Loki ist der Gott des Feuers, der Täuschung und des Chaos in der germanischen Tradition. Als Sohn eines Riesen und Gefährte der Asengötter verkörpert er das Ambivalente, nützlich und gefährlich zugleich.
Religionswissenschaftlich ist Loki ein Beispiel für die Präsenz liminalerÖtter zwischen Ordnung und Chaos in Indoeuropäischen Panthea, vergleichbar mit dem aztekischen Tezcatlipoca oder dem hinduistischen Shiva.
Loki ist der Trickster und Feuergott, dessen Natur äußerst ambivalent ist. Er ist Verbündeter und Feind der Asen. Seine Zentralen Aspekte sind List, Wandelbarkeit, Zerstörung und Neubeginn.
Im Mythos verbindet er sich mit Göttern zu nützlichen Täuschungen (Gewinnung von Sifs goldenes Haar, Thors Hammer Mjölnir), doch führt letztlich zu Ragnarök (Götterdämmerung). Seine Kinder sind Fenrir (Riesenwolf), Jörmungandr (Midgardschlange) und Hel (Göttin der Unterwelt).
Quellen: Snorri Sturluson’s Prosa-Edda, die Lieder-Edda (bes. Lokasenna, Thrymskvida), Tacitus (indirekt), archäologische Funde sind selten (keine direkte Loki-Verehrung wie bei Thor/Wodan). Sekundär: Rudolf Simek (Lexikon der germanischen Mythologie), Jan de Vries, Folke Ström, Georges Dumézil, Martin Noël Olsen. Loki hat keine bekannten Tempel, seine Funktion ist kosmisch-narrativ, nicht kultisch verehrt wie andere Götter.
Die schriftliche Überlieferung zu Loki reicht mehrere Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit, mit großer Wahrscheinlichkeit noch älteren mündlichen Traditionen, die vorher existierten. Die Germanisch haben diese Entität oder dieses Konzept über außerordentlich lange Zeiträume bewahrt und sorgfältig von Generation zu Generation weitergegeben, was auf zentrale religiöse und kulturelle Bedeutung hindeutet.
Lokis Geschichte lässt sich von den wikingerzeitlichen Bildsteinen über die Eddaliedern des Mittelalters bis zu Snorris Prosa-Edda um 1220 verfolgen, und die Grundzüge bleiben dabei gleich: der Listige, der zwischen Göttern und Riesen steht. Auch heute ist die Figur gegenwärtig, in der Forschung zur nordischen Mythologie ebenso wie in populären Bearbeitungen, die zwar vieles umformen, aber den gefesselten Trickster, der bis Ragnarök ausharrt, klar erkennbar lassen.
Loki war nicht auf bestimmte Region oder Lokationen begrenzt, sondern universell in der gesamten Germanisch-Welt bekannt und verehrt oder respektvoll gefürchtet. Ob in großen urbanen Zentren oder in peripherer ländlicher Region, ob bei sozialem Elite oder bei einfachem Volk, die spirituelle oder kulturelle Bedeutung dieser Entität war durchgehend anerkannt und universell.
Dass Loki in nahezu jedem zentralen Mythos der Edda-Texte auftritt, vom Hammerraub bis zu Baldurs Tod, zeigt, wie fest er im Weltbild der nordischen Erzähler verankert war. Über die Handels- und Siedlungswege der Wikingerzeit verbreiteten sich die Erzählungen von Skandinavien bis Island, wo sie schließlich aufgezeichnet wurden, und die isländischen Quellen geben die Figur in bemerkenswert übereinstimmenden Zügen wieder.
Primärquellen: Snorri Sturluson Prose Edda (Gylfaginning: Lokis Genealogie und Rolle; Skáldskaparmál: Loki-Geschichten), Lieder-Edda (Lokasenna: Loki beschimpft alle Götter; Thrymskvida: Loki hilft, den Hammer zu stehlen; Hyndluljóð: Lokis Abstammung), Völuspá: Ragnarök mit Lokis Befreiung.
