Samantabhadra ist Gott der buddhistischen Tradition.
Der Bodhisattva der universellen Tugend, auf dem goldenen Elefanten. Samantabhadra ist der Bodhisattva der Tugend und des praktischen Handelns, nicht Weisheit wie Manjushri, nicht Mitgefühl wie Avalokiteshvara, sondern die Vollendung aller guten Taten.
Auf einem riesigen weißen oder goldenen Elefanten mit sechs oder acht Stoßzähnen reitend, symbolisiert Samantabhadra das Engagement für das Wohl aller Wesen. Im *Avatamsaka-Sutra* wird sein Name zu einem Mantra der universalen Tugend. Eine weniger bekannte, doch tiefgreifende Kraft, das »Ja« zur Erleuchtung durch gutes Handeln.
Typ: Mahayana-Buddhistischer Bodhisattva, Verkörperung der buddhistischen Praxis und der Gelübde
Pantheon: Mahayana– und Vajrayana-Buddhismus
Funktion: Praxis und Tat (gegenüber Manjušris Weisheit), Verbreitung des Dharma, Beschützer der Lotos-Sutra-Träger
Hauptattribute: Weißer Elefant mit sechs Stößeln als Reittier, Lotos-Blüte, Wunsch-erfüllendes Juwel
Hauptkultorte: Mt. Emei (Sichuan, einer der vier heiligen Berge des chinesischen Buddhismus), Tsurupu (Tibet)
Tibetische Identifikation: Kuntuzangpo (Adi-Buddha im Nyingma-System)
Samantabhadra ist seit den frühen Mahâyâna-Sutren (1.–2. Jh. n. Chr.) belegt, im Lotos-Sutra (Kapitel 28) als Beschützer der Lotos-Sutra-Anhänger. Hauptblütezeit der Samantabhadra-Verehrung: chinesischer Buddhismus mit dem Mt. Emei-Kultzentrum (seit der Tang-Dynastie, 7.–10. Jh.).
In der tibetischen Nyingma-Tradition ist Kuntuzangpo die kosmische Form Samantabhadras, der Adi-Buddha, der primordiale Buddha aus dem alle anderen hervorgehen. Dies ist eine zentrale theologische Position, die das Nyingma vom Gelug-Buddhismus unterscheidet.
Hauptkultorte: Mt. Emei (Sichuan, China, einer der vier heiligen buddhistischen Berge Chinas, mit der gigantischen Samantabhadra-Statue auf dem Goldenen Gipfel), Tsurupu-Kloster (Tibet, Sitz der Karmapa-Reinkarnation, im Nyingma-Kontext mit Samantabhadra/Kuntuzangpo verbunden), Mindrolling und Dorje Drak (Tibet, Nyingma-Hauptklöster).
In Japan als Fugen Bosatsu in vielen Tempeln verehrt; in Korea als Bohyeon Bosal. International in jedem mahayana-buddhistischen Tempel mit Bodhisattva-Tradition präsent.
Zentrale Quellen: Lotos-Sutra (Kap. 28, Samantabhadras zehn große Gelübde), Avataṃsaka-Sutra (Hua-yan-Sutra, mit den berühmten Bhadracarî-praṇidhâna, den zehn Praxis-Gelübden Samantabhadras im Schluss-Kapitel), Samantabhadra-Sadhana-Texte. Tibetisch: Könchog Chidu (Nyingma-Praxis-Sammlung), Kunzang Lama’i Shälung. Sekundärliteratur: Williams, Mahayana Buddhism; Cleary, The Flower Ornament Scripture; Lopez, Religions of Tibet in Practice.
Samantabhadra wird als schöner, jugendlicher Bodhisattva dargestellt, oft grün oder golden gekleidet, auf einem riesigen Elefanten mit strahlendem weißem oder goldenem Pelz. Der Elefant hat häufig sechs oder acht lange Stoßzähne.
Samantabhadra sitzt in königlicher Haltung, oft die Hände in Gebets- oder Mudra-Geste. Der Elefant ist sanft und würdevoll statt wild, Kraft unter Kontrolle, Tugend in Aktion.
Samantabhadra ist die Verpflichtung zur Praxis. Seine berühmtesten Gelöbnisse aus dem Avatamsaka-Sutra sind die »Zehn großen Gelöbnisse des Samantabhadra«, darin verspricht der Praktizierende, über die eigene Erleuchtung hinaus alle Wesen zu retten.
Diese Gelöbnisse werden täglich von Millionen Buddhisten rezitiert. Samantabhadra ist also kein ferner Gott, sondern ein inneres Prinzip, die Verpflichtung zur tugendhaften Tat für alle.
