Tara, Bodhisattva des Mitgefühls
Tara ist im Mahayana- und besonders im tibetischen Vajrayana-Buddhismus eine weibliche Bodhisattva-Gestalt von herausragender Bedeutung. Ihr Name (Sanskrit tara, «die Hinüberführende») verweist auf ihre Funktion als Retterin, die die Wesen über den «Strom» des Daseinskreislaufs (samsara) zum jenseitigen Ufer der Befreiung (nirvana) bringt.
Sie tritt in zahlreichen Manifestationen auf, am bekanntesten sind die Grüne und die Weiße Tara, daneben werden traditionell einundzwanzig Tara-Formen verehrt.
Inhaltsverzeichnis
Ursprung und Geschichte
Die ältesten Belege für Tara reichen in das 6. bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Indien zurück. Skulpturen aus Nalanda und aus dem Pala-Reich (8. bis 12. Jahrhundert) zeigen sie früh in der typischen Sitzhaltung lalitasana, mit einem herabhängenden Bein als Zeichen der Bereitschaft, den Bittenden zu Hilfe zu eilen.
Die kanonischen Texte sind das Aryatara-namashtottarashataka (Hundertacht Namen der edlen Tara) und der Tara-Tantra. In Tibet wird die Verehrung durch die Übersetzungstätigkeit ab dem 8. Jahrhundert verankert.
Eine wichtige tibetische Tradition, vor allem in der Gelug-Schule überliefert, verbindet Tara mit den beiden buddhistischen Gemahlinnen des Königs Songtsen Gampo: Bhrikuti aus Nepal soll die Grüne Tara, Wencheng aus China die Weiße Tara verkörpern.
Diese Legende ist historisch nicht belegt, sie ist eine retrospektive Konstruktion aus dem 11. bis 12. Jahrhundert, die die Einführung des Buddhismus nach Tibet ikonisch fasst. David Snellgrove («Indo-Tibetan Buddhism», London 1987) ordnet diese Episode der spätindischen Verschmelzung von Bodhisattva-Verehrung und tantrischer Yidam-Praxis zu.
Grüne und Weiße Tara
Die Grüne Tara (Sanskrit Shyamatara, tibetisch Drolma Jangu) gilt als die aktive Form, die schnell auf Anrufung reagiert.
Sie wird grünfarbig dargestellt, das rechte Bein steigt vom Lotussitz herab, in der rechten Hand hält sie die Geste der Wunschgewährung (varada-mudra), in der linken eine blaue Lotusblüte (utpala). Ihr Mantra «om tare tuttare ture svaha» gehört zu den meistgesprochenen Texten des tibetischen Buddhismus.
Die Weiße Tara (Sitatara, Drolma Karpo) ist demgegenüber die meditative Form, die mit Langlebigkeit, Gesundheit und Schutz vor frühem Tod verbunden ist. Sie sitzt im vollen Lotussitz, ihr Körper trägt sieben Augen, eines auf der Stirn und je eines auf Hand- und Fußflächen, die das wache Mitgefühl in alle Richtungen versinnbildlichen.
Beide Formen werden in der ikonographischen Tradition als zwei Aspekte derselben weiblichen Bodhisattva gelesen: aktiv und kontemplativ, schnelle Tat und langes Leben. Die einundzwanzig Taras des Sarvatathagatamatrtara-Visvakarmabhava-Tantra differenzieren diese Polarität weiter aus, von zornvollen Schutzformen bis zu friedvollen Heilformen.
Mythos und narrative Tradition
Eine im tibetischen Bereich verbreitete Tara-Geschichte erzählt von der Prinzessin Yeshe Dawa, die im fernen Weltenalter den Entschluss zur Erleuchtung fasste.
Als ihre Lehrer ihr rieten, in einer nächsten Geburt einen männlichen Körper anzunehmen, weil dieser besser für die Buddha-Werdung geeignet sei, schwor sie, immer in weiblicher Gestalt geboren zu werden, bis alle Wesen befreit sind.
Diese Episode ist in der modernen feministischen Religionsforschung intensiv diskutiert worden. Anne Klein («Meeting the Great Bliss Queen», Boston 1995) liest die Erzählung als bewusste Markierung einer geschlechtsspezifischen Heilszusage, die im patriarchal geprägten indischen Mahayana eine Gegenposition setzt.
