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Amaterasu, Göttin der japanischen Tradition

Sonnenkonjunktur, Stammmutter des Kaiserhauses, Seele Japans. Amaterasu Ōmikami ist die zentrale Göttin des japanischen Shintōismus, Inkarnation der Sonne selbst, oberste Kami aller Kulte. Sie ist nicht nur Himmelskörper, sondern legale Ahne des Kaisers, weshalb ihre direkten Heiligtümer unter strengstem Zugang stehen. Der Ise-Schrein, Japans heiligster Ort, ist einzig ihrer Verehrung geweiht. Im Kojiki-Mythos versteckt sich Amaterasu in einer Höhle, plunging die Welt in Dunkelheit, ein dramatisches Bild der kosmischen Abhängigkeit vom göttlichen Licht.

Amaterasu ist die Sonnenkönigin Japans und Stamm-Mutter des Kaiserhauses.

Amaterasu ist Göttin der japanischen Tradition und Sonnenkönigin des Shinto-Pantheons.

Inhaltsverzeichnis

Amaterasu - Götter aus der Japan-Tradition, historisch-illustrativ

Amaterasu

Im Überblick: Amaterasu

Typ: Japanische Hauptgottheit, Sonnen-Göttin und Himmels-Herrscherin (Shinto)
Pantheon: Shinto (höchste Gottheit des japanischen Pantheons), in synkretistischen Traditionen mit Mahavairocana identifiziert
Funktion: Sonne, Licht, kosmische Ordnung, mythische Ahn-Mutter des japanischen Kaiserhauses
Hauptattribute: Sonnenscheibe, Schwert (Kusanagi), Spiegel (Yata-no-Kagami), Krummjuwel (Yasakani-no-Magatama)
Hauptkultort: Ise-Schrein (Mie-Präfektur, größter und heiligster Schrein Japans)
Geschwister: Tsukuyomi (Mond), Susano-o (Sturm)

Historische Einordnung

Zeitraum der Texte

Amaterasu ist seit dem 8. Jh. n. Chr. literarisch im Kojiki (712) und Nihon shoki (720) belegt, den beiden Hauptquellen der Shinto-Mythologie. Sie ist seit der frühen Heian-Zeit (9. Jh.) als höchste Gottheit des japanischen Kaiserhauses kanonisiert: die kaiserliche Genealogie führt durch Amaterasus Enkel Ninigi-no-Mikoto zurück zu ihr. Der Ise-Schrein, wahrscheinlich seit dem 7. Jh. n. Chr. an seinem heutigen Standort, wird alle zwanzig Jahre nach uralter Tradition komplett neu gebaut (Shikinen Sengu), die letzte solche Erneuerung war 2013, die nächste 2033. Im Vajrayana-Buddhismus (Shingon) seit dem 9. Jh. mit dem kosmischen Buddha Mahavairocana (Dainichi Nyorai) identifiziert.

Verbreitungsraum

Hauptkultort: Ise-Jingû in der Mie-Präfektur, bestehend aus dem äußeren Schrein Geku (der Speisegottheit Toyouke geweiht) und dem inneren Schrein Naiku (Amaterasu geweiht). Der innere Schrein bewahrt den heiligen Spiegel Yata-no-Kagami (eines der drei Reichs-Insignien Japans). Das Heiligtum darf nur von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses und ausgewählten Priestern betreten werden. Daneben gibt es etwa 80.000 Schreine in Japan, in denen Amaterasu mitgeehrt wird (Bun-rei der Ise-Hauptgottheit). Im Ausland: Schreine in Hawaii und Sao Paulo.

Quellenlage

Zentrale Quellen: Kojiki (712) und Nihon shoki (720), die beiden Haupt-Quellen-Sammlungen der Shinto-Mythologie; Engi-shiki (10. Jh., kult-rituelle Bestimmungen für Ise); die Norito (zeremonielle Anrufungs-Texte). Sekundärliteratur: Aston, Shinto. The Way of the Gods; Kanda, Shinto in History. Ways of the Kami; Bocking, A Popular Dictionary of Shinto; Breen/Teeuwen, A New History of Shinto; Reader, Religion in Contemporary Japan.

Name und Varianten

Amaterasu wird als strahlend weibliche Göttin dargestellt, umgeben von Licht. Sie trägt himmlische Gewänder und wird oft holding einen glänzenden Spiegel (Yata-no-Kagami) gezeigt, eines der drei kaiserlichen Schätze, das als ihr Körper oder ihr Symbol des Selbst gilt. Ryaku-Ikonographie zeigt sie thronend, ihre Brüder Tsukuyomi (Mond) und Susanoo (Sturm) flankierend. Der Ise-Schrein ist Architektur pure, von außen nicht sichtbar, verschleiert, mysteriös. Alle 20 Jahre wird der Schrein komplett neu gebaut und die Seele Amaterasus feierlich umgesiedelt.

