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Pricolici, der böse Tote in Wolfsgestalt

Pricolici ist Dämon der rumänischen Überlieferung.

Der böse Tote, der als Wolf oder Hund umgeht und angreift. Kern der Gestalt ist die Wolfsgestalt, in der er die Lebenden bedroht. Pricolici zählt zu den Untoten Rumäniens und wird als Werwolfgestalt geführt, was der folgende Abschnitt genauer bestimmt.

DämonRumänien

Inhaltsverzeichnis

Pricolici, Dämon der rumänischen Überlieferung
Pricolici

Pricolici ist im rumänischen Volksglauben der Geist eines bösen, gewalttätigen Mannes, der nach dem Tod nicht als Mensch, sondern als Bestie zurückkehrt. Anders als der menschenähnliche Strigoi erhebt er sich stets in Wolfs- oder Hundegestalt und fällt allein reisende Menschen und Vieh an, lautlos und unerwartet.

Der Pricolici steht der Vorstellung vom Vârcolac, dem gewöhnlichen rumänischen Werwolf, nahe und wird als dessen untote Steigerung verstanden: Als rumänischer Werwolf verbindet er den Werwolfglauben mit dem Wiedergängerglauben der Karpatenregion. Die Überlieferung ist gut belegt und reicht bis in die Gegenwart.

Auf einen Blick: Pricolici

Typ: Wolfsgestaltiger Werwolf-Untoter, Geist eines bösen Toten
Herkunft: Rumänische Überlieferung der ländlichen Karpatenregionen
Texte: Gute Volksüberlieferung bis in die Gegenwart, dazu frühe Sammlungen und neuere Studien
Zeitraum: Rumänische Überlieferung, bis in die Gegenwart berichtet
Erscheinung: Wolfs- oder großhundartige Bestie, seltener ein missgestalteter Mensch

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Rumänische Überlieferung, die bis in die Gegenwart reicht: Noch in modernen ländlichen Berichten werden ungewöhnlich große, aggressive Wölfe als Pricolici gedeutet.

Verbreitungsraum

Rumänien, vor allem die ländlichen Karpatenregionen, in denen der Glaube an Werwolf und Wiedergänger besonders lebendig blieb.

Quellenlage

Gut: eine breite rumänische Volksüberlieferung, dazu die frühen Sammlungen von Murgoci und Summers sowie neuere Studien zum Balkan-Vampirglauben.

Name und Varianten

Rumänisch: Pricolici bezeichnet den wolfsgestaltigen Werwolf-Untoten und steht neben dem Vârcolac, dem gewöhnlichen Werwolf der rumänischen Überlieferung: Wo der Vârcolac als lebender Mensch die Gestalt wechselt, kehrt der Pricolici als Toter zurück.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Der Pricolici erscheint als reine Wolfs- oder Bestiengestalt mit gesträubtem Fell, ganz im Gegensatz zum menschenähnlichen Strigoi. Seltener zeigt er sich als missgestalteter Mensch, der aufrecht steht und menschliche Gesten nachahmt, um Opfer zu ködern.

Wirkung

Er verübt tödliche Überfälle auf Einzelne: allein reisende Menschen und Vieh. Der Angriff erfolgt lautlos und unerwartet. In modernen ländlichen Berichten werden ungewöhnlich große, aggressive Wölfe, die auf diese Weise angreifen, als Pricolici gedeutet.

Steckbrief: Pricolici

Die wichtigsten Aspekte des Wolfsuntoten auf einen Blick.

Tradition

Rumänischer Wiedergängerglaube der Karpatenregion, eng verwandt mit dem Werwolfglauben um den Vârcolac.

Bezogen auf

Allein reisende Menschen und Vieh: Der Pricolici sucht sich einzelne, ungeschützte Opfer abseits der Gemeinschaft.

Darstellung

Wolfs- oder großhundartige Bestie mit gesträubtem Fell, seltener ein missgestalteter, aufrecht gehender Mensch.

Wirkungsbereich

Tödliche Einzelangriffe: lautlos, unerwartet, ohne die Ankündigung mancher anderer Wiedergänger.

Abwehrformen

Exhumierung und Pfählung des Verdächtigen sowie die üblichen Mittel gegen den bösen Toten: Eisen, Knoblauch und Weihwasser.

Abgrenzung

Strigoi, der menschenähnliche Gegenpart, sowie Vukodlak und Vrykolakas als verwandte Werwolf-Vampire des Balkanraums.

