Notos, Regenbringer des Spätsommers
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Notos ist ein Gott der griechischen Tradition.
Der nasse Südwind, Segen des Hesiod und Schrecken der Seefahrer.
Notos, römisch Auster, ist der griechische Gott des nassen Südwinds und einer der vier Hauptwinde. Er bringt die Stürme und den Regen des Spätsommers und Frühherbstes.
Seine Bewertung ist doppelt: Bei Hesiod gilt Notos als gottgesandter Segen, zugleich fürchten ihn die Seefahrer wegen seiner Böen und Regenstürme. Nach der Überlieferung wohnt er im mythischen Süden, in Aithiopia.
Typ: Gott des nassen Südwinds, einer der vier Hauptwinde
Herkunft: Griechische Mythologie, Sohn des Astraios und der Eos
Texte: Hesiod, Theogonie; Orphischer Hymnus 82; Ovid, Metamorphosen
Zeitraum: Hesiod und Homer bis in die Kaiserzeit
Erscheinung: Mann mit nassen Flügeln und triefendem Bart
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Bezeugt von Hesiod und Homer bis in die Kaiserzeit; die kaiserzeitlichen Orphischen Hymnen rufen ihn noch liturgisch an.
Verbreitungsraum
Der griechische Kulturraum; sein mythischer Wohnsitz liegt im äußersten Süden, in Aithiopia.
Belegdichte
Gut: Hesiod und Ovid sind die Hauptzeugen, dazu kommen Homer in Ilias und Odyssee und der Orphische Hymnus 82.
Name und Varianten
Griechisch: Nótos, Südwind, mit Feuchtigkeit konnotiert; römisch entspricht ihm Auster.
Erscheinung und Verhalten
Erscheinung
Bei Ovid hat Notos nasse Flügel, einen triefenden Bart und ein wolkenverhülltes Haupt und presst Regenwolken aus den Händen; er ist der klassische Regenbringer. Auf dem Antiochia-Mosaik personifiziert er den Spätsommer.
Wirkung
Notos ist der nasse, sturmbringende Wind des Spätsommers und Frühherbstes. Hesiod warnt Seefahrer vor seinen Böen und dem Herbstregen des Zeus; bei der Sintflut in Ovids Metamorphosen ist er das Werkzeug der Überschwemmung.
Steckbrief: Notos
Die wichtigsten Aspekte des Südwinds auf einen Blick.
Einer der vier Hauptwinde der Griechen, bei Hesiod ausdrücklich ein gottgesandter Segen.
Seefahrer und Bauern: Er bringt den Regen für die Felder und die gefürchteten Böen des Frühherbstes.
Mann mit nassen Flügeln, triefendem Bart und wolkenverhülltem Haupt, der Regenwolken aus den Händen presst.
Sturm und Regen des Spätsommers und Frühherbstes; in Ovids Sintflut das Werkzeug der Überschwemmung.
Der Orphische Hymnus 82 ruft ihn mit Weihrauch als segensreichen Regenspender an; daneben Sammelopfer an die Winde.
Notos ist der Südwind und Auster, nicht der Südwestwind Lips und Africus und nicht der Ostwind Euros.
Zwischen Segenswind und Sintflut
Notos ist Sohn des Astraios und der Eos, ausdrücklich bei Hesiod, Theogonie 378 bis 380 und 869, wo er ein gottgesandter, großer Segen heißt. Homer nennt ihn in Odyssee und Ilias; nach der Überlieferung wohnt er im mythischen Süden, in Aithiopia.
Die römische Dichtung baute die dunkle Seite aus: Bei Ovid presst Notos Regenwolken aus den Händen, und in der Sintflut der Metamorphosen ist er das Werkzeug der Überschwemmung. So wurde aus dem Segenswind des Hesiod der Sturm- und Regen-Topos der Epik.
Auster in Epik und Wetterkunde
Der Name Auster ist ein Fachbegriff geblieben; Notos selbst ist ein fester Regen- und Sturm-Topos der römischen Epik und der antiken Wetterkunde.
Religionswissenschaftlich zeigt Notos die Ambivalenz des Südwinds als gottgesandter Segen und gefürchteter Sturm- und Regenbringer. Wichtig ist die Unterscheidung: Notos ist der Süd- und Auster, nicht mit dem Südwestwind Lips und Africus oder mit Euros zu verwechseln.
Weihrauch für den Regenspender
Der Orphische Hymnus 82 an Notos ruft ihn mit Weihrauch als segensreichen Regenspender an; das ist eine liturgische Anrufung. Ein eigenständiger Tempelkult ist dagegen nicht breit belegt: Notos gehört überwiegend zu den Sammelkulten der Anemoi mit ihren Windopfern.
Südwinde und Regenbringer im Vergleich
Notos entspricht dem römischen Auster und steht neben seinen Brüdern Boreas, Zephyros und Euros; vom benachbarten Südwestwind Lips ist er zu unterscheiden. Funktional ist er dem heißen, feuchten Südwind-Raum des Scirocco und des Chamsin verwandt und ähnelt als Regenbringer anderen sturm- und regenbringenden Windgottheiten. Den Überblick über die Familie gibt die Seite der Anemoi.
Häufige Fragen zu Notos
Welcher Wind ist Notos?
Der Südwind, römisch Auster, nass und sturmbringend im Spätsommer und Frühherbst.
Ist Notos gut oder schlecht?
Beides: Hesiod nennt ihn gottgesandten Segen, doch fürchten ihn die Seefahrer wegen seiner Böen und Regenstürme.
Wurde Notos verehrt?
Er wurde im Orphischen Hymnus 82 angerufen; einen eigenen Tempelkult gab es kaum, eher Sammelopfer an die Winde.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Griechenland – alle Wesen des griechischen Kulturraums
- Anemoi – die Windgötter im Überblick
- Boreas, Lips – der Nordwind und der benachbarte Südwestwind
- Amulett, Schutzkerze, Salz – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Notos zeigt als griechischer Südwind, wie nah Segen und Gefahr beieinanderliegen: Ein regenbringender Sturmwind tränkt die Felder des einen und versenkt die Schiffe des anderen, und beides gehört zu seinem Amt.





