Frau Perchta ist Geist der alpinen Tradition.
Hüterin von Fleiß und Ordnung in den zwölf Raunächten.
Frau Perchta gilt in den Alpen und in Bayern als Hüterin von Ordnung und Fleiß: Wer im Jahr gearbeitet und gesponnen hat, wird belohnt, wer nachlässig war, muss mit ihrem Tadel rechnen. Literarisch fassbar wird sie erstmals im 15. Jahrhundert bei Thomas Ebendorfer von Haselbach.
In den Raunächten zieht sie durch Häuser und Gassen, bald als schöne Frau in hellem Gewand, bald als hagere Gestalt mit Gänsefuß. Der bis heute lebendige Perchtenlauf übersetzt diese Doppelgestalt in ein sichtbares winterliches Ritual.
Typ: Jahreszeitengeist und Prüferin von Fleiß und Ordnung
Herkunft: alpiner Ostraum, literarisch seit dem 15. Jahrhundert (Thomas Ebendorfer, 1439)
Texte: mittelalterliche Bußpredigten, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts
Zeitraum: die zwölf Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig
Erscheinung: schöne, weiß gekleidete Frau oder hagere, langnasige Alte mit Gänsefuß
Literarisch seit dem 15. Jahrhundert belegt, mit Thomas Ebendorfer 1439 als frühem Beleg; volkskundlich reich dokumentiert im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Bayern, Österreich, Südtirol und der alpine Ostraum, mit nördlichen Parallelfiguren bis in Mitteldeutschland.
Mittelalterliche Bußpredigten, das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens und die Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts bilden die Quellenbasis.
Althochdeutsch: Der Name wird gewöhnlich zu beraht, die Glänzende, gestellt, seltener zu pergan, die Verborgene; die Forschung hat die Frage nicht abschließend geklärt. Der Name steht zudem in Verbindung mit dem Berchtentag, dem Epiphaniasfest am 6. Januar.
Erscheinung
Perchta erscheint in zwei gegensätzlichen Gestalten: als schöne Frau in hellem, oft weißem Gewand, verbunden mit Licht, Reinheit und Fruchtbarkeit, oder als hagere Gestalt mit langer Nase, zerzaustem Haar und namensgebendem Gänsefuß oder Schwanenfuß.
Wirkung
Beide Formen prüfen, ob Spinnrocken geräumt, Häuser aufgeräumt und die Arbeit des Jahres ordentlich abgeschlossen wurden. Im Perchtenlauf der Ostalpen spiegelt sich diese Doppelgestalt bis heute in den schönen und den schiechen Perchtenmasken.
Die wichtigsten Aspekte der Raunachtshüterin auf einen Blick.
Jahreszeitengeist des alpinen Ostraums, seit dem 15. Jahrhundert kirchlich bezeugt und von Jacob Grimm als südliche Verwandte der Frau Holle eingeordnet.
Spinnerinnen, Gesinde und Kinder: Perchta kontrolliert Fleiß und Ordnung im Haus und wacht über den Übergang vom alten zum neuen Jahr.
Schöne, weiß gekleidete Frau oder hagere, langnasige Alte mit Gänsefuß; im Perchtenlauf als schöne und schieche Maske dargestellt.
Belohnung von Fleiß mit Segen und guter Ernte, Tadel und in älteren Erzählungen härtere Strafen bei Nachlässigkeit.
Geräumte Spinnrocken und aufgeräumte Stuben vor der kritischen Nacht, dazu Räuchern, Bannsprüche und Gebete an der Schwelle.
Der Name Perchta wird gewöhnlich zu althochdeutsch beraht, die Glänzende, gestellt, seltener zu pergan, die Verborgene. Früheste literarische Spuren finden sich im 15. Jahrhundert bei Thomas Ebendorfer von Haselbach, der in seiner Predigtsammlung De decem praeceptis den Perchta-Kult als abergläubisch verurteilt, und im Thesaurus pauperum von 1468. Der Name steht in Verbindung mit dem Berchtentag, dem Epiphaniasfest am 6. Januar, an dem der Gestalt besondere Aufmerksamkeit galt.