Zeitraum: mündliche Traditionen bis 1. Jahrhundert v.Chr. aufgeschrieben ca. 1200 n.Chr. Forscher: Rudolf Simek, Jan de Vries (ausführliche Deutung), Georges Dumézil, Folke Ström, Wolfgang Meid. Besonderheit: Loki hat keine archäologisch gesicherten Kultstätten, seine Funktion ist mythisch, nicht kultisch.
Loki wird in den verschiedenen Quellen und künstlerischen Traditionen mit bestimmten wiederkehrenden ikonographischen Elementen dargestellt, die über Jahrzehnte und über verschiedene geografische Räume hinweg relativ konstant bleiben. Diese Elemente sind nicht rein dekorativ oder zufällig gewählt, sondern sind tief symbolisch kodiert und tragen große Bedeutung.
Die Kennzeichen Lokis in den Edda-Texten beschreiben sein Wesen genau: Er ist Gestaltwandler, der als Stute, Lachs oder Fliege auftritt, Blutsbruder Odins und doch Riesensohn, Helfer der Götter und ihr Verderber. Seine Kinder benennen seine Stellung im Kosmos, denn Fenrir, die Midgardschlange und Hel sind die Mächte, die bei Ragnarök gegen die Götter stehen. Wer die nordische Überlieferung kennt, liest aus diesen Zügen die Doppelnatur des Tricksters ab: Er beschafft den Göttern ihre Schätze, Thors Hammer eingeschlossen, und bringt zugleich Baldur den Tod. Nichts an dieser Figur ist beiläufig erzählt, jedes Detail gehört zur überlieferten Spannung zwischen Nutzen und Verrat.
Loki war zentral in der religiösen Praxis, den Alltagsritualen und im alltäglichen Verständnis der Germanisch. Menschen wendeten sich in kritischen oder bestimmten Lebenssituationen oder zu bestimmten rituellen Jahreszeiten an diese Entität, mit strukturierten, oft aufwendigen Ritualen, Gebeten oder Opfergaben.
Der Umgang mit Loki in den Edda-Texten zeigt feste erzählerische Ordnung: Die Lokasenna folgt dem geregelten Ablauf eines Schmähwettstreits in Ägirs Halle, und auch seine Bestrafung nach Baldurs Tod, die Fesselung mit den Eingeweiden des eigenen Sohnes und die Schlange über seinem Haupt, ist in Snorris Prosa-Edda als geordnete Rechtsfolge der Götter geschildert, nicht als willkürlicher Gewaltakt.
Dass Loki über die gesamte erhaltene nordische Überlieferung hinweg auftaucht, von den Eddaliedern bis zu Snorris Prosa-Edda, zeigt, wie unverzichtbar die Figur für das Erzählgefüge war. Seine Funktionen in den Mythen sind gegensätzlich: Er wendet Schaden ab, wenn er gestohlene Güter wie Iduns Äpfel zurückholt, er stiftet Heilung von Konflikten durch List, und er treibt Übergänge voran, denn ohne seine Taten gäbe es weder Sleipnir noch den Weg in Richtung Ragnarök.
Der Steckbrief entfaltet Lokis Wesen über sechs Perspektiven: seine mythologische Herkunft und Rolle im Pantheon, seine Funktionen in Erzählungen und Mythen (nicht kultische Verehrung wie andere Götter), seine charakteristische Ikonographie als Trickster, die Ambivalenz seiner Kräfte und Auswirkungen, vergleichbare Figuren in anderen Kulturen und eine abschließende Interpretation seiner kosmischen Signifikanz im Übergang zur Götterdämmerung.
Loki ist eine genuinely germanische Schöpfung ohne direktes Indogermanisches Vorbild. Seine Herkunft liegt in der skandinavischen Mythologie und ist mündlich überliefert bis zur Aufzeichnung im 13. Jahrhundert.
