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Inari Ōkami, japanische Gottheit des Reises

Inari Ōkami ist die japanische Gottheit des Reises und zugleich ein Erfolgsgott, dem Bauern wie Kaufleute um Wohlstand opfern. Inari-Ōkami, kurz Inari, ist im japanischen Shintō die Gottheit des Reises, der Fruchtbarkeit, des wirtschaftlichen Wohlstands, der Schmiedekunst und der Füchse (Kitsune).

Mit über 30.000 ihm geweihten Schreinen in Japan zählt Inari zu den am weitesten verbreiteten Kami überhaupt; rund jeder dritte Shintō-Schrein des Landes ist eine Inari-Filiale. Die Verehrung verbindet altertümliche Agrarreligion, mittelalterliche Handwerkertraditionen und eine moderne Geschäftsfrömmigkeit, in der Inari als Schutzgott von Unternehmen und Händlern angerufen wird.

Inari Ōkami gilt als Fuchsgott Japans – die Füchse sind seine Boten und Wächter. Als Reis- und Fuchsgott Japans wird Inari Ōkami bis heute auch als Schutzgott von Unternehmen angerufen.

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Inhaltsverzeichnis

Inari Okami - Götter aus der Japan-Tradition, historisch-illustrativ

Name, Etymologie und Identifikation

Der Name Inari wird traditionell als Verkürzung von «Ine-nari» («Reiswerdung», 稲生) gedeutet, was die agrarische Grundbedeutung unterstreicht. In den klassischen Reichschroniken erscheint Inari nicht eigenständig; erst im «Yamashiro-fudoki» (frühes 8. Jahrhundert) und im «Engishiki» (10. Jahrhundert) wird der Inari-Schrein von Fushimi als kaiserlicher Großschrein verzeichnet.

Die mit Inari verbundenen Kami-Namen sind je nach Tradition Uka-no-Mitama-no-Ōkami, Ōmiyanome-no-Ōkami, Sarutahiko-no-Ōkami, Ōtafune-no-Mikoto und Ukemochi-no-Kami; im Inari-Hauptschrein werden fünf Kami parallel verehrt.

Die Tradition setzt Inari häufig mit Ukemochi-no-Kami gleich, der Nahrungsgöttin, die im «Nihon Shoki» erwähnt wird; aus ihrem getöteten Körper sollen Reis, Getreide und Vieh entstanden sein. Diese Verbindung ist religionsgeschichtlich bedeutsam, weil sie Inari in die altschintōistische Schicht der Vegetations- und Tötungsmythen einordnet.

Mythos und Gründung von Fushimi-Inari

Die Gründungslegende von Fushimi-Inari-Taisha, dem Haupt-Schrein, wird im «Yamashiro-fudoki» überliefert. Im Jahr 711 soll Hata no Irogu, ein Aristokrat aus dem koreanischstämmigen Hata-Klan, einen Reisball als Zielscheibe für seinen Bogen verwendet haben. Der Reisball verwandelte sich in einen weißen Vogel, der zum nahen Berg Inariyama flog.

Wo der Vogel sich niederließ, wuchs Reis; an dieser Stelle errichtete Hata den ersten Inari-Schrein. Die Episode datiert auf den 8. Februar 711 (Hatsuuma-Tag), der bis heute das wichtigste Fest des Schreins markiert.

Die Hata-Sippe stammt aus dem koreanischen Königreich Silla und brachte Seidenraupenzucht und fortgeschrittene Reisanbau-Techniken nach Japan. Die Inari-Religion ist damit ein Beispiel für die kontinentalen Wurzeln früher japanischer Kultpraxis. Klaus Antoni und Helen Hardacre haben in mehreren Arbeiten die koreanischen Bezüge der frühen Inari-Tradition herausgearbeitet.

Symbole, Attribute und die Rolle der Füchse

Inari wird als ältlicher Mann oder als junge Frau dargestellt, oft mit Reisgarbe oder Sichel, manchmal auch beidgeschlechtlich. Im Mittelalter dominierte die männliche Darstellung als bärtiger Greis mit Reissack, in der Edo-Zeit gewann die weibliche Darstellung an Verbreitung. Diese Doppelheit ist religionswissenschaftlich nicht zu vereinheitlichen und gilt als Kennzeichen der Inari-Tradition.

