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Vedava, die besänftigte Herrin der Fische

Vedava ist Geist der finno-ugrischen (Wolga-) Tradition.

Nährende Herrin bei Opfergabe, tödlich bei Missachtung. Die besänftigte Seite der Vedava steht neben ihrer tödlichen Kehrseite bei Missachtung.

GeistFinno-ugrisch

Inhaltsverzeichnis

Vedava (Mari), Geist der finno-ugrischen (Wolga-) Tradition
Vedava (Mari)

Vedava, auch als Vedava Mari von der mordwinischen Ved-ava unterschieden, ist die Wasser-Mutter der Mari, eines wolga-finnischen Volkes an der Wolga. Als Herrin der Gewässer und der Fische bestimmt sie über den Fangerfolg; die Fischer besänftigen sie mit dem ersten Fang.

Sie gehört zum Mari-Paganismus, der bis heute lebendigen Naturreligion der Mari, deren Ava-System neben ihr weitere Muttergeister für Erde, Wald, Wind und Sonne kennt. Vüd-ava, wie sie im Mari-eigenen Wortlaut heißt, ist eng mit der mordwinischen Ved-ava verwandt, aber ein eigenständiges Wesen einer eigenen Tradition.

Auf einen Blick: Vedava

Typ: Wasser-Mutter im Meerjungfrauen-Typus, Herrin der Gewässer und Fische
Herkunft: Mari-Paganismus, Naturreligion der Mari an der Wolga
Texte: Typ und Verwandtschaft klar belegt, Mari-eigene Details aus der wolga-finnischen Tradition erschlossen
Zeitraum: ethnografisch dokumentiert, bis heute lebendige Praxis
Erscheinung: langes Haar, große Brüste, fischartiger Unterleib, kämmend auf einem Stein

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Die Überlieferung gehört zur bis heute praktizierten Naturreligion der Mari und ist ethnografisch dokumentiert, nicht literarisch-historisch datiert wie viele andere Wassergeister.

Verbreitungsraum

Verbreitet in der Republik Mari El an der Wolga, Russland, dem Siedlungsgebiet der Mari.

Quellenlage

Typ und Verwandtschaft der Wasser-Mutter sind klar bestimmt; die spezifisch Mari-benannte Vüd-ava ist in den zugänglichen Quellen dünner belegt als die mordwinische Ved-ava, sodass sich die Beschreibung teils auf die gemeinsame wolga-finnische Tradition stützt.

Name und Varianten

Mari: vüd bedeutet Wasser, ava Mutter: Vüd-ava, im Deutschen Vedava, heißt wörtlich Wasser-Mutter. Der Name folgt exakt dem Ava-System der Mari, in dem Muttergeister Erde, Wald, Wind, Sonne und eben das Wasser regieren.

Erscheinungsbild

Erscheinung

Vedava entspricht im Ava-Typus der gesamteuropäischen Meerjungfrauenvorstellung: langes Haar, das sie kämmend auf einem Stein sitzend zeigt, große Brüste und ein fischartiger unterer Körper. Singend oder musizierend macht sie sich bemerkbar und zieht so die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich.

Wirkung

Als Herrin der Fische bestimmt Vedava über den Fangerfolg und muss von den Fischern besänftigt werden. Ihr Erscheinen gilt als schlechtes Vorzeichen, meist als Ankündigung des Ertrinkens. Bei richtigem Verhalten, bei Opfer und Tabu-Beachtung, sichert sie dagegen Fang und Wohlergehen: Sie ist nährende Herrin und Gefahr zugleich.

Steckbrief: Vedava

Die wichtigsten Aspekte der Wasser-Mutter auf einen Blick.

Tradition

Teil des Mari-Paganismus, der bis heute lebendigen Naturreligion der Mari an der Wolga, mit dem Ava-System der Muttergeister als Rahmen.

Zuständig für

Die Fischer der Mari, deren Fangerfolg von ihrem Wohlwollen abhängt; Missachtung der Tabus gilt als Ursache des Ertrinkens.

Darstellung

Langes, gekämmtes Haar, große Brüste und ein fischartiger Unterleib, sitzend auf einem Stein am Wasser.

Wirkungsbereich

Fangerfolg und Wohlergehen bei Opfer und Tabu-Treue, Ertrinken als Vorzeichen bei Missachtung: eine doppelte Wirkung.

Kult

Das Opfer des ersten Fangs und die Einhaltung fischereibezogener Tabus, eingebettet in die Verehrung der Muttergeister in heiligen Hainen.

Verwandtes

Am nächsten die mordwinische Ved-ava, dazu die finnische Vellamo als verwandte Wasserherrin des Ava-Typus.

