beherrscht. Seine Symbolik ist Untererde, Vulkanfeuer und Gericht; all dies ist unbelegt.

Wirkung

Populär zugeschrieben werden ihm die Rolle eines gerechten, strengen Totenrichters, die Verwandlung Grausamer in Steine und Streitsüchtiger in Werwölfe sowie das Öffnen von Schluchten, die Dörfer verschlingen. Diese reiche Ausgestaltung ist charakteristisch für spätere Erfindung und in keiner Primärquelle greifbar.

Steckbrief: Peklenc

Die wichtigsten Aspekte der umstrittenen Unterweltgestalt auf einen Blick.

Tradition

Populärer Mythos und Neuheidentum: Die Gestalt stammt aus der Sekundärliteratur seit dem 19. Jahrhundert, nicht aus alter Überlieferung.

Wirkungsgegenstand

In populären Texten die Toten, die Untererde und ihre Schätze: Totengericht, geschmiedete Metalle und Edelsteine, unterirdische Wasser.

Darstellung

Herr der Unterwelt und des unterirdischen Feuers; eine tragfähige, quellengestützte Ikonografie existiert nicht.

Funktion

Populär: strenger Totenrichter, Herr von Erdbeben und Untererde, der Schluchten öffnet, die Dörfer verschlingen. Historisch belegt ist davon nichts.

Umgang

Keine überlieferten Kult-, Schutz- oder Opferformen; entsprechende Angaben würden erfunden.

Abgrenzung

Chthonische Richter wie Hades, Rhadamanthys und Pluto oder Vulcanus mit seinem unterirdischen Feuer; genau solche Parallelen dienten der romantischen Konstruktion.

Ein Name aus der Hölle: Herkunft und Quellenproblem

Der Name ist transparent slawisch, zu peklo, Pech, Hölle und Unterwelt, slowenisch pekel, Hölle; Peklenc bedeutet etwa der zur Unterwelt Gehörige. Eine mittelalterliche Primärquelle fehlt.

Die detailreiche Beschreibung kursiert fast nur in populären Netz- und Sekundärquellen und steht im Umfeld der romantisch-slowenischen Kabinettmythologie, für die Davorin Trstenjak steht. Dass pekel bereits christlich Hölle bedeutet, spricht zusätzlich gegen einen vorchristlichen Gott: Ein alter Göttername würde kaum auf einem jungen, christlich geprägten Wort aufbauen.

Rezeption und Bewertung als Pseudogottheit

Peklenc lebt heute fast nur in Online-Götterlisten, in der Fantasy und im Neuheidentum weiter. In der seriösen Slawistik wird er als Pseudogottheit geführt.

Religionswissenschaftlich ist Peklenc ein Lehrbeispiel für die Unterscheidung zwischen bezeugter Überlieferung und romantischer Erfindung. Der Hauptirrtum wäre, ihn als gesicherten slawischen Unterweltgott darzustellen: Er gehört zu den Pseudogottheiten, und das Wort pekel ist zudem bereits christlich geprägt.

Keine überlieferten Kultformen

Es sind keine Kult-, Schutz- oder Opferformen für Peklenc überliefert. Ehrlich gesagt fehlt hier jede historische Substanz; entsprechende Angaben würden erfunden. Wer in populären Texten auf Rituale für den Unterweltrichter stößt, liest moderne Ausgestaltung, keine Überlieferung.

Hades, Vulcanus und der Mechanismus der Erfindung

Als Idee ähnelt Peklenc chthonischen Richtern und Unterweltherren wie dem griechischen Hades und Rhadamanthys oder dem römischen Pluto und Vulcanus mit ihrem unterirdischen Feuer. Gerade solche Parallelen sind aber der Mechanismus, mit dem romantische Autoren passende slawische Pendants konstruierten. Im echten slawischen Feuerkreis stehen dagegen Svarožič als belegtes Theonym und Kresnik als volkskundlich greifbare Gestalt; die Feuerräuber-Sage um Cacus zeigt ein weiteres unterirdisches Feuerwesen der Antike.

Häufige Fragen zu Peklenc

Ist Peklenc ein echter slawischer Gott?

Nach heutiger Forschung nein. Er gilt als Pseudogottheit, als wahrscheinlich romantische Konstruktion des 19. Jahrhunderts.

Woher stammt die reiche Höllenrichter-Mythologie?

Aus populären Sekundärquellen, nicht aus Primärquellen; sie ist charakteristisch für spätere Erfindung.

Was bedeutet der Name?

Etwa der zur Unterwelt oder Hölle Gehörige, zu slowenisch pekel, Hölle, einem bereits christlich geprägten Wort.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Studien; die genannten Werke behandeln die Unterscheidung echter und erfundener slawischer Gottheiten, eine Primärquelle für Peklenc existiert nicht:

  • Strzelczyk, Jerzy: Mity, podania i wierzenia dawnych Słowian. Posen 1998.
  • Gieysztor, Aleksander: Mitologia Słowian. Warschau 2006.
  • Szyjewski, Andrzej: Religia Słowian. Krakau 2003.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als slowenische Unterweltgottheit und Herr des unterirdischen Feuers wird Peklenc bis heute präsentiert; die Forschung sieht in ihm jedoch ein Lehrstück darüber, wie das 19. Jahrhundert sich seine Götter erfand.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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