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Apophis, Dämon der ägyptischen Tradition

Apophis ist Dämon der ägyptischen Tradition.

Urschlange und Verkörperung des Chaos, der tägliche Feind des Sonnenlaufs.

Inhaltsverzeichnis

Apophis - Dämonen aus der Ägypten-Tradition, historisch-illustrativ

Apophis

Apophis, ägyptisch ꜥꜣpp, griechisch Apophis, ist die gewaltigste Bedrohung des altägyptischen Weltbildes. Als Urschlange steht er gegen die Maat, die kosmische Ordnung. Jede Nacht bedroht er die Sonnenfahrt des Ra durch die Unterwelt; jeden Morgen wird er besiegt, aber nie endgültig vernichtet.

Das macht ihn zu einer ungewöhnlichen Figur: Er ist weniger Einzelgestalt als kosmisches Gegenprinzip. Sein Kult ist reine Abwehrkultur, in Texten und Riten wird er genannt, um vernichtet zu werden. Der berühmteste dieser Riten, der Apophis-Zerstückelungsritus, ist in spätzeitlichen Papyri ausführlich überliefert.

Kurzprofil: Apophis

Typ: Urschlange, Chaoswesen
Herkunft: Vor der Schöpfung; das Nicht-Geordnete selbst
Texte: Apophisbuch (Apophis-Papyrus), Jenseitsbücher, Totenbuch
Zeitraum: Altes Reich bis Spätzeit
Verbreitung: Gesamtägyptischer Kulturraum
Abwehr: Apophis-Zerstückelungsritus, Beschwörungen, Wachsfiguren

Kontext

Zeitraum der Texte

Erste Belege stammen aus den Pyramidentexten des Alten Reiches; voll entfaltet ist die Apophis-Theologie in den Jenseitsbüchern des Neuen Reiches (Amduat, Pfortenbuch). Die ausführlichste rituelle Überlieferung findet sich im sogenannten Apophisbuch aus spätzeitlich-ptolemäischen Papyri.

Verbreitungsraum

Die Vorstellung einer Chaosschlange ist im gesamten ägyptischen Kulturraum verankert und nicht regional begrenzt. In Abwehrriten wurde Apophis stellvertretend für jede Form von Unordnung verflucht, kosmisch, politisch, persönlich.

Quellenlage

Zentrale Quellen sind das Apophisbuch (mehrere Papyri der 22. 30. Dynastie), die Jenseitsbücher mit ihren Schlangenwesen und die Ritualtexte zur Sonnenabwehr. Hinzu kommen ikonografische Zeugnisse in Gräbern und Tempeln, auf denen Apophis meist im Moment seiner Vernichtung dargestellt ist.

Name

Ägyptisch: ꜥꜣpp, gesprochen etwa „apep“; Determinativ häufig die Schlange.
Griechisch: Ἄποφις → Apophis.
Weitere Formen: ꜥpp, gelegentlich als weibliche Variante ꜥpp.t.

Anders als Ammit oder Taweret wird Apophis nie als Gottheit verehrt. Sein Name wird ausdrücklich „zerschlagen“, also rituell durchgestrichen oder überschrieben, um die Vernichtung zu verstärken. Die Ägypter verstanden Sprache und Schrift als aktiv wirkend: Den Namen des Chaos auszusprechen bedeutete, ihn zu verfluchen.

Wesenszüge

Erscheinung

Apophis ist eine riesige Schlange, oft als unermesslich lang beschrieben, mit zahlreichen Windungen. Er hat keinen festen Wohnort, sondern lauert an den Grenzen der geordneten Welt, besonders in der zwölften Stunde der Nacht. In der Bildkunst wird er fast ausschließlich im Moment seiner Niederlage gezeigt: durchbohrt von Speeren, zerstückelt, verbrannt.

Verhalten

Seine Aktion ist immer dieselbe: Er greift die Sonnenbarke an und versucht, die Sonnenfahrt zu stoppen. Er verschluckt, droht zu verschlingen, stört den Lauf des Wassers der Unterwelt. Jede Nacht aufs Neue. Verhandlung ist ausgeschlossen; die einzige Antwort ist die Vernichtung durch Götter und Menschen gemeinsam.