Jacob Grimm ordnete Perchta in seiner Deutschen Mythologie als südliche Verwandte der norddeutschen Frau Holle ein, mit der sie die Rollen als Spinnstubenaufseherin und Tierbeschützerin teilt; ob es sich um eine gemeinsame ältere Gestalt oder um parallel entstandene, regional getrennte Traditionen handelt, wird in der Forschung diskutiert. Ältere Sagenschichten kennen ein drastisches Strafmotiv, bei dem Perchta den Bauch aufschlitzt und mit Stroh oder Häckerling füllt; in der heute erzählten und gelebten Tradition der Alpen tritt jedoch die Rolle als milde, wenn auch strenge Prüferin deutlich in den Vordergrund.
Der Name führt in die Kirchensprache des Mittelalters. Mittelhochdeutsch bercht bedeutet glänzend oder leuchtend. Die glänzende Nacht war der Vorabend des 6. Januar, des Festes der Erscheinung des Herrn. In den Mondseer Glossen aus dem 11. Jahrhundert ist dafür die Bezeichnung Giperchtennacht belegt.
Die Sagengestalt Perchta ist seit dem Spätmittelalter greifbar. Ein Tiroler Gedicht von 1393 nennt die Berchten mit der langen Nase. Hans Vintler spottet 1411 in den Pluemen der Tugent über den Glauben an die Perchten mit der eisernen Nase.
Maskenumzüge zur Jahreswende sind allerdings älter als der Name. Schon um 500 predigte Caesarius von Arles gegen lärmende Verkleidungsbräuche zum Jahresbeginn. Ob zwischen solchen spätantiken Umzügen und den alpinen Perchten eine Kontinuität besteht, ist in der Forschung umstritten.
Die Volkskundlerin Marianne Rumpf deutete die Gestalt überwiegend aus der kirchlichen Unterweisung, nicht aus heidnischer Überlieferung. Eine belegte vorchristliche Göttin Perchta gibt es in den Quellen nicht.
Perchta blieb im Alpenraum vor allem durch den Perchtenlauf lebendig, der bis heute an Silvester und um den 6. Januar in Salzburg, Tirol und angrenzenden Regionen stattfindet. In der volkstümlichen und esoterischen Literatur der Gegenwart wird sie häufig zu einer Rauhnachts- und Jahreszeitengöttin umgedeutet, eine Lesart, die von der älteren, strengeren Volkssage abweicht.
Perchta gehört zu den sogenannten Jahreszeitendämoninnen, deren Auftreten an den Übergang zwischen den Jahren gebunden ist und die zugleich Kontrolle und Fruchtbarkeit verkörpern. Die Doppelgestalt aus schöner und hässlicher Erscheinung lässt sich als Personifikation von Lohn und Strafe lesen, eingebettet in eine Ökonomie der Hausarbeit, in der Spinnen und Ordnung zentrale Werte waren. Die kirchliche Verurteilung des Perchta-Kults seit dem 15. Jahrhundert zeigt, dass die Gestalt lange als Rest vorchristlicher Vorstellungen wahrgenommen wurde, auch wenn sich eine ungebrochene Kultkontinuität aus den späten Quellen nicht beweisen lässt.
Der Brauch kennt zwei Gesichter, und beide gehören zusammen.
Schönperchten treten bei Tag auf. Sie tragen prächtige, oft turmhohe Aufbauten mit Spiegeln, Blumen und Bändern und wünschen den Häusern Glück und Segen für das neue Jahr.
Schiachperchten sind die Nachtseite des Brauchs. Das oberdeutsche Wort schiach bedeutet hässlich. Sie tragen dämonische Holzlarven mit Hörnern und Zähnen, Fell und Glocken. Mit Lärm ziehen sie durch die Gassen. Nach verbreiteter Deutung treiben sie das Unheil des alten Jahres aus, bevor der Segen einziehen kann.
Die eigentliche Zeit der Perchten sind die Rauhnächte vom Heiligen Abend bis zum Dreikönigstag. In diesen Nächten galt die Ordnung der Welt als durchlässig. Umzüge, Lärm und Segenswünsche sollten Haus und Hof durch den Jahreswechsel bringen.
Den Abschluss bildet der 5. Januar, mancherorts Glöckeltag genannt, mit der folgenden Perchtennacht zum Dreikönigstag. An diesem Termin halten die traditionsbewussten Orte bis heute ihre Läufe ab.
