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Adinkra – die Weisheits- und Schutzsymbole der Akan

Die Adinkra sind die Weisheits- und Schutzsymbole der Akan; ihre grafischen Symbole verdichten Sprichwörter und Lebensregeln zu einprägsamen Zeichen. Adinkra sind die Bildzeichen der Akan aus Ghana. Jedes Zeichen trägt einen Namen und ein Sprichwort und fasst eine Lebensweisheit in eine Form. Einige der Zeichen tragen darüber hinaus eine schützende, auf Gott bezogene Bedeutung.

SchutzsymbolWestafrikaWeisheitszeichen
Adinkra - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Adinkra sind eine Gruppe von Bildzeichen, die bei den Akan entstanden sind, einem Volk in Ghana und in angrenzenden Gebieten Westafrikas. Jedes dieser Zeichen hat einen eigenen Namen und ist mit einem Sprichwort oder einer Lebensweisheit verbunden.

Die Adinkra-Symbole sind kein einzelnes Zeichen, sondern ein ganzes System. Es umfasst eine große Zahl von Zeichen, die jeweils einen eigenen Gedanken festhalten. Gemeinsam bilden sie eine bildhafte Sammlung des überlieferten Wissens der Akan.

Anders als ein getragenes Amulett sind die Adinkra in erster Linie Weisheits- und Sinnzeichen. Sie drücken Werte, Haltungen und Einsichten aus. Einige von ihnen tragen jedoch auch eine schützende, auf Gott und die geistige Welt bezogene Bedeutung und gehören damit in den weiteren Bereich der Schutzzeichen.

In der Religionswissenschaft und in der Kunstgeschichte sind die Adinkra ein gutes Beispiel dafür, wie eine Kultur ihr Wissen in Bildzeichen verdichtet. Sie zeigen, dass Zeichen nicht nur abwehren oder anziehen, sondern auch lehren und erinnern können. Westafrika hat mit den Adinkra ein besonders reiches Beispiel dafür hervorgebracht.

In der Forschung gelten die Adinkra inzwischen als eines der reichsten einheimischen Zeichensysteme Afrikas. Ihre Zahl reicht in die Hunderte, und auch in jüngerer Zeit sind neue Zeichen hinzugekommen.

Sie verbinden die mündliche und die bildliche Kultur der Akan auf eine seltene Weise. Damit sind sie ein wertvolles Zeugnis dafür, wie eine Gesellschaft Wissen bewahrt und weitergibt, ohne sich allein auf die Schrift zu stützen.

Die Akan und ihre Kultur

Die Adinkra-Symbole sind das Erbe der Akan. Die Akan sind eine große Bevölkerungsgruppe, die vor allem im heutigen Ghana und in Teilen der Côte d’Ivoire lebt. Zu ihnen gehören mehrere eng verwandte Völker mit einer gemeinsamen sprachlichen und kulturellen Grundlage.

Die Kultur der Akan ist reich an mündlicher Überlieferung. Sprichwörter, Erzählungen und feststehende Wendungen spielen in ihr eine große Rolle. In ihnen ist das überlieferte Wissen über das richtige Leben, über die Gemeinschaft und über die geistige Welt aufbewahrt.

Die Adinkra-Symbole stehen in enger Verbindung zu dieser Welt der Sprichwörter. Jedes Zeichen ist gleichsam ein Sprichwort in Bildform. Wer ein Adinkra-Zeichen sieht, soll an die zugehörige Weisheit erinnert werden. Bild und gesprochenes Wort gehören damit zusammen.

Die Akan-Kultur kennt außerdem eine reiche Tradition des Handwerks, der Stoffe und der Goldarbeit. Die Adinkra sind ein Teil dieser gestalterischen Kultur. Sie verbinden das überlieferte Wissen mit der kunsthandwerklichen Fertigkeit, dieses Wissen sichtbar zu machen.

Die Akan gliedern sich in mehrere Königreiche und Verwandtschaftsverbände, von denen das Reich der Aschanti das bekannteste ist. Zur materiellen Kultur der Akan gehören auch die berühmten Goldgewichte, die farbenprächtigen Kente-Stoffe und der kunstvoll geschnitzte Sitzhocker.

In dieser Kultur genoss das Sprichwort eine außerordentlich hohe Wertschätzung. Ein geübter Redner konnte in fast jeden Satz ein Sprichwort einflechten, und die Adinkra übersetzen diese Kunst des Wortes in die Sprache der Bilder.

Das Adinkra-Tuch

Ursprünglich erscheinen die Adinkra-Symbole vor allem auf Stoff. Das sogenannte Adinkra-Tuch ist ein Gewand, auf das die Zeichen in Reihen und Feldern aufgedruckt sind. Es gehört zu den bekanntesten Erzeugnissen der Akan-Kultur.

