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Butz, der Schreckgeist der Kinderstube

Der Butz ist Geist der alpinen Tradition.

Der Butzemann, der ungehorsame Kinder zur Ordnung mahnt.

Inhaltsverzeichnis

Butz - Geister aus der Alpin-Tradition, historisch-illustrativ
Butz

Der Butz, auch Butzemann oder Bützel genannt, ist eine süddeutsch-schweizerische Schreck- und Poltergestalt, die vor allem als Kinderschreckfigur bekannt wurde. Ursprünglich diente der Name als Sammelbezeichnung für schreckende Dämonen und Gespenster überhaupt, ehe er sich zur vertrauten Gestalt verengte, mit der Erwachsene ungehorsame Kinder mahnten.

Bekanntheit über den engeren Sagenkreis hinaus erlangte der Butzemann vor allem durch das Kinderlied vom tanzenden Bi-Ba-Butzemann, das 1808 in Des Knaben Wunderhorn erschien.

Auf einen Blick: Butz

Typ: Kinderschreckfigur und Poltergeist, teils vermummte Maskengestalt
Herkunft: mittelhochdeutsche Wurzeln, schriftlich fassbar ab dem 16. Jahrhundert
Texte: Liber vagatorum (1510), Deutsches Wörterbuch, Des Knaben Wunderhorn (1808)
Zeitraum: nachts und in dunklen Ecken des Hauses, an Schwellen und hinter Türen
Erscheinung: vermummte, kobold- oder zwergenhafte Gestalt, oft mit weißem Tuch und Besen, oder unsichtbarer Poltergeist

Textgeschichte

Zeitraum der Texte

Ein früher schriftlicher Beleg findet sich 1510 im Liber vagatorum; volksliedhaft ist die Figur seit 1808 durch Des Knaben Wunderhorn bezeugt, lautmalerisch in der bekannten Form seit 1853.

Verbreitungsraum

Verbreitet im süddeutschen und schweizerischen Sprachraum, mit verwandten Formen wie dem friesisch-englischen Puk, dem englischen Bogeyman und dem schwedischen Pocker in Nord- und Skandinavien.

Quellenlage

Sprachhistorisch über Wörterbücher und Sagensammlungen gut dokumentiert; als eigenständige Sagenfigur ist die Quellenlage dagegen eher schmal und uneinheitlich.

Name und Varianten

Herkunft: Erwogen werden eine Ableitung vom mittelhochdeutschen butze, Larve, Maske, Popanz, Gespenst, sowie ein Zusammenhang mit althochdeutsch bôzen im Sinne von schlagen, stoßen, poltern; auch die Interjektion buh wird als möglicher Ursprung genannt. Die Diminutivform Bützel weist auf eine kleine, gedrungene Gestalt hin.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Der Butz zeigt sich uneinheitlich, meist als vermummte, kobold- oder zwergenhafte Gestalt in weißem Tuch, gelegentlich mit Besen in der Hand, oder als unsichtbarer, nur durch Poltern und Klopfen wahrnehmbarer Hausgeist. In der Alemannischen Fasnacht tritt der Butz maskiert und vermummt auf und trägt dort Züge einer Verkörperung von Unglück, Seuche und Tod.

Wirkung

Als Kinderschreckfigur wird der Butz von Erwachsenen beschworen, um ungehorsame Kinder zum Gehorsam zu bewegen. Als vermummte, gespielte Gestalt trat er bei entsprechenden Bräuchen leibhaftig auf, klopfte und polterte an Türen oder Fenstern und verschwand wieder, ohne realen Schaden anzurichten. Das Kinderlied wandelte diese Wirkung ins Spielerische: Der Butzemann tanzt im Haus herum und schenkt braven Kindern Äpfel.

Steckbrief: Butz

Die wichtigsten Aspekte der Schreckgestalt auf einen Blick.

Kulturkontext

Süddeutsch-schweizerische Schreck- und Poltergestalt mit Verwandten wie dem englischen Bogeyman und dem schwedischen Pocker.

Bezogen auf

Vor allem Kinder, die zum Gehorsam ermahnt werden sollen, daneben Hausbewohner allgemein bei unerklärlichem Poltern.

Darstellung

Vermummte Gestalt in weißem Tuch mit Besen oder unsichtbarer Poltergeist; in der Fasnacht auch als Maskenfigur mit Bezug zu Unglück und Tod.

Funktion

Erziehungsfigur zur Ermahnung ungehorsamer Kinder sowie Erklärung für nächtliches Poltern im Haus, ohne dokumentierten realen Schaden.

Kult

Kein Kult, sondern Erziehungsbrauch und Fasnachtsmaske; die zentrale Gegenmaßnahme war braves Verhalten statt magischer Abwehr.

Verwandtes

Der Schrat und der Wilde Mann als verwandte Wald- und Schreckgestalten des deutschsprachigen Raums.

Vom Sammelnamen zur Kinderschreckfigur

Die Herkunft des Wortes Butz ist nicht restlos geklärt. Erwogen werden eine Ableitung vom mittelhochdeutschen butze, Larve, Maske, Popanz, Gespenst, sowie ein Zusammenhang mit althochdeutsch bôzen im Sinne von schlagen, stoßen, poltern, was auf die Poltergeist-Komponente der Figur verweist. Ein früher schriftlicher Beleg findet sich 1510 im Liber vagatorum, wo im Rotwelschen ein Butzeilman erwähnt wird.