Er wird von Snorri als Nachkomme von Riesen präsentiert (Sohn des Riesen Farbauti), wird aber als Waffe-Bruder Wodans und Thors in Asgard aufgenommen. Sein Kult war marginal oder nicht-existent, im Gegensatz zu Thor und Wodan. Seine narrative Präsenz wächst in der Literatur, besonders in Ragnarök-Schilderungen.
Loki wurde nicht wie Thor oder Wodan kultisch verehrt, keine Priester, keine Opfer, keine Tempel. Seine Funktion war mythisch-narrative und in der Tradition der Skalder (Dichter) zentral.
Weil sein Name mit Zerstörung assoziiert war, wurde er teilweise gefürchtet und vermieden. In späteren isländischen Sagas und in Ragnarök-Prophezeiungen wurde seine Rolle dramatisiert. Möglicherweise wurde er in privaten Omen-Beschwörungen angerufen, aber keine Belege dafür.
Loki hat keine ikonographische Standardisierung wie andere Götter. Er wird beschrieben als schön und bösartig zugleich, mit der Kraft zu Gestaltwandel (hamramr). In Mythen trägt er verschiedene Formen an: als Lachsforelle, als alte Frau, als Flamme.
Seine Attribute sind Feuer und Liste, nicht Waffe oder Zepter wie andere Götter. In christlicher Zeit wurde er mit dem Teufel assoziiert, eine Projektion monotheistischer Kategorien auf eine polytheistische Figur.
Loki wurde zugeschrieben die Kräfte der List und Täuschung, der Verwandlung und des Feuers. Er konnte Formen wechseln, unsichtbar werden und Götter in Verlegenheit bringen.
Seine Worte waren Waffen, der Lokasenna zeigt ihn als mächtigen Verleumder, der alle Götter mit Schmähungen beschädigt. Gleichzeitig besaß er konstruktive Kräfte: er half, die besten Schätze (Sifs Haar, Thors Hammer, Odin’s Speer) zu beschaffen. Sein Feuer war sowohl zerstörerisch als aufbauend.
Loki stand nicht unter Anrufung wie andere Götter. Man fürchtete seine Kraft und versuchte, ihn zu vermeiden oder zu besänftigen. Keine Opfer sind belegt. In Lokasenna wird er sogar aus Asgard ausgestoßen und gefesselt, bis Ragnarök.
Die germanischen Völker betrachteten Loki als Verkörperung des Chaotischen und der Zerstörung, weniger als Gott zum Verehren, mehr als kosmische Kraft zum Verstehen und Fürchten. Sein Name wurde in Flüchen verwendet, aber nicht in normalen Gebeten.
Tezcatlipoca (aztekisch) ist eine strukturelle Parallele, Trickster, Zerstörer, ambivalent. Shiva im Hinduismus teilt die Dualität von Zerstörung und Schöpfung. Der keltische Math mac Mathonwy zeigt Trickster-Aspekte, aber ohne Lokis kosmische Zerstörerrolle. Der slawische Veles ist eine böse Figur, aber weniger differenziert als Loki. Im Gegensatz zu diesen wird Loki explizit nicht kultisch verehrt.
Loki-artige Trickster finden sich in vielen Mythologien: der griechische Hermes als Götter-Bote und Dieb, der westafrikanische Anansi als spinnenförmiger Schöpfer-Trickster, der Coyote der nordamerikanischen Plains-Stämme, der polynesische Maui. Anders als diese ist Loki tief in die kosmologische Struktur der Edda eingebunden, er ist nicht nur Trickster, sondern Vater der Untergangs-Wesen Hel, Fenrir und Jörmungandr.
Jüdische Tradition: In der jüdischen Theologie gibt es keinen Gott der Täuschung oder des Chaos wie Loki. Der Satan (später entwickelt) ist eine Gegenmacht, aber kein Gott im Pantheon. Lokis Ambivalenz und sein mythisches Gewicht haben kein Äquivalent in monotheistischen Systemen.