Der bekannteste traditionelle Lauf ist der Pongauer Perchtenlauf im Salzburger Land, nachweislich vor 1850 entstanden. Er wechselt reihum zwischen den Gemeinden St. Johann, Altenmarkt, Bischofshofen, Bad Gastein und Bad Hofgastein, jeweils um den Dreikönigstag. Im Gasteiner Tal gehören Tafelperchten und Kappenperchten mit ihren meterhohen Aufbauten zum Zug, dazu Begleitfiguren wie die Habergeiß oder der Bär mit seinem Treiber.
Daneben stehen eigenständige Sonderformen. In Rauris gehen die Schnabelperchten um, Gestalten mit langen Stoffschnäbeln, die der Sage nach Ordnung und Sauberkeit im Haus prüfen. Im Salzkammergut laufen am 5. Januar die Glöckler, weiß gekleidete Gestalten mit leuchtenden Lichterkappen. Im Pinzgau springen die Tresterer ihren alten Schrittanz, im Ennstal tritt die Vogelpercht auf.
Die Gestalt trägt je nach Landschaft verschiedene Namen. In Niederösterreich hieß sie Bechtra, im Ausseerland Bärigl, in der Oststeiermark und im Burgenland Rauweib oder Pudelfrau. In Oberbayern kennt man verwandte Gestalten als Holzmandl oder Moosmann, in Nordostbayern als Specht. Im mitteldeutschen Raum übernimmt Frau Holle die Rolle der winterlichen Frauengestalt.
Auch die Schreibungen wechseln: Percht, Bercht, Berchta, Perchta. Gemeint ist dieselbe Figur der Rauhnächte.
Perchtenmasken, im Alpenraum Larven genannt, sind Schnitzarbeiten aus Zirben- oder Lindenholz, oft mit echten Hörnern und Fellbesatz. Viele Passen, also Laufgruppen, fertigen ihre Larven selbst oder beauftragen spezialisierte Schnitzer. Alte Larven sind begehrte Sammlerstücke und stehen in Heimatmuseen des Alpenraums.
Der Brauch lebt heute in zwei Formen. Die Traditionsorte halten an Termin und Ablauf fest. Daneben ist eine Veranstaltungsszene entstanden, mit großen Schauläufen, Feuershows und Hunderten Aktiven, die den Advent füllen. Die Spannung zwischen Brauchtumspflege und Event gehört inzwischen selbst zum Thema Perchten.
Beide Gestalten werden oft verwechselt, sind aber getrennt zu halten.
Der Krampus gehört zum Nikolaus und damit in den Advent. Er läuft am 5. und 6. Dezember, als strafender Begleiter des Heiligen. Die Perchten gehören an das andere Ende der Weihnachtszeit, in die Rauhnächte um den 6. Januar, und sie begleiten niemanden. Sie treten als eigenständige Schar auf.
In der Gegenwart vermischen sich beide Bräuche. Viele Veranstaltungen im Advent heißen Perchtenlauf, zeigen aber Krampusfiguren, und moderne Schauläufe verbinden beide Maskentypen. Brauchtumsforscher und alteingesessene Passen unterscheiden dagegen streng nach Termin und Rolle.
Wer Perchtas Prüfung fürchtete, konnte sich der Überlieferung nach vor allem durch Fleiß und Ordnung selbst schützen: geräumte Spinnrocken, aufgeräumte Stuben und Ställe vor der kritischen Nacht galten als wirksamste Vorbeugung. Daneben kannte man in den Raunächten das Räuchern der Räume mit Weihrauch, um die Luft von umherziehenden Geistern zu reinigen, sowie Bannsprüche und Gebete, die an der Schwelle gesprochen wurden. Auch das Besprechen, das rituelle Aufsagen fester Formeln durch erfahrene Personen, gehörte zu den überlieferten Abwehrmitteln gegen die unheimlichere Erscheinungsform der Percht.
Die Perchten zeigen ein Muster, das in vielen Kulturen wiederkehrt: Die furchterregende Gestalt ist zugleich die schützende. Der Lärm der Glocken, die dämonische Larve, der nächtliche Umzug richten sich nicht gegen die Menschen, sondern gegen das, was ihnen schaden könnte. Wer die Schreckgestalt auf seiner Seite hat, geht gestärkt ins neue Jahr.