Das Adinkra-Tuch hatte traditionell einen besonderen Platz bei Begräbnissen und in der Trauer. Es wurde zu Anlässen des Abschieds getragen. Mit dieser Verwendung ist auch der Name verbunden, der mit dem Gedanken des Abschiednehmens in Zusammenhang gebracht wird.

Die Wahl der Zeichen auf einem Tuch war nicht beliebig. Sie konnte eine Botschaft tragen, etwa über den Verstorbenen, über die Trauernden oder über die Werte, die der Anlass in Erinnerung rufen sollte. Das Tuch wurde so zu einem lesbaren Gewand.

Im Lauf der Zeit weitete sich der Gebrauch aus. Adinkra-Tücher wurden auch zu festlichen und freudigen Anlässen getragen, und die Zeichen erschienen über den Stoff hinaus auf vielen weiteren Gegenständen. Aus dem Tuch für die Trauer wurde ein verbreitetes Mittel, Bedeutung sichtbar zu machen.

Der Ursprung des Adinkra-Tuches ist mit Erzählungen verbunden, unter ihnen die Geschichte eines besiegten Herrschers, dessen Name an das Wort Adinkra anklingt und dessen Kunst der Stoffgestaltung übernommen worden sein soll. Das Tuch wurde von Hand in dunklen Mustern bedruckt und diente zunächst der Trauer.

Erst später kamen hellere, farbige Tücher für festliche Anlässe hinzu. Die Anordnung der Zeichen richtete sich nach dem Rang und der Botschaft des Trägers, sodass das Tuch sprach, noch bevor ein Wort gewechselt war.

Herstellung: Stempel und Farbe

Die Adinkra-Symbole werden traditionell mit Stempeln auf den Stoff gedruckt. Diese Stempel werden aus einem Stück Kalebasse geschnitten, der harten Schale eines Flaschenkürbisses. In die Schale wird das jeweilige Zeichen herausgearbeitet.

Die Farbe für den Druck wird aus pflanzlichen Stoffen gewonnen, vor allem aus der Rinde bestimmter Bäume. Diese Rinde wird gekocht und eingedickt, bis eine dunkle, haltbare Druckmasse entsteht. Die Herstellung der Farbe ist ein eigener, aufwendiger Arbeitsschritt.

Beim Bedrucken wird der Stoff in Felder eingeteilt, häufig mit einem Kamm oder einem ähnlichen Werkzeug. In diese Felder werden die Zeichen mit den Stempeln eingedruckt. So entsteht das geordnete, in Reihen gegliederte Muster des Adinkra-Tuches.

Die Herstellung der Adinkra ist damit ein Handwerk mit festen Schritten und überliefertem Wissen. Das Schneiden der Stempel, das Bereiten der Farbe und das Bedrucken des Stoffes verlangen Erfahrung. Dieses Handwerk wird in bestimmten Orten Ghanas bis heute gepflegt.

Die Stempel aus der Kalebassenschale sind klein, und jeder trägt nur ein einziges Zeichen. Der Schnitzer muss die gewölbte Oberfläche der Schale genau bearbeiten. Die Farbe wird aus Baumrinde über Stunden zu einer dicken, schwarzen Masse eingekocht.

Der Stoff wird aufgespannt und mit einem Kamm in ein Raster geteilt, in das die Zeichen eingedruckt werden. Ein erfahrener Drucker arbeitet rasch und in gleichmäßigem Rhythmus, und das Handwerk ist bis heute in bestimmten Orten Ghanas zu Hause.

Zeichen mit Sprichwort

Das eigentliche Wesen der Adinkra liegt in der Verbindung von Bild und Sprichwort. Jedes Zeichen ist nicht nur eine Form, sondern Träger einer bestimmten Aussage. Diese Aussage ist meist ein Sprichwort oder eine feststehende Wendung der Akan.

Die Bilder der Adinkra sind dabei oft aus dem Alltag und aus der Natur genommen. Es gibt Zeichen, die auf Tiere verweisen, auf Pflanzen, auf Gegenstände des täglichen Lebens oder auf geometrische Formen. Jedes dieser Bilder ist mit einer Deutung verbunden.

Die Deutung geht über das Bild hinaus. Ein Zeichen, das einen Vogel zeigt, meint nicht den Vogel selbst, sondern die Weisheit, die das zugehörige Sprichwort ausspricht. Das Bild ist der Schlüssel, das Sprichwort ist der Inhalt.