Im Tara-Tantra wird sie als «Mutter aller Buddhas» bezeichnet, eine Würde, die sie mit Prajnaparamita teilt, der Personifikation der vollendeten Weisheit. Die Identifikation ist nicht zufällig, beide Gestalten verkörpern die weibliche Dimension der Erleuchtung, in der Erkenntnis und Mitgefühl ungetrennt sind.
Praxis, Mantra und Ritual
Die Tara-Praxis umfasst Rezitation, Visualisierung und Opfergaben. Das Wurzelmantra «om tare tuttare ture svaha» wird sowohl im Alltag als auch in der intensiven Klausurpraxis (drubchen) verwendet.
Das «Lob auf die einundzwanzig Taras» (Namastare ekavimsati-stotra) ist in nahezu jeder tibetischen Schule Teil der täglichen Liturgie. Visualisierungen folgen den Anweisungen der jeweiligen sadhana, die Form, Farbe, Attribute und Mandala der Gottheit präzise vorschreiben.
Im tibetischen Vajrayana wird Tara als Yidam (Meditationsgottheit) eingesetzt. Die Praxis zielt darauf, die qualitativen Eigenschaften der Bodhisattva, nicht ihre äußere Gestalt, in der eigenen Wahrnehmung zu verwirklichen. Stephan Beyer hat in «The Cult of Tara» (Berkeley 1973) das Ritualkorpus einer tibetischen Klosterschule umfassend dokumentiert und damit ein bis heute zentrales Referenzwerk vorgelegt.
Verbreitung im Mahayana
Tara wird nicht nur in Tibet, sondern auch in Nepal, der Mongolei, in den buddhistischen Regionen Burjatiens und Kalmückiens sowie historisch in Java und im chinesischen Vajrayana verehrt.
In Ostasien ist sie weniger prominent, hier dominiert die männlich oder geschlechtsunbestimmt dargestellte Bodhisattva Avalokiteshvara, die in China zur weiblich konnotierten Guan Yin wird. Im theravadischen Buddhismus Sri Lankas und Südostasiens fehlt sie, da das tantrische Bodhisattva-Programm dort nicht rezipiert wurde.
Bedeutung im Vajrayana
Im Vajrayana wird Tara den drei Buddha-Familien (kula) zugeordnet, in den jüngeren Tantras vor allem der Padma- (Lotus-) Familie des Buddha Amitabha. Sie gilt als Erscheinungsform seiner Aktivität, parallel zu Avalokiteshvara.
Diese systematische Verortung in den fünf Buddha-Familien zeigt, dass Tara in einem theoretisch durchgegliederten kosmischen Schema steht und nicht eine isolierte Volksgottheit ist. Donald Lopez beschreibt in «Buddhism. An Introduction and Guide» (London 2001), wie diese Einordnung das tibetische Pantheon strukturiert.
Tara und Avalokiteshvara
Eine wichtige Erzähltradition lässt Tara aus den Tränen entstehen, die Avalokiteshvara weint, als er das Ausmaß des Leidens der Wesen erkennt. Aus einer der beiden Lotustränen geht die Grüne, aus der anderen die Weiße Tara hervor.
Diese Genealogie verbindet beide Bodhisattvas als zwei Aspekte des Mitgefühls und macht Tara zur direkten Helferin Avalokiteshvaras. Religionswissenschaftlich ist diese Erzählung als spätere Verklammerung zweier ursprünglich getrennter Kulttraditionen zu lesen. Tara hat eine eigene, ältere indische Wurzel, die erst im Pala-Zeitalter mit dem Avalokiteshvara-Komplex verbunden wurde.
Moderne Rezeption
Im westlichen Buddhismus seit den 1970er Jahren ist Tara eine der prominentesten weiblichen Gestalten geworden, vor allem in tibetisch geprägten Gemeinschaften.
Die Lehrerin Tsultrim Allione hat in «Women of Wisdom» (London 1984) Tara als zugängliche Praxisfigur für moderne westliche Praktizierende vorgestellt. In feministischer buddhistischer Theologie steht sie für eine weibliche Erleuchtungsfigur, die nicht durch ein männliches Wesen vermittelt ist, sondern eigenständig handelt.