Damit stehen die Perchten im Lexikon neben Gestalten wie dem Krampus, den nächtlichen Druckgeistern wie dem Alp oder den Wächterfiguren anderer Kulturen: Schrecken wird zum Schutz gewendet.
In der ostslawischen Tradition erfüllt die Kikimora eine verwandte Rolle als Hausgeist, der Nachlässigkeit beim Spinnen und bei der Haushaltsführung straft, wenn auch mit deutlich unheimlicherer Grundfärbung als die alpine Percht. Eine ältere, kirchlich überlieferte Parallele findet sich im Canon Episcopi des 10. Jahrhunderts, der von Frauen berichtet, die glaubten, nachts mit der römischen Göttin Diana zu reiten; diese Vorstellung eines nächtlichen Frauenzugs wird in der Forschung häufig mit den späteren Sagen um Perchta und Holda in Verbindung gebracht. Innerhalb des Alpenraums gilt die Salige Frau als weitere verwandte Schutz- und Naturgestalt.
Ist Frau Perchta dasselbe wie Frau Holle?
Beide Gestalten teilen wesentliche Funktionen wie die Aufsicht über Spinnarbeit und die Bindung an die Raunächte. Jacob Grimm beschrieb Perchta als südliche Verwandte der Holle, ob eine gemeinsame Urgestalt oder zwei eigenständige regionale Traditionen zugrunde liegen, ist in der Forschung nicht abschließend geklärt.
Warum hat Perchta zwei so unterschiedliche Erscheinungsformen?
Die schöne und die hagere Gestalt stehen für die zwei Seiten ihrer Funktion: Belohnung von Fleiß und Mahnung bei Nachlässigkeit. Diese Doppelung lebt im Perchtenlauf bis heute in den schönen und den schiechen Masken fort.
Wann genau tritt Perchta auf?
Der Schwerpunkt liegt auf den zwölf Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönig, mit besonderer Betonung der Nacht vor dem 6. Januar, dem alten Berchtentag. In dieser Zeit sollten der Sage nach Spinnarbeiten ruhen und Haus und Hof in Ordnung gebracht sein.
Was bedeuten die Perchten?
Perchten sind Maskengestalten der Rauhnächte im Alpenraum. Sie verkörpern den Doppelcharakter des Jahreswechsels: Schiachperchten vertreiben mit Lärm und Schrecken das Unheil des alten Jahres, Schönperchten bringen Glück und Segen für das neue. Der Name geht auf die Giperchtennacht zurück, die glänzende Nacht vor dem Dreikönigstag.
Was ist der Unterschied von Perchten und Krampus?
Der Krampus ist der strafende Begleiter des Nikolaus und läuft am 5. und 6. Dezember. Die Perchten treten eigenständig auf und gehören in die Rauhnächte um den 6. Januar. Heute vermischen sich beide Bräuche in kommerziellen Läufen, traditionell sind Termin und Rolle klar getrennt.
Woher kommt der Brauch Perchten?
Der Brauch stammt aus dem Alpenraum, vor allem aus Österreich, Altbayern und Südtirol. Die Gestalt der Percht ist seit dem Spätmittelalter belegt, der Name schon im 11. Jahrhundert. Ob dahinter vorchristliche Umzugsbräuche stehen, ist in der Forschung umstritten. Der Pongauer Perchtenlauf ist seit der Zeit vor 1850 nachweisbar.
Wie nennt man Perchten noch?
Nach ihrem Auftreten unterscheidet man Schönperchten und Schiachperchten. Regionale Namen der Gestalt sind unter anderem Bechtra, Bärigl, Rauweib und Pudelfrau. Verwandte Sonderformen sind die Glöckler im Salzkammergut, die Tresterer im Pinzgau und die Schnabelperchten in Rauris.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Bekannt auch als Percht Sagengestalt Alpen, bleibt sie eng an die Perchta Raunächte gebunden, jene zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, in denen Fleiß belohnt und Nachlässigkeit gerügt wird.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Empfohlene Schutzmittel
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