Das wichtigste Symbol sind die Füchse (Kitsune), die nicht Inari selbst sind, sondern als seine Boten (Tsukai) gelten. An jedem Inari-Schrein stehen ein oder mehrere Fuchspaare aus Stein, oft mit Schlüssel, Reiskorn, Edelstein oder Rolle im Maul.

Karen Smyers («The Fox and the Jewel», 1999) hat die Symbolik dieser vier Attribute detailliert untersucht: der Schlüssel zum Reisspeicher, das Reiskorn als Nahrung, der Wunschjuwel und die Sutra-Rolle. Der weiße Fuchs (Byakko) gilt als Bote besonders hohen Ranges.

Die Verbindung Inari-Fuchs ist historisch nicht zwingend ursprünglich. Klaus Vollmer und Bernhard Scheid argumentieren, dass die Fuchs-Inari-Assoziation sich erst im Mittelalter unter dem Einfluss buddhistischer Texte (besonders der Dakini-Verehrung in der Shingon-Schule) verfestigte. In den ältesten Inari-Quellen spielen Füchse keine zentrale Rolle.

Fushimi-Inari-Taisha und die Tausend Torii

Der Hauptschrein Fushimi-Inari-Taisha südöstlich von Kyoto ist mit seinen «Senbon Torii», den «tausend roten Toren», eines der ikonischsten Schrein-Ensembles Japans. Tatsächlich stehen am Berg Inariyama über 10.000 Torii, die in langen Tunneln den Pilgerpfad zum Gipfel des heiligen Berges säumen.

Jedes Torii ist eine private Stiftung; auf der Rückseite stehen Name und Stiftungsdatum des Spenders. Die meisten Stifter sind Unternehmen, die Inari um Geschäftserfolg bitten oder für erhaltenen Erfolg danken.

Der Aufstieg zum Gipfel Inariyama (233 m) dauert etwa zwei Stunden und führt an zahlreichen Nebenschreinen, Steinfüchsen und kleinen Altären vorbei. Der Komplex umfasst Hunderte von Hektar Bergwald und gilt als spirituelle Landschaft, in der die Grenze zwischen offizieller Schrein-Religion und volkstümlicher Geistervorstellung besonders durchlässig ist.

Karen Smyers hat in ihrer ethnografischen Studie die Pluralität der Praktiken am Berg dokumentiert: neben offiziellen Shintō-Riten finden sich kleinere Kapellen für Heiler, Mediums und Privatkulte.

Weitere bedeutende Schreine und das Filialsystem

Neben Fushimi sind die drei wichtigsten Inari-Schreine Toyokawa-Inari in der Präfektur Aichi (eigentlich ein Sōtō-Zen-Tempel namens Myōgon-ji, in dem Inari in buddhistischer Form als Dakini-Shinten verehrt wird), Yūtoku-Inari in Saga (einer der drei größten Inari-Schreine) und Kasama-Inari in Ibaraki.

Diese Schreine zeigen, dass die Inari-Verehrung sowohl in shintōistischer als auch in buddhistischer Form blühte. Bis 1868 war Toyokawa-Inari ein klassisches Beispiel für Shinbutsu-Shūgō; die Meiji-Trennung zwang viele Inari-Tempel zur Wahl zwischen Schrein– und Tempel-Status.

Die rund 30.000 Filialschreine sind über ganz Japan verteilt. Viele befinden sich an ungewöhnlichen Orten: auf Dächern von Kaufhäusern, neben Restaurants, in Werkshöfen, auf Bahnhofsvorplätzen. Diese städtische Allgegenwart ist ein Spezifikum der modernen Inari-Verehrung und unterscheidet sie von den meisten anderen Shintō-Kulten.

Rituale, Feste und Opfergaben

Das wichtigste Fest ist Hatsuuma-Sai am ersten «Tag des Pferdes» im zweiten Monat, der den Gründungstag des Fushimi-Schreins markiert. An diesem Tag pilgern Hunderttausende nach Fushimi, opfern Reis, Sake, Adzukibohnen-Reis und Inari-zushi (Reis in frittiertem Tofu), das traditionelle Inari-Festgebäck. Inari-zushi gilt als Lieblingsspeise der Füchse und ist eine der gängigsten Opfergaben.

