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Krampus, gehörnter Begleiter des Nikolaus

Krampus ist Dämon der alpinen Tradition.

Gehörnter Winterdämon mit Rute, Kette und Kiepe.

DämonAlpenraum

Inhaltsverzeichnis

Krampus - Dämonen aus der Alpin-Tradition, historisch-illustrativ
Krampus

Der Krampus ist die finstere Begleitfigur des heiligen Nikolaus im Ostalpenraum: gehörnt, behaart und mit Kette und Rute ausgestattet, während Nikolaus die Braven beschenkt. Bildlich belegt ist die Gestalt seit 1582 in Dießen am Ammersee, als eigenständige Kartenfigur erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.

In den Krampusläufen von Salzburg bis Kärnten tritt er bis heute als lärmende, furchteinflößende Dämonengestalt der Winterzeit auf, mit geschnitzter Holzmaske, rasselnder Kette und Rute aus Birkenreisig. Die Nacht des 5. Dezember, dem Nikolaustag vorausgehend, bleibt sein fester Auftrittstermin.

Auf einen Blick: Krampus

Typ: Winterdämon und Begleitfigur des Nikolaus
Herkunft: Ostalpenraum, bildlich belegt seit 1582 in Dießen am Ammersee
Texte: kirchliche Verbotsakten seit dem 17. Jahrhundert, Krampuskarten ab etwa 1850
Zeitraum: als Kartenfigur seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Brauch bis heute lebendig
Erscheinung: gehörnte, behaarte Gestalt mit Holzmaske, Kette, Rute und Kiepe

Historischer Hintergrund

Zeitraum der Texte

Bildlich belegt seit 1582 in Dießen am Ammersee, als eigenständige Kartenfigur erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Kirchliche Verbotsakten reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Verbreitungsraum

Salzburg, Tirol, Kärnten, Steiermark, Bayern und Südtirol: Der Krampus ist im gesamten Ostalpenraum und seinen bayerischen Nachbarregionen verbreitet.

Quellenlage

Gut dokumentiert durch kirchliche Verbotsakten seit dem 17. Jahrhundert, Krampuskarten ab etwa 1850 und volkskundliche Beschreibungen der Krampus- und Perchtenläufe.

Name und Varianten

Bairisch-österreichisch: Der Name wird meist auf Krampen zurückgeführt, ein Wort für Verdorrtes oder Krallenartiges, verwandt mit mittelniederdeutsch krampe, Haken. Die genaue Ableitung gilt als nicht vollständig gesichert.

Erscheinungsbild und Symbolik

Erscheinung

Gehörnt, langzüngig und mit Fell bedeckt, die Maske traditionell aus Zirbenholz oder Lindenholz geschnitzt; jede Passe pflegt eigene Maskenstile. Kennzeichnend sind die rasselnde Kette, die Rute aus Birkenreisig und die Kiepe auf dem Rücken.

Wirkung

Die Kombination aus Lärm, Fell und Kette macht ihn zugleich zum bezwungenen und zum bezwingenden Wesen: ein Winterdämon im Dienst des Nikolaus, der seine ursprüngliche Bedrohlichkeit sichtbar behält. Mancherorts verstärkt ein Glockengeschirr den Lärm seines Auftritts zusätzlich.

Steckbrief: Krampus

Die wichtigsten Aspekte der Rutengestalt auf einen Blick.

Tradition

Winterliche Begleitfigur des Nikolaus im Ostalpenraum, seit der Gegenreformation als festes Gegensatzpaar aus Belohnung und Strafe etabliert.

Bezogen auf

Unartige Kinder als erklärte Zielgruppe der Drohung, im Umzug daneben das gesamte versammelte Publikum der Krampusläufe.

Darstellung

Geschnitzte Holzmaske, Fell, Kette, Rute aus Birkenreisig und die Kiepe auf dem Rücken; Hörnerform und Zungenlänge unterscheiden sich von Passe zu Passe.

Funktion

Strafende Kontrastfigur zum belohnenden Nikolaus, mit älterer Rolle als umherziehender, in den Rauhnächten gefürchteter Wintergeist.

Abwehrformen

Räuchern mit Weihrauch, Glocken- und Kettenlärm, kirchlicher Blochsegen und Weihwasser rund um den Nikolaustag.

Vergleichbares

Der japanische Oni als entferntes Vergleichsbeispiel ritueller Dämonenaustreibung, dazu regionale Verwandte wie Klaubauf und Buttnmandl.

Von der Perchtenjagd zur Krampuskarte

Der älteste bekannte Beleg für einen Umzug dieser Art stammt aus dem Jahr 1582 aus Dießen am Ammersee, wo Teilnehmer einer Perchtenjagd für das Vertreiben böser Wintergeister entlohnt wurden. Die Verbindung von Nikolaus und Krampus als Gegenpaar aus Belohnung und Strafe verdichtete sich in der Zeit der Gegenreformation, als die katholische Kirche den Nikolauskult stärken wollte. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Perchten- und Krampusumzüge in Bayern, Salzburg und Tirol wiederholt als polizei- und religionswidrige Ausschreitungen verboten, weil sie in Trinkgelagen ausarteten.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die sogenannten Krampuskarten, mit denen man Bekannten scherzhaft Prügel durch den Krampus wünschte. Regional treten unter anderen Namen verwandte Figuren auf, etwa der Klaubauf oder das Buttnmandl; im 20. und 21. Jahrhundert verbreitete sich der Krampus über den Alpenraum hinaus und wurde auch international aufgegriffen.