Zwischen Mari-Naturreligion und wolga-finnischer Ava-Familie

Die Mari, früher Tscheremissen genannt, sind ein wolga-finnisches, finno-ugrisches Volk. In ihrer bis heute lebendigen Naturreligion, dem Mari-Paganismus, ist die Welt von Muttergeistern durchzogen, den ava: der Erdmutter, den Wald-, Wind- und Sonnengeistern und eben der Wassermutter. Diese heißt im Mari-Kontext Vüd-ava, wörtlich Wasser-Mutter, aus vüd, Wasser, und ava, Mutter, und ist die Herrin der Gewässer und ihrer Fülle, insbesondere der Fische.

Strukturell ist sie identisch mit der mordwinischen Ved-ava und der estnischen Vete-ema. Die Mari-Religion beruht auf Baum- und Tieropfern in heiligen Hainen, in die auch die Verehrung der Wassermutter eingebettet ist. Die spezifisch Mari-benannte Vüd-ava ist in den zugänglichen Quellen dünner dokumentiert als die mordwinische Ved-ava, sodass sich die Beschreibung teils auf die gemeinsame wolga-finnische Tradition stützt.

Zwischen Epos Jugorno und gelebter Verehrung

In der bis heute praktizierten Mari-Naturreligion sind die Wasser- und anderen Muttergeister lebendige Verehrungsobjekte. Das große literarische Werk zur Mari-Mythologie ist das Epos Jugorno, das den mythologischen Gesamtrahmen entfaltet, in dem auch die Wassermutter ihren Platz hat.

Religionswissenschaftlich gehört Vedava zu einer Klasse von Naturgeistern, die bei allen fischereiabhängigen finno-ugrischen Völkern auftritt. Der Ava-Typus, die Mutter-Herrin eines Naturbereichs, ist strukturell mit den finnischen Mutter-Vorstellungen und dem Haltija-Prinzip verwandt und stellt die wolga-finnischen Muttergeister in den weiteren nordeurasischen Kontext.

Das Erstlingsopfer der Fischer

Quellenfest ist das Fischeropfer: Die Fischer opferten dem Wassergeist den ersten Fang und hielten beim Fischen zahlreiche Tabus ein. Das Erstlingsopfer und die Tabu-Einhaltung bilden den Kern der Schutzpraxis. Die Mari-Praxis ordnet solche Opfer in das System der heiligen Haine ein, in denen die Muttergeister verehrt werden. Der Schutz liegt damit im rechten, ehrfürchtigen Verhältnis zur Wassermutter, nicht in Abwehr oder Bann.

Wassermütter zwischen Wolga und Ostsee

Vedava ist die direkte Schwesterfigur der mordwinischen Ved-ava: Beide Namen bedeuten Wasser-Mutter, beide gehören zum selben Ava-Typus, den sie mit der estnischen Vete-ema teilen, doch jede besitzt die eigene Tradition ihres Volkes und ist ein eigenständiges Wesen. Zu den funktional verwandten Wasserherrinnen zählt die finnische Vellamo, in der russischen Nachbarschaft die slawische Rusalka. Als Fluss- und Wassergöttin steht Vedava zudem der indischen Sarasvati nahe, und ihre Meerjungfrauengestalt teilt sie mit dem germanischen Nix.

Häufige Fragen zu Vedava

Ist Vedava dasselbe wie Ved-ava?

Nein. Es sind zwei verwandte Wassermütter benachbarter wolga-finnischer Völker mit fast gleichem Namen, Wasser-Mutter. Sie gehören zum selben Ava-Typus, haben aber eine eigene Tradition und sind eigenständige Wesen.

Wird die Wassermutter der Mari heute noch verehrt?

Ja. Die Mari-Naturreligion ist eine der wenigen lebendigen europäischen ethnischen Religionen, und die Wasser- und Muttergeister gehören bis heute zu ihrem Kult.

Wie besänftigt man Vedava?

Durch das Opfer des ersten Fangs und die Einhaltung der fischereibezogenen Tabus. Ihr Erscheinen dagegen gilt als schlechtes Vorzeichen, meist als Ankündigung des Ertrinkens.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Harva, Uno: Die religiösen Vorstellungen der altaischen Völker. Helsinki 1938.
  • Spiridonow, Anatoli: Jugorno. Joschkar-Ola 2002.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als Vedava Wassermutter bekannt, verkörpert sie, was die Mari Mythologie von Anfang an lehrt: Wer das Wasser der Wolga ehrt, dem schenkt es Fische, wer es missachtet, den zieht es in die Tiefe.

Classification & Protection

IIILEVEL
The Protection Compass assigns this being to influence level III, Burdensome influence.

Against its influence, cross-cultural tradition names these protective means:

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