Damit sind die Adinkra eine besondere Art von Zeichen. Sie sind weniger Schutzamulette als vielmehr Merkzeichen für Werte und Einsichten. Wer die Adinkra liest, liest die überlieferte Lebensklugheit der Akan. Das Zeichen ruft die Weisheit ins Gedächtnis und hält sie gegenwärtig.

Ein einzelnes Adinkra steht nur selten für sich. Auf einem Tuch erscheinen viele Zeichen nebeneinander und ergänzen einander gegenseitig. Die Bedeutung ist nicht starr festgelegt wie ein Eintrag in einem Wörterbuch, sondern entfaltet sich im zugehörigen Sprichwort.

Dasselbe Bild kann je nach Zusammenhang verwandte Bedeutungen tragen. Wer die Adinkra lernt, lernt damit zugleich die Sprichwörter der Akan, und die Zeichen werden zu einer Gedächtnisstütze für ein ganzes Wertgefüge.

Gye Nyame und der Schutzgedanke

Unter den vielen Adinkra-Symbolen ist eines besonders bekannt, das Zeichen Gye Nyame. Sein Name lässt sich sinngemäß mit der Wendung wiedergeben, dass nichts geschieht außer durch Gott, oder dass allein Gott die letzte Macht besitzt.

Gye Nyame drückt das Vertrauen auf eine höchste, alles umfassende göttliche Macht aus. Es bekennt, dass diese Macht über allem steht und dass der Mensch unter ihrem Schutz und ihrer Ordnung lebt. In diesem Gedanken liegt ein deutlicher Schutzbezug.

Ein Zeichen, das die alles überragende Macht Gottes festhält, kann als Zeichen der Geborgenheit verstanden werden. Wer Gye Nyame trägt oder darstellt, stellt sich unter diese höchste Macht. Aus der Aussage über Gott wird damit ein Gedanke des Schutzes und des Getragenseins.

Gye Nyame zeigt, dass die Grenze zwischen Weisheitszeichen und Schutzzeichen fließend ist. Ein Zeichen, das eine Glaubenswahrheit ausspricht, kann zugleich Schutz und Halt vermitteln. In Gye Nyame berühren sich die Welt der Adinkra-Sprichwörter und die Welt der Schutzzeichen.

Gye Nyame gehört zu den am häufigsten verwendeten Adinkra überhaupt. Es ist in Ghana an Gebäuden, auf Stoffen, auf Schmuck und auf alltäglichen Gegenständen zu finden. Seine geschwungene, ausgewogene Form ist leicht wiederzuerkennen.

Das Zeichen verbindet die Ehrfurcht vor Gott mit dem Vertrauen auf eine höhere Ordnung. Für den Gläubigen stellt es das Leben unter eine schützende Macht, und darin rückt es nahe an die Schutzzeichen anderer Religionen heran.

Weitere bekannte Zeichen

Neben Gye Nyame gibt es zahlreiche weitere Adinkra-Symbole, die weithin bekannt geworden sind. Jedes von ihnen trägt eine eigene Weisheit, und gemeinsam geben sie einen Eindruck von der Bandbreite des Systems.

Ein bekanntes Zeichen ist Sankofa. Es wird oft als Vogel dargestellt, der den Kopf nach hinten wendet. Seine Botschaft lautet, dass es nicht falsch ist, zurückzugehen und zu holen, was zurückgelassen wurde. Sankofa steht für das Lernen aus der Vergangenheit.

Ein weiteres Zeichen verweist auf die Hörner des Widders. Es verbindet zwei Gedanken miteinander, die Stärke und die Demut. Es lehrt, dass wahre Stärke sich mit Bescheidenheit verbinden lässt. Andere Zeichen stehen für Geduld, für Anpassungsfähigkeit oder für die Verbundenheit der Menschen.

Diese Beispiele zeigen, dass die Adinkra ein durchdachtes Ganzes bilden. Sie behandeln die großen Themen des Lebens, das Verhältnis zu Gott, zur Gemeinschaft und zur eigenen Haltung. Jedes Zeichen ist ein kleiner Merksatz, und zusammen ergeben sie eine Lehre vom guten Leben.

Sankofa begegnet in zwei verbreiteten Formen, als stilisierter Vogel und als herzartige Figur. Beide tragen die Lehre, dass es richtig ist, zurückzukehren und zu holen, was vergessen wurde.

Das Zeichen der Widderhörner lehrt, dass Stärke und Demut zusammengehören. Ein gewundenes Linienzeichen steht für die Anpassungsfähigkeit auf einem verschlungenen Weg. Ein Herzzeichen wiederum steht für Geduld und Ausdauer, und gemeinsam entwerfen solche Zeichen einen ganzen Verhaltenskodex.