Griechisch-römische Welt: Prometheus teilt mit Loki die Eigenschaft der List und der Gefahr für die Götter-Ordnung, aber ist ein Titan, nicht ein Asengott. Hermes ist trickster-ähnlich, aber weniger destruktiv. Ares verkörpert unkontrollierte Gewalt, aber nicht Lokis Listigkeit. Keine direkte Parallele in Griechenland/Rom.
Mesopotamien: Keine direkte Parallele. Marduk und Tiamat sind Gegenspieler, aber nicht innerhalb eines Pantheons wie Loki und die Asen. Pazuzu ist eine dämonische Kraft, aber kultisch nicht prominent wie in der Edda.
Indien/Asien: Shiva verkörpert Zerstörung und Transformation, teilt aber nicht Lokis Rolle als ausgestoßener Trickster. Im Buddhismus gibt es keine äquivalente Figur. In frühen indischen Texten sind Rakshasa (Dämonen) chaotische Kräfte, aber nicht in göttlicher Hierarchie.
Der Tod Baldrs gehört zu den am dichtesten überlieferten Episoden der altnordischen Mythologie und stellt Loki ins Zentrum eines kosmischen Wendepunkts. Snorri Sturluson erzählt in der Gylfaginning, dass Baldr von beunruhigenden Träumen geplagt wurde.
Seine Mutter Frigg nahm darauf allen Dingen den Eid ab, Baldr nicht zu schaden, übersah dabei aber die Mistel, die sie für zu jung und unbedeutend hielt.
Loki erfuhr von dieser Lücke. Er verschaffte sich die Mistel, formte daraus ein Geschoss und reichte es dem blinden Gott Höðr, der abseits der Versammlung stand, während die anderen Götter sich daran ergötzten, Waffen auf den unverwundbaren Baldr zu schleudern.
Geführt von Loki traf Höðrs Wurf, und Baldr fiel tot zu Boden. Die Quellen betonen, dass dies das größte Unglück war, das Götter und Menschen je traf.
Der zweite Teil der Episode verschärft Lokis Schuld. Als Hermóðr in die Unterwelt ritt, um Baldrs Freilassung zu erbitten, stellte Hel die Bedingung, dass alle Dinge um Baldr weinen müssten.
Fast alles weinte, doch eine Riesin namens Þökk weigerte sich. Snorri deutet an, dass es sich um Loki in Verkleidung handelte. Damit verhinderte Loki Baldrs Rückkehr endgültig.
Die Forschung diskutiert, ob die ältere Eddik-Dichtung Loki dieselbe zentrale Rolle zuwies wie Snorri. Die Völuspá nennt Höðr als Töter, schweigt aber über Lokis Anstiftung. Manche Forscher, etwa Anatoly Liberman, sehen Snorris Ausgestaltung als literarische Verdichtung verschiedener Traditionen.
Sicher ist, dass die Episode die Brücke zur Bindung Lokis und schließlich zu den Ragnarök-Ereignissen bildet. Wer sich mit verwandten Schicksalsvorstellungen befasst, findet Anknüpfungspunkte bei Hel und der nordischen Unterweltsvorstellung.
Nach dem Tod Baldrs und der Verhöhnung der Götter in der Lokasenna ergreifen die Asen Loki und unterwerfen ihn einer drastischen Strafe.
Die Quellen schildern, dass die Götter drei seiner Verwandten heranzogen: Lokis Sohn Váli wurde in einen Wolf verwandelt und zerriss seinen Bruder Narfi. Mit den Eingeweiden Narfis fesselten die Götter Loki an drei Steinplatten.
Die Riesin Skaði befestigte über Lokis Gesicht eine giftträufelnde Schlange. Lokis Frau Sigyn steht seither neben ihm und fängt das Gift in einer Schale auf.
