Asmodai (gr.-lat. Asmodeus) ist die wichtigste männliche Dämonenfigur der nachbiblischen jüdischen Tradition. Er begegnet zuerst im Buch Tobit (3. Jh. v. Chr.) als Liebesfeind, der sieben Bräutigame der Sara tötet, bis der Engel Raphael ihn vertreibt.
Im Talmud tritt er als listiger Herrscher der Dämonen auf, der sogar Salomos Thron einnimmt. In mittelalterlicher Kabbala und christlicher Grimoire-Literatur wird er zu einer der prominentesten Einzelfiguren der westlichen Dämonologie.
Seine Herkunft verweist auf das zoroastrische Aēšma daēva, den „Daeva des Zorns“ der persischen Religion. In hellenistisch-jüdischer Zeit wandert diese Gestalt ins Judentum ein und verschmilzt mit einheimischen Traditionen zu der Figur, die wir heute kennen: König, Listiger, Zorn- und Begierde-Dämon zugleich.
Typ: Herrscher-Dämon, Dämonenkönig
Herkunft: Zoroastrisches Aēšma daēva, in jüdische Tradition aufgenommen
Texte: Tobit, Testament Salomos, Talmud (Gittin 68), Zohar, Grimoires
Zeitraum: Hellenistische Zeit bis Gegenwart
Verbreitung: Jüdische Diaspora, christliche Rezeption in ganz Europa
Abwehr: Engel Raphael (im Tobit-Modell), Namenmagie, kabbalistische Bindung
Erste Belege im hellenistisch-jüdischen Buch Tobit (3. Jh. v. Chr.). Ausarbeitung im spätantik-christlichen Testament Salomos und im babylonischen Talmud. Mittelalterlich prominent in Zohar, christlichen Grimoires, Renaissance-Magie. Bis in moderne Esoterik und Popkultur präsent.
Mythologische Einordnung
Asmodai ist ein mächtiger Dämon in jüdischer, islamischer und christlich-okkulter Tradition. Im Buch Tobit tötet er junge Frauen. In späteren Traditionen wurde er König der Dämonen. Seine Macht ist ambivalent, Verführer und Richter zugleich. Er ist Wächter gefährlicher Wissen.
Über Tobit und spätere Literatur in allen jüdischen und christlichen Traditionen verbreitet. Besondere Präsenz in deutscher, französischer und italienischer Grimoire-Tradition des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Moderne Rezeption weltweit in Fantasyliteratur.
Buch Tobit (kanonisch in katholischer und orthodoxer Bibel, deuterokanonisch in jüdischer Tradition), Talmud Gittin 68a, b mit ausführlicher Erzählung, Testament Salomos, Zohar, zahlreiche mittelalterliche Grimoires (Lemegeton, Clavicula Salomonis), Renaissance-Magie (Agrippa, Weyer).
Hebräisch: Aschmedai (אַשְׁמְדַאי).
Griechisch-lateinisch: Asmodaios, Asmodeus.
Iranisch-avestisch: Aēšma daēva, „Daeva des Zorns“, Standardfigur im Zoroastrismus.
Die iranische Herkunft macht Asmodai zu einem der seltenen Fälle, in denen sich eine jüdische Dämonenfigur eindeutig auf eine außerjüdische Vorlage zurückführen lässt. Aus aēšma (Zorn) und daēva (Dämon) wird Asmodaios; die biblische Namenstradition fügt eine eigene Ätymologie hinzu, die auf shamad („vernichten“) verweist.
Erscheinung
Im Tobit-Buch nicht beschrieben. Im Testament Salomos mit drei Köpfen (Mensch, Widder, Stier), Flügeln, Fischschwanz. In späteren Grimoires als königliche Gestalt mit Krone, oft auf einem Drachen reitend. Kabbalistische Bildsprache zeigt ihn im Dienst Liliths.
Verhalten
Listig, herrschsüchtig, zornig. Im Tobit-Buch tötet er Männer, die ihn an der begehrten Sara hindern. Im Talmud nimmt er Salomos Thron ein, bis der König ihn durch List wieder vertreibt. Er ist nicht dumpfer Widersacher, sondern intellektuell starker Gegner.
