Apu Misti ist Berggott der Quechua-Tradition.
Der aktive Vulkan über Arequipa mit Capacocha-Opfern im Krater. Im Zentrum steht das Wechselspiel aus Schutz und Drohung, das den Vulkan über Arequipa prägt.
Apu Misti ist ein etwa 5822 Meter hoher, aktiver Vulkan unmittelbar über der Stadt Arequipa und deren Wahrzeichen. Als Apu ist er ambivalent: Fruchtbarkeitsspender und potenzieller Zerstörer zugleich, was die Besänftigungsopfer an ihm erklärt.
1998 gruben Johan Reinhard, José Antonio Chávez und Constanza Ceruti im Kraterbereich ein Capacocha-Heiligtum aus, mit mehreren Opfern und rund vierzig bis siebenundvierzig Figürchen. Die Kraterfunde gelten als eines der bedeutendsten Capacocha-Ensembles.
Typ: Apu, Schutz- und Bedrohungsberg, Fruchtbarkeitsspender
Herkunft: Region Arequipa, Südperu
Texte: inkazeitliche Capacocha, moderne Archäologie, Kraterfunde 1998
Zeitraum: Inkazeit bis Gegenwart
Erscheinung: fast perfekter Vulkankegel, etwa 5822 Meter
Inkazeitlich als Capacocha-Heiligtum genutzt; die moderne Kenntnis beruht vor allem auf den Kraterfunden von 1998.
Die Stadt Arequipa und ihr Umland in Südperu; der Kegel des Misti bestimmt das Panorama der Stadt.
Sehr gut: die Kraterfunde von 1998, dazu Studien von Socha und Ceruti; die Erhaltung der Funde ist wegen Schwefel und Hitze allerdings schlecht.
Quechua und Lokalsprache: Misti bedeutet im lokalen Sprachgebrauch Herr oder Mestize; die ältere Quechua-Bezeichnung Putina heißt der brodelt oder kocht. Die genaue Herleitung ist teilweise unsicher.
Erscheinung
Misti ist ein fast perfekter Vulkankegel und das Wahrzeichen Arequipas, zugleich Schutz- und Bedrohungsberg wegen der Ausbruchsgefahr.
Wirkung
Als aktiver Vulkan ist der Apu doppelgesichtig: Er spendet Fruchtbarkeit und kann zerstören. Aus dieser Doppelnatur erklären sich die Besänftigungsopfer, die die Inka in seinem Krater niederlegten.
Der Vulkan-Apu Arequipas in seinen wichtigsten Zügen.
Apu und Wahrzeichen Arequipas; in der Inka-Staatsreligion Schauplatz des Capacocha, des höchsten Opfers.
Die Stadt Arequipa und ihr Umland, denen der Berg Fruchtbarkeit spendet und zugleich mit Ausbruch droht.
Fast perfekter Vulkankegel über Arequipa; als Apu personifiziert gedacht, nicht als Bildwerk verehrt.
Schutz- und Bedrohungsberg: Die Opfer im Krater sollten den Spender besänftigen, der auch Zerstörer sein kann.
Inkazeitlich Menschen- und Figuren-Opfer im Krater; heute die üblichen Despacho- und Pago-Gaben der Anden, von Kokablättern über Lama-Fett bis Chicha.
Ampato und Coropuna in derselben Region sowie der argentinische Llullaillaco; als Apu der Achachila der Aymara.
Der Name Misti bedeutet im lokalen Sprachgebrauch Herr oder Mestize; älter ist die Quechua-Bezeichnung Putina, der brodelt oder kocht, ein Name, der die Natur des Berges genau trifft. Als aktiver Vulkan war Misti für die Inka Fruchtbarkeitsspender und potenzielle Gefahr in einem, und genau darauf antwortete das höchste Opfer des Staates.
1998 legten Johan Reinhard, José Antonio Chávez und Constanza Ceruti im Kraterbereich ein Capacocha-Heiligtum frei: mehrere Menschenopfer und rund vierzig bis siebenundvierzig Figürchen aus Edelmetall und Spondylus. Schwefel und Hitze des aktiven Kraters haben die Funde stark angegriffen, weshalb ihre Erhaltung schlecht ist und die Bergung erschwert war.
Misti ist ein zentrales Identitätssymbol Arequipas, und die Kraterfunde von 1998 gelten als eines der bedeutendsten Capacocha-Ensembles überhaupt.
Religionswissenschaftlich zeigt Apu Misti die Besänftigung eines aktiven Vulkans durch das höchste Staatsopfer. Zwei Klarstellungen: Die genaue Opferzahl schwankt in der Literatur zwischen sechs und acht oder neun, da die Kraterbedingungen die Bergung erschwerten. Und Misti liegt über Arequipa, nicht bei Cusco; die gegenteilige Zuordnung ist eine populäre Fehlannahme.
Quellenfest ist das Capacocha mit Menschen- und Figuren-Opfern im Krater, direkt nachgewiesen durch die Grabung von 1998; wegen Schwefel und Hitze ist die Erhaltung der Funde schlecht. Die heutige Verehrung kommt ohne Opfergänge in den Krater aus: Sie folgt den allgemeinen Despacho- und Pago-Formen, bei denen Kokablätter, Lama-Fett und Chicha dem Apu dargebracht werden.
Apu Misti steht neben dem Apu Ampato und dem Apu Coropuna in der Bergwelt um Arequipa sowie neben dem argentinischen Llullaillaco, der dasselbe Gipfelopfer-Muster zeigt. Das Gegenstück zum Apu in der Aymara-Tradition ist der Achachila; die Verbindung zur Erdmutter Pachamama gehört zum Kern der andinen Bergverehrung.
Wo liegt der Apu Misti?
Direkt über der Stadt Arequipa in Südperu, nicht bei Cusco; die Cusco-Zuordnung ist eine verbreitete Fehlannahme.
Was fand man im Krater?
Ein Capacocha-Heiligtum mit mehreren Menschenopfern und rund vierzig bis siebenundvierzig Edelmetall- und Spondylus-Figürchen.
Ist der Misti gefährlich?
Mythologisch nicht; real ist er ein aktiver Vulkan mit Ausbruchsgefahr.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Vulkan von Arequipa prägt der Misti das Bild seiner Stadt bis heute; als Berggott mit Gipfelopfern zeigt er, wie ernst die Inka seine Doppelnatur aus Segen und Drohung nahmen.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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