Adinkra zwischen Weisheit und Schutz

Für eine genaue Darstellung ist es wichtig, die Adinkra richtig einzuordnen. Sie sind in erster Linie Weisheits- und Sinnzeichen, nicht Schutzamulette im engeren Sinn. Ihr Hauptzweck ist das Festhalten und Vermitteln von Lebensklugheit.

Dennoch gehören sie in den weiteren Zusammenhang der Schutzzeichen. Mehrere Adinkra-Symbole haben einen religiösen Bezug, vor allem die Zeichen, die von Gott und von der geistigen Ordnung der Welt sprechen. Solche Zeichen können Schutz und Geborgenheit vermitteln.

Auch der ursprüngliche Gebrauch auf dem Trauer-Tuch hat einen ernsten, mit dem Tod verbundenen Hintergrund. Das Adinkra-Tuch begleitete die Menschen in einer Lage des Abschieds und stellte sie unter die überlieferten Werte und unter die göttliche Ordnung.

Die Adinkra zeigen damit, dass die Grenzen zwischen den Arten von Zeichen nicht starr sind. Weisheitszeichen, religiöses Zeichen und Schutzzeichen können in einem einzigen Symbol zusammenfallen. Eine ehrliche Darstellung benennt diese Vielschichtigkeit, statt die Adinkra einseitig festzulegen.

Die schützende Seite der Adinkra ist vorhanden, doch sie steht nicht im Vordergrund. Ihre Hauptaufgabe ist das Lehren, das Erinnern und das Kennzeichnen. Dennoch berühren jene Zeichen, die von Gott, von der geistigen Welt und von der sittlichen Ordnung sprechen, den Bereich des Schutzes.

Das Trauer-Tuch selbst begleitete die Menschen durch die Zeit des Verlustes und stellte sie unter gemeinsame Werte. Weisheit und Schutz stehen in den Adinkra darum nicht im Gegensatz, sondern sind miteinander verflochten.

Heutige Rezeption

Die Adinkra-Symbole sind heute weit über die Akan-Kultur hinaus bekannt. In Ghana sind sie allgegenwärtig. Sie erscheinen an Gebäuden, auf Stoffen, in der Gestaltung von Gegenständen und in Zeichen von Einrichtungen. Sie gehören zum sichtbaren Erbe des Landes.

Besonders einzelne Zeichen wie Gye Nyame und Sankofa sind international verbreitet. Sie werden als Schmuck getragen, als Motiv verwendet und als Zeichen einer Verbindung zu Afrika und zur afrikanischen Tradition geschätzt. Sankofa hat eine besondere Bedeutung in der afrikanischen Diaspora gewonnen.

Mit dieser Verbreitung ist die Frage des angemessenen Umgangs verbunden. Die Adinkra sind kein beliebiges Dekorationsmuster, sondern ein bedeutungsvolles Erbe der Akan. Ein achtsamer Gebrauch kennt die Namen und die Sprichwörter der Zeichen und achtet ihre Herkunft.

Die Adinkra bleiben damit ein eindrückliches Beispiel für ein lebendiges Zeichensystem. Sie zeigen, wie eine Kultur ihre Weisheit, ihren Glauben und ihren Schutzgedanken in Bilder fasst. Aus dem bedruckten Tuch der Akan ist ein Erbe geworden, das die Lebensklugheit Westafrikas bis heute weiterträgt.

In Ghana erscheinen die Adinkra auf der öffentlichen Bühne, an Amtsgebäuden und in der staatlichen Gestaltung. Im Ausland sind besonders Gye Nyame und Sankofa zu weithin getragenen Zeichen geworden.

Sankofa hat in der afrikanischen Diaspora ein besonderes Gewicht erhalten, als Aufruf, ein verlorenes Erbe zurückzugewinnen. Die massenhafte Wiedergabe hat die Zeichen weit von ihrem Ursprung entfernt. Ein achtsamer Gebrauch hält darum die Namen und die Sprichwörter mit den Formen verbunden.

Literatur (Auswahl)

  • Robert Sutherland Rattray: Religion and Art in Ashanti (1927)
  • W. Bruce Willis: The Adinkra Dictionary (1998)
  • Kwame Anthony Appiah: In My Father's House (1992)
  • Doran H. Ross: Wrapped in Pride. Ghanaian Kente and African American Identity (1998)
  • Malcolm McLeod: The Asante (1981)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Adinkra Akan Ghana Gye Nyame Sankofa Sprichwort Adinkra-Tuch Weisheitszeichen Westafrika.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch die Adinkra-Symbole gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.