Im Frühjahr finden Reis-Pflanz-Riten statt (O-Taue-Sai), im Herbst Erntefeste (Niiname-Sai), bei denen die ersten Reisgaben dargebracht werden. Bei Geschäftseröffnungen ist es üblich, einen Inari-Priester um eine Segnung zu bitten oder ein Mini-Torii vor dem Eingang aufzustellen.

Religionsgeschichtliche Bedeutung und Querverweise

Inari ist wissenschaftlich aus mehreren Gründen interessant: als seltenes Beispiel einer Gottheit, die im Laufe der Geschichte eine erhebliche soziale Verschiebung erfahren hat (von der Agrarreligion zur städtischen Geschäftsfrömmigkeit), als Schlüsselfigur für das japanische Shinbutsu-Shūgō (in der Dakini-Verbindung), und als Lehrbeispiel für die Bedeutung volkstümlicher Religiosität jenseits der offiziellen Reichsschreine.

Helen Hardacre hat Inari als «am stärksten gelebten Kami der Gegenwart» bezeichnet.

Strukturell hat Inari Parallelen zu Demeter (Griechenland), Ceres (Rom), Renenutet (Ägypten) und Dazhbog (Slawisch) als Gottheit der Getreidereife. Die Fuchs-Boten haben in der koreanischen Gumiho- und in der chinesischen Huxian-Tradition Verwandte. Die Verbindung mit Schmiedekunst, die in manchen Quellen genannt wird, knüpft an Inaris frühe Funktion als Schutzgott der Hata-Schmiede an.

Inari in der Populärkultur

Inari ist in der modernen japanischen Populärkultur intensiv präsent. Anime-Serien wie «Inari, Konkon, Koi Iroha» (2014) oder «The Helpful Fox Senko-san» drehen sich um Kitsune-Inari-Mythologie. Die roten Torii von Fushimi sind eines der meistfotografierten Motive Japans. Restaurants mit dem Namensbestandteil «Inari» sind verbreitet, und Inari-zushi gehört zum japanischen Alltag.

Quellen

«Yamashiro-fudoki» (frühes 8. Jahrhundert, fragmentarisch). «Engishiki» (927), Buch IX. «Nihon Shoki» (720), Ukemochi-Erzählung. «Konjaku Monogatari» (frühes 12. Jahrhundert), zahlreiche Fuchs-Inari-Erzählungen. «Inari-Daimyōjin-engi» (Spätmittelalter). Diverse Edo-zeitliche Inari-Hand- und Predigtbücher.

Karen A. Smyers, «The Fox and the Jewel.

  • Shared and Private Meanings in Contemporary Japanese Inari Worship», Honolulu 1999.
  • Nelly Naumann, «Die einheimische Religion Japans», 2 Bände, Leiden 1988 und 1994.
  • Joseph Kitagawa, «Religion in Japanese History», New York 1966.
  • Helen Hardacre, «Shinto. A History», Oxford 2017.
  • Klaus Antoni, «Shintô und die Konzeption des japanischen Nationalwesens», Leiden 1998.
  • Klaus Vollmer, «Shintô und Buddhismus», München 2002.
  • Bernhard Scheid, «Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch», Wien laufend.
  • Inken Prohl, «Religiöse Innovationen», Berlin 2006.

Inari im Shingon-Buddhismus und der Dakini-Kult

Der wichtigste buddhistische Anschluss des Inari-Kults erfolgt in der Shingon-Schule durch die Identifikation mit Dakini-Shinten, einer Erscheinungsform der indischen Dakini-Göttinnen, die im tantrischen Buddhismus als ambivalente Schutzgottheiten verehrt werden.

Während indische Dakinis fluchtragende, manchmal furchterregende Göttinnen sind, wurden sie im japanischen Buddhismus zu wohltätigen Schutzfiguren umgewertet und ikonografisch häufig mit Füchsen verbunden. Dies erklärt, warum der Toyokawa-Inari, ein Sōtō-Zen-Tempel in Aichi, formal kein Schrein ist, dort aber Inari-Verehrung im großen Stil stattfindet.

In der mittelalterlichen Shingon-Theologie wurde Inari mit Dakini-Shinten gleichgesetzt; Kūkai, der Begründer der Shingon-Schule, soll bei seiner Rückkehr aus China im 9. Jahrhundert eine direkte Begegnung mit Inari gehabt haben, die im «Inari-Daimyōjin-engi» legendarisch ausgeschmückt wurde.