Quellen und weiterführende Literatur
Primärquellen: Aryatara-namashtottarashataka; Tara-Tantra; Sarvatathagatamatrtara-Visvakarmabhava-Tantra; «Lob auf die einundzwanzig Taras» (Namastare ekavimsati-stotra).
Sekundärliteratur: Stephan Beyer, «The Cult of Tara», Berkeley 1973; David Snellgrove, «Indo-Tibetan Buddhism», London 1987; Anne Klein, «Meeting the Great Bliss Queen», Boston 1995; Tsultrim Allione, «Women of Wisdom», London 1984; Donald Lopez, «Buddhism. An Introduction and Guide», London 2001; Robert Buswell und Donald Lopez, «Princeton Dictionary of Buddhism», Princeton 2014.
Die einundzwanzig Tara-Formen
Die einundzwanzig Taras sind ein systematisierter Kanon weiblicher Bodhisattva-Manifestationen, der erstmals im Sarvatathagatamatrtara-Tantra detailliert beschrieben wird. Jede Form hat eine eigene Farbe, eine eigene mudra-Geste und eine eigene Wirkungsfunktion.
Die erste Form, Pravira Tara, ist die «schnell rettende» und steht für die rasche Reaktion auf Notfälle. Die siebte Form, Vajra Tara, hat zornvollen Charakter und wird gegen feindliche Kräfte angerufen.
Die elfte Form, Vaishravana Tara, ist mit Wohlstand und Reichtum verbunden. Die einundzwanzigste, Paripurani Tara, ist die «alles Vollendende» und steht für die finale Verwirklichung.
Diese Liste ist nicht in allen Schulen identisch, die Nyingma- und die Gelug-Tradition haben unterschiedliche Reihenfolgen und Akzente. Stephan Beyer hat in «The Cult of Tara» die in der Karma-Kagyü-Tradition verbreitete Liste vollständig dokumentiert.
Tara in den buddhistischen Tantra-Klassen
Die tibetische Tantra-Klassifikation unterscheidet vier oder sechs Klassen, deren Anordnung sich nach dem Grad der Praxiserschließung und der Komplexität der Visualisierung richtet. Tara wird in mehreren dieser Klassen behandelt. Im Kriya-Tantra, der untersten Klasse, ist sie als verehrungswürdige Gottheit mit relativ einfacher Ritualform präsent. Im Yoga-Tantra wird sie als yidam mit eigener mandala-Struktur eingesetzt.
Im Anuttara-Yoga-Tantra, der höchsten Klasse, erscheint sie als Hauptfigur des Tara-Tantras, das in der späten indischen und tibetischen Tradition als eigenständiges Lehrkorpus geführt wird. Diese mehrfache Verortung in den Tantra-Klassen ist religionsgeschichtlich aufschlussreich, sie zeigt, dass Tara nicht eine Gestalt einer bestimmten Lehrtradition ist, sondern in mehreren Schichten der tantrischen Systematisierung vorkommt.
Die tibetische Tara-Ikonographie
Die ikonographische Darstellung Taras folgt strikten Konventionen, die in den Sadhana-Texten (Praxisanweisungen) detailliert festgelegt sind. Die Grüne Tara wird in der Sitzhaltung lalitasana dargestellt, das rechte Bein vom Lotussitz herabgelassen. Ihre rechte Hand zeigt die varada-mudra (Wunschgewährung), die linke hält den Stiel einer blauen utpala-Blüte, die über ihrer linken Schulter aufblüht.
Sie ist jugendlich dargestellt, sechzehn Jahre alt, mit dem Schmuck einer königlichen Prinzessin, dreizehn Ornamenten und der charakteristischen tantrischen Krone mit fünf Buddha-Bildnissen.
Die Weiße Tara sitzt im vollen Lotussitz (vajraparyanka), trägt ebenfalls die rechte Hand in varada-mudra und die linke vor der Brust in der Geste der dreifachen Zuflucht. Ihr Körper ist mit sieben Augen versehen.