Wenn sie die volle Schale leert, trifft das Gift Loki, und sein Zucken lässt nach dieser mythologischen Erklärung die Erde beben. Diese ätiologische Funktion, die Erdbeben deutet, ist auch von gefesselten Unholden anderer Mythologien bekannt.
In der eschatologischen Überlieferung bleibt Loki bis zu den Ragnarök gebunden. Dann reißt er sich los. Die Völuspá und Snorris Gylfaginning beschreiben, dass Loki das Totenschiff Naglfar steuert, das aus den Nägeln Verstorbener gebaut ist, und die Feinde der Götter heranführt. Auf dem Schlachtfeld treffen Loki und Heimdallr aufeinander und töten einander gegenseitig.
Bemerkenswert ist, dass Lokis Kinder mit der Riesin Angrboða, der Fenriswolf, die Midgardschlange und Hel, in der Endzeitschlacht zentrale Gegner der Götter sind.
Die Forschung hat wiederholt diskutiert, ob Loki ursprünglich eine ambivalente Figur zwischen Asen und Riesen war, deren Stellung sich im Lauf der Überlieferung zum Negativen verschob. Georges Dumézil und später Jan de Vries haben hierzu unterschiedliche Deutungen vorgelegt, ohne dass ein Konsens erreicht wurde.
Kaum eine Gestalt der nordischen Mythologie hat so viele widersprüchliche Deutungen hervorgerufen wie Loki. Bereits im 19. Jahrhundert versuchte die vergleichende Mythologie, ihn als Naturpersonifikation zu fassen.
Jacob Grimm und andere sahen in ihm einen Feuergott und stützten sich dabei auf eine vermeintliche Nähe des Namens zum Wort logi (Flamme). Diese Etymologie gilt heute als sprachlich unhaltbar, da Loki und logi nicht zusammengehören.
Im 20. Jahrhundert verschob sich der Fokus. Folke Ström deutete Loki 1956 als Hypostase Odins, also als abgespaltenen Aspekt des Hauptgottes.
Anna Birgitta Rooth untersuchte 1961 in einer breit angelegten Studie die Loki-Überlieferung und betonte den Trickster-Charakter, indem sie Parallelen zu Schelmenfiguren der Folklore zog. Georges Dumézil ordnete Loki in sein dreifunktionales Schema ein und verglich ihn mit der indischen Gestalt Syrдon aus der ossetischen Nartensage.
Die jüngere Forschung, etwa bei John Lindow und Jens Peter Schjødt, ist zurückhaltender mit großen Theorien. Sie betont, dass die Quellen zeitlich und regional verstreut sind und dass Snorri im 13. Jahrhundert bereits aus christlicher Distanz schrieb.
Ob es einen Loki-Kult gab, ist umstritten. Ortsnamen, die sich sicher auf Loki beziehen lassen, fehlen weitgehend, anders als bei Thor, Odin oder Freyr.
Ein offenes Problem bleibt der sogenannte Snaptun-Stein aus Dänemark, ein Stein des 10. Jahrhunderts mit einem Gesicht, dessen Lippen vernäht erscheinen. Viele Forscher deuten ihn als Loki-Darstellung, weil eine andere Erzählung berichtet, dass Zwerge ihm den Mund zunähten. Sicher ist die Identifikation jedoch nicht. Die Diskussion zeigt, wie schmal die ikonografische Basis für Loki ist.
Der Name Loki hat eine ungewöhnlich umstrittene Geschichte. Die ältere Forschung verband ihn mit dem altnordischen logi für Flamme, doch lautgesetzlich lässt sich diese Gleichsetzung nicht halten. Der lange Vokal in logi und die Wortbildung passen nicht zu Loki.
Eine verbreitete neuere Deutung geht von einer Wurzel aus, die mit Knoten, Schlinge oder Verschließen zu tun hat. Anatoly Liberman hat in mehreren Arbeiten dafür argumentiert, den Namen mit Begriffen für das Verknoten zu verbinden, was zur Vorstellung Lokis als Netzknüpfer passen würde.
