Habergeiß ist Dämon der alpinen Tradition.
Dreibeiniger Geißbock, dessen Meckern Unglück ankündigt.
Die Habergeiß, mancherorts auch als Habergeiss geschrieben, ist eine dreibeinige, geißbockartige Schreckgestalt der Ostalpen, die vor allem als Begleiterin der Perchten und Krampusse durch die Winternächte zieht. Ihr Meckern gilt als böses Omen, ihr Anblick als Warnung vor kommendem Unglück.
Volkskundlich dokumentiert ist sie seit dem 19. Jahrhundert, mündlich vermutlich älter, mit Schwerpunkt in Kärnten, Salzburg und der Steiermark.
Typ: Dreibeinige, geißbockartige Unglücksgestalt der Perchtenläufe
Herkunft: Ostalpen, volkskundlich dokumentiert seit dem 19. Jahrhundert, mündlich vermutlich älter
Texte: Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts (Vernaleken 1858), Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, sprachhistorische Untersuchungen
Zeitraum: Perchtenläufe und Rauhnächte im Winter, vereinzelt Fastnacht und Maibaumbrauch
Erscheinung: dreibeiniger Geißbock mit glühenden Augen und langem Bart, seltener missgestalteter Vogel
Volkskundlich dokumentiert seit dem 19. Jahrhundert, etwa bei Theodor Vernalekens Alpensagen von 1858; mündlich vermutlich älter, das genaue Alter lässt sich aus den späten Belegen nicht sicher rekonstruieren.
Kärnten, Salzburg und die Steiermark bilden den Kernraum, mit vereinzelten Parallelen in Schwaben und Franken.
Sagensammlungen des 19. Jahrhunderts, das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens und sprachhistorische Untersuchungen zum Namen bilden die Quellenbasis.
Sprachlich: Der Name Habergeiß ist eine tautologische Bildung aus zwei Wörtern für Ziegenbock: Haber geht über altisländisch und keltisch hafr auf den Ziegenbock zurück, nicht, wie volksetymologisch oft angenommen, auf Hafer, während Geiß ebenfalls die Ziege bezeichnet.
Erscheinung
Am verbreitetsten ist die Vorstellung eines dreibeinigen Geißbocks mit glühenden Augen, langem, oft struppigem Bart und einem oder mehreren fehlenden oder überzähligen Gliedmaßen. Bei den Perchtenläufen tragen die Darsteller mitunter über zwei Meter hohe Kostüme mit klappernden Kiefern und den Tragekorb, die Zistl genannt.
Wirkung
Die Unregelmäßigkeit ihrer Gestalt, vor allem das dritte Bein, markiert sie als Wesen außerhalb der natürlichen Ordnung und damit als Trägerin von Unglück; ihr Meckern in der Dunkelheit galt vielerorts als hörbares Vorzeichen kommenden Unheils.
Die wichtigsten Aspekte der dreibeinigen Schreckgestalt auf einen Blick.
Feste Begleiterin der Perchten und Krampusse in den winterlichen Umzugsbräuchen der Ostalpen, in manchen Regionen mit älteren Vogeldämonen vermischt.
Bauern, Vieh und unartige Kinder: Ihr Erscheinen oder ihr Ruf in der Nacht galt als schlechtes Vorzeichen, besonders für Stall und Ernte.
Dreibeiniger Geißbock mit glühenden Augen und langem Bart, seltener als missgestalteter Vogel; Perchtenlauf-Kostüme können über zwei Meter hoch sein.
Unglücksomen und Begleitfigur der Perchtenläufe; der Überlieferung nach saugt sie Bauern und Vieh das Blut aus.
Räuchern mit Wacholder oder Weihrauch, lautes Glockenläuten im Stall, verriegelte Stalltüren und Eisen an den Schwellen.
Der orkadische Nuckelavee als entfernte Parallele eines missgestalteten, unglückbringenden Tierwesens.
Der Name Habergeiß ist eine tautologische Bildung aus zwei Wörtern für Ziegenbock: Haber geht nicht, wie volksetymologisch oft angenommen, auf Hafer zurück, sondern über altisländisch und keltisch hafr auf den Ziegenbock, während Geiß ebenfalls die Ziege bezeichnet. Die Doppelung verweist auf ein sehr altes Benennungsmuster, dessen genaues Alter sich aus den erst im 19. Jahrhundert einsetzenden schriftlichen Belegen nicht sicher rekonstruieren lässt.