Vom Vârcolac zum untoten Wolf

Der Pricolici ist der rumänische Werwolf-Untote und steht dem Vârcolac, dem gewöhnlichen Werwolf der rumänischen Überlieferung, eng nahe. Während der lebende Vârcolac die Gestalt wechselt, ist der Pricolici bereits gestorben und kehrt in Tiergestalt zurück; er verbindet damit zwei Vorstellungen, die andernorts getrennt bleiben: den Gestaltwandler und den Wiedergänger.

Eine verbreitete Überlieferung erklärt seine Entstehung aus einem Kind, das nach dem Abstillen ein zweites Mal gestillt wurde. Häufiger jedoch werden besonders böse, gewalttätige Männer nach dem Tod zu Pricolici, weil ihre irdische Brutalität sich nicht mit einem einfachen Gebet begraben lässt. Anders als der menschenähnliche Strigoi behält der Pricolici dabei nie seine Menschengestalt.

Der rumänische Werwolf in Literatur und Deutung

In Emily Gerards einflussreicher Aufzählung siebenbürgischer Aberglauben, die auch Bram Stoker für seinen Dracula nutzte, ist der Pricolici mitgenannt. In moderner rumänischer wie internationaler Horror- und Fantasy-Kultur gilt er bis heute als der rumänische Werwolf und verbindet Werwolf- und Vampirmotiv in einer einzigen Figur.

Religionswissenschaftlich zeigt der Pricolici die enge Verzahnung von Werwolf- und Vampirglaube im Balkan-Karpaten-Raum: Dieselbe Kategorie des bösen, gewaltsam verstorbenen Toten kann als menschenähnlicher Blutsauger, der Strigoi, oder als tierische Bestie, der Pricolici, wiederkehren. Beide sind Ausdrucksformen desselben Grundproblems, des schlechten Todes.

Exhumierung, Pfählung und die Mittel gegen den Wolfsuntoten

Wie beim bösen Toten allgemein galten die Exhumierung des Verdächtigen, die Pfählung, die Enthauptung und das Verbrennen von Leichnam und Herz als wirksame Mittel, dazu die von Anfang an korrekte Bestattung, die eine Rückkehr verhindern sollte. Da der Pricolici als Werwolf-Vampir-Untoter gilt, greifen daneben dieselben apotropäischen Mittel wie gegen Strigoi und Vukodlak: Eisen, dessen Klinge dem bestialischen Untoten entgegengehalten wird, Knoblauch als verbreitetes rumänisches Mittel gegen den untoten Wiedergänger, und Weihwasser als christliches Zeichen gegen den bösen Toten.

Werwolf-Vampire des Balkans und der Karpaten

Der Pricolici ist das rumänische Gegenstück zum südslawischen Vukodlak und zum griechischen Vrykolakas, in denen Werwolf und Vampir ebenso verschmelzen. Er ist zudem mit dem menschenähnlichen Strigoi und dem Moroi verwandt, dazu mit dem Vârcolac, dem gewöhnlichen rumänischen Werwolf. Im germanisch-nordischen Rahmen ist er mit dem körperstarken, bestialischen Draugr der altnordischen Überlieferung vergleichbar.

Häufige Fragen zum Pricolici

Ist der Pricolici ein Werwolf oder ein Vampir?

Beides zugleich: ein untoter, wolfsgestaltiger böser Toter, der mit dem Werwolf Vârcolac ebenso verwandt ist wie mit dem Vampir-Wiedergänger Strigoi. Er verbindet die Gestalt des einen mit dem Schicksal des anderen.

Wer wird zum Pricolici?

Vor allem besonders böse, gewalttätige Männer kehren nach dem Tod als Pricolici zurück. Ihre irdische Brutalität lässt sich der Überlieferung nach nicht mit einem einfachen Gebet begraben.

Wie unterscheidet er sich vom Strigoi?

Der Strigoi behält nach seiner Rückkehr Menschengestalt, während der Pricolici sich stets als Wolf oder Hund erhebt. Beide gelten jedoch als Formen desselben bösen, gewaltsam gestorbenen Toten.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Murgoci, Agnes: The Vampire in Roumania. In: Folklore 37 (1926).
  • Summers, Montague: The Werewolf. London 1933.
  • Barber, Paul: Vampires, Burial, and Death. Folklore and Reality. New Haven 1988.
  • Perkowski, Jan L.: The Darkling. A Treatise on Slavic Vampirism. Columbus 1989.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als rumänischer Werwolf und Werwolf-Untoter zugleich vereint der Pricolici, was andernorts getrennt bleibt: Er ist kein bloßer Gestaltwandler, sondern ein böser Mensch, der im Tod endgültig zur Bestie wird und genau in dieser Form über die Lebenden herfällt.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

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