Wirkungsbereich
Ehe und Begierde, Herrschaft und politische Macht, Magie und geheimes Wissen. Er ist nicht der Dämon des Alltags, sondern der großen Krise.
Mythologische Herkunft
In Henoch-Traditionen mit gefallenen Engeln assoziiert. Im Talmud ausdrücklich als König der Dämonen bezeichnet. Kabbalistisch zu Lilith und Samael in eine triadische Struktur gestellt, Samael, Lilith, Asmodai als dämonisches Gegenstück zur göttlichen Shekhina-Struktur.
Erscheinung und Symbolik
Asmodai wird beschrieben als schrecklich schönes Wesen, manchmal mit drei Köpfen, flammenden Augen und Schweif. Andere zeigen ihn als verführerischer Dämon. Manchmal hat er Flügel. Ketten und Siegel halten ihn gebunden. Feuer und Lust sind seine Signaturen.
Die wichtigsten Aspekte von Asmodai auf einen Blick. Die Ausführung zu Name, Beschreibung, Abwehr und Parallelen finden Sie in den Kapiteln 2, 3, 5 und 6.
Aus iranischem Aēšma daēva, Daeva des Zorns. In jüdischer Rezeption zum König der Dämonen aufgestiegen, kabbalistisch in Verbindung mit Samael und Lilith.
Ehepaare (Tobit-Motiv), Herrscher (Salomo-Motiv), Magier und Grimoire-Sucher. Wirkt an den großen Krisenpunkten, nicht im Alltag.
Im Testament Salomos dreiköpfig (Mensch, Widder, Stier), geflügelt, mit Fischschwanz. In Grimoires königlich gekrönt, oft auf Drachen reitend.
Tod der Bräutigame, Usurpation von Herrschaft, Stiftung von Ehebruch und Zorn. Stärkere einzelne Wirkung als die verteilte Shedim-Bedrohung.
Engelsanrufung (Raphael im Tobit-Buch), Räucherwerk (Fischherz und Leber), Namenmagie, kabbalistische Bindungsformeln. In Grimoires als einer der zu bindenden Dämonen aufgeführt.
Aēšma daēva (zoroastrisch, direkte Vorlage), Luzifer/Satan (christlich, später oft identifiziert), Ahriman (iranisch als oberster Gegengott), Iblis (islamisch).
Rituale zur Abwehr
Das Tobit-Buch überliefert ein konkretes Ritual: der Engel Raphael lässt Tobias Fischherz und Leber räuchern; der Rauch vertreibt Asmodai bis in die entlegenste Wüste. In späterer Tradition wird das Motiv des Engels als Bezwinger wichtig, Raphael, Michael oder spezifische Engelnamen werden angerufen.
Beschwörungen
Der Talmud überliefert eine komplexe Erzählung, in der Salomo Asmodai durch ein magisches Siegel bindet. Kabbalistische und spätere Grimoire-Traditionen entwickeln daraus eigenständige Bindungsformeln. Das Siegel Salomos wird zu einem Schlüsselmotiv.
Amulette und Schutzsymbole
Siegel Salomos (sechszackiger Stern, später als Davidstern rezipiert). Amulette mit Engelnamen Raphael. In kabbalistischen Handbüchern lange Schutzformeln, die Asmodai namentlich binden.
Kult und Verehrung
Asmodai wird nicht verehrt, sondern durch Zauber gebunden oder besänftigt. In chaosmagischen Praktiken wird er angerufen für Wissen über Verführung. Kabbalistisches und dämonisches System nutzen seine Kraft. Vorsicht vor seiner Macht ist essentiell.
Iranischer Hintergrund: Aēšma daēva ist die direkte Namensquelle. Im Zoroastrismus bleibt diese Figur im Pantheon der Daevas; in jüdischer Adaption wird sie zum Einzelkönig.
Christliche und islamische Tradition: Im Christentum wird Asmodeus in die sieben Todsünden-Zuordnung integriert, meist als Dämon der Wollust. In islamischer Tradition wird er nicht direkt übernommen; seine Rolle übernehmen Iblis und Shayatin.