Die Verbindung von Inari und Tō-ji, dem zentralen Shingon-Tempel in Kyoto, geht auf diese Begegnung zurück und ist bis heute liturgisch lebendig.

Hata-Klan und kontinentale Wurzeln

Der Hata-Klan, der nach der Gründungslegende den ersten Inari-Schrein errichtete, gehört zu den bedeutendsten kontinentaleingewanderten Sippen des frühen Japans. Ursprünglich aus dem koreanischen Königreich Silla oder Paekche stammend, brachte er Seidenraupenzucht, Reisbauten, Metallverarbeitung und Brauereitechnik nach Japan.

Die historische Forschung (Joan Piggott, Klaus Antoni) hat die Hata-Sippe als eine der einflussreichsten Aristokratenfamilien der frühen Yamato-Zeit identifiziert; ihr Reichtum, ihre wirtschaftliche Bedeutung und ihre religiöse Stiftungspraxis prägten die Kulturlandschaft Westjapans nachhaltig.

Über die Hata-Sippe besteht eine direkte historische Verbindung zwischen Inari und mehreren weiteren wichtigen Heiligtümern. Der Matsuo-Taisha in Kyoto, der Kō-Schrein und der Kamo-Schrein sind alle mit der Hata-Sippe oder mit eng verwandten Sippen verbunden.

Diese Schreinfamilie bildete im 8. und 9. Jahrhundert einen religiösen Verbund, der die Hauptstadt Heian-kyō wirtschaftlich und spirituell flankierte. Inari ist innerhalb dieses Verbundes die zentrale Wohlstands-Gottheit, der Matsuo-Schrein die Saké-Gottheit, der Kamo-Schrein die Wasser-Gottheit.

Inari, Schmiedekunst und Eisenverarbeitung

Eine weniger bekannte, aber historisch belegte Funktion Inaris ist sein Schutz der Schmiede und Eisenverarbeiter. Im «Yamashiro-fudoki» wird die Verbindung Inaris mit der Schmiedekunst angedeutet; ausführlicher behandelt sie das «Konjaku Monogatari» in mehreren Erzählungen über Schwertschmiede, die ihren Erfolg Inari verdanken.

Der Sanjō-Munechika, einer der größten Schwertschmiede des frühen 11. Jahrhunderts, soll sein berühmtestes Schwert «Kogitsune-maru» («Kleiner Fuchs») mit Hilfe Inaris geschmiedet haben; die Legende ist Gegenstand eines klassischen Nō-Stücks («Kokaji»).

Die Verbindung Inaris mit dem Eisen geht auf die Hata-Sippe und ihre kontinentalen Metallverarbeitungstechniken zurück. Archäologische Befunde im Inariyama-Gebiet (Eisenschlacken, Schmelzöfen, Schmiedereste) bestätigen, dass dort vom 7. bis zum 10. Jahrhundert intensive Eisenverarbeitung stattfand.

Inari ist damit ein seltenes Beispiel einer Gottheit, die gleichzeitig die agrarische und die metallurgische Sphäre überspannt und zwei zentrale Wirtschaftsbereiche des frühen Japans religiös integriert.

Der Hatsuuma-Sai und das Festkalender-System

Das Hauptfest Hatsuuma-Sai am ersten Pferde-Tag des zweiten Mondmonats ist ein religionshistorisch bedeutsames Beispiel für die Verknüpfung von chinesischer Sechziger-Zyklus-Astrologie und shintōistischer Schreinpraxis.

Der Pferde-Tag im chinesisch-japanischen Tierkreis fällt jährlich auf ein unterschiedliches Datum; in der Gregorianischen Zählung liegt er meist im Februar. An diesem Tag, der dem mythischen Erscheinen Inaris auf Inariyama im Jahr 711 entspricht, pilgern Hunderttausende nach Fushimi-Inari und zu den Filialschreinen.

Die rituelle Hauptgabe an Hatsuuma ist der «Inari-zushi», Reisball in frittiertem Tofu-Beutel («aburaage»), der nach der Volksvorstellung Lieblingsspeise der Füchse ist. Zweite zentrale Gabe ist der «Hatsuuma-zushi», eine reichere Sushi-Variante mit Adzuki-Bohnen und Sesam.