Erscheinung und Symbolik
Samantabhadra wird als weißer oder goldener Bodhisattva dargestellt, oft in einer Meditation-Haltung. Sein charakteristischstes Attribut ist der weiße Elefant mit sechs Stoßzähnen, ein Reittier von enormer Stärke und Sanftheit zugleich. Er trägt ein Monastic-Gewand und Bodhisattva-Ornamente.
Die wichtigsten Aspekte von Samantabhadra auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Samantabhadra („der allseits Heilsame“) entsteht in den frühen Mahâyâna-Sutren als Verkörperung der buddhistischen Praxis. Bildet mit Manjušri (Weisheit) und Avalokitesvara (Mitleid) die Trias der zentralen Bodhisattvas. In der tibetischen Nyingma-Tradition als Kuntuzangpo die kosmische Adi-Buddha-Form: ungeschaffen, in nackter Vereinigung mit seiner Gemahlin Samantabhadrî dargestellt, beide blau-strahlend, Symbol der primordialen Einheit von Methode und Weisheit.
Verkörperung der buddhistischen Praxis (caryâ) gegenüber Manjušris reiner Weisheit. Die Zehn großen Gelübde Samantabhadras aus dem Avataṃsaka-Sutra sind ein zentraler liturgischer Text der Mahayana-Tradition: täglich rezitiert in vielen Mahayana-Tempeln.
In tibetischer Tradition als Kuntuzangpo die höchste, ungeschaffene Buddha-Natur, aus der alle anderen Buddhas und Bodhisattvas hervorgehen. Patron der spirituellen Praxis-Disziplin und der Sutra-Studie.
In klassischer indisch-mahayana-Form: junger Bodhisattva mit goldener Hautfarbe, in Lotos-Sitz, mit weißem Elefanten mit sechs Stößeln als Reittier (das berühmteste Samantabhadra-Symbol, die sechs Stößel repräsentieren die sechs Pâramitâs).
Trägt eine Krone, kostbares Gewand, in den Händen Lotos-Blüte oder Wunsch-erfüllendes Juwel. In tibetischer Nyingma-Tradition als Kuntuzangpo: nackte blau-strahlende Buddha-Form in Vereinigung mit seiner ebenso blauen Gemahlin Samantabhadrî (Yab-Yum), keine Krone, keine Schmuckstücke, Symbol der Primordialität.
Wirkungsbereich: Samantabhadra wird in jedem Mahayana–Tempel verehrt, oft mit Manjušri und Avalokitesvara als Bodhisattva-Trias. Tägliche Rezitation der Zehn großen Gelübde in vielen chinesischen, koreanischen und vietnamesischen Klöstern.
Mt. Emei in Sichuan ist eines der wichtigsten chinesisch-buddhistischen Pilgerziele, auf dem Goldenen Gipfel steht die monumentale 48-Meter-Samantabhadra-Statue (2006 vollendet). In tibetischer Nyingma-Praxis Kuntuzangpo als Hauptmeditations-Gottheit der Dzogchen-Tradition: Atiyoga-Praktiker meditieren über die Identifikation mit Kuntuzangpo als ursprünglicher Buddha-Natur des Geistes.
Weißer Elefant mit sechs Stößeln (Hauptattribut), Lotos-Blüte, Wunsch-erfüllendes Juwel (Cintamani), Krone, Bodhisattva-Gewand. In tibetisch-Kuntuzangpo-Form: Yab-Yum-Vereinigung mit Samantabhadrî blaue Hautfarbe, Nacktheit (Symbol der Ungeschaffenheit). Heilige Pflanzen: Lotos. Heilige Tiere: weißer Elefant. Heilige Zahlen: 6 (Stößel des Elefanten = sechs Pâramitâs), 10 (zehn Gelübde).
Manjušri (Buddhismus, Weisheitsbodhisattva, Trias-Partner), Avalokitesvara (Buddhismus, Mitleids-Bodhisattva, Trias-Partner), Vajrapâni (Buddhismus, Macht-Bodhisattva), Adi-Buddha-Konzepte verschiedener Traditionen (Vairocana, Vajradhara, Kuntuzangpo). Funktional ist Samantabhadra/Kuntuzangpo einzigartig in der Welt-Religionen: ein Adi-Buddha als ungeschaffene Buddha-Natur ist eine spezifisch tibetisch-Nyingma-Tradition. Im weiteren Vergleich: Brahman (Hinduismus, ungeschaffene Realität), Ayn Sof (jüdisch-kabbalistisch).
Rituale zur Abwehr
In der tibetischen Nyingma-Schule bezeichnet Samantabhadra (tibetisch Kuntu Sangpo) darüber hinaus den Urbuddha, der die ungetrennte Natur des Geistes verkörpert.