Grimoire und Moderne: Lemegeton und Pseudomonarchia Dämonum listen Asmodeus als mächtigen Herrscher der Hölle mit 72 Legionen. Diese Listen wirken in moderne Rollenspiele, Fantasyliteratur und Popkultur (Supernatural, Sandman) weiter.
Der älteste zusammenhängende Text, in dem Asmodäus eine handelnde Rolle spielt, ist das Buch Tobit, eine Erzählung, die wohl im 3. oder 2. Jahrhundert v. Chr. entstand und in der griechischen Bibel sowie in der katholischen und orthodoxen Tradition zum Kanon gehört, in der jüdischen und protestantischen Tradition dagegen zu den Apokryphen gerechnet wird.
Fragmente des Buches in Aramäisch und Hebräisch wurden unter den Schriftrollen vom Toten Meer gefunden.
Im Buch Tobit ist Asmodäus, griechisch Asmodaios, ein böser Geist, der die junge Frau Sara liebt oder besser begehrt. Sieben Männer hat Sara nacheinander geheiratet, und jeden hat Asmodäus in der Hochzeitsnacht getötet, bevor die Ehe vollzogen werden konnte. Sara ist deshalb verzweifelt und verspottet.
Die Lösung kommt durch den jungen Tobias, den Sohn Tobits, der von dem als Reisebegleiter auftretenden Engel Raphael geführt wird. Raphael weist Tobias an, Herz und Leber eines Fisches aufzubewahren. In der Hochzeitsnacht verbrennt Tobias diese auf der Glut des Räucherwerks; der aufsteigende Geruch vertreibt Asmodäus, der nach Oberägypten flieht, wo Raphael ihn fesselt.
Diese Erzählung ist religionsgeschichtlich aufschlussreich. Sie zeigt einen Dämon, der nicht abstrakt das Böse verkörpert, sondern eine konkrete Funktion hat: Er bedroht die Ehe und die Fortpflanzung.
Zugleich liefert der Text ein frühes Beispiel für eine geregelte Abwehrhandlung, ein Räucherritual mit einem genau bezeichneten Mittel, das von einem Engel angeordnet wird. Die Forschung sieht darin einen Beleg für die enge Verflechtung von Erzählung, Dämonologie und Ritualpraxis im Judentum der hellenistischen Zeit.
In der rabbinischen Literatur erscheint die Figur unter dem Namen Aschmedai und erhält dort eine eigene, ausgearbeitete Gestalt. Sie gilt nicht einfach als gewöhnlicher Dämon, sondern als König der Dämonen, der Schedim. Die wichtigste Erzählung steht im babylonischen Talmud, im Traktat Gittin.
Dort wird berichtet, wie König Salomo den Aschmedai braucht, um den Jerusalemer Tempel zu bauen. Da der Tempel ohne eiserne Werkzeuge errichtet werden soll, benötigt Salomo den Schamir, ein wundersames Wesen oder einen Wurm, der Stein zerteilen kann, und dessen Aufenthaltsort nur Aschmedai kennt.
Salomos Bote findet den Dämon, der täglich von seinem Berg herabkommt, und überlistet ihn mit Wein, der in seine Wasserzisterne gefüllt wird, sodass er betrunken gefangen werden kann.
Im weiteren Verlauf wird Aschmedai an den Hof gebracht und gezwungen, beim Bau zu helfen. Bemerkenswert ist die Pointe der Erzählung: Aschmedai gelingt es schließlich, Salomo von seinem Thron zu vertreiben und selbst dessen Gestalt anzunehmen, sodass der König eine Zeitlang als heimatloser Bettler umherirrt, bis er seine Herrschaft zurückgewinnt.
Die Geschichte verbindet so das Motiv des klugen, aber gefährlichen Dämonenkönigs mit einer Mahnung an die Grenzen königlicher Macht.
Der Talmud zeigt Aschmedai an mehreren Stellen als eine ambivalente Gestalt. Er ist gefährlich und betrügerisch, aber auch von einer eigenen Weisheit und nicht ohne ein gewisses Recht. Diese Vielschichtigkeit unterscheidet die rabbinische Figur deutlich vom später in der christlichen Dämonologie reduzierten Bild.