Vom Kartenmotiv zum Winterbrauch der Gegenwart

Die Krampuskarten des späten 19. Jahrhunderts trugen den Krampus früh in die private Korrespondenz. Im 21. Jahrhundert wuchsen die Krampusläufe zu einem touristisch stark beachteten Winterbrauch, mit aufwendigen, mitunter mehrere Kilogramm schweren Kostümen und kunstvoll geschnitzten Masken. International wurde die Figur unter anderem durch den US-amerikanischen Spielfilm Krampus (2015) bekannt, der sie stark verfremdet als reinen Horrordämon zeigt; in Österreich selbst bleibt er dagegen vor allem lokal verankerter Vereinsbrauch.

Der Krampus verkörpert das Prinzip der Kontrastfigur: Erst im Gegenüber zum belohnenden Nikolaus entfaltet die Drohgestalt ihre volle erzieherische Wirkung. Religionswissenschaftlich lässt sich der Brauch als winterliches Austreibungsritual lesen, das ältere, vorchristliche Vorstellungen von umherziehenden Wintergeistern mit der Legende des Bischofs von Myra verband. Die frühneuzeitlichen Verbote zeigen zugleich, dass die Obrigkeit den Umzug als Anlass für Ausgelassenheit und Grenzüberschreitung fürchtete, ein Zug, der im heutigen Nebeneinander von Furcht und Volksfest fortwirkt.

Rauhnachtsschutz und der Blochsegen

Der Krampus gilt in der Überlieferung weniger als Gegner, den man abwehrt, denn als geladener, wenn auch gefürchteter Teil der Rauhnachtszeit. Schutz galt in erster Linie dem Haus insgesamt: Stuben und Ställe wurden mit Weihrauch ausgeräuchert, um umherziehende Wintergeister fernzuhalten, und Glocken sowie Peitschenknallen dienten dem allgemeinen Vertreiben von Unheil. Der kirchliche Blochsegen und das Besprengen mit Weihwasser rund um den Nikolaustag ergänzten diesen Schutz. Kindern riet man vor allem zu braven Verhalten im Jahresverlauf, da die Rute der Sage nach genau die traf, wer sich das ganze Jahr über schlecht betragen hatte.

Dämonenaustreibung im Kulturvergleich

Eine unmittelbare Entsprechung des Krampus außerhalb des Alpenraums ist nicht belegt, wohl aber ein verwandtes Grundmuster ritueller Dämonenaustreibung. Im japanischen Setsubun-Fest werden am Frühlingsbeginn geröstete Sojabohnen geworfen, um die gehörnten Oni zu vertreiben, ebenfalls furchterregende Gestalten, deren jährliches Auftreten Ordnung wiederherstellen soll. Anders als der Krampus tritt der Oni dabei als reiner Gegner auf, nicht als gezähmter Begleiter einer wohlwollenden Figur. Innerhalb des Alpenraums stehen ihm der Wilde Mann und der Rübezahl als verwandte Schreck- und Naturgestalten nahe.

Häufige Fragen zum Krampus

Ist der Krampus ein Teufel oder ein Naturgeist?

Beide Deutungen begegnen in der Forschung. Die Kette, mit der er auftritt, verweist auf eine ältere Vorstellung eines gebändigten, ursprünglich wilderen Wintergeistes, während Hörner und kirchliche Einordnung ihn seit der Gegenreformation stärker an den Teufel annäherten.

Warum tritt der Krampus gemeinsam mit dem Nikolaus auf?

Die Paarung entstand vor allem, um Kindern ein klares Gegensatzpaar aus Belohnung und Strafe zu bieten. Historisch ist der Krampus jedoch älter belegt als diese feste Zuordnung und trat ursprünglich auch unabhängig von Nikolausbräuchen auf.

Wird man beim Krampuslauf tatsächlich geschlagen?

Ja, das Schlagen mit der Rute gehört zum lebendigen Brauch und wird von vielen Zuschauern bewusst gesucht. Die Läufer folgen dabei üblicherweise Verhaltensregeln der jeweiligen Passe, sodass es sich um ein einvernehmliches, wenn auch derbes Ritual handelt.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bde. Berlin/Leipzig 1927–1942 (Neudruck Berlin/New York 1987).
  • Waschnitius, Viktor: Perht, Holda und verwandte Gestalten. Ein Beitrag zur deutschen Religionsgeschichte. Wien 1913.
  • Zingerle, Ignaz Vinzenz: Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes. 2. Auflage, Innsbruck 1871.
  • Bruce, Maurice: The Krampus in Styria. In: Folklore, Bd. 69, 1958.
  • Ridenour, Al: The Krampus and the Old, Dark Christmas: Roots and Rebirth of the Folkloric Devil. Port Townsend 2016.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Die als Krampus Rutengestalt der Alpen bekannte Figur bleibt eng an die Nacht des 5. Dezember gebunden, und im heutigen Krampuslauf Brauchtum lebt ihr winterliches Wechselspiel aus Furcht und Volksfest bis heute fort.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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