Tara und die Karmapas
Die Karmapa-Linie, die älteste tulku-Linie Tibets, hat zur Tara-Verehrung einen besonderen Bezug. Der erste Karmapa Düsum Khyenpa (1110 bis 1193) erhielt nach der Tradition direkte Tara-Visionen, die ihn in seinem Erleuchtungsweg unterstützten. Die zweite Karmapa-Vision soll Karma Pakshi (1204 bis 1283) gehabt haben, der unter der Yuan-Dynastie auch im mongolischen Hof Tara-Praxis lehrte.
Die Karma-Kagyü-Tradition pflegt seitdem eine eigene Tara-Sadhana, die in den Klöstern Rumtek (Sikkim) und Tsurphu (Tibet) auch heute noch täglich praktiziert wird. Diese Verbindung zeigt, wie eine Bodhisattva-Verehrung nicht abstrakt-theologisch bleibt, sondern in konkrete institutionelle Linien eingebettet ist.
Tara in der Sadhanamala
Die Sadhanamala, eine Sammlung von 312 tantrischen Visualisierungstexten aus dem 11. bis 12. Jahrhundert, ist die wichtigste indische Quelle zur Tara-Praxis.
Allein 21 Texte dieser Sammlung sind Tara gewidmet, in mehreren Farbgestalten und mit unterschiedlichen Mantra-Strukturen. Benoytosh Bhattacharyya hat die Texte 1925 und 1928 in Baroda kritisch ediert und im «Indian Buddhist Iconography» (Kalkutta 1958) systematisiert.
Die Sadhanamala-Texte stammen vermutlich aus den Klöstern Vikramashila und Nalanda, deren Lehrer zu den Initiatoren der späten indischen Tara-Theologie zählten. Die meisten dieser Sadhanas wurden bald nach ihrer Entstehung ins Tibetische übersetzt und sind heute kanonisch in den Sammlungen Kangyur und Tengyur.
Die Übertragung durch Atisa
Der bengalische Gelehrte Atisa Dipankara Shrijnana (982 bis 1054) hatte eine besonders enge Beziehung zu Tara. Seine «Bodhipathapradipa» (Leuchte auf dem Weg zur Erleuchtung) gilt als Gründungstext der Kadam-Schule. Atisa führte die Tara-Praxis nach Tibet ein, wo sie über Drom Tönpa und die nachfolgenden Kadam-Meister in die Gelug-Schule überging.
Die Tradition berichtet, dass Atisa Tara als persönliche Schutzgottheit (yidam) verehrte und ihr Bild stets bei sich trug. Mehrere ihm zugeschriebene Tara-Hymnen sind im tibetischen Tengyur überliefert. Robert Beer («The Encyclopedia of Tibetan Symbols and Motifs», Boston 1999) zeigt, dass Atisas Tara-Praxis die zentralasiatische Tara-Ikonographie endgültig in Tibet kanonisierte.
Cittamani-Tara und die Geheime Linie
Eine besondere esoterische Linie der Tara-Praxis ist die Cittamani-Tara (Tara als «Wunsch erfüllendes Juwel des Geistes»). Sie wurde laut Tradition vom indischen Mahasiddha Takphu Garwang in einer Vision empfangen und gehört zur Anuttarayoga-Tantra-Klasse. Diese Form ist im Gelug-Kontext durch Pabongka Rinpoche (1878 bis 1941) prominent worden.
Der erste Dalai Lama Gendün Drub komponierte eine ausführliche Sadhana, die heute zu den Hauptpraktiken der Gelug-Schule zählt. Cittamani-Tara ist grün, sitzt in der Position der königlichen Entspannung und hält Lotus und Vajra. Die Praxis verbindet Tara-Hingabe mit den Vollendungsstufen-Yogas des Anuttara-Tantra, was sie strukturell zur höchsten Stufe der Tara-Verwirklichung macht.
Tara in den indo-tibetischen Klöstern
In den großen tibetischen Klöstern Ganden, Drepung und Sera wird die Tara-Liturgie in einem festen Jahreszyklus gepflegt. Das «Tara-Puja» (sgrol ma’i mchod pa) gehört zu den am häufigsten rezitierten Liturgien und wird sowohl in der Frühlingsversammlung des Mönlam Chenmo als auch bei besonderen Anlässen wie Krankheit oder politischer Krise vollzogen.
