Euros, Nachzügler unter den Hauptwinden
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Euros ist ein Gott der griechischen Tradition.
Der warme Ostwind, der bei Hesiod noch fehlt. Der Steckbrief ordnet ihn als Nachzügler unter den vier Hauptwinden ein.
Euros, römisch Eurus, ist der griechische Gott des warmen Ostwinds und wird zu den vier Hauptwinden gezählt. Er gilt in den Quellen als warmer Regenwind des Ostens, der im Zusammenspiel mit anderen Winden Stürme erregt.
Bemerkenswert ist seine Sonderstellung: Als einziger Hauptwind fehlt Euros bei Hesiod, und erst spätere Autoren machen ihn zum Sohn des Astraios. Einen eigenen Kult hatte er nicht.
Typ: Gott des warmen Ostwinds, jüngster der vier Hauptwinde
Herkunft: Griechische Mythologie, erst spät als Sohn des Astraios geführt
Texte: Homer, Odyssee; Nonnos, Dionysiaka; lateinische Dichtung
Zeitraum: Homer bis in die Kaiserzeit, bei Hesiod noch fehlend
Erscheinung: personifizierter Herbst, feuriger Wind im Osten
Überlieferungskontext
Zeitraum der Texte
Bezeugt von Homer bis in die Kaiserzeit; bei Hesiod fehlt Euros noch, erst Nonnos gibt ihm die Eltern der übrigen Winde.
Verbreitungsraum
Der griechische Kulturraum; sein mythischer Ort liegt im äußersten Osten, nahe dem Palast des Helios.
Quellenlage
Mäßig: Homer und die lateinische Dichtung nennen ihn, ein eigener Kult fehlt; die Quellenlage ist dünner als bei seinen Brüdern.
Name und Varianten
Griechisch: Eûros, Ostwind, wohl verwandt mit eurýs, weit, für den weiten östlichen Himmel. Römisch Eurus, teils mit Vulturnus gleichgesetzt.
Beschreibung
Erscheinung
Auf dem Antiochia-Mosaik personifiziert Euros den Herbst; bei Nonnos ist er feurig und wohnt nahe dem Helios-Palast im äußersten Osten.
Wirkung
Euros ist ein warmer, oft regenbringender Ostwind, der im Zusammenspiel mit anderen Winden Stürme erregt. Schon Homer schildert in der Odyssee, wie Euros und Notos zusammenstoßen; in der lateinischen Dichtung ist er ein fester Sturm- und Seefahrt-Topos.
Steckbrief: Euros
Die wichtigsten Aspekte des Ostwinds auf einen Blick.
Der vierte Hauptwind der Griechen, jedoch der jüngste im Stammbaum: Bei Hesiod fehlt er noch ganz.
Seefahrt und Wetter des Ostens: ein warmer, oft regenbringender Wind, gefährlich im Zusammenspiel mit anderen.
Personifikation des Herbstes auf dem Antiochia-Mosaik; bei Nonnos feurig und im äußersten Osten wohnend.
Sturm- und Seefahrt-Topos der Dichtung: Schon in der Odyssee stößt Euros mit Notos zusammen.
Nicht belegt. Die einzige Spur ist ein Papyrus-Fragment, das Euros einen Retter Spartas nennt.
Der römische Eurus und Vulturnus; typologisch der ägyptische Ostwindgott Henkhisesui, ohne historischen Zusammenhang.
Der fehlende Sohn des Astraios
Eûros bedeutet Ostwind und ist wohl mit eurýs, weit, verwandt, für den weiten östlichen Himmel. Auffällig ist sein Stammbaum: Euros ist der einzige Hauptwind, den Hesiod in der Theogonie nicht als Sohn des Astraios nennt; dort stehen nur Zephyros, Boreas und Notos. Erst spätere Autoren wie Nonnos geben ihm diese Eltern.
In der Dichtung ist er gleichwohl früh präsent: Schon Homer schildert in der Odyssee, wie Euros und Notos zusammenstoßen, und die lateinische Epik machte den Eurus zum festen Bestandteil ihrer Sturmszenen.
Nachleben des Eurus
In der lateinischen Dichtung ist Euros ein fester Sturm- und Seefahrt-Topos; heute ist der Name in Meteorologie und Popkultur präsent.
Religionswissenschaftlich zeigt Euros, dass nicht alle vier Kardinalwinde gleich alt und gleich verankert sind. Zwei Klarstellungen: Euros ist nicht durchgehend Ost, in manchen Windrosen rückt er nach Südost. Und er fehlt bei Hesiod als Astraios-Sohn, er ist also der am wenigsten religiös verankerte der vier Hauptwinde.
Retter Spartas ohne Altar
Für Euros ist kein eigener Kult bezeugt. Die einzige Spur ist ein Straßburger Papyrus-Fragment, das ihn einen Retter Spartas nennt, eine lokale oder gelegentliche Anrufung, kein etablierter Kult. Ansonsten gehört er zu den Sammelopfern der Anemoi, bei denen die Winde gemeinsam bedacht wurden.
Ostwinde hier und am Nil
Häufige Fragen zu Euros
Welcher Wind ist Euros?
Der Ostwind, römisch Eurus, warm und oft regenbringend; in manchen Windrosen nach Südost gerückt.
Warum ist Euros besonders?
Er ist der einzige Hauptwind, der bei Hesiod fehlt, und hat keinen eigenen Kult.
Wurde Euros verehrt?
Nein, ein eigener Kult ist nicht belegt; nur eine lokale Anrufung als Retter Spartas ist überliefert.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Griechenland – alle Wesen des griechischen Kulturraums
- Anemoi – die Windgötter im Überblick
- Apeliotes, Notos – Nachbarwinde in der Windrose
- Amulett, Schutzkerze, Salz – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Euros bleibt als griechischer Ostwind der Nachzügler der Familie: ein warmer Regenwind mit festem Platz in der Dichtung, aber ohne Vater bei Hesiod und ohne eigenen Altar.





