Amun ist Gott der ägyptischen Tradition.
Der Verborgene: die unsichtbare, bewegende Luft als Gott. Im Titel erscheint Amun als verborgener Wind Ägyptens.
Amun, der Verborgene, ist in seinem ursprünglichen Wind- und Luftaspekt die Personifikation der unsichtbaren Luft: spürbar, aber nicht fassbar. Dieser Aspekt geht seiner späteren Rolle als Reichs- und Sonnengott Amun-Re voraus; der Name selbst bezeichnet das Wesen des Windes.
Diese Seite betrachtet bei Amun Windaspekt und Luftnatur, nicht den Reichsgott von Karnak. In der Achtheit von Hermopolis bildet Amun mit seiner Paargöttin Amaunet das Prinzip Luft und Verborgenheit; die Hymnen des Papyrus Leiden I 350 halten diesen Ursprung auch nach der Verschmelzung zu Amun-Re ausdrücklich fest.
Typ: Personifikation der unsichtbaren, bewegenden Luft; Windaspekt des höchsten Gottes
Herkunft: Altes Ägypten, Achtheit von Hermopolis
Texte: Hymnen des Neuen Reiches, besonders Papyrus Leiden I 350
Zeitraum: Altes Reich bis Spätzeit
Erscheinung: Mann mit Doppelfederkrone; der Luftaspekt selbst bleibt unabgebildet
Belegt vom Alten Reich bis in die Spätzeit; für den Luftaspekt sind die Hymnen des Neuen Reiches zentral, allen voran der Papyrus Leiden I 350.
Ägypten, mit den Schwerpunkten Hermopolis, dem Ort der Achtheit, und Theben, dem Zentrum des späteren Staatskults.
Für Amun insgesamt sehr gut; der Windaspekt als Ursprung ist dagegen teils These, prominent vertreten von Henri Frankfort.
Ägyptisch: jmn, der Verborgene oder Verhüllte. Der Name benennt die unsichtbare Luft; das Verborgene ist bei Amun kein Beiwerk, sondern Programm. In der Achtheit von Hermopolis steht er mit seiner Paargöttin Amaunet für das Urgottpaar Luft und Verborgenheit.
Erscheinung
Amun ist anthropomorph dargestellt, als Mann mit Doppelfederkrone, oft in blauer Farbe oder als Amun-Min. Der reine Luftaspekt ist bildlich kaum eigenständig gefasst: Das Unsichtbare wird bewusst nicht abgebildet.
Wirkung
Als Luftaspekt ist Amun die bewegende, belebende Luft und der Atem. Im Kontext der Achtheit von Hermopolis wirkt er als schöpferisches Urprinzip, das der geordneten Welt vorausliegt.
Die wichtigsten Aspekte des verborgenen Windgottes auf einen Blick.
Urgott der Achtheit von Hermopolis, Paargott der Amaunet; später zum Reichsgott Amun-Re aufgestiegen, der diesen Ursprung überlagert.
Die unsichtbare, bewegende Luft und den Atem; im Rahmen der Achtheit das Prinzip von Luft und Verborgenheit unter den Urgottpaaren.
Mann mit Doppelfederkrone, oft in blauer Farbe oder als Amun-Min; der Luftaspekt selbst wird bewusst nicht gezeigt.
Belebender Atem und schöpferisches Urprinzip; der Name jmn, der Verborgene, beschreibt das Wesen des Windes selbst.
Riesiger Staatskult in Karnak und Luxor, doch für Amun-Re als Reichsgott; ein eigener Windkult um den reinen Luftaspekt ist nicht als solcher belegt.
Der Luftgott Schu, der Himmel und Erde trennt; rein motivisch, ohne genetischen Zusammenhang, biblische Bilder vom Wind, der weht, wo er will.
Ägyptisch jmn, der Verborgene oder Verhüllte, benennt die unsichtbare Luft. In der Achtheit von Hermopolis bildet Amun mit seiner Paargöttin Amaunet das Prinzip Luft und Verborgenheit, eines der vier Urgottpaare des Chaos. Der Gott, der später ganz Ägypten beherrschen sollte, beginnt damit als das Unfassbarste, was eine Kosmologie kennt: als Luft.
Die Verschmelzung zu Amun-Re im Neuen Reich überlagert diesen Ursprung, löscht ihn aber nicht aus. Die Hymnen des Papyrus Leiden I 350 halten den Verborgenheits- und Luftaspekt ausdrücklich fest; wer sie liest, findet unter dem Reichsgott den Wind wieder.
Der Wind-Ursprung Amuns ist eine gängige, aber gelehrt umstrittene These, vor allem von Henri Frankfort vertreten. Manche Ägyptologen sehen den Luftaspekt eher als sekundäre theologische Deutung des Namens denn als historischen Ausgangspunkt.
Religionswissenschaftlich zeigt Amun im Windaspekt, wie ein Elementbegriff zur höchsten Gottheit werden kann. Wichtige Klarstellungen: Amun ist nicht ursprünglich Sonnengott, das ist die spätere Fusion Amun-Re; und der Wind als eigentlicher Ursprung ist eine plausible These, keine gesicherte Tatsache.
Amun trägt einen riesigen Staatskult in Karnak und Luxor, doch bezieht sich dieser auf Amun-Re als Reichsgott. Ein eigenständiger Windkult um den reinen Luftaspekt ist nicht als solcher belegt; das ist ehrlich als Unsicherheit festzuhalten. Wer dem Luftaspekt nahekommen will, findet ihn nicht im Tempelbetrieb, sondern in den Hymnen, die den Verborgenen besingen.
Als Luftprinzip steht Amun dem ägyptischen Luftgott Schu nahe, der Himmel und Erde trennt; im engeren Sinn des Windes ist der Nordwindgott Qebui der nächste Nachbar im Pantheon. Die Verbindung von Wind und Unfassbarkeit erinnert, rein motivisch und ohne genetischen Zusammenhang, an biblische Bilder vom Wind, der weht, wo er will.
Was bedeutet der Name Amun?
Der Verborgene oder Verhüllte; der Name selbst beschreibt das unsichtbare Wesen des Windes.
War Amun ein Sonnengott?
Nicht ursprünglich. Das ist die spätere Fusion Amun-Re; im Ursprung ist er ein Luft- und Verborgenheitsprinzip.
Ist der Wind-Ursprung gesichert?
Nein. Er ist eine plausible, aber umstrittene gelehrte These, vor allem von Henri Frankfort.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als ägyptischer Luftgott der ersten Stunde bleibt Amun der verborgene Wind seines Namens: ein Gott, den man nicht sieht, sondern spürt, und der gerade darin zur höchsten Macht des Pantheons werden konnte.
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