Hier besteht der alltägliche Umgang im Erkennen dieser Natur durch Meditation, wie es die Dzogchen-Lehren beschreiben, Abwehr spielt keine Rolle. Die Figur dient damit als Bezugspunkt der Praxis, nicht als Wesen, vor dem man sich schützen müsste.
Beschwörungen
Im chinesischen Buddhismus wird Samantabhadra als Puxian verehrt, dessen Hauptkultort der Berg Emei in Sichuan ist, einer der vier heiligen Berge des Landes.
Pilger umrunden dort seine Statuen und rezitieren seine Gelübde, häufig dargestellt auf einem sechsstoßzahnigen weißen Elefanten. Das Lotos-Sutra schreibt ihm zudem die Rolle des Schützers derjenigen zu, die das Sutra bewahren und rezitieren.
Amulette und Schutzsymbole
Da Samantabhadra im Mahayana als wohlwollender Bodhisattva der Praxis gilt, kennt die Tradition keine Abwehr gegen ihn, sondern eine Praxis mit ihm.
Im Avatamsaka-Sutra stehen seine zehn großen Gelübde im Mittelpunkt, die Verehrung, Bekenntnis und Widmung des Verdienstes umfassen und bis heute in ostasiatischen Klöstern rezitiert werden. Wer sich auf ihn beruft, sucht damit Festigung des eigenen Handelns, nicht Schutz vor einer bedrohlichen Macht.
Kult und Verehrung
Samantabhadra wird intensiv im tibetischen Buddhismus verehrt, mit besonderer Bedeutung im Dzogchen-Tantra. Im Chinesischen Buddhismus wird er auf Emei Shan Berg-Tempel verehrt. Gebete fokussieren auf die Reinigung von Karmic-Hindernissen durch korrekte Aktion.
Samantabhadra ähnelt dem Mars oder Ares der Antike, beide sind aktive Kräfte, doch während diese kriegerisch sind, ist Samantabhadra friedvoll und ethisch.
Mit dem Saturn der klassischen Astrologie teilt er das Thema »Ernst und Verpflichtung«. In westlicher esoterischer Tradition könnte Samantabhadra mit der »Magus«-Karte des Tarot verglichen werden, der, der Wille in Tat umsetzt. Das Elefanten-Symbol ist universell für Stärke, Sanftheit und Langlebigkeit.
Im ostasiatischen Mahayana-Buddhismus ist Samantabhadra, chinesisch Puxian, japanisch Fugen, vor allem durch ein einziges, sehr einflussreiches Textstück bekannt: die zehn großen Gelübde. Sie bilden den Abschluss des Gandavyuha-Sutra, das im chinesischen Kanon den letzten Teil des umfangreichen Avatamsaka-Sutra, des Blumengirlanden-Sutra, darstellt.
In diesem Schlussabschnitt belehrt Samantabhadra den Pilger Sudhana und legt die Praxis dar, die einen Bodhisattva ausmacht.
Die zehn Gelübde umfassen unter anderem, alle Buddhas zu verehren, sie zu preisen und ihnen Gaben darzubringen. Weiter gehören dazu, eigene Verfehlungen zu bereuen und sich an den Verdiensten anderer mitzufreuen. Der Übende soll die Buddhas um die Darlegung der Lehre bitten und sie bitten, in der Welt zu bleiben. Schließlich gilt es, der Lehre stets zu folgen, sich beständig dem Wohl aller Lebewesen anzupassen und allen erworbenen Verdienst auf das Erwachen aller Wesen zu übertragen.
Entscheidend ist die Reichweite dieser Gelübde. Sie werden als grenzenlos verstanden, ausgedehnt über unzählige Welten und Zeitalter, eine Beschränkung auf eine Lebensspanne oder einen Weltbereich kennen sie nicht. Samantabhadra verkörpert damit das Prinzip der unbegrenzten, unermüdlichen heilsamen Tat.
Der Abschnitt mit den zehn Gelübden wird in ostasiatischen Klöstern bis heute rezitiert und gehört zu den meistgelesenen Mahayana-Texten überhaupt.
Er ist ein zentraler Beleg dafür, dass Samantabhadra in erster Linie als Inbegriff einer Praxishaltung verstanden wird, weniger als Verehrungsgestalt: Der Bodhisattva ist weniger eine Person, der man begegnet, als ein Modell des Handelns, dem man folgt.
In der bildenden Kunst ist Samantabhadra durch ein klar erkennbares Attribut gekennzeichnet: Er reitet auf einem weißen Elefanten, der in der ausgearbeiteten Form sechs Stoßzähne trägt.