Wirkungsbereich

Im mythischen Sinn: der Übergang zwischen den Welten, die Unterwelt, besonders die zwölfte Nachtstunde. Im rituellen Sinn: überall dort, wo Unordnung droht, Tempel, Königsweihe, Krankheit, Landesgrenzen.

Mythologische Herkunft

Apophis existiert vor der Schöpfung. Er ist nicht geworden, sondern Teil des Ungeschaffenen, das die Schöpfung begleitet. Diese Vorzeitigkeit ist entscheidend: Der Gott Ra kann ihn nicht endgültig vernichten, weil er ontologisch älter ist als die Ordnung selbst.

Steckbrief: Apophis

Die wichtigsten Aspekte von Apophis auf einen Blick. Die Ausführung zu Name, Beschreibung, Abwehr und Parallelen finden Sie in den Kapiteln 2, 3, 5 und 6.

Apophis' Herkunft

Vor der Schöpfung existierende Urschlange, nicht göttlicher Abstammung. Verkörperung des kosmischen Gegenprinzips: des Nicht-Geordneten.

Apophis' Zielgruppe

Die Sonnenbarke des Ra, die kosmische Ordnung als Ganzes, jeder Übergang zwischen Nacht und Tag. Ritualisch: Tempel, Königtum, Gemeinwesen.

Apophis' Erscheinung

Riesenschlange mit unzähligen Windungen. Im Bild fast immer im Moment der Niederlage: zerstückelt, durchbohrt, verbrannt.

Apophis' Wirkung

Angriff auf die Sonnenfahrt, Störung der Nacht, Bedrohung der kosmischen Ordnung. Niederlage ist möglich, Vernichtung nicht.

Apophis' Abwehr

Apophis-Zerstückelungsritus: Wachsfigur formen, zerschneiden, anspucken, verbrennen, Reste vergraben. Namen werden durchgestrichen, Schrift als Waffe.

Apophis' Parallelen

Tiāmat (Mesopotamien), Leviathan (jüdisch), Vrtra (vedisch), der Drache in christlicher Ikonografie (Offenbarung 12); Midgardschlange (germanisch).

Praktische Abwehr

Rituale zur Abwehr

Der Apophis-Zerstückelungsritus ist das prominenteste Beispiel. Eine Wachsfigur der Schlange wird geformt, beschriftet mit Apophis‘ Namen und verflucht. Dann wird sie zerschnitten, angespuckt, verbrannt und die Reste vergraben oder in den Fluss geworfen. Der Ritus wurde im Tempelkult regelmäßig wiederholt.

Beschwörungen

Die Sprüche des Apophisbuchs rufen Ra und seine Begleiter an, benennen die Feinde der Sonne und verfluchen sie. Die Formeln sind hochverdichtet und zitieren die mythische Niederlage als aktuelles Ereignis, das Ritual macht die Vernichtung immer wieder gegenwärtig.

Amulette und Schutzsymbole

Spezifische Apophis-Abwehr-Amulette sind selten, weil der Dämon nicht am Menschen, sondern an der kosmischen Ordnung angreift. Indirekte Schutzwirkung liefern Ra- und Udjat-Amulette, die die siegreiche Sonne präsent halten.

Apophis, Parallelen in anderen Kulturen

Vorderer Orient: Tiāmat aus dem babylonischen Enūma Eliš ist die nächste strukturelle Parallele: eine Urmacht, die vor der Ordnung liegt und im Schöpfungsakt besiegt werden muss. Leviathan in der Hebräischen Bibel greift das Motiv auf und wandert weiter in jüdische und christliche Apokalyptik.

Indoeuropäischer Raum: Vrtra im Rigveda, der Drache Python bei Apollon, die Midgardschlange in der germanischen Mythologie, alle verkörpern eine Urkraft, die die geordnete Welt bedroht und durch einen göttlichen Helden niedergerungen wird.

Christliche Rezeption: Der Drache der Offenbarung greift das Motiv des kosmischen Chaosfeindes direkt auf und verbindet es mit eschatologischer Auflösung. Auch spätere Darstellungen des Drachen in Heiligenlegenden und Kunst folgen strukturell dem Apophis-Schema.