Tatsächlich berichtet eine Episode, dass Loki das erste Fischernetz erfand und damit selbst gefangen wurde. Andere Forscher bleiben skeptisch und betonen, dass keine der vorgeschlagenen Etymologien zwingend ist.
Auffällig sind die Beinamen, unter denen Loki in den Quellen erscheint. Er heißt Loptr, was mit Luft zusammenhängt, und gelegentlich Hveðrungr. Die Bezeichnung Loptr hat manche Forscher zu der Annahme geführt, Loki sei mit dem Element Luft verbunden gewesen, vergleichbar dem späteren volkstümlichen Bild.
In jüngerer skandinavischer Folklore taucht eine Gestalt namens Lokke oder Lokje auf, die mit Wärmeflimmern über Feldern und mit Spinnenfäden in Verbindung gebracht wird. Ob diese späten Belege tatsächlich auf den mythologischen Loki zurückgehen oder eine sekundäre Verbindung darstellen, ist in der Forschung umstritten.
Die Unsicherheit über den Namen spiegelt die grundlegende Schwierigkeit, Loki einzuordnen. Anders als bei Odin oder Thor, deren Namen und Funktionen klar fassbar sind, bleibt bei Loki schon die sprachliche Grundlage offen.
Die Wiederentdeckung der nordischen Mythologie im 19. Jahrhundert machte Loki zu einer festen Größe der europäischen Kulturgeschichte. Richard Wagner verarbeitete ihn in seiner Tetralogie Der Ring des Nibelungen als Loge, einen halbgöttischen Feuergeist und gewieften Berater Wotans.
Wagner verschmolz dabei den mythologischen Loki bewusst mit der Flammenfigur, obwohl die philologische Forschung diese Gleichsetzung schon damals in Frage stellte.
In der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts erscheint Loki etwa bei skandinavischen Malern und Illustratoren, oft in der Szene der Fesselung mit Sigyn an seiner Seite. Diese Darstellung, die Sigyns Treue und Lokis Leiden betont, prägte das romantische Bild der Figur.
Im 20. und 21. Jahrhundert wurde Loki vor allem durch die Populärkultur weiterverbreitet. Die Comicreihe des Verlags Marvel führte ab 1962 eine Loki-Figur ein, die als Widersacher Thors konzipiert war und sich später zu einer ambivalenten Gestalt entwickelte.
Die spätere Verfilmung und eine eigene Serie verstärkten diese Wirkung erheblich. Es ist wichtig festzuhalten, dass diese moderne Loki-Figur mit dem mythologischen Loki nur lose verbunden ist. Verwandtschaftsverhältnisse, Charakter und Handlungsstränge wurden frei umgestaltet.
Auch in der Fantasyliteratur, in Videospielen und in der Heavy-Metal-Musik ist Loki präsent. Religionswissenschaftlich interessant ist, dass moderne heidnische Strömungen, etwa der Ásatrú-Bereich, ein gespaltenes Verhältnis zu Loki haben.
Manche Gruppen verehren ihn, andere lehnen ihn als zerstörerische Kraft ab. Diese innere Debatte zeigt, dass die ambivalente Stellung Lokis, die schon die mittelalterlichen Quellen prägte, bis heute fortwirkt.
Eine zentrale Eigenschaft Lokis in den Quellen ist seine Fähigkeit zur Verwandlung. Er wechselt Gestalt und sogar Geschlecht und zeugt oder gebiert in verschiedenen Episoden außergewöhnliche Wesen. Die berühmteste dieser Geschichten betrifft das Pferd Sleipnir.
Als ein Riese den Göttern eine Mauer baute und dabei sein Hengst Svaðilfari ihm half, verwandelte sich Loki in eine Stute, lockte den Hengst fort und verhinderte so, dass der Riese die vereinbarte Frist hielt. Aus dieser Verbindung gebar Loki das achtbeinige Pferd Sleipnir, das später Odins Reittier wurde.
