Apu Pitusiray, die versteinerte Tochter des Kuraka
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Apu Pitusiray ist Berggöttin der Quechua-Tradition.
Die weibliche Hälfte des Bergpaars über dem Heiligen Tal.
Apu Pitusiray ist eine vergletscherte Bergspitze hinter Calca im Heiligen Tal, weiblich konnotiert und mit dem Nachbarberg Sawasiray als Paar aufgefasst. Für die Felder von Calca ist sie Wasser- und Fruchtbarkeitsspenderin.
Eine lokale Legende erzählt von einem versteinerten Liebespaar, das sich seither über das Tal ansieht: Pitusiray gilt darin als die versteinerte Tochter eines Kuraka.
Typ: weiblich konnotierter Schutz- und Fruchtbarkeits-Apu
Herkunft: Urubamba-Tal, Region Cusco
Texte: Legende, Landschaftsstudie, ethnografische Berichte
Zeitraum: präkolumbisch bis Gegenwart
Erscheinung: vergletscherter Zwillingsgipfel, etwa 4900 bis 5000 Meter
Legende und Überlieferung
Zeitraum der Texte
Präkolumbisch verwurzelt, getragen von mündlicher Legende und moderner Landschaftsstudie; eine belegte Inka-Quelle zur Liebespaar-Erzählung fehlt.
Verbreitungsraum
Das Urubamba-Tal in der Region Cusco: Calca und das Heilige Tal, über denen der Zwillingsgipfel aufragt.
Belegdichte
Mäßig: Eine Landschaftsstudie von Ortiz Luna und ethnografische Arbeiten stehen viel touristischem Legendenmaterial gegenüber.
Name und Varianten
Quechua: Die Etymologie ist umstritten. Verbreitet ist eine Verbindung mit siray oder sira, nähen oder verbinden, im Motiv des Zusammenfügens; Deutungen wie der Zahnartige oder der Gestreifte gelten als volksetymologisch und unsicher.
Gestalt und Legende
Erscheinung
Pitusiray ist ein vergletscherter Zwillingsgipfel und weiblich konnotiert, als weibliche Hälfte des Paars mit Sawasiray, verbunden mit Fruchtbarkeit, Wasser und Ahnenkult. Die Legende sieht in ihr die versteinerte Tochter eines Kuraka.
Wirkung
Als Apu schützt Pitusiray im lokalen Erzählmotiv Beziehungen und Familienharmonie und ist Wasser- und Fruchtbarkeitsspenderin für die Felder von Calca.
Steckbrief: Apu Pitusiray
Die Berggottheit von Calca und ihre Legende in Kürze.
Weiblich konnotierter Apu des Heiligen Tals; der Sawasiray-Pitusiray-Komplex ist als heiliges Landschafts-, Ahnen- und Wasser-Heiligtum wissenschaftlich behandelt.
Calca und das Heilige Tal: die Felder, denen sie Wasser spendet, und im Erzählmotiv Beziehungen und Familienharmonie.
Vergletscherter Zwillingsgipfel; die Legende sieht darin die versteinerte Tochter eines Kuraka, die zum Gegenüber blickt.
Wasser- und Fruchtbarkeitsspenderin, verbunden mit dem Ahnenkult und den Quellen der heiligen Landschaft.
Fels- und Quellheiligtümer der Umgebung; Despacho- und Wasserrituale sind plausibel, eine Capacocha am Berg selbst ist nicht gesichert.
Andere versteinerte-Liebespaar-Bergmythen der Anden; strukturell der Wasser- und Fruchtbarkeitskult des Apu Ausangate.
Sawasiray und Pitusiray: das Bergpaar von Calca
Der Name wird meist mit siray oder sira verbunden, nähen oder verbinden, im Motiv des Zusammenfügens; andere Deutungen gelten als volksetymologisch. Auch die Höhen schwanken je nach Quelle: für Pitusiray oft etwa 4900 bis 5000 Meter, für Sawasiray etwa 5800 Meter. Der Sawasiray-Pitusiray-Komplex ist als präkolumbisches heiliges Landschafts-, Ahnen- und Wasser-Heiligtum wissenschaftlich behandelt.
Daneben lebt die Erzählung: Die Tochter eines Kuraka und ihr Geliebter seien zu Stein geworden und sähen sich seither über das Tal hinweg an. Diese Legende ist mündliche Tradition, farbig, vielfach nacherzählt und von der touristischen Vermarktung stark ausgeschmückt.
Tourismus, Legende und Einordnung
Populär wird Pitusiray als Romeo-und-Julia der Anden vermarktet; die touristischen Nacherzählungen sind stark ausgeschmückt und kritisch zu behandeln.
Religionswissenschaftlich ist Apu Pitusiray ein regionaler, gut in die Ethnohistorie eingebetteter Kult mit viel touristischem Legendenmaterial. Drei Klarstellungen: Höhenangaben und Etymologie kursieren widersprüchlich. Die Liebespaar-Legende ist mündliche Tradition, keine belegte Inka-Quelle. Und Pitusiray ist nicht identisch mit Sawasiray, sondern bildet mit ihm ein Paar.
Quellheiligtümer und Wasserrituale
Die heilige Landschaft um das Bergpaar umfasst Fels- und Quellheiligtümer; Despacho- und Wasserrituale sind plausibel, wobei Kokablätter in der andinen Praxis als Vermittler der Gaben dienen. Eine konkrete inkazeitliche Capacocha am Pitusiray selbst ist dagegen nicht gesichert belegt; das bleibt ehrlich offen. Der Kult der Berggöttin ist damit vor allem einer der Quellen, des Wassers und der Fruchtbarkeit.
Bergpaare und Liebeslegenden der Anden
Pitusiray steht neben anderen versteinerte-Liebespaar-Bergmythen der Anden und strukturell dem Fruchtbarkeits- und Wasserkult des Apu Ausangate nahe. In derselben Region erhebt sich der Apu Pachatusan als Weltpfeiler von Cusco. Als weibliche Berggottheit berührt sich ihre Rolle mit der Erdmutter Pachamama, der großen Spenderin von Fruchtbarkeit.
Häufige Fragen zu Apu Pitusiray
Ist Pitusiray weiblich?
Ja, sie ist weiblich konnotiert, als weibliche Hälfte des Paars mit Sawasiray.
Was besagt die Legende?
Ein Liebespaar sei zu Stein geworden und sehe sich seither über das Tal an; Pitusiray ist darin die versteinerte Tochter eines Kuraka.
Gibt es Gipfelopfer-Funde?
Eine inkazeitliche Capacocha am Pitusiray selbst ist nicht gesichert belegt.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Apu Pachatusan – der Weltpfeiler in derselben Region Cusco
- Apu Salkantay – großer Apu der Cusco-Region
- Pachamama – die Erdmutter der Anden
- Räuchern, Amulett – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Berggöttin bei Calca vereint Apu Pitusiray zwei Gesichter: die Wasserspenderin der Felder und die Heldin einer Erzählung, in der ein versteinertes Liebespaar für immer über das Tal hinweg verbunden bleibt.