Dieses Reittier unterscheidet ihn von Manjushri, der auf einem Löwen erscheint, und mit Manjushri zusammen bildet er das klassische Paar der beiden Begleit-Bodhisattvas des Buddha Shakyamuni in der ostasiatischen Trias.
Die sechs Stoßzähne werden in der Tradition gedeutet. Eine verbreitete Erklärung verbindet sie mit der Überwindung der sechs Sinnesbereiche oder mit den sechs Vollkommenheiten, den Paramitas, die ein Bodhisattva übt: Großzügigkeit, Sittlichkeit, Geduld, Tatkraft, Sammlung und Weisheit.
Der weiße Elefant selbst gilt als Sinnbild von Kraft, die behutsam und ohne Hast eingesetzt wird, ein Bild für die geduldige, beständige Praxis.
In Japan erlangte ein bestimmter Bildtypus große Bedeutung: Fugen als Beschützer derer, die das Lotos-Sutra rezitieren. Aus der Heian-Zeit sind herausragende Hängerollen erhalten, die den Bodhisattva ruhig sitzend auf dem Elefanten zeigen, in betend gefalteten Händen. Solche Bilder wurden in der Praxis des Sutren-Studiums verehrt.
Eine eigene Form ist Fugen Enmei, Samantabhadra als Verlängerer des Lebens, der in bestimmten esoterischen Ritualen angerufen wurde und teils mehrarmig dargestellt ist. Diese Variante zeigt, wie ein Bodhisattva in der esoterischen Tradition mit konkreten rituellen Anliegen verbunden werden konnte, ohne seinen Kerncharakter zu verlieren.
Im tibetischen Buddhismus, besonders in der ältesten Schule, der Nyingma, hat Samantabhadra, tibetisch Kuntu Sangpo, eine Bedeutung, die weit über die eines Bodhisattva hinausgeht. Hier gilt er als der Adibuddha, der Urbuddha, das anfanglose Prinzip der Erleuchtung selbst.
In dieser Auffassung ist Samantabhadra mehr als eine Gestalt unter anderen: Er gilt als Ausdruck des Dharmakaya, des Wahrheitskörpers, der ursprünglichen, reinen Natur des Geistes, die nie verdunkelt wurde.
Er wird in der Kunst dieser Tradition meist nackt und ohne Schmuck dargestellt, von tiefblauer Farbe, was die unbedingte, attributlose Natur des Dharmakaya andeuten soll. Häufig erscheint er in Vereinigung mit seiner weißen Gefährtin Samantabhadri; dieses Paar versinnbildlicht die Untrennbarkeit von Leerheit und Klarheit, von Raum und Gewahrsein.
In den Lehren des Dzogchen, der Großen Vollkommenheit, gilt Samantabhadra als Ausgangspunkt der Übertragungslinie. Die Erleuchtung wird hier als das von Anfang an Gegebene verstanden, das nur wiedererkannt werden muss, statt als etwas Herzustellendes; Samantabhadra ist das Bild dieses ursprünglichen Zustands.
Es ist wichtig zu sehen, dass es sich hier um eine eigenständige Deutung handelt, die sich von der ostasiatischen Vorstellung des praxisorientierten Bodhisattva deutlich unterscheidet. Der Name ist derselbe, die religiöse Funktion eine andere. Die Forschung zur tibetischen Religionsgeschichte behandelt beide Traditionen getrennt und warnt davor, die ostasiatische und die tibetische Samantabhadra-Vorstellung unbesehen gleichzusetzen.
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Samantabhadra (Sanskrit, der vollkommen Gute, tibetisch Kuntu Zangpo) ist der Bodhisattva der buddhistischen Praxis und des tätigen Handelns.
Während Manjushri für die Weisheit und Avalokiteshvara für das Mitgefühl steht, verkörpert Samantabhadra die Umsetzung der Lehre in die Tat. Er wird häufig auf einem weißen Elefanten mit sechs Stoßzähnen dargestellt. Im Avatamsaka-Sutra spricht er die berühmten zehn großen Gelübde aus, die als Leitfaden der Bodhisattva-Praxis gelten.
Im Dzogchen, der höchsten Lehre der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus, hat Samantabhadra eine besondere Stellung: Dort ist Kuntu Zangpo weit mehr als ein Bodhisattva. Er gilt als der Urbuddha (Adibuddha), die ursprüngliche, anfangslose Verkörperung des erleuchteten Geistes selbst.
Er wird nackt und in tiefblauer Farbe dargestellt, oft in Vereinigung mit seiner weiblichen Entsprechung Samantabhadri. Diese Darstellung symbolisiert den unverhüllten, von Begriffen freien Naturzustand des Geistes vor aller Dualität.
Empfohlene Schutzmittel
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