Beschreibung

Amaterasu ist oberste Kami, kein Mitglied eines Pantheons gleichberechtigter Götter, sondern zentral. Ihre Verehrung im Ise-Schrein ist rituell einzigartig: Nur bestimmte priesterliche Familien dürfen den inneren Heiligtum betreten. Der Kaiser selbst fungiert als Hohe-Priester-Figur. Das Shintō-Neue-Jahr fußt auf ihrer Spende des Lichts. Wenn sie sich, laut Mythos, in einer Höhle versteckte, verfinsterte sich die Welt völlig; nur durch Trick-Liste brachten andere Kami sie zum Herausvorkommen. Das ist kosmische Abhängigkeit: Ohne Amaterasu kein Leben, kein Licht, kein Japan.

Erscheinung und Symbolik

Amaterasu wird als wunderschöne Frau mit strahlender Präsenz dargestellt, oft in Imperialgewändern. Sie wird mit der Sonnenscheibe (Rote Kreisscheibe der japanischen Flagge) verbunden. Ihre heiligen Symbole sind der Spiegel (Yata-no-Kagami), das Schwert und das Juwel. Sie ist von Licht umgeben.

4. Steckbrief: Amaterasu

Die wichtigsten Aspekte von Amaterasu auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.

Kulturkontext

Amaterasu Ômikami („die große Gottheit, die den Himmel erleuchtet“) ist Tochter des Schöpfungs-Paares Izanagi und Izanami, entstanden aus Izanagis linkem Auge, als er sich nach der Rückkehr aus Yomi (Unterwelt) reinigt. Schwester des Mondgottes Tsukuyomi (aus dem rechten Auge) und des Sturmgottes Susano-o (aus der Nase). Hauptmythos: nach einem brutalen Streit mit Susano-o zieht sich Amaterasu in eine Höhle (Ame-no-Iwato) zurück, die Welt versinkt in Dunkelheit. Die Götter verlocken sie heraus durch eine ekstatische Tanz-Performance der Göttin Ame-no-Uzume und einen Spiegel, in dem sie ihr eigenes leuchtendes Antlitz sieht. Mutter der göttlichen Linie, die zum japanischen Kaiserhaus führt: ihr Enkel Ninigi-no-Mikoto steigt vom Himmel hinab und bringt die drei kaiserlichen Regalien mit (Spiegel, Schwert, Juwel).

Bezogen auf

Sonnen- und Lichtgöttin, und damit Quelle des Lebens und der Sehkraft, ein in der Welt-Mythologie eher seltener weiblicher Sonnen-Gott (anders als die mediterranen männlichen Sonnen-Götter). Mythische Ahn-Mutter des japanischen Kaiserhauses: jeder Tenno (Kaiser) gilt als Nachkomme Amaterasus. Im modernen Japan trotz Trennung von Religion und Staat (1947) noch identitaerer Bezug. Patronin der landwirtschaftlichen Fruchtbarkeit (durch ihr Sonnen-Licht). In der Shingon-Tradition als Mahavairocana-Dainichi der kosmische Buddha selbst. In den modernen Shinto-Sekten (z. B. Tenrikyo, Konkokyo) zentral.

Erscheinungsbild

Amaterasu hat keine festgelegte ikonografische Gestalt, in der orthodoxen Shinto-Tradition wird das Bilden von Götter-Statuen vermieden. Ihre Präsenz wird durch heilige Objekte (shintai) repräsentiert: im Naiku der Spiegel Yata-no-Kagami. In der religiösen Bildkunst ab dem Mittelalter manchmal als feierliche junge Frau in mehrlagigem Hofgewand mit Sonnen-Diadem; häufig auch als Sonnenscheibe selbst dargestellt. Begleittiere: weiße Pferde (im Ise-Schrein gehalten), Hahn (verkauft den Sonnenaufgang). In der buddhist. Shingon-Identifikation als Mahavairocana mit Krone, Krone-Geste und Lotos-Thron.

Tätigkeit

Wirkungs-Bereich: Amaterasu wird in jedem Shinto-Hausaltar (kamidana) verehrt, das ist universal in traditionellen japanischen Haushalten. Hauptfeste am Ise-Schrein: Kanname-sai (Oktober, Erntegabe an Amaterasu), Niiname-sai (November, kaiserliches Erntefest), Tsukinami-sai (Juni und Dezember, halbjährliche Hauptriten). Bei der kaiserlichen Inthronisierung (Daijôsai) symbolische Vereinigung des Tenno mit Amaterasu. Persönliche Anrufung am Hausaltar täglich vor dem Frühstück. Pilger nach Ise nehmen einen O-fuda (gedrucktes Schutz-Amulett) mit nach Hause.

