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Frau Holle, Muttergöttin der Rauhnächte und des Winterwetters

Holla ist Göttin der germanischen Tradition.

Als Frau Holle bekannte Muttergöttin über Wetter und Fleiß.

GöttinGermanisch

Inhaltsverzeichnis

Holla (Frau Holle) - Götter aus der Germanisch-Tradition, historisch-illustrativ
Holla

Holla, im Volksmund meist Frau Holle oder auch Hulda genannt, gilt als alte Erd- und Muttergöttin des germanischen Sprachraums. Sie wacht über Witterung, Jahreszeiten und Fruchtbarkeit, gebietet über eine zwielichtige Anderswelt und wird zugleich als Beschützerin von Haus und Herd verehrt.

Bekannt wurde sie vor allem durch das Grimm-Märchen Frau Holle (KHM 24), das ihren strengen, gerechten Charakter bis heute prägt. Die früheste eindeutige schriftliche Spur reicht in das Jahr 1010 zurück, in den Corrector sive Medicus des Bischofs Burchard von Worms.

Auf einen Blick: Frau Holle

Typ: Erd- und Muttergöttin über Wetter, Fruchtbarkeit und Anderswelt
Herkunft: germanischer Sprachraum, früheste Spur um 1010 (Burchard von Worms)
Texte: kirchliche Bußbücher des Mittelalters, Grimms Kinder- und Hausmärchen (1812/1857), volkskundliche Sammlungen des 19. Jahrhunderts
Zeitraum: vor allem Rauhnächte und Winter, bis heute in Brauch und Flurnamen lebendig
Erscheinung: alte Frau mit wallendem Haar, mütterlich oder schreckhaft je nach Kontext

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Früheste schriftliche Spur um 1010 bei Burchard von Worms, literarisch gefestigt durch Grimms Kinder- und Hausmärchen 1812 und in der Endfassung 1857.

Verbreitungsraum

Der gesamte deutschsprachige Raum mit Schwerpunkt Hessen und Thüringen, dazu Ausläufer in alpenländische Gegenden.

Quellenlage

Kirchliche Bußbücher des Mittelalters, volkskundliche Sammlungen des 19. Jahrhunderts sowie bis heute lebendige Bräuche und Flurnamen bilden die Quellenbasis.

Name und Varianten

Althochdeutsch: Der Name wird sprachwissenschaftlich meist von hold, gnädig, gewogen, abgeleitet, woraus sich Holda als die Gütige ergibt. Daneben besteht in der Überlieferung eine volksetymologische Nähe zum Holunderstrauch, mundartlich Holler; ob diese Verbindung sprachlich ursprünglich oder nachträglich entstanden ist, gilt als nicht sicher geklärt.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Holla erscheint meist als alte Frau mit langem, oft wallendem oder verfilztem Haar, die zugleich schreckhafte und mütterliche Züge trägt. Sie herrscht über einen Brunnen oder Teich, der als Zugang zu ihrer Anderswelt gilt, und über die Wolken, aus denen sie beim Bettenschütteln Schnee rieseln lässt.

Wirkung

Als Lehrmeisterin des Spinnens und Webens wachte sie über Fleiß und Ordnung im Haus; liegen gelassene Spindeln riefen in den Sagen ihren Zorn hervor. Als Anführerin der Wilden Jagd und der Rauhnächte verkörpert sie zugleich die dunkle, todesnahe Seite des Winters.

Steckbrief: Frau Holle

Die wichtigsten Aspekte der Muttergöttin auf einen Blick.

Kulturkontext

Germanische Erd- und Muttergöttin mit früher kirchlicher Bezeugung um 1010 und bis heute lebendiger Märchentradition durch die Brüder Grimm.

Zuständig für

Wetter, Fruchtbarkeit und Spinnarbeit sowie ungeborene und früh verstorbene Kinderseelen, die sie der Sage nach in ihrem Teich birgt.

Darstellung

Alte Frau mit wallendem Haar, mütterlich oder schreckhaft je nach Kontext; als Redensart schüttelt sie beim Schneefall ihr Bett aus.

Wirkungsbereich

Belohnung von Fleiß mit Goldregen, Bestrafung von Faulheit; als Anführerin der Wilden Jagd zugleich Herrin über Schneefall und Sturm.

Umgang

Gebete und Weihrauch in den Rauhnächten, getragene Talismane und Schutzsteine sowie der respektvolle Umgang mit dem Holunderstrauch.

Verwandtes

Frigg und Freyja aus derselben Götterwelt, dazu Odin als gemeinsamer Anführer der Wilden Jagd.

Von Burchard von Worms zum Märchen der Brüder Grimm

Die früheste eindeutige schriftliche Spur der Gestalt findet sich um das Jahr 1010 im Corrector sive Medicus des Bischofs Burchard von Worms, der Frauen befragt, ob sie glaubten, es gebe eine Holda, mit der man nachts reite. Eine Handschrift des Textes nennt sie sogar strigam Holdam, die Hexe Holda, und stellt sie in den Zusammenhang des sogenannten Kanon Episcopi über den nächtlichen Ritt mit Diana. Ein Text des 13. Jahrhunderts berichtet, dass man in der Christnacht der Himmelskönigin, die das Volk Frau Holda nennt, den Tisch decke, damit sie helfe.

Kirchliche Quellen setzten Holda im Mittelalter mit Diana, Herodias, Berta und Abundia gleich und rückten sie damit in die Nähe der Hexenverfolgung. Ihre bis heute bekannteste Gestalt erhielt sie durch das Märchen Frau Holle der Brüder Grimm (KHM 24), erstmals 1812 gedruckt und 1857 in der Endfassung überarbeitet.

Frau-Holle-Land und moderne Wiederentdeckung

Durch das Grimm-Märchen KHM 24 wurde Frau Holle zu einer der bekanntesten deutschen Märchenfiguren überhaupt und prägt bis heute Kinderbücher, Theaterstücke und die Tourismuswerbung der Region Hessen, die sich als Frau-Holle-Land vermarktet. Der umgangssprachliche Ausruf Holla, die Waldfee wird landläufig mit der Sagengestalt in Verbindung gebracht, wenngleich seine genaue Herkunft sprachwissenschaftlich nicht abschließend geklärt ist.

Religionswissenschaftlich zählt Holla zu den Beispielen, an denen sich der Übergang von vorchristlichen Vegetations- und Muttergottheiten zu christlich überformten Sagengestalten nachvollziehen lässt. Die kirchlichen Quellen ab dem 11. Jahrhundert zeigen, wie der Klerus den Glauben an nächtliche Umzüge mit Holda als abergläubisch und dämonisch brandmarkte, ohne den Volksglauben tatsächlich auszulöschen. Diskutiert wird, ob Holla eine eigenständige, vorchristliche Göttin fortsetzt oder ob sie sich erst im Mittelalter aus verschiedenen lokalen Vorstellungen und der kirchlichen Hexenpolemik heraus verdichtet hat; die schmale und späte Quellenlage lässt hier keine sichere Entscheidung zu.

Gebet, Räuchern und der Holunderstrauch

Die Überlieferung kennt für den Umgang mit Holla vor allem Verhaltensregeln und fromme Praktiken. Verbreitet war das Gebet an Holla oder um ihren Schutz, ergänzt durch Weihrauch, der beim Räuchern in den Rauhnächten Haus und Hof reinigen und schützen sollte. Getragene Talismane und Schutzsteine, ferner ein gesprochener Bannspruch, sollten böse Einflüsse während ihrer nächtlichen Umzüge fernhalten, während magische Schutzzeichen an Türen und Fenstern angebracht wurden. Das Besprechen von Krankheiten und Unheil sowie der Gebrauch von Schutzkräutern gehörten ebenfalls zum überlieferten Abwehrrepertoire. Ein eigener Brauch galt dem Holunderstrauch: Wer ihn beschneiden oder fällen wollte, sollte ihn zuvor grüßen und um Erlaubnis bitten, da man in ihm die Wohnstatt Hollas oder guter Geister vermutete.

Göttinnen des Winters und der Wilden Jagd

Innerhalb der germanischen Götterwelt steht Holla in enger struktureller Nähe zu Frigg, der Gattin Odins und Göttin der Ehe und Mutterschaft, sowie zu Freyja, die für Fruchtbarkeit und Liebe zuständig ist. Auch mit Odin verbindet sie die Führung der Wilden Jagd. Die alpenländische Frau Perchta gilt vielerorts als regionale Schwestergestalt Hollas mit ähnlicher Doppelrolle als Strafende und Belohnende.

Häufige Fragen zu Frau Holle

Sind Holla und Frau Holle dieselbe Gestalt?

Ja, Frau Holle ist die durch die Brüder Grimm popularisierte Märchenform derselben Sagengestalt, die in älteren und regionalen Quellen Holla oder Hulda heißt. Die Kernzüge als Wetter- und Muttergöttin bleiben in beiden Namensformen erhalten.

Warum gilt der Holunderstrauch als heilig?

Der Holunder galt als bevorzugter Aufenthaltsort guter Geister und wurde volkstümlich mit Holla in Verbindung gebracht. Wer ihn schnitt oder fällte, sollte ihn zuvor grüßen, um sich nicht den Schutz des Hauses zu verscherzen.

Ist Holla eher eine gute oder eine gefährliche Gestalt?

Beides zugleich: Sie belohnt Fleiß und Reinlichkeit reichlich, straft Faulheit und Respektlosigkeit aber ebenso deutlich. Als Anführerin der Wilden Jagd trägt sie zusätzlich unheimliche, todesnahe Züge, die über die milde Märchenfigur hinausgehen.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Grimm, Jacob: Deutsche Mythologie. Göttingen 1835.
  • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. KHM 24, „Frau Holle“, 7. Auflage, Göttingen 1857.
  • Timm, Erika: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten. 160 Jahre nach Jacob Grimm aus germanistischer Sicht betrachtet. Stuttgart 2003.
  • Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. 3. Auflage, Stuttgart 2006.
  • Petzoldt, Leander: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. München 1990.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Holla Göttin des germanischen Sprachraums und zugleich als Frau Holle Sage der Brüder Grimm bekannt, verbindet sie strenge Gerechtigkeit mit mütterlicher Fürsorge über Wetter, Fleiß und die Anderswelt.

Einordnung & Schutz

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Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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