Die Sagensammlungen jener Zeit, etwa Theodor Vernalekens Alpensagen aus dem Jahr 1858, verzeichnen die Habergeiß bereits als feste Größe der Winterbräuche in Kärnten, Salzburg und der Steiermark, mit vereinzelten Parallelen in Schwaben und Franken. In manchen Regionen erscheint sie nicht als Ziege, sondern als missgestalteter Vogel, was auf eine Vermischung mit älteren Vogeldämonen hindeutet. Manche Deuter vermuten hinter der Habergeiß ein ursprünglich eigenständiges Fruchtbarkeits- oder Erntewesen, das erst im Zuge der christlichen Umdeutung winterlicher Bräuche zur reinen Schreckgestalt wurde, eine These, die sich aus den vorliegenden Quellen jedoch nicht abschließend belegen lässt.
Die Habergeiß ist bis heute fester Bestandteil vieler Perchten- und Krampusläufe in Kärnten, Salzburg und der Steiermark und wird dort von eigens gefertigten, oft handwerklich aufwendigen Kostümen dargestellt. Außerhalb des Alpenraums blieb sie vergleichsweise unbekannt, während sie innerhalb der Perchtenläufe ihren Platz als eigenständige, klar wiedererkennbare Nebenfigur neben Krampus und Perchten behauptet hat.
Religionswissenschaftlich lässt sich die Habergeiß als Verdichtung agrarischer Ängste in Tiergestalt verstehen: Die Missbildung des Körpers markiert sie als Grenzwesen zwischen Nutztier und Dämon, während ihre Bindung an die Perchtenzeit sie in den größeren Zusammenhang winterlicher Austreibungsrituale einordnet. Ob der Name ursprünglich ein eigenständiges Fruchtbarkeitswesen bezeichnete, das erst später zur reinen Schreckgestalt wurde, lässt sich aus den vergleichsweise späten Quellen nicht sicher rekonstruieren.
Gegen die Habergeiß halfen der Überlieferung nach vor allem die allgemeinen Schutzmaßnahmen der Rauhnachtszeit: das Räuchern von Stall und Stube mit Wacholder oder Weihrauch, um Vieh und Vorräte vor dem Zugriff umherziehender Wintergeister zu bewahren, sowie das laute Läuten von Glocken, das dem Vieh im Stall zugeschrieben schützende Wirkung verlieh. Auch das feste Verriegeln der Stalltüren während der kritischen Nächte und das Anbringen von Eisen an Schwellen gehörten zum überlieferten Repertoire. Wo die Habergeiß als Vorzeichen gedeutet wurde, riet man zusätzlich dazu, den eigenen Hof in den Rauhnächten besonders sorgfältig in Ordnung zu halten, um kein zusätzliches Unglück heraufzubeschwören.
Eine entfernte Parallele bietet der orkadische Nuckelavee, ein hautloses, mit einem Pferd verwachsenes Wesen, dem ebenfalls Seuche und Missernte zugeschrieben wurden. Beide Gestalten verbindet das Motiv des unnatürlich verformten Tierkörpers als Träger agrarischer Bedrohung, auch wenn der Nuckelavee einem gänzlich anderen, nordatlantischen Sagenkreis entstammt und nicht an winterliche Umzugsbräuche gebunden ist. Innerhalb der Perchtenläufe steht sie zudem neben Krampus, Frau Perchta und dem Barbegazi als weitere alpine Winterschreckgestalt.
Warum hat die Habergeiß drei Beine?
Die Forschung liest die Fehlbildung als Zeichen dafür, dass die Gestalt außerhalb der natürlichen Ordnung steht und deshalb Unglück ankündigt. Eine einheitliche, quellenfest belegte Erklärung für genau drei Beine gibt es nicht.
Ist die Habergeiß dasselbe wie der Krampus?
Nein, sie ist eine eigenständige Begleitfigur der Perchtenläufe, die neben Krampus und Perchten auftritt, aber eine eigene Gestalt und Symbolik besitzt. Alle drei Figuren teilen sich jedoch dieselbe winterliche Umzugszeit.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Habergeiss Perchtenlauf-Begleiterin zieht sie neben Krampus und Perchten durchs Dorf; der Name Dreibeinige Ziege Alpen beschreibt treffend jene Unglücksgestalt, die mit ihrem Meckern noch heute Warnung und Aberglaube verbindet.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Empfohlene Schutzmittel
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