Der nächtliche Kampf: Apophis und die Sonnenbarke

Die zentrale mythische Funktion des Apophis liegt in seiner allnächtlichen Bedrohung der Sonnenfahrt. Nach ägyptischer Vorstellung durchquert der Sonnengott Re während der zwölf Nachtstunden die Unterwelt in seiner Barke, um am Morgen im Osten wieder aufzugehen.

Auf dieser Fahrt lauert ihm Apophis, die riesige Schlange des Chaos, auf und versucht, die Barke aufzuhalten oder zu verschlingen.

Ausführlich geschildert wird dieser Kampf in den Unterweltsbüchern des Neuen Reiches, besonders im Amduat und im Pfortenbuch, die an den Wänden der Königsgräber im Tal der Könige angebracht sind. Apophis erscheint dort meist in der siebten Nachtstunde als gewaltige Schlange.

Re selbst greift nicht unmittelbar ein; ihn verteidigen Gefährten in der Barke. Eine besondere Rolle kommt dem Gott Seth zu, der mit seiner Kraft gegen die Schlange vorgeht und sie durchbohrt. Auch andere Gottheiten, etwa in Katzengestalt, treten als Bezwinger auf.

Wichtig ist, dass Apophis nie endgültig vernichtet wird. Er wird Nacht für Nacht zerstückelt, verbrannt und zurückgeschlagen, kehrt aber jede Nacht wieder.

Die Forschung deutet dies als Ausdruck eines Grundgedankens der ägyptischen Religion: Die Weltordnung, die maat, ist kein ein für alle Mal erreichter Zustand, sondern muss in einem ständigen Kreislauf immer wieder neu errungen werden.

Apophis ist damit weniger ein zu besiegender Feind als das bleibende Gegenprinzip, an dem sich die Ordnung jeden Tag neu bewähren muss.

Das Buch vom Niederwerfen des Apophis

Eine besonders aufschlussreiche Quelle ist eine Sammlung ritueller Texte, die in der ägyptologischen Forschung meist als Buch vom Niederwerfen des Apophis bezeichnet wird.

Sie ist vor allem aus Papyri der Spätzeit überliefert, darunter dem Papyrus Bremner-Rhind, geht aber auf ältere Vorlagen zurück. Der Text enthält Anweisungen für ein Ritual, das im Tempel, vor allem in Theben, regelmäßig vollzogen wurde, um Apophis abzuwehren.

Das Ritual war ein Akt der Schadenmagie gegen das Chaos. Die Priester fertigten Abbilder des Apophis an, etwa aus Wachs, aus Papyrus mit aufgemaltem oder geschriebenem Namen, oder zeichneten die Schlange auf ein Blatt.

Diese Bilder wurden bespuckt, mit dem linken Fuß zertreten, mit Messern zerstückelt und schließlich im Feuer verbrannt. Begleitet wurde der Vorgang von Sprüchen, die Apophis verfluchten und seine Vernichtung aussprachen.

Die Logik dahinter ist die der ägyptischen Bild- und Namensmagie: Was am Abbild und am Namen geschah, sollte am Bezeichneten Wirklichkeit werden. Indem die Priester Apophis täglich rituell vernichteten, leisteten sie ihren Beitrag zur Aufrechterhaltung der kosmischen Ordnung und unterstützten zugleich symbolisch den Sonnengott auf seiner nächtlichen Fahrt.

Religionswissenschaftlich ist der Text ein wichtiges Zeugnis dafür, wie eng in Ägypten Mythos und Ritual verbunden waren: Der nächtliche Kampf in der Unterwelt fand seine Entsprechung im konkreten, wiederholbaren Tempelritual des Diesseits.

Der Name als Waffe: Tabu und Auslöschung

Im Umgang mit Apophis zeigt sich besonders deutlich die ägyptische Vorstellung von der Macht des Namens. Ein Name galt als Teil des Wesens, das er bezeichnete; ihn auszusprechen oder zu schreiben konnte das Bezeichnete gegenwärtig machen. Im Fall des Apophis machte man sich diese Vorstellung in zweifacher, gegenläufiger Weise zunutze.

Einerseits wurde der Name geschrieben, um ihn anschließend rituell zu zerstören. In den Abwehrtexten ist der Name Apophis oft mit Zusätzen versehen, die ihn entwerten sollen, etwa mit der Beifügung von Zeichen, die Schwäche oder Tod ausdrücken.

Andererseits findet sich in Handschriften die Praxis, den Namen oder das Schlangenzeichen, mit dem er geschrieben wurde, bewusst zu beschädigen, zu durchstreichen oder mit einem Messer durchschnitten darzustellen, damit das geschriebene Zeichen selbst keine Schadwirkung entfalten konnte.

Damit verbunden ist die Beobachtung, dass Apophis im Gegensatz zu den meisten anderen Gestalten der ägyptischen Religion keinen Kult und keinen Tempel besaß. Er war kein Empfänger von Opfern, sondern ausschließlich Gegenstand von Abwehr und Vernichtung. Sein Ziel war nicht Versöhnung, sondern Auslöschung.

Die Forschung sieht in dieser konsequenten Negativität einen Sonderfall. Während andere gefährliche Mächte der ägyptischen Religion, etwa Seth oder Sekhmet, ambivalent waren und auch nützliche Seiten besaßen, blieb Apophis das reine Gegenbild der Ordnung.

Er verkörperte das, was vor der Schöpfung war und nach ihr droht: das ungegliederte, lebensfeindliche Chaos. Wer mehr zur ägyptischen Ordnungsvorstellung sucht, findet weiterführende Hinweise im Eintrag zu Maat.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links für diese Seite:

  • Ägypten (übergeordnete Kulturseite)
  • Ammit (Gegenpol im Totengericht)
  • Mesopotamien (Parallele: Tiāmat)
  • Leviathan und der Drache (jüdisch-christliche Rezeption)
  • Chaos und Maat (mythologischer Kontext)
  • Jenseitsbücher des Neuen Reiches

Quellen und Literatur

Eine kompakte Auswahl zentraler Arbeiten zu Apophis und zum ägyptischen Chaos-Ordnung-Verhältnis:

  • Borghouts, J. F.: The Magical Texts of Papyrus Leiden I 348. Leiden 1971.
  • Morenz, Siegfried: Ägyptische Religion. Stuttgart 1960 (Klassiker, mehrfach neu aufgelegt).
  • Hornung, Erik: Die Unterweltsbücher der Ägypter. Zürich 1972 ff.
  • Borghouts, J. F.: „The Evil Eye of Apopis.“ In: Journal of Egyptian Archaeology 59 (1973), S. 114, 150.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Die hier beschriebene Schutzpraxis ist religionswissenschaftliche Einordnung historischer Traditionen. iWell Guard knüpft an diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte an und stellt eine zeitgenössische Form davon dar. Mehr über den iWell Guard →

Häufige Fragen zu Apophis

Wer war Apophis in der ägyptischen Mythologie?

Apophis (ägyptisch Apep) war im altägyptischen Glauben die Verkörperung des Chaos, eine gewaltige Schlange, die täglich versuchte, den Sonnengott Re auf seiner Nachtreise durch die Unterwelt zu verschlingen. Jede Sonnenaufgang war ein Sieg der Ordnung (Maat) über das Chaos. Apophis-Texte (Apophis-Bücher) wurden im Karnak-Tempel rituell vorgelesen, um die Schlange magisch zu bekämpfen.

Wie wurde Apophis rituell bekämpft?

Im Apophis-Buch (Bremner-Rhind-Papyrus, ca. 4. Jh. v. Chr.) ist ein elaboriertes Anti-Apophis-Ritual überliefert: Eine Wachsfigur der Schlange wurde mit dem Namen des Apophis beschriftet, mit einem Messer durchbohrt, bespuckt, mit Füßen getreten und schließlich verbrannt. Solche destruktiven Magie-Riten waren in Ägypten ungewöhnlich, sie zeigen, wie ernst die kosmische Bedrohung durch Apophis genommen wurde.

Einordnung & Schutz

VSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe V zu – Tiefgreifende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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