Als Sammelbezeichnung bezog sich Butz zunächst allgemein auf schreckende, kobold- oder zwergenartige Gespenster und wurde erst allmählich zur festen Kinderschreckfigur. Wilhelm Grimm beschrieb 1819 den lebendigen Volksbrauch, bei dem sich gewöhnlich jemand mit weißen Tüchern vermummt und einen Besen in die Hand nimmt, um Kinder zu erschrecken. In Alemannischen Fasnachtsbräuchen erscheint der Butz zudem als vermummte Maskenfigur, die mancherorts mit Seuche und Tod assoziiert wurde.

Vom Kinderlied zur Redewendung

Bekannt blieb der Butz vor allem durch das Kinderlied Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann, dessen lautmalerische Form seit 1853 belegt ist und das bis heute zum Kernbestand deutschsprachiger Kinderlieder zählt. Als allgemeine Kinderschreckfigur lebt der Butzemann in regionalen Redewendungen und im Bewusstsein als Bild für etwas Unheimliches, aber letztlich Harmloses fort.

Religionswissenschaftlich lässt sich der Butz als Beispiel für die Verengung einer ursprünglich weiten, unspezifischen Dämonenbezeichnung zu einer einzelnen, klar umrissenen Sagengestalt lesen. Die Entwicklung vom allgemeinen Schreckgespenst über die vermummte Erwachsenengestalt in Erziehungs- und Fasnachtsbräuchen bis zur harmlosen Liedfigur zeigt, wie volkstümliche Angstgestalten pädagogisch nutzbar gemacht werden, ohne dass ihre ursprüngliche, dämonische Bedeutungsschicht vollständig verschwindet. Als eigenständige Sagenfigur mit tatsächlichem Schaden ist der Butz kaum belegt; er bleibt in erster Linie eine Schreck- und Erziehungsfigur, keine reale Bedrohung.

Erziehung statt Abwehrzauber

Für den Butz als eigenständige Sagengestalt sind spezifische, gesondert überlieferte Abwehrmittel in den vorliegenden Quellen nicht belegt; er unterscheidet sich darin von ausgeprägteren Dämonengestalten wie der Drud oder dem Alp. Wo der Butz als vermummter Poltergeist im weiteren Sinn verstanden wurde, griff man auf die allgemein im Hausschutz gebräuchlichen Mittel gegen unerklärliches Poltern und nächtliche Unruhe zurück, etwa Zeichen und Kräuter an Schwellen sowie Ordnung und Reinlichkeit im Haus. Die zentrale Gegenmaßnahme gegenüber dem Butz als Kinderschreckfigur war jedoch keine magische, sondern eine erzieherische: braves, gehorsames Verhalten.

Schrat, Wilder Mann und weitere Hausgeister

Der Butz reiht sich in eine breite Familie kobold- und poltergeistartiger Hausgeister ein. Nahe verwandt ist ihm der Schrat, der ebenfalls zwischen Wald- und Hausgeist changiert, sowie der Wilde Mann als vermummte, furchteinflößende Schreckgestalt volkstümlicher Bräuche. Der hilfsbereitere Heinzelmann und der schiffsgebundene Klabautermann teilen mit dem Butz die Grundfigur des kleinwüchsigen, poltergeistartigen Hausgeistes, wenden sich in ihrer Wirkung aber stärker ins Hilfreiche oder Warnende statt ins reine Schrecken.

Häufige Fragen zum Butz

Ist der Butz dasselbe wie der Butzemann aus dem Kinderlied?

Im Kern ja, doch das Lied Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann verwandelte die ältere, ernstere Schreckgestalt in einen freundlichen, tanzenden Zwerg, der brave Kinder mit Äpfeln beschenkt. Die ursprüngliche Warnfunktion des Namens ist darin nur noch abgeschwächt erkennbar.

Woher kommt der Name Butz?

Die Sprachforschung ist sich nicht vollständig einig; erwogen werden eine Herkunft von mittelhochdeutsch butze, Maske, Gespenst, und ein Zusammenhang mit bôzen, stoßen, poltern.

Ist der Butz gefährlich?

Nach der Überlieferung nicht im Sinne einer real drohenden Gefahr; er dient in erster Linie der Erziehung ungehorsamer Kinder und tritt in Fasnachtsbräuchen als gespielte Maskenfigur auf. Eigenständige Sagen mit tatsächlichem Schaden durch den Butz sind kaum belegt.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, Artikel Butz und Butzemann. Leipzig 1860.
  • Arnim, Achim von / Brentano, Clemens (Hg.): Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, Band 3. Heidelberg 1808.
  • Bächtold-Stäubli, Hanns / Hoffmann-Krayer, Eduard (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Artikel Butz. Berlin/Leipzig 1927–1942.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als butz sagengestalt zeigt sich diese Figur bis heute vor allem im Kinderlied vom bi-ba-butzemann: eine Schreckgestalt, die im Lauf der Zeit vom warnenden Gespenst zum tanzenden, äpfelverschenkenden Hausgeist der Kinderstube wurde.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

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