Abwehrformen

Sonnenscheibe, Spiegel (Yata-no-Kagami, eines der drei Reichs-Insignien), Schwert (Kusanagi-no-Tsurugi, das ihr Bruder Susano-o aus dem Schwanz des Yamata-no-Orochi-Drachens schnitt), Krummjuwel (Yasakani-no-Magatama). Heilige Tiere: weißes Pferd, Hahn, Krähe (yatagarasu, dreibeinige Sonnenkrähe, die ihren Enkel Jimmu fuhrte). Heilige Pflanzen: Reis, Sakaki-Baum (zentral in Shinto-Riten). Heilige Farbe: weiß.

Verwandte Wesen

Mahavairocana / Dainichi Nyorai (Buddhismus, Shingon-Identifikation), Ohirume-no-muchi (alternative japanische Bezeichnung), Sol Invictus (Römisch, spätrömische Sonnen-Göttin), Helios (Griechenland), Sûrya (Hinduismus), Re (Ägypten). Weibliche Sonnen-Göttinnen-Parallelen: Sol (Germanisch, weiblich, anders als die römische Männliche Sonnen-Form), Sáramanṇa (Hethiter), Sun-Goddess of Arinna (Hethiter), Saulė (Baltisch). Nordische Sol-Göttin und Amaterasu sind die zwei prägnantesten weiblichen Sonnen-Hochgottheiten der Welt-Mythologie.

Schutzpraxis

Verehrungs-Rituale

Amaterasu Ōmikami (japan. 天照大御神, „Himmelserleuchtende Hoheit“) ist Sonnen-Göttin und Stammmutter des japanischen Tennō-Hauses. Hauptkultort ist der Ise-Jingū (Innerer Schrein, Naikū), gegründet 4 v. Chr. nach Tradition. Alle 20 Jahre wird der Schrein nach uralter Tradition abgerissen und neu errichtet (Shikinen Sengū, zuletzt 2013). Hauptfeste: Hatsuhinode (erstes Sonnenaufgangs-Gebet zu Neujahr), Tsukinami-sai (monatliches Ise-Fest). Die Tennō-Inthronisation umfasst das geheime Daijōsai-Ritual mit symbolischer Übergabe der Sonnen-Energie (vgl. Bock).

Anrufungen

Norito-Gebete an Amaterasu folgen den ältesten erhaltenen Formeln des japanischen Shinto (Engi-Shiki, 927 n. Chr.). Die Höhlen-Mythenrolle (Amaterasu zog sich nach Susanoos Frevel in die Ame-no-Iwato-Höhle zurück) wird in Kagura-Tänzen aufgeführt, der Tanz der Ame-no-Uzume vor der Höhle ist Ursprung des japanischen Theaters.

Amulette und Schutzsymbole

Ise-Omamori (Schutzamulette aus dem Ise-Schrein) sind die meistverteilten Schutzamulette Japans. Der Yata-no-Kagami (heiliger Spiegel), eines der drei Reichsregalia, im Naikū aufbewahrt, gilt als ihre Manifestation. Sonnenscheiben-Anhänger aus Bronze/Gold. Die Hi-no-Maru hat ihre symbolische Wurzel in Amaterasus Sonnen-Manifestation.

6. Amaterasu, Parallelen in anderen Kulturen

Amaterasu ähnelt der ägyptischen Ra (Sonne), der griechischen Helios oder Apollon, und der vedischen Surya. Im Gegensatz zu vielen Sonnengöttern ist Amaterasu weiblich, eine Rarität, die das patriarchale Shintō-Establishment lange betonte. Sie teilt Merkmale mit der Inka-Inti (Sonne) und der aztekischen Tonacatecuhtli. Einzigartig ist ihre verfassungsmäßige Rolle: In Japan ist Amaterasu nicht nur religiös, sondern politisch, ihre göttliche Autorität legitimiert Kaisertum selbst.

Quellen und Literatur

  • Aston, William G.: Shinto. The Way of the Gods. London 1905 (klass.).
  • Kanda, Christine Guth: Shinto in History. Ways of the Kami. Honolulu 2000.
  • Breen, John / Teeuwen, Mark: A New History of Shinto. Chichester 2010.
  • Bocking, Brian: A Popular Dictionary of Shinto. London 1995.
  • Reader, Ian: Religion in Contemporary Japan. Honolulu 1991.
  • Heldt, Gustav (Übers.): The Kojiki. An Account of Ancient Matters. New York 2014.
  • Walde, Christine (Hg.): Der Neue Pauly (Lemma „Amaterasu“).