Diese Speisen werden im Schrein dargebracht und anschließend von den Pilgern verzehrt; der Schrein verkauft sie auch über das Jahr als Souvenir und liturgisches Lebensmittel.

Schrein-Filialsystem und administrative Struktur

Das japanische Schrein-Filialsystem («Bunsha-seido») ist ein historisch bedeutsames Verwaltungssystem, in dem ein Hauptschrein durch ein Ritual der «Schreinteilung» («Bunrei» oder «Kanjō») einen seiner Kami in einem neuen Schrein an einem entfernten Ort etabliert.

Bei Inari ist dieses System besonders ausgebaut: Fushimi-Inari ist Hauptschrein von rund 30.000 Filialschreinen, was eine umfassende landesweite religiöse Vernetzung darstellt. Die Filialschreine zahlen nicht direkt Tribut an Fushimi, sind aber liturgisch und administrativ angebunden.

Ein neuer Inari-Schrein wird üblicherweise gegründet, wenn ein Geschäft, eine Werkstatt oder ein Bauernhof eine Inari-Beziehung etablieren will. Dazu wird im Fushimi-Hauptschrein eine Kanjō-Zeremonie durchgeführt, bei der ein «Mitama-shiro» («Geist-Behältnis», meist ein Stück Spiegel oder Schwert) geweiht und an den neuen Ort übertragen wird.

Karen Smyers hat in ihrer ethnografischen Studie die rituelle Vielfalt dieser Praktiken dokumentiert und gezeigt, dass kleine Inari-Schreine auf Dächern, in Höfen, in Kaufhaus-Stockwerken und an Bahnhöfen eine charakteristische japanische religiöse Mikrolandschaft bilden.

Inari im Volksglauben: Kitsune-tsuki und Fuchsbessenheit

Eine düstere Seite des Inari-Komplexes ist die Vorstellung der «Kitsune-tsuki» («Fuchs-Besessenheit»), nach der Füchse von Menschen Besitz ergreifen und sie zu unkontrolliertem Verhalten zwingen können.

Diese Glaubensvorstellung war in der Edo-Zeit weit verbreitet und ist in Volkserzählungen und in psychiatrisch-historischen Studien dokumentiert. Bei einer Kitsune-Besessenheit verändern sich Stimme, Gesichtsausdruck und Verhalten des Betroffenen; man glaubte, der Fuchs könnte über Speisewünsche, Wutanfälle oder Visionen sprechen.

Die Diagnose und «Heilung» einer Fuchsbessenheit war in der Edo-Zeit Aufgabe der Schrein-Priester, der buddhistischen Mönche oder regionaler Schamanen («Ogamiya»).

Mit dem Zwang zur Moderne in der Meiji-Zeit verschwand die Kitsune-tsuki-Diagnose aus den offiziellen Diskursen, blieb aber in der Volksreligiosität weiterhin präsent. Carmen Blacker hat in «The Catalpa Bow» (1975) die Kitsune-tsuki-Tradition als Teil der japanischen schamanischen Religiosität dokumentiert.

Forschungsgeschichte und religionssoziologische Bewertung

Die Forschung zu Inari hat sich vor allem in den letzten dreißig Jahren stark internationalisiert. Karen Smyers («The Fox and the Jewel», 1999) hat mit einer dichten ethnografischen Beschreibung des Fushimi-Schreins und seiner Pilger den methodischen Standard für moderne Schrein-Studien gesetzt.

Helen Hardacre, Bernhard Scheid, Klaus Antoni und Inken Prohl haben Inari in ihren Überblicksdarstellungen jeweils prominent eingeordnet und seine Sonderstellung als «am stärksten gelebten Kami» dokumentiert.

Religionssoziologisch ist Inari ein faszinierendes Beispiel für die Wandlungsfähigkeit einer Gottesvorstellung: vom altertümlichen Reisgott der Hata-Sippe über den Schutzgott der mittelalterlichen Schmiede und Kaufleute bis zum modernen Patron der Unternehmen und Selbstständigen.

In jedem dieser Stadien hat Inari die jeweiligen wirtschaftlichen Hoffnungen und Ängste seiner Anbeter aufgenommen und religiös bearbeitet. Diese Anpassungsfähigkeit erklärt seine bis heute ungebrochene Bedeutung in einer ansonsten weitgehend säkularisierten japanischen Gesellschaft.