Mit der Riesin Angrboða zeugte Loki nach Snorris Darstellung drei Wesen, die für die Eschatologie entscheidend sind: den Fenriswolf, die Midgardschlange Jörmungandr und Hel, die Herrin der Unterwelt.
Diese Nachkommenschaft macht Loki zum Stammvater der gefährlichsten Gegner der Götter. Mit seiner Frau Sigyn hatte er zudem die Söhne Narfi und Váli, die bei seiner Bindung eine grausame Rolle spielen.
Der Gestaltwandel ist nicht bloß ein erzählerisches Motiv. Er markiert Lokis Sonderstellung zwischen den festen Kategorien der nordischen Kosmologie. Loki ist von Geburt halb Riese, lebt aber unter den Asen. Er ist männlich, kann aber gebären. Er ist ein Helfer der Götter und zugleich ihr Verderben.
Die Forschung, etwa bei Jens Peter Schjødt, hat diese Grenzüberschreitung als das eigentliche Wesensmerkmal Lokis herausgearbeitet. Anders als ein klassischer Trickster, der vor allem listig ist, verkörpert Loki strukturell das Prinzip der Auflösung von Ordnung. Genau darin liegt seine Funktion innerhalb des nordischen Weltbilds.
Loki gilt in der altnordischen Überlieferung als ambivalente Gottheit, die in den Eddaliedern und der Prosa-Edda als Gefährte und zugleich Widersacher der Asen erscheint. Er entstammt einem jötunischen Geschlecht, wird aber in den Götterkreis aufgenommen und ist Vater des Fenriswolfs, der Hel und der Midgardschlange. Religionshistorisch bleibt seine ursprüngliche Funktion umstritten.
Loki ist die ambivalenteste Figur der nordisch-germanischen Mythologie, ein Gestaltwandler und Trickster, Sohn der Riesin Laufey und nicht klar einer Götter-Sippe zugehörig.
Er gilt als Blutsbruder Odins, ist aber zugleich Vater der drei kosmischen Katastrophen-Wesen: des Fenris-Wolfs, der Midgardschlange Jörmungandr und der Totengöttin Hel. Loki bringt Götter immer wieder in Schwierigkeiten und rettet sie ebenso. Beim Ragnarök, dem Weltenende, steht er auf der Seite der Riesen gegen die Asen.
Lokis dunkelste Tat ist die Verursachung von Baldurs Tod. Baldur, der lichte Sohn Odins, war von seiner Mutter Frigg mit einem Eid aller Wesen und Pflanzen unverwundbar gemacht, bis auf die Mistel, die als zu jung übersehen wurde.
Loki entdeckt das Geheimnis und überredet den blinden Höðr, mit einem Mistelpfeil auf Baldur zu schießen. Baldur stirbt, wird zu Hel in die Unterwelt geholt. Diese Tat führt zur Strafe Lokis (Anbindung an einen Felsen) und ist Vorzeichen des Ragnarök.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
Verwandte Wesen

Ninhursag ist die sumerische Muttergöttin, Schöpferin der Menschen mit Enki, Herrin der Berge. My...

Der Hinzelmann, der bestdokumentierte Kobold von Schloss Hudemühlen. Herkunft, der Milchbrei-Lohn...

Caishen ist der chinesische Gott des Reichtums und Geschäftserfolgs. Roter Tiger, Goldbarren und ...

Shuigui, der Geist eines Ertrunkenen in China. Herkunft, das Ersatzopfer-Motiv ti shen, der Kreis...

Dziwożona, die wilde Sumpffrau der slawischen Überlieferung. Herkunft aus dem schlechten Tod, der...

Nang Ta-khian, die Baumgeistin des Ta-khian-Baums in Thailand. Herkunft, das Glück und Unglück, d...