Die Liturgie folgt einem festen Aufbau mit Lobpreis, Mandala-Opferung, Mantra-Rezitation und Vidya-Wiederholung. Die Anzahl der Wiederholungen variiert von 100 bis 100.000, je nach Anlass und Intention.
Robert Thurman («Essential Tibetan Buddhism», San Francisco 1995) hat diese Liturgie als «das tibetische Pendant zum christlichen Rosenkranz» beschrieben, was im Sinne einer formal vergleichenden Religionsphänomenologie tragfähig ist.
Die Khadiravani-Tara
Eine besonders im Sadhanamala-Korpus prominente Form ist die Khadiravani-Tara, «Tara aus dem Khadira-Wald». Sie steht in Verbindung mit dem Akazienbaum (Khadira), unter dem sie der Tradition nach am Berg Potala erschienen sein soll. Die Bilder zeigen sie in grüner Farbe, von Marici (Sonne) und Ekajati (Mond) flankiert.
Diese Triade ist eine ältere ikonographische Konstellation, die in den Pala-zeitlichen Skulpturen Ostindiens häufig auftritt, etwa in Funden aus Bihar und Bengalen. Die spätere tibetische Tradition übernahm diese Konstellation und übertrug sie auf Wandmalereien, etwa in Tabo und Alchi (Westhimalaya, 11. Jahrhundert).
Roger Goepper hat in seinen Studien zu Alchi («Alchi. Buddhas, Göttinnen, Mandalas», Köln 1982) die ikonographische Kontinuität zwischen indischen Vorlagen und tibetischer Umsetzung belegt.
Tara und der Frauenraum im Buddhismus
Die Tara-Tradition ist insofern religionshistorisch besonders, als hier eine weibliche Erleuchtungsgestalt vollwertig und gleichrangig neben den männlichen Bodhisattvas steht. Tara ist nicht eine «Gemahlin» (prajna) eines männlichen Hauptes, sondern eigenständige Buddha-Form. Im 12. Jahrhundert dichtete die tibetische Yogini Machig Labdrön Hymnen an Tara, die heute noch rezitiert werden.
Janet Gyatso («Apparitions of the Self», Princeton 1998) und Sarah Harding («Machig’s Complete Explanation», Ithaca 2003) haben diese Linie als eine der wenigen authentisch weiblichen Stimmen der tibetischen Religionsliteratur dokumentiert. Die moderne buddhistische Frauenbewegung beruft sich häufig auf Taras Bekenntnis «Bis die Welt leer ist, werde ich im weiblichen Körper Buddha sein».
Häufig gestellte Fragen
Ist Tara eine Buddha oder eine Bodhisattva? Sie ist eine Bodhisattva, also ein Wesen, das auf dem Weg zur Erleuchtung ist und sich verpflichtet hat, die anderen Wesen mit zur Befreiung zu bringen.
In einigen späteren tantrischen Texten wird sie auch als bereits voll erleuchteter weiblicher Buddha behandelt, diese Unterscheidung hat aber für die praktische Verehrung wenig Auswirkungen.
Was ist der Unterschied zwischen Grüner und Weißer Tara? Die Grüne Tara ist die aktive Form, sie wird bei akuten Problemen angerufen. Die Weiße Tara ist die meditative Form, sie wird mit Langlebigkeit, Gesundheit und vertieftem Verstehen verbunden. Beide gelten als zwei Aspekte derselben Bodhisattva.
Welches Mantra wird Tara zugeordnet? Das Wurzelmantra lautet «om tare tuttare ture svaha». Es ist eines der meistgesprochenen Mantras im tibetischen Buddhismus und kann in jeder Lebenslage rezitiert werden.
Hat Tara eine Verbindung zur indischen Göttin Durga? Historisch sind die Verbindungen umstritten. Beide sind weibliche Schutzgestalten mit kriegerischen Aspekten. Strukturelle Parallelen lassen sich nicht ausschließen, eine direkte Übernahme ist aber nicht nachweisbar. Anne Klein und David Snellgrove sehen Tara als eigenständige indische Bodhisattva-Entwicklung mit lediglich peripheren Berührungen zur Shakta-Tradition.





