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Iele, die Tänzerinnen der Mondnächte

Die Iele sind Geister der rumänischen Tradition.

Wer ihren nächtlichen Reigen stört, riskiert Lähmung und Wahnsinn. Als Tänzerinnen der Mondnächte gelten die Iele als ebenso schön wie gefährlich.

GeisterRumänien

Inhaltsverzeichnis

Iele, Geist der rumänischen Überlieferung
Iele

Die Iele sind die weiblichen Naturgeister der rumänischen Mythologie: wunderschöne, gefährliche Wesen, die nachts in Wäldern, an Quellen und auf Lichtungen ihren Reigen tanzen. Wer ihren Tanz stört oder ihren Tanzplatz betritt, wird gelähmt, wahnsinnig oder krank.

Sie erscheinen in Gruppen zu drei oder sieben, meist unsichtbar, mit betörenden Stimmen. Ihre wahren Namen gelten als geheim und gefährlich, weshalb man sie durch Beinamen wie Töchter des Waldes ersetzt. Ein früher Beleg steht bei Dimitrie Cantemir 1714.

Auf einen Blick: Iele

Typ: Weibliche Naturgeister und Feen, nymphenhafte Kollektivwesen
Herkunft: Rumänische Volksmythologie mit slawischen, dakisch-thrakischen und römisch-lateinischen Schichten
Texte: Cantemir 1714, volkskundliche Sammlungen (Pamfile, Kernbach)
Zeitraum: rumänische Volksmythologie bis heute
Erscheinung: schöne, oft nackte junge Frauen mit offenem Haar und Glöckchen an den Knöcheln

Überlieferungskontext

Zeitraum der Texte

Die Iele gehören der rumänischen Volksmythologie an; der Ursprung des Glaubens ist ungeklärt. Ein früher schriftlicher Beleg findet sich bei Dimitrie Cantemir 1714.

Verbreitungsraum

Ganz Rumänien mit regionalen Varianten. Ihre Tanzplätze liegen in Wäldern, an Quellen und auf Lichtungen, fern der bewohnten Welt.

Quellenlage

Gut belegt: Cantemirs Descriptio Moldaviae von 1714 sowie die rumänischen Standard-Sammlungen von Pamfile und Kernbach.

Name und Varianten

Rumänisch: iele, lautlich der weiblichen Pluralform des rumänischen Wortes für sie nahe. Die wahren Namen der Wesen gelten als geheim und gefährlich; man ersetzt sie durch Beinamen wie Töchter des Waldes. Ihr Beiname Rusalii ist der slawischen Rusalka verwandt.

Erscheinung und Verhalten

Erscheinung

Die Iele sind junge, wunderschöne, sinnliche Unsterbliche, die in Gruppen zu drei oder sieben erscheinen, meist unsichtbar und geisterhaft, mit offenem Haar, Glöckchen an den Knöcheln und betörenden Stimmen wie die griechischen Sirenen. Der Ort ihres Tanzes bleibt verbrannt zurück: verkohlter Boden, das nachwachsende Gras wird rot oder dunkelgrün, Tiere meiden die Stelle und Pilze gedeihen darauf, der Ursprung des Motivs vom Feenring.

Wirkung

Die Iele gelten nicht grundsätzlich als böse, sondern rächen sich nur bei Provokation, etwa wenn man sie beim Tanz beobachtet, ihren Tanzplatz betritt, unter ihrem Baum schläft oder ihre Einladung zum Tanz ablehnt. Die Strafen reichen von Lähmung und Verkrüppelung über Wahnsinn und Stummheit bis zu tödlichem Schwindel.

Steckbrief: Iele

Die wichtigsten Aspekte der tanzenden Naturgeister auf einen Blick.

Tradition

Weibliche Naturgeister der rumänischen Volksmythologie, in denen sich slawische, dakisch-thrakische und römisch-lateinische Schichten verbinden.

Bezogen auf

Vor allem junge Männer und alle, die ihre Regeln verletzen: den Tanz beobachten, den Tanzplatz betreten oder an den Rusalii-Feiertagen arbeiten.

Darstellung

Schöne, oft nackte junge Frauen, meist geisterhaft und unsichtbar, mit offenem Haar, Glöckchen an den Knöcheln und betörenden Stimmen.