In der christlichen Dämonologie des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit wurde Asmodäus zu einem festen Inventar der Höllenhierarchien. Die magischen Handbücher und Dämonenverzeichnisse jener Zeit ordneten ihn meist der Todsünde der Wollust zu, im Anschluss an seine Rolle im Buch Tobit als Feind der Ehe und Verführer.
In der einflussreichen Pseudomonarchia Daemonum, die Johann Weyer 1577 als Anhang zu seinem Werk gegen den Hexenwahn veröffentlichte, und in der darauf aufbauenden Lemegeton oder Goetia erscheint Asmodäus, dort meist Asmoday geschrieben, als mächtiger König mit einer Vielzahl untergebener Geister.
Beschrieben wird er als Wesen mit drei Köpfen, geritten auf einem Höllendrachen, dem Wissen über Geometrie, Handwerk und verborgene Schätze zugeschrieben wird.
Diese Darstellungen sind keine alten Überlieferungen, sondern gelehrte Konstruktionen der Renaissance, die ältere Namen aufnahmen und in ein systematisches Schema einordneten. Die Forschung zur Geschichte der Magie, etwa die Arbeiten zur Überlieferung der Goetia, hat gezeigt, dass solche Verzeichnisse stark voneinander abschrieben und dabei Attribute neu kombinierten.
Eine bekannte literarische Rezeption stammt aus dem 18. Jahrhundert. In dem Roman El diablo cojuelo von Luis Vélez de Guevara tritt ein hinkender Teufel auf, der mit Asmodäus identifiziert wird. Das gilt stärker noch für dessen französische Bearbeitung Le Diable boiteux von Alain-René Lesage. Der Teufel hebt seinem menschlichen Begleiter die Dächer der Stadt ab, um die verborgenen Laster der Bewohner zu zeigen.
Über diese Romane wurde der Name Asmodäus auch in der weltlichen Literatur verbreitet.
Eine Auswahl zentraler Arbeiten zu Asmodai:
Die hier beschriebene Schutzpraxis ist religionswissenschaftliche Einordnung historischer Traditionen. iWell Guard knüpft an diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte an und stellt eine zeitgenössische Form davon dar. Mehr über den iWell Guard →
Asmodai (auch Asmodäus, Aschmedai, hebräisch אַשְׁמְדַאי) ist einer der mächtigsten Dämonen der jüdischen und mittelalterlich-christlichen Tradition. Er erscheint zuerst im deuterokanonischen Buch Tobit als Dämon, der die Bräute der jungen Sarah in der Hochzeitsnacht tötet, bis er von Tobias mit Hilfe des Erzengels Raphael vertrieben wird.
Im babylonischen Talmud wird Asmodai zum König der Schedim (Schadwesen). Im mittelalterlichen Grimoire-System ist er einer der sieben Höllenfürsten, zuständig für die Wollust.
Im Testament Salomos (christlich-jüdische Schrift, 1.-3. Jh.) und im jüdischen Talmud (Gittin 68a-b) ist Asmodai eine zentrale Figur. Salomo soll ihn durch den Erzengel Michael in Ketten gelegt haben, um ihn beim Bau des Jerusalemer Tempels zu verwenden, der Schamir-Stein, der ohne Eisen Steine schneidet, war dabei.
In der Lemegeton (Goetia, 17. Jh.) ist Asmodai der 32. Geist, ein König, der 72 Legionen befiehlt und über Mathematik, Astrologie und mechanische Kunst Auskunft geben kann.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
Im Schutz-Kompass vergleichen →Empfohlene Schutzmittel
Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.
Verwandte Wesen

Kári, die nordische Personifikation des Windes und Sohn des Fornjót. Herkunft, die Element-Geneal...

Sopdu, der altägyptische Gott der östlichen Wüste und Grenze. Herkunft, der Kult am Sinai und die...

Der Aitvaras, der feurige Reichtumsgeist der Litauer. Herkunft, die Ei-Geburt und die religionswi...

Belial in der hebräischen Bibel, in Qumran und in der Goetia. Etymologie, König-Rang, Sigill und ...

Die Dirae — oft auch Furiae genannt — sind die römische Entsprechung der griechischen Erinyen. Si...

Makara, das mythische Wasserungeheuer Indiens und Reittier von Ganga und Varuna. Herkunft, Ikonog...