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Kasermandl, der büßende Geist der leeren Alm

Das Kasermandl ist Geist der alpinen Tradition.

Der Almgeist, der zur Buße die leere Sennhütte bewohnt.

Inhaltsverzeichnis

Kasermandl - Geister aus der Alpin-Tradition, historisch-illustrativ
Kasermandl

Das Kasermandl ist ein Tiroler Almgeist, der die Sennhütten bewohnt, sobald das Vieh im Herbst zu Tal getrieben wurde. Der Sage nach war es einst selbst ein Senner, der wegen nachlässiger Käse- und Butterarbeit zur Buße auf der leeren Alm verdammt wurde.

Bis zum Martinitag am 11. November treibt es dort sein Unwesen, wechselhaft zwischen Schabernack und echtem Schrecken. Als Ursprungsort der bekanntesten Fassung gilt die Umbrüggler Alm oberhalb der Hungerburg bei Innsbruck, verwandte Erzählungen sind jedoch in weiten Teilen Tirols verbreitet.

Auf einen Blick: Kasermandl

Typ: Tiroler Almgeist, gebunden an die verlassene Sennhütte
Herkunft: Umbrüggler Alm bei Innsbruck, mit Fassungen in Wildschönau, Brixental, Unterinntal und dem obersteirischen Ennstal
Texte: Zingerle, Sagen aus Tirol (1850er/1891), Kasermandl-Lied von Josef Pöll
Zeitraum: mündlich älter, schriftlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts belegt
Erscheinung: meist nur als Geräusch oder Störung fassbar, seltener als kleine unscheinbare Männergestalt

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Mündlich älter, schriftlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts belegt: Ignaz Vinzenz Zingerle dokumentierte den zugehörigen Brauch bereits 1850.

Verbreitungsraum

Tiroler Almgebiete, unter anderem die Umbrüggler Alm bei Innsbruck, die Wildschönau, das Brixental und das Unterinntal, mit Ausläufern ins obersteirische Ennstal.

Quellenlage

Gut gestützt durch regionale Sagentexte, vor allem bei Zingerle, sowie lebendiges Brauchtum und ein bekanntes Tiroler Volkslied.

Name und Varianten

Tirolerisch: Kasermandl, ein Kompositum aus Kaser, der alpinen Bezeichnung für die Almhütte oder Sennhütte, und Mandl, kleiner Mann. Die Sage selbst wandert innerhalb Tirols von der Umbrüggler Alm bis in die Wildschönau, das Brixental und das Unterinntal und erreicht in eigener Ausprägung auch das obersteirische Ennstal, wie eine Studie von Alois Strimitzer zeigt.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Eine feste körperliche Beschreibung des Kasermandl fehlt in den meisten Fassungen; häufiger wird es über sein Wirken fassbar, über Geräusche, Schatten und Unruhe in der sonst stillen Hütte, als über sein Aussehen. Wo es genauer gezeichnet wird, erscheint es als kleine, unscheinbare Männergestalt, die zwischen Gutmütigkeit und Bosheit schwankt.

Wirkung

Sobald im Herbst das Vieh abgetrieben ist, beginnt das Kasermandl, sein Unwesen in der leeren Sennhütte zu treiben. Es erschreckt und verwirrt Besucher und bietet ihnen mitunter ein rätselhaftes Mus an, dessen Verzehr das Wesen der Sage nach erlösen würde, das jedoch mit Schmutz vermengt sein soll und so eher als Falle denn als Gabe gilt. Bis zum Martinitag bleibt es an die Alm gebunden.

Steckbrief: Kasermandl

Die wichtigsten Aspekte des Almgeistes auf einen Blick.

Tradition

Hausgeist-Typus der Tiroler Almwirtschaft, schriftlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts bei Zingerle bezeugt.

Bezogen auf

Sennerinnen und Senner sowie gelegentliche Besucher, die sich nach dem Almabtrieb in der verlassenen Hütte aufhalten.

Darstellung

Meist nur als Geräusch, Schatten oder Unruhe erfahrbar, seltener als kleine, unscheinbare Männergestalt beschrieben.

Wirkungsbereich

Schrecken und Verwirrung Besuchender in der leeren Hütte, gebunden an die Zeit zwischen Almabtrieb und Martinitag.

Abwehrformen

Der gemeinschaftliche Brauch des Martinistampf, bei dem verkleidete Burschen das Kasermandl lärmend aus dem Tal treiben.

Pendants

Der britische Brownie und der skandinavische Nisse als verwandte Hof- und Hausgeister mit ähnlicher Ambivalenz.

Vom nachlässigen Senner zur Sagengestalt

Als Ursprungsort der bekanntesten Fassung gilt die Umbrüggler Alm oberhalb der Hungerburg bei Innsbruck, doch verwandte Erzählungen sind in weiten Teilen Tirols verbreitet, etwa in der Wildschönau, im Brixental und im Unterinntal, sowie mit eigenen Zügen im obersteirischen Ennstal, wie eine Studie von Alois Strimitzer zeigt. Der Kern der Sage liegt im Motiv der Buße: Das Kasermandl war zu Lebzeiten ein Senner, der seine Arbeit vernachlässigte, etwa indem er Butterkugeln zum Kegeln verwendete statt sie sorgfältig zu verarbeiten, und deshalb dazu verurteilt wurde, den Winter über als Geist auf der verlassenen Alm zu verbringen.

Der Sagensammler Ignaz Vinzenz Zingerle hielt bereits 1850 den zugehörigen Brauch fest, bei dem junge Burschen verkleidet das Kasermandl symbolisch aus dem Tal treiben. Dieser sogenannte Martinistampf oder Almerfahren findet traditionell um den Martinitag statt und zeigt, wie eng die Sagengestalt mit dem bäuerlichen Jahreslauf und der Almwirtschaft verwoben ist. Im 20. Jahrhundert vertonte der Tiroler Liedermacher Josef Pöll die Erzählung von der Umbrückler Alm in einem bis heute bekannten Volkslied.

Brauchtum und Einordnung

Das Kasermandl-Lied von Josef Pöll gehört bis heute zum festen Bestand der Tiroler Volksmusik, und der Brauch des Martinistampf beziehungsweise Almerfahrens wird in einzelnen Tiroler Gemeinden nach wie vor gepflegt. Als touristisches Motiv taucht das Kasermandl gelegentlich in regionalen Sagenführungen und Wanderbeschreibungen auf, meist mit Verweis auf die Umbrüggler Alm als Ursprungsort.

Religionswissenschaftlich gehört das Kasermandl zum Typus des Hausgeistes, der aus einem verstorbenen, schuldig gewordenen Menschen hervorgeht und an einen bestimmten Arbeitsort gebunden bleibt. Die Sage verknüpft wirtschaftliche Sorgfaltspflicht, hier die saubere Käse- und Butterherstellung, mit religiöser Buße und markiert zugleich den saisonalen Übergang von der bewohnten Sommeralm zur verlassenen Winterhütte. Wichtig für die Einordnung: Das Kasermandl erschreckt und foppt, gilt aber nicht als tödliche Gefahr, seine Unruhe wird als Buße gedeutet, nicht als reine Bosheit.

Der Martinistampf als Vertreibungsbrauch

Die Überlieferung kennt vor allem den gemeinschaftlichen Brauch des Martinistampf als wirksame Gegenmaßnahme: Verkleidete junge Burschen ziehen unter Lärm durchs Tal und treiben das Kasermandl symbolisch aus der Alm, ein Ritual, das Zingerle bereits im 19. Jahrhundert dokumentierte. Daneben gilt die einfache Regel, sich nach dem Almabtrieb nicht ohne Grund in den leeren Hütten aufzuhalten und das dort angebotene, zweifelhafte Mus nicht anzunehmen. Wer die Alm dennoch betreten musste, tat gut daran, dies bei Tageslicht und in Gesellschaft zu tun. Eine darüber hinausgehende Schutzmagie ist für das Kasermandl nicht überliefert.

Hof- und Hüttengeister im Vergleich

Als Geist, der an eine bestimmte Hütte und ihre Wirtschaft gebunden ist und dort zwischen Hilfe und Schabernack schwankt, ähnelt das Kasermandl dem britischen Brownie, der ebenfalls Hof und Haus bewohnt und bei schlechter Behandlung zur Plage wird. Eine engere Parallele bietet der skandinavische Nisse, ein Hof- und Stallgeist, der über die Arbeit auf dem Gehöft wacht und Nachlässigkeit ähnlich streng ahndet wie das Kasermandl die vernachlässigte Sennarbeit. Deutlich zu trennen ist das Kasermandl vom Venedigermandl, einer anderen alpinen Mandl-Gestalt: Während das Kasermandl als büßender Hausgeist an eine einzelne Hütte gebunden bleibt, zieht das Venedigermandl als fremder Erzsucher jeden Sommer neu durch die Berge.

Häufige Fragen zum Kasermandl

Warum spukt das Kasermandl gerade im Herbst?

Weil es an die Almwirtschaft gebunden ist: Solange Vieh und Sennleute auf der Alm sind, bleibt es unauffällig. Erst nach dem Almabtrieb im Herbst, wenn die Hütte leer steht, wird das Kasermandl der Sage nach aktiv, bis der Brauch des Martinistampf es um den 11. November symbolisch vertreibt.

Ist das Kasermandl bösartig?

Die Erzählungen zeichnen es ambivalent: Es erschreckt und foppt Besucher, gilt aber nicht als tödliche Gefahr. Seine Unruhe wird als Buße für eigenes Fehlverhalten zu Lebzeiten gedeutet, nicht als reine Bosheit.

Was hat es mit dem Martinistampf auf sich?

Das ist ein Tiroler Brauch, bei dem verkleidete junge Burschen unter Lärm durchs Tal ziehen, um das Kasermandl symbolisch von der Alm zu vertreiben. Zingerle belegte diesen Brauch bereits im Jahr 1850.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Zingerle, Ignaz Vinzenz: Sagen aus Tirol. 2. Auflage, Innsbruck 1891.
  • Zingerle, Ignaz Vinzenz: Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes. Innsbruck 1857.
  • Strimitzer, Alois: Das Kasermandl, eine Sagengestalt im obersteirischen Ennstal. Ennstal (Fachaufsatz).
  • Vernaleken, Theodor: Alpensagen. Wien 1858.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Ob als Kasermandl Almgeist der Tiroler Alpen oder in der ausführlicheren Kasermandl Sage Tirol erzählt: Die Geschichte bleibt an den herbstlichen Almabtrieb und die leere Sennhütte gebunden, bis der Martinistampf sie alljährlich neu vertreibt.

Einordnung & Schutz

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Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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