Schu, der den Himmel trägt
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Schu ist ein Gott der ägyptischen Tradition.
Der Luftgott, der Nut über Geb emporhebt. Laut Titel ist Schu der Luftgott des alten Ägypten.
Schu ist der ägyptische Gott der Luft, des Windes und des Atems. Als Sohn des Atum trennt er den Himmel, Nut, von der Erde, Geb, und schafft so den Luftraum, in dem Leben möglich ist.
Er gehört zur Neunheit von Heliopolis und zählt zu den bekanntesten Kosmogonie-Göttern Ägyptens; schon die Pyramidentexte kennen ihn als Spender des Atems.
Typ: Kosmosgott der Luft, des Windes und des Atems
Herkunft: Neunheit von Heliopolis, Sohn des Atum
Texte: Pyramidentexte, Sargtexte
Zeitraum: Pyramidentexte bis Spätzeit
Erscheinung: Mann mit Straußenfeder, der Nut über Geb emporhebt
Herkunftsraum und Quellen
Zeitraum der Texte
Von den Pyramidentexten bis in die Spätzeit durchgehend belegt; schon die ältesten Textcorpora nennen Schu als Atemspender.
Verbreitungsraum
Ägypten, mit den Schwerpunkten Heliopolis, dem Ort der Neunheit, und Leontopolis, wo Schu mit Tefnut als Löwenpaar verehrt wurde.
Belegdichte
Gut: Pyramidentexte und Sargtexte als Hauptquellen, dazu die Standardlexika der Ägyptologie.
Name und Varianten
Ägyptisch: Šw, oft mit Leere, Trockenheit oder dem Aufragenden verbunden; die genaue Wurzel ist diskutiert. Die Straußenfeder auf seinem Kopf ist ein Wortspiel zum Namen, nicht das Maat-Symbol, auch wenn beide als Straußenfeder erscheinen.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Schu ist anthropomorph, ein Mann mit einer Straußenfeder auf dem Kopf. Häufig ist er kniend mit erhobenen Armen dargestellt, wie er Nut über Geb emporhebt; dies ist das kanonische Bild der Trennung von Himmel und Erde.
Wirkung
Schu hält den Himmel von der Erde getrennt und schafft so den Luftraum, in dem Leben möglich ist; er ist Spender von Atem und Lebensluft. Zeitweise ist er auch mit Licht verknüpft und trägt, in Löwengestalt als Doppellöwe Ruti mit Tefnut, solare Aspekte.
Steckbrief: Schu
Die wichtigsten Aspekte des Luftgottes auf einen Blick.
Mitglied der Neunheit von Heliopolis: Sohn des Atum, Bruder und Gemahl der Tefnut, Vater von Geb und Nut.
Luftraum, Wind und Atem: Schu hält Himmel und Erde getrennt und spendet die Lebensluft, in den funerären Sprüchen auch dem Verstorbenen.
Mann mit Straußenfeder, kanonisch kniend mit erhobenen Armen unter der Himmelsgöttin; mit Tefnut auch als Doppellöwe Ruti.
Kosmisch die dauerhafte Trennung von Himmel und Erde, alltagsnah der Atem und die Lebensluft, zeitweise auch das Licht.
In Leontopolis mit Tefnut als Löwenpaar verehrt und in funerären Sprüchen angerufen; eigene apotropäische Amulette sind nicht in großer Zahl belegt.
Kein Windrichtungs-Gott wie Qebui und die Vierwinde, sondern der Luftraum als Prinzip; dem Windaspekt des Amun nahestehend.
Sohn des Atum, Vater von Himmel und Erde
Schu gehört zur Neunheit von Heliopolis. Er ist Sohn des Atum und bildet mit seiner Schwester-Gemahlin Tefnut, der Feuchtigkeit, das erste Geschwisterpaar der Schöpfung; ihre Kinder sind Geb, die Erde, und Nut, der Himmel. Damit steht der Luftgott genau in der Mitte der Genealogie: zwischen dem Urgott und der bewohnbaren Welt.
Schon in den Pyramidentexten ist Schu als Atemspender belegt. Sein Name Šw wird oft mit Leere, Trockenheit oder dem Aufragenden verbunden, die genaue Wurzel bleibt diskutiert; sicher ist das Wortspiel mit der Straußenfeder, die er als Kopfschmuck trägt.
Ein ikonisches Bild und seine Deutung
Schu ist einer der bekanntesten ägyptischen Kosmogonie-Götter; das Bild des Luftgottes, der Nut über Geb emporhebt, ist ikonisch und breit rezipiert.
Religionswissenschaftlich ist Schu der Luftraum und Atem als Prinzip, nicht ein Windrichtungs-Gott wie die vier Winde. Wichtige Klarstellung: Seine Straußenfeder ist ein Namens-Wortspiel und nicht das Maat-Symbol, auch wenn beide als Straußenfeder erscheinen.
Löwenkult von Leontopolis und funeräre Anrufung
Schu wurde unter anderem in Leontopolis mit Tefnut als Löwenpaar verehrt und in funerären Sprüchen als Atem- und Lebensgeber angerufen. Eigene apotropäische Amulette speziell für Schu sind dagegen nicht in großer Zahl belegt; seine Rolle war weniger die des Beschützers vor Gefahr als die des Garanten, dass zwischen Himmel und Erde überhaupt Raum zum Atmen bleibt.
Zwischenraumgötter und Luftprinzipien
Als Trenner von Himmel und Erde ist Schu strukturell mit anderen Luft- und Zwischenraumgottheiten vergleichbar. Innerägyptisch bildet er mit Tefnut, der Feuchtigkeit, ein komplementäres Paar; dem Windaspekt des Amun steht er als Luftprinzip nahe, während die Windrichtungsgötter um Qebui ein eigenes System bilden.
Häufige Fragen zu Schu
Was ist Schus wichtigste Rolle?
Er trennt Himmel und Erde und schafft den Luftraum, in dem Leben möglich ist; er ist Spender von Atem.
Was bedeutet seine Feder?
Sie ist ein Wortspiel zu seinem Namen, nicht das Maat-Symbol, auch wenn beide Straußenfedern sind.
Ist Schu ein Windrichtungs-Gott?
Nein. Er ist der Luftraum und Atem als Prinzip, anders als die vier Windrichtungsgötter.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Ägypten – alle Wesen des ägyptischen Kulturraums
- Amun (Windaspekt) – der verborgene Windaspekt des höchsten Gottes
- Qebui – der Nordwind aus dem Vierwinde-System
- Schutzkerze, Räuchern, Amulett – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als ägyptischer Luftgott und Trenner von Himmel und Erde steht Schu für einen Gedanken von großer Schlichtheit: Zwischen Himmel und Erde muss Luft sein, damit Leben atmen kann.