Wirkungsbereich

Der nächtliche Reigen im Mondlicht; als Strafe Lähmung, Verkrüppelung, Wahnsinn, Stummheit oder tödlicher Schwindel.

Abwehrformen

Knoblauch und Beifuß am Körper, das Meiden der Tanzplätze und Feiertage, ein Pferdeschädel vor dem Haus und der Heiltanz der Calusari.

Verwandtes

Die slawische Wila und die Rusalka als nächste Verwandte, die griechischen Nymphen und Sirenen sowie die Erinnyen als Rachegeister.

Geheime Namen und drei Schichten der Folklore

Die Iele sind weibliche Naturgeister und Feen, verwandt mit Nymphen, Najaden und Dryaden. Der Ursprung des Glaubens ist ungeklärt; das Wort iele ist lautlich der weiblichen Pluralform des rumänischen Wortes für sie nahe. Ihre wahren Namen gelten als geheim und gefährlich, weshalb man sie durch Beinamen wie Töchter des Waldes ersetzt.

In den Iele verbinden sich slawische, dakisch-thrakische und römisch-lateinische Schichten der rumänischen Folklore; ihr Beiname Rusalii ist der slawischen Rusalka verwandt. Ein früher Beleg steht bei Dimitrie Cantemir 1714, der die Glaubenswelt der Moldau beschrieb.

Nachleben und Einordnung

Die Iele sind ein fester Bestandteil der rumänischen Folklore und Literatur, aufgenommen unter anderem bei Mihai Eminescu. International wurde das Calusari-Ritual unter anderem in der Fernsehserie The X-Files aufgegriffen.

Religionswissenschaftlich sind die Iele weibliche Naturnymphen und Feengeister, nymphenhafte Kollektivwesen und zugleich ambivalente Straf- und Rachegeister. Wichtig ist die Klarstellung: Sie sind nicht grundsätzlich böse, sondern strafen nur, wenn man ihre Regeln, Tanzplätze oder Feiertage verletzt.

Knoblauch, Beifuß und der Tanz der Calusari

Quellenfest sind das Meiden bestimmter Feiertage wie der Rusalii, an denen die Arbeit ihre Rache riskiert, das Tragen von Schutzkräutern wie Knoblauch und Beifuß am Körper, ein Pferdeschädel auf einem Pfahl vor dem Haus und das Nichtbetreten der verbrannten Tanzplätze. Die wichtigste Heilung von Iele-Besessenen ist der rituelle Tanz der Calusari, einer Männertanz-Bruderschaft, die den Geschädigten durch ihr Ritual wieder herstellt.

Wila, Rusalka und die Nymphen: Parallelen

Die Iele entsprechen der slawischen Wila und der Rusalka, ihren nächsten Verwandten, sowie den griechischen Nymphen, deren Stimmen den Sirenen gleichen, und als Rachegeister den Erinnyen. Innerhalb Rumäniens sind sie mit den Sanziene und den Rusalii verwandt; die dunkle Gegenspielerin des rumänischen Waldes ist die Waldmutter Muma Pădurii.

Häufige Fragen zu den Iele

Sind die Iele böse?

Nicht grundsätzlich; sie strafen nur, wenn man ihre Regeln, Tanzplätze oder Feiertage verletzt. Ohne Provokation bleiben sie in ihrem nächtlichen Reigen unter sich.

Wie schützt man sich?

Durch Knoblauch und Beifuß am Körper, das Meiden der Tanzplätze und der Rusalii-Feiertage und den Heiltanz der Calusari.

Woran erkennt man ihren Tanzplatz?

An verbrannten, kreisförmigen Stellen im Gras, auf denen nichts Normales mehr wächst: Das Gras wird rot oder dunkelgrün, Tiere meiden die Stelle und Pilze gedeihen darauf.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Cantemir, Dimitrie: Descriptio Moldaviae. 1714.
  • Kernbach, Victor: Dicţionar de mitologie generală. Bukarest 1989.
  • Pamfile, Tudor: Mitologie românească. Bukarest 1916.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als rumänische Waldnymphen und tanzende Naturgeister zugleich verkörpern die Iele die doppelte Natur des nächtlichen Waldes: betörend schön für den, der Abstand hält, und gefährlich für jeden